Axel Melzener, Julia Nika Neviandt: Schatten über Colonia

Colonia, Confluentes, Durocortorum, Mogontiacum, Lutetia oder AquaeGranni – sind Sie noch bei mir? Die vielen lateinischen Begriffe, wie hier die Namen einiger Städte, machen es ein bisschen schwierig, diesen sonst echt gut geschriebenen, interessanten und durchaus spannenden historischen Krimi nicht gleich wieder aus der Hand zu legen. Wohl dem, der auf (vielleicht nur) rudimentäre Latein-Kenntnisse aus vergangenen Schulzeiten zurückgreifen kann!

Wer das nicht kann, dem hilft ein umfangreiches Glossar am Ende des Buches. Von „ad bestiam“ – eine schwere Strafe für Verbrechen im römischen Justizsystem, über Cena, Centurio, Cervisia, Dekurionen, Liktoren, Medicus, Ornatrix bis zu pro bono oder Zwölftafelgesetz werden hier wichtige Begriffe, die im Text immer wieder auftauchen erklärt. Das ist zwar ein bisschen lästig, wenn man dauernd nachschlagen muss, aber manche Begriffe erklären sich ja im Zusammenhang auch selbst, andere werden von den Autoren im Nebensatz erklärt – man gewöhnt sich.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Gytha Lodge: Sobald ihr mich erkennt

So langsam werde ich richtig warm mit dem Team um Jonah Sheens. Gytha Lodge hat sich einige wenige Protagonisten herausgesucht und ihnen eine Hintergrundgeschichte gegeben, die aber nie überhandnimmt. Da ist Jonah selbst mit dem frisch geborenen Baby, Juliette mit dem stalkenden Ex-Freund und Ben mit dem Missbrauchshintergrund. Der Rest darf unbeschwert ermitteln und bekommt doch durchaus große Rollen. Ich mochte den pragmatischen O’Malley sehr.

In der Silvesternacht wird eine Frau ermordet. Für sie wurde ein Scheiterhaufen errichtet und sie sollte verbrannt werden, allerdings wurde der Holzhaufen zu früh gelöscht, so dass noch Spuren vorhanden sind, unter anderem Blut, das vermutlich dem Täter gehört. Vor drei Monaten gab es bereits einen Frauenmord mit einem Scheiterhaufen, ein Serientäter also. In England ist die Tätersuche in DNA-Datenbanken nicht gerichtsfest, in den USA gehört sie längst zum Ermittlungskanon. Das englische Team holt sich Rat und wird fündig: Jemand hat seine DNA in eine Verwandtensuchdatenbank hochgeladen und der Täter muss mit dieser Person sehr nahe verwandt sein.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Daniel Silva: Die Fälschung

Schade eigentlich. Ich hatte mich auf den „neuen Daniel Silva“ gefreut.

Zum ersten Mal seit mehr als 20 Bänden bin ich dieses Mal enttäuscht. Klar, in allen bisherigen Thrillern um den begnadeten Kunstrestaurator und gleichzeitigen Agenten des israelischen Geheimdienstes geht es immer wieder auch um Kunst und Kultur. Sei es, dass Gabriel grade einen Alten Meister in einer berühmten Kirche oder einem Museum restauriert und alles stehen und liegen lassen muss, um einen neuen Fall zu übernehmen, oder dass er eben einen Kunstraub bedeutenden Ausmaßes aufklärt. In „Die Fälschung“ allerdings wird man überhäuft von Namen, Galeristen wie Sammlern, zahllosen Titeln von berühmten Gemälden in aller Herren Länder. Das ist dann doch ein bisschen heftig, wenn man nicht grade irgendwie „vom Fach“ ist. Offen gestanden, bin ich gedanklich schon recht bald ausgestiegen. Dennoch habe ich auch „Die Fälschung“ bis zum Ende gelesen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Shelley Burr: Hell

Wenn ein Kind spurlos verschwindet, bleiben den Angehörigen nur noch die Hoffnung und eine unendliche Trauer. In Australien verschwinden viele Kinder, so dass Lane Holland schon in jungen Jahren beschließt, diese Fälle in den Medien zu verfolgen. Sein persönliches Interesse beginnt mit einem Fall in Nannine. Dieser Ort „war als Umschlagplatz für Farmer entstanden, die ihre Tiere zu den Viehmärkten und ihr Getreide zu den Lagerspeichern brachten, doch die landwirtschaftlichen Familienbetriebe verschwanden …“ (S. 11)

Eine Autostunde von Nannine entfernt liegt die weitläufige Farm der Familie McCreery. Für die Familie mit den Zwillingen Evelyn und Mina ist es ein einsames und arbeitsreiches Leben, in dem sich der Winter vom Sommer nur darin unterscheidet, dass er etwas weniger heiß ist. Eigentlich könnte hier das Glück zuhause sein. Doch 1999, in einer Mainacht, verschwindet Evelyn im Alter von neun Jahren aus dem Kinderzimmer, während Mina direkt daneben schläft. Niemand scheint etwas zu wissen oder gesehen zu haben. Und das Fehlen von Spuren macht die Polizei ratlos und setzt damit die geschockte Familie einem nicht enden wollenden Medieninteresse aus.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ivar Leon Menger: Angst

Schon in seinem ersten Roman (wie übrigens in den meisten seiner Hörspiele, die ich auch empfehlen kann) hat Ivar Leon Menger bewiesen, dass bei ihm selten etwas so ist, wie es dem Leser oder dem Protagonisten scheint.

