Peter Grainger: Gnade vor Recht: Ein Fall für DC Smith

Im Altenheim Rosemary House stirbt eine 78-jährige Bewohnerin. Nichts Ungewöhnliches, sollte man meinen. Bis sich herausstellt, dass nicht Herzversagen zum Tod von Joan Riley führte, sondern eine Überdosis Heroin. DC Smith und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Schnell stellt sich heraus, dass kurz zuvor eine weitere Frau starb, die wie Joan zu den Famous Five gehörte, einer verschworenen Clique von ungewöhnlichen Bewohnern des Altenheims. Doch schon bald ergeben sich Zweifel an der Mordthese. Hat es sich um assistierten Selbstmord gehandelt?

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Michael Robotham: Bruderherz

Arlo Hackett wird nach 12 Jahren aus der Haft entlassen und kehrt nach Yulara, einer australischen Kleinstadt, zurück, was die meisten Menschen als großen Fehler bezeichnen würden. Denn Arlo ist alles andere als willkommen, was ihm durchaus bewusst ist. Sein jüngerer Bruder Luke wurde beschuldigt, eine junge Frau (die Stieftochter eines einflussreichen Politikers) vergewaltigt und umgebracht zu haben, und Arlo wurde wegen Beihilfe und Fluchthilfe verurteilt. Für die meisten Bürger Yularas ist er damit ebenso schuldig wie sein Bruder, der sich noch vor dem Prozess das Leben genommen hat.

Doch Arlo hat einen gewichtigen Grund, zurückzukehren: Er will herausfinden, was wirklich geschah in dieser verhängnisvollen Nacht. Und er leidet unter Schuldgefühlen.

Auf dieser Konstellation baut Robotham seine Geschichte auf. Die Bedrohung ist von Beginn an zu spüren, atmosphärisch und handfest: Er wird willkürlich festgenommen, sein Haus wird beschmiert, er wird von Motorradfahrern gejagt. Aber er lässt sich nicht einschüchtern, nimmt die Warnungen und Attacken fast stoisch hin und findet nicht nur zwei mutige Unterstützerinnen, sondern tatsächlich Spuren, die auf Lukes Unschuld hinweisen.

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Timothée de Fombelle: Das Leben, das wir nie haben werden

Timothée de Fombelle, erfolgreicher Dramatiker und Jugendbuchautor, hat jetzt seinen ersten Roman für Erwachsene vorgelegt. Genauer gesagt, handelt es sich eher um eine Novelle, denn das Werk ist ganze 96 Seiten lang. Und dennoch schildert de Fombelle ein ganzes Leben (so lautet übrigens auch der französische Titel: La vie entière).

Wir befinden uns im Jahr 1944. Die 19‑jährige Claire ist Teil der Résistance; sie überbringt Passfotos und gefälschte Papiere und tippt Flugblätter, die »Fliegenden Blätter«, die ihr ein junger Mann diktiert. Blanche, so sein Pseudonym, hat ihr klare Anweisungen gegeben: Erscheint er einmal nicht zum vereinbarten Zeitpunkt, soll sie die Wohnung verlassen und sich in Sicherheit bringen.

Doch Claire, die heimlich in Blanche verliebt ist, bleibt. Die Geschichte umfasst diesen einen Tag, an dem Claire vergeblich wartet und sich eine andere Welt erträumt, ein anderes Leben, nach dem Krieg, mit Blanche. Ihre Gedanken pendeln hin und her zwischen der Vergangenheit, ihren Erlebnissen als Kurierin und der glücklichen, imaginierten Zukunft mit Jean oder Laurent oder wie immer er in Wirklichkeit heißen mag. Es sind diese »Vorauserinnerungen«, die sie verharren lassen, dem Risiko, verhaftet zu werden, zum Trotz. Es sind scheinbar banale Situationen, Bilder eines ganz alltäglichen Lebens, die scharf mit der grausamen Gegenwart kontrastieren: wie er von der Arbeit heimkehrt und den Mantel aufhängt, ein Buch liest, seine Hand zärtlich auf ihren Rücken legt, ein gemeinsamer Abendspaziergang:

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Fiona Mozley: Letzte Nacht in Soho

Im Zentrum von Fiona Mozleys zweitem Roman steht ein Bordell, ein altes, heruntergekommenes Haus, das der Gentrifizierung im Wege steht. Doch die Bewohnerinnen wehren sich. Sie wohnen, arbeiten und leben seit Jahren dort, relativ selbstbestimmt, ohne Zuhälter. Es sind selbstbewusste, kämpferische Frauen, die zu dem stehen, was sie tun, und sich nicht vertreiben lassen wollen.

Es geht in diesem Roman aber nicht nur um eine Gruppe von Prostituierten. Mozleys Themen sind breit gefächert: soziale Spaltung und Selbstbestimmung, ökonomische und sexuelle Machtstrukturen, Liebe und Gewalt, das Exemplarische im Individuellen.

Mozley versammelt dazu ein an persönlichen Macken reiches Panoptikum von rund zwanzig Charakteren aus allen gesellschaftlichen Schichten: von Agatha Howard, die alles daran setzt, ihr Gentrifizierungsprojekt umzusetzen, und Bastian und Rebecca, einem in Wohlstand satt gewordenen Paar, das Liebe woanders sucht, über das bunte Gemisch an Bargästen in Soho und den Bordellbewohnerinnen mit der Hauptfigur Precious, die sich plötzlich und ungewollt als Anführerin einer Revolte wiederfindet, bis zu den Obdachlosen, die unter der fürsorglichen Führung des »Erzbischofs« in einem Kellergewölbe hausen.

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Pascal Engman: Der Clan: Die Straße

Eine Bemerkung vorweg: Mittlerweile ist es bei Verlagen üblich geworden, fast jedes Buch, das sich mit kriminellen Aktivitäten befasst, aus Marketinggründen als »Thriller« zu bezeichnen. Anscheinend glaubt man, allein damit Käufer zu finden, und zwar jene, die Psychopathen, abseitige Psychologie, grausame Morde und eine atemlose Jagd, sprich Nervenkitzel pur, erwarten. Nichts davon findet sich in dem ‚Thriller‘ »Der Clan« (dem ersten Teil einer Trilogie). Nicht einmal einen konkreten Fall gibt es, dessen Aufklärung die Lesenden mit Spannung verfolgen. Solche Erwartungen werden herbe enttäuscht.

Was bedauerlich ist, denn Engman hat einen Roman im besten Sinne geschrieben. Ja, es geht um Verbrechen, einen Teil des Personals kann man auch mit Fug und Recht als Psychopathen bezeichnen, aber Engman geht es nicht um knifflige Ermittlungen und Polizeiarbeit. Im ersten Band gibt es nur zwei Polizisten, eine (zumindest bisher) eher irrelevante Neben- und eine Hauptfigur – von der wir aber lange Zeit nur etwas über ihr Privatleben erfahren! Erst spät wird Hjalmar Norén zum ernst zu nehmenden Widersacher.

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Herbstspecial 2026

Was das Wetter schon vor einer Weile beschlossen hat, ist heute offiziell: Der Herbst beginnt! Für einige ist diese Jahreszeit der bunten Blätter, geschnitzten Kürbisse und Kuschelpullis das Highlight des Jahres (meine Cozy-Herbst-Playlist ist fast sieben Stunden lang), einige trauern dem Sommer hinterher – und für alle haben wir unser diesjähriges Herbstspecial konzipiert! Egal ob cozy oder melancholisch; gruselig, nachdenklich, sehnsuchtsvoll: Wir stellen euch hier unsere Lesehighlights vor, die perfekt in den Herbst passen! Kocht euch einen Tee und viel Spaß beim Lesen!

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Kerstin Preiwuß: Wir alle

Doppelrezension:

Diese Rezension wurde verfasst von Wolfgang Mebs:

»Books – Food for thought«, steht auf einem Lesezeichen, das mir in einem englischen Laden ins Buch gelegt wurde.

Wie bei Kerstin Preiwuß, die uns in eine Welt aus Gedanken entführt, in eine zunächst undurchsichtige Welt: assoziativ, verwirrend, scheinbar zusammenhanglos. Wie das Leben der Hauptfiguren: Sonja, Inhaberin eines Pfandhauses, sucht nach Orientierung in einer sich verändernden Welt. So wie ihre Kunden: Vivian, eine leicht paranoide, sich in sozialen Medien verlierende junge Frau; der Stichling, der Sonja die mit seinem Detektor auf einem ominösen »Feld« gefundenen Schätze bringt; der Häuptling, ein Rentner, der sein Leben mit Beschäftigung zu füllen sucht.

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Tobias Bukkehave: Der Prätorianer

Das erste Opfer liegt in einer Trafo-Station, der Schädel zertrümmert, ausgeweidet, die Leber fehlt, zwei antike Münzen in den Augenhöhlen. Das zweite Opfer, ähnlich zugerichtet, hängt an einem Kreuz von der Decke eines Wasserwerkes.

Als wäre das noch nicht genug für Sara Levin, die zum ersten Mal die Leitung einer Ermittlung übernommen hat, ergeben sich Spuren zu ihrem Vater, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Sie hat ihn aus ihrem Leben gestrichen und seit 10 Jahren nicht gesehen. Nun muss sie sich ihm wieder stellen.

Zu der Ermittlung wird ihr Bruder Adam hinzugezogen. Er ist Profiler und Spezialist für Serientäter und hat selbst ein gehöriges psychisches Päckchen zu tragen. Im Gegensatz zu seiner Schwester zweifelt er an der Schuld seines Vaters.

In aus dessen Perspektive geschriebenen Kapiteln tauchen wir ein in die Psyche des Prätorianers, eines aggressionsgeladenen Incels, eines Mannes wie eine Tretmine, bereit, auf den leisesten Reiz zu explodieren, gefangen in seinen von der römischen Geschichte beeinflussten Wahnvorstellungen.

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Allen Levi: Theo in Golden

Theo, 86, geboren in Portugal, offensichtlich wohlhabend, lässt sich für ein Jahr in Golden nieder, einer fiktiven Stadt im amerikanischen Süden. In einem Café hängen 92 Bleistiftporträts von Einwohnern Goldens, die ihn wegen ihrer künstlerischen Perfektion und der Meisterschaft, mit der der Künstler die Persönlichkeit dieser Menschen herausarbeitet, faszinieren. Und dann setzt er eine spontane Idee um: Er will alle 92 Porträts kaufen und den Porträtierten schenken.

Theo mietet ein Apartment, freundet sich mit einigen Einwohnern an, und trifft regelmäßig an einem Brunnen in der Stadt Menschen, denen er die Bilder überreicht und mit ihnen redet. Und damit ihr Leben zum Positiven wendet, ob es sich um eine in ihrem Beruf unglückliche Wirtschaftsprüferin, eine Obdachlose, einen hochbegabten Musikstudenten oder um einen Hausmeister handelt, dessen Tochter schwer krank und schlecht versorgt im Krankenhaus liegt.

Theo ist einfühlsam, respektvoll und ein guter Zuhörer und Beobachter. Schnell öffnen sich die Menschen ihm gegenüber, enthüllen ihre Geheimnisse, ihre Sorgen und Ängste, und er versteht es, ihnen entscheidende Impulse zu geben. Manchmal wird er zum anonymen Wohltäter. Theo ist überzeugter Christ, was zunächst nur angedeutet und dann in immer häufigeren biblischen Bezügen untermauert wird. Aber Theo/Levi predigt nicht. Eher geht es darum, zu zeigen, dass Glaube allein nicht reicht. Nicht Worte zählen, sondern Taten. Und Theo ist ein liebenswürdiger, herzensguter Mensch, dem es Freude macht, Freude zu bereiten.

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Arno Geiger: Reise nach Laredo

Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König Spaniens, trat 1556 von allen Ämtern zurück und vergrub sich, schwerkrank, fettleibig bis zur Bewegungsunfähigkeit, im Kloster Yuste in der Extremadura. Soweit der historische Hintergrund.

Geigers Erzählung beginnt 1558. Karl ist mürrisch, seiner vielköpfigen Dienerschaft überdrüssig, langweilt sich zu Tode und fragt sich, was er eigentlich noch darstellt. Er war einer der mächtigsten Herrscher der Geschichte, aber was hat er erreicht in einer Zeit der großen Umwälzungen? Eines Tages begibt er sich aus einer Laune heraus mit dem elfjährigen Geronimo, einem unehelichen Sohn (der das allerdings nicht weiß), auf eine Reise ins nordspanische Laredo.

Was dann folgt, ist vieles: Historienroman, Geigers Version des Don Quichotte (Geronimo reitet ein Pferd, Karl einen Maulesel), eine Abenteuergeschichte, eine Road Novel, ein philosophisches Gedankenspiel. Und wie sich später herausstellt: ein Fiebertraum. Der alte Kaiser schießt und rauft, frisst und säuft und verspielt sein ganzes Geld. Er rettet nicht nur Honza und Angelita, zwei Cagots, vor einem blutdürstigen Mob, die dann zu seinen Weggefährten werden (Cagots waren jahrhundertelang eine verfolgte, diskriminierte Minderheit; Karl selbst hatte in seiner Regierungszeit die Gesetze zur Benachteiligung der Cagots abgeschafft). Sie befreien sogar einen waschechten Greifen, ein Fabelwesen, das Karl in Wirklichkeit nur auf einem Wandteppich im Kloster sieht.

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