Robert Seethaler: Die Straße

»Wenn Sie die Straße von Ost nach West oder in umgekehrter Richtung durchlaufen, fällt Ihnen sicherlich eine gewisse Disharmonie ins Auge. […] Man könnte es auch als Charakter oder Persönlichkeit bezeichnen. Wenn man die Dinge nur lange genug anschaut, offenbart sich mitunter eine Schönheit, die hinter jeder Fassade und somit jenseits unserer Vorstellungskraft liegt.«

Eigentlich kann man Robert Seethalers neuen Roman nicht besser beschreiben. Der Autor führt uns diese Straße auf und ab und macht uns mit dem Schicksal ihrer Bewohner vertraut. Und da passt vieles nicht zusammen. Hinter den disparaten Fassaden gibt es unerfüllte Träume und Zukunftsängste, Missklänge und Leben aus dem Gleichgewicht. Aber auch Mut, Hartnäckigkeit und neue Anfänge. Und Persönlichkeiten, so unterschiedlich wie die Häuser.

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John Niven: Zwei Väter

Dan Chambers wird mit Ende 40 endlich Vater. Auf der Entbindungsstation trifft er auf Jada Hamilton, Anfang 50, der ebenfalls gerade Vater geworden ist.

Die beiden Männer und ihre Lebenssituation könnten gegensätzlicher nicht sein. Dans Frau wurde nach jahrelangen, vergeblichen Versuchen mit der sechsten IVF-Behandlung endlich schwanger; für Jada ist es das sechste Kind, soweit er weiß, mit der sechsten Frau. Dan, erfolgreicher Drehbuchautor, lebt in sorgenfreiem Luxus; Jada schlägt sich mit Kleinkriminalität durch. Dan träumt davon, endlich einen großen Roman zu schreiben; Jada will noch einen, den ganz großen Coup landen.

Niven beschreibt die beiden Hauptfiguren und ihre Lebenswelt mit mal subtilem, mal drastischem, satirischem Spott. Sie sind Repräsentanten der britischen Klassengesellschaft, der bis heute gepflegten Differenzierung zwischen »us« und »them«: uns hier unten und denen da oben.

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Volker Klüpfel: Mord ist die beste Beseitigung

Produktbild: Mord ist die beste Beseitigung

Volker Klüpfel, bekannt und beliebt geworden als Co-Autor der mit Michael Kobr verfassten Erfolgsreihe um Kultkommissar Kluftinger, startete mit »Wenn Ende gut, dann alles« seine eigene Solo-Krimireihe. Nun liegt der zweite Band dieser Krimiparodie vor und dürfte ähnlich begeistert aufgenommen werden.

Tommy, der von Millionensellern und einem Leben als Starautor träumt, über Ideen und wenige Notizen aber nicht hinauskommt, lebt nach wie vor in einem Wohnmobil, das von Haushaltshilfe Svetlana, einem Quell ukrainischer und verquerer deutscher Sprichwörter, in Schuss gehalten wird. Und wieder schlittern sie, Tommy unfreiwillig, Svetlana zielstrebig, in einen Kriminalfall hinein.

Gerade noch haben sie einen Reiseruf im Radio gehört, da fährt die Frau im blauen Audi an ihnen vorbei. Natürlich wollen sie helfen und folgen dem Wagen, verlieren ihn aus den Augen, entdecken ihn auf einem Rastplatz – aber die Frau, Gabriele Zorn, ist verschwunden. Noch auf dem Rastplatz beginnt Svetlana zu ermitteln. Bei ihren Nachforschungen stoßen sie auf einen dubiosen Fahrradunfall mit Todesfolge und die noch dubiosere Selbsthilfegruppe »Die Glücklichen«. Wofür genau dieser Name steht, werden die beiden Hobbydetektive herausfinden und sich damit in Lebensgefahr bringen.

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John Grisham: Das Vermächtnis

Simon Latch, Provinzanwalt in Braxton, einer Kleinstadt in Virginia, hat seine liebe Müh mit seinem Leben: eine schlecht gehende Praxis, eine teure Scheidung, drei Kinder mit geldverschlingenden Hobbys und Ambitionen, Wettschulden, das Konto hoffnungslos überzogen. Plötzlich hellt sich der Himmel auf in Gestalt der 85-jährigen Witwe Eleanor Barnett, für die Simon ein Testament aufsetzen soll. Als sich herausstellt, dass sie über ein millionenschweres Erbe verfügt und sie bereits ein Testament bei einem windigen Konkurrenten gemacht hat, der sich rechtswidrig ihre riesigen Aktienpakete unter den Nagel reißen wollte, sieht er seine Chance.

Allerdings ist auch sein Testament alles andere als standesrechtlich sauber. Zwar baut er Spenden an gemeinnützige Organisationen ein, aber in erster Linie will er an die Millionen, die ihn von allen Sorgen befreien würden. Er freundet sich mit Eleanor an, führt sie großzügig zu zahlreichen Restaurantbesuchen aus und setzt alles daran, ihr Vertrauen zu gewinnen. Aber warum zeigt sie ihm nicht ihr Portfolio? Warum hat sie noch keine seiner Rechnungen bezahlt? Gründe, misstrauisch zu sein, gibt es genug. Doch Simon will ihr glauben. Seine Gier, sein Traum vom großen Reichtum behält die Oberhand.

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Rachid Benzine: Der Buchhändler von Gaza

Der Fotojournalist Julien Desmanges streift durch Gaza-Stadt auf der Suche nach Motiven. Zufällig entdeckt er einen Buchhändler, der, auf seiner Schwelle sitzend, in ein Buch vertieft ist. Nabil Al Jabers Laden ist vollgestopft mit Büchern aller Art, die er an Besucher verschenkt. Als Julien ihn fotografieren will, gestattet Nabil ihm dies nur unter der Bedingung, sich zuerst dessen Lebensgeschichte anzuhören.

Und so erfahren wir vom Leben Nabils und seiner Familie. Ein Leben geprägt von Armut, Unterdrückung und Vertreibung, von Tod, Trauer und Verzweiflung, aber auch von dem Willen zu überleben, sich nicht kampflos zu ergeben, von Freundschaft und Liebe. Und von der Kraft der Literatur, die es Menschen ermöglicht, zu lernen und zu verstehen oder der grausamen Wirklichkeit für ein paar Stunden zu entfliehen. Viele Kapitel verknüpfen die Familiengeschichte mit historischen Ereignissen wie dem Sechstagekrieg oder der ersten und zweiten Intifada und mit für Nabil zentralen Werken der Weltliteratur von Shakespeare bis Victor Hugo und André Malraux.

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Kathy Reichs: Die Spur der Angst

Zunächst sind es nur Tierkadaver, die sadistisch verstümmelt und öffentlich „ausgestellt“ werden; die Tiere werden größer, die Verstümmelungen und Inszenierungen immer schockierender. Den Ermittlern ist klar: Bald könnte der Täter Menschen opfern. Und so kommt es dann auch.

Zusammen mit Erskine »Skinny« Slidell versucht die forensische Anthropologin Temperance Brennan, den Täter zu finden, bevor ihm (oder ihr?) noch mehr Menschen zum Opfer fallen. Soweit zum Fall.

Die Spur der Angst ist der mittlerweile 24. Band in Kathy Reichs’ Temperance-Brennan-Reihe, und um es gleich zu sagen, allen Lobeshymnen zum Trotz: Er ist einer der schwächsten.

Auch wenn das Buch als Thriller beworben wird – von Nervenkitzel keine Spur. Stattdessen dehnt sich der Plot wie Kaugummi. Nichts Überraschendes geschieht, sondern allein das, was bereits im Klappentext angekündigt wird. Siehe oben.

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Richard Price: Lazarus Man

Zu Beginn versucht ein Mann in einer Bar in East Harlem, New York, mit einer Frau anzubändeln, was ihm misslingt, nicht nur, weil