Tobias Bukkehave: Der Prätorianer

Das erste Opfer liegt in einer Trafo-Station, der Schädel zertrümmert, ausgeweidet, die Leber fehlt, zwei antike Münzen in den Augenhöhlen. Das zweite Opfer, ähnlich zugerichtet, hängt an einem Kreuz von der Decke eines Wasserwerkes.

Als wäre das noch nicht genug für Sara Levin, die zum ersten Mal die Leitung einer Ermittlung übernommen hat, ergeben sich Spuren zu ihrem Vater, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Sie hat ihn aus ihrem Leben gestrichen und seit 10 Jahren nicht gesehen. Nun muss sie sich ihm wieder stellen.

Zu der Ermittlung wird ihr Bruder Adam hinzugezogen. Er ist Profiler und Spezialist für Serientäter und hat selbst ein gehöriges psychisches Päckchen zu tragen. Im Gegensatz zu seiner Schwester zweifelt er an der Schuld seines Vaters.

In aus dessen Perspektive geschriebenen Kapiteln tauchen wir ein in die Psyche des Prätorianers, eines aggressionsgeladenen Incels, eines Mannes wie eine Tretmine, bereit, auf den leisesten Reiz zu explodieren, gefangen in seinen von der römischen Geschichte beeinflussten Wahnvorstellungen.

Genug dramatische Elemente also für einen spannenden Thriller. Dabei konzentriert sich Bukkehave ganz auf die Ermittlungen, in deren Verlauf gleichzeitig Saras Charakter herausgearbeitet wird. Was den Täter angeht, setzt er nicht auf vordergründige Schockeffekte, sondern entfaltet nach und nach dessen psychotischen Hintergrund. Wie nicht anders zu erwarten kulminiert das Ganze in einem dramatischen Finale.

Auch wenn man nicht ständig vor lauter Spannung auf den Nägeln kaut: Der Prätorianer ist ein geschickt konstruierter, auch was die Psychologie angeht stimmiger, allerdings aus der Vielzahl der Romane auch nicht herausragender Kriminalroman.

Tobias Bukkehave: Der Prätorianer.
Aus dem Dänischen übersetzt von Thomas Altefrohne und Knut Krüger
dtv, August 2026.
417 Seiten, Taschenbuch, 17,00 €.

Diese Rezension wurde verfasst von Wolfgang Mebs.

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