Mia lebt in Berlin in einer WG und möchte Schauspielerin werden. Gerade war sie zum Vorsprechen für einen Film und macht sich große Hoffnungen, dieses Mal die Hauptrolle zu ergattern. Nebenbei trifft sie immer wieder Männer aus dem Internet zum Ausgehen und gerade ist es einer, der ein Haupttreffer zu sein scheint. Das erste Date mit Viktor findet in sehr gediegener Umgebung statt, ihre Mitbewohnerin ist begeistert. Mia weniger, obwohl sie nicht wirklich belegen kann, warum. Seltsame Dinge geschehen, ihr Hausschlüssel verschwindet und taucht plötzlich wieder auf, in ihrem Zimmer stehen plötzlich Dahlien und sie weiß nicht, wie sie dort hinbekommen sind. Letztlich ist alles irgendwie erklärbar, aber ein schlechtes Gefühl bleibt. Mia kommt sich verfolgt vor und vermutet Viktor hinter den Geschehnissen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Antti Tuomainen: Die Biber-Methode

Vergnügungsparkbetreiber streiten um die Vorherrschaft – merkwürdig absurde Geschichte aus Finnland

Henri Koskinen, seines Zeichens ehemaliger Versicherungsmathematiker, leitet den ehemals seinem Bruder gehörenden Vergnügungspark „DeinMeinFun“. Doch seit kurzem macht ihm der neu eröffnete Park „Purzelbaumwelt“ am anderen Ende der Stadt schärfste Konkurrenz. Bietet man dort doch freien Eintritt, kostenlose Mahlzeiten und vieles mehr, um die Besucher anzulocken.

Henri ist empört und verzweifelt, denn sein Park steht dadurch vor der Pleite, es kommen keine Besucher mehr. Aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit fällt es ihm leicht, zu errechnen, dass die „Purzelbaumwelt“ sich das doch eigentlich nicht leisten kann und über kurz oder lang mit diesem Methoden zugrunde gehen müsste. Er versucht sogar, die dortigen Betreiber davon zu überzeugen, doch die lassen nicht mit sich reden. Es folgt ein nächtlicher Einbruch Henris in die Büros der Konkurrenz, um die finanzielle Lage herauszufinden. Dabei allerdings stolpert Henri über eine Leiche.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Danielle Trussoni: Ingenium: Das erste Rätsel

Mike Brink war ein ganz normaler Teenager, der von einem Footballstipendium träumte. Bis er in einem Spiel einen Unfall hat und von da an eine Inselbegabung. Es hat viel mit Mathematik und Mustern zu tun, jedenfalls befähigt ihn das, jedwede Rätsel nicht nur lösen zu können, sondern auch zu wollen. Aus dem Drama, fast der Tragödie, ist eine Stärke geworden. Mike hat am MIT studiert und ist ein gefragter Rätselmacher und -löser. Eines Tages wird er gebeten, eine vor Jahren wegen Mordes verurteilte Schriftstellerin in der Psychiatrie zu besuchen. Sie hat ein Rätsel für ihn …

Ich mochte Mike Brink und wie die Autorin den Charakter aufgebaut hat. Er hat eine nicht einfache Geschichte, aber er hat sein Leben angepackt und was draus gemacht – das Beste, was er eben konnte.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Stefan Zeh: Fataler Wahn

Albträume nicht ausgeschlossen

Rezept
Man nehme:
1 Triebtäter,
3 Opfer, jung, weiblich, Single,
4 Ermittler, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Nacheinander gönne man den Zutaten einzelne Kapitel, dem Triebtäter die seinen als Ich-Erzähler, die der Opfer und der blutjungen Kriminalbeamtin Julia Beck in der dritten Person und alle in der Vergangenheit. Das Gericht genießt man am besten ans Kopfende seines Bettes gelehnt, nur mit einer dünnen Decke, das kühle Schlafzimmer unzureichend durch die Nachttischlampe ausgeleuchtet, und schon ist eine schlaflose Nacht oder eine mit Albträumen garantiert.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Marcel Huwyler: Der lila Seeteufel

Eine schillernde Frau ermittelt – spannend und urkomisch

Wie immer genial. Kaum erhalten, schon ausgelesen, geradezu weggesuchtet habe ich diesen neuen Roman des Schweizers, dessen Bücher Garanten sind für geniale Unterhaltung.

Auch wenn ich seine Frau Morgenstern viel lieber mag –  die Romane haben mehr Tiefgang, sind spannender und die Plots verwickelter und damit interessanter  – so ist Eliza Roth-Schild eine viel zu schillernde Frau, um sie nicht zu mögen. Um ihren Auftrag zu erfüllen, scheut sie keine Gefahr, keine Tricks und keinen doppelten Boden. Dabei schießt sie dann manchmal über das Ziel hinaus und kommt nur dank hilfsbereiter Männer wieder aus der Bredouille heraus.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sin Blaché und Helen Macdonald: Prophet

Helen Macdonald hat 2015 den Bestseller „H wie Habicht“ geschrieben. 2021 erschien ihre Essaysammlung  „Abendflüge“. Nun hat sie sich mit Sin Blaché zusammengetan und herausgekommen ist „Prophet“, Science Fiction, Thriller, Liebesgeschichte, Mystery und Horror, alles in einem. Der Carl Hanser Verlag veröffentlichte die deutsche Ausgabe in einer Übersetzung von Thomas Gunkel am 21. August 2023.

„»Das Ende der Welt sind Menschen, die an ihren Spielsachen kleben.«“ (S. 441)

Ich kann es gleich zu Beginn sagen: „Prophet“ hat das Zeug, zu einem meiner Lieblingsbücher 2023 zu werden.

Phantastisch, schnell und spannend geschrieben mit zwei sehr ausdrucksstarken Charakteren in einer gesellschaftlich und politisch brisanten Story. Das ist guter Stoff für Leserinnen und Leser.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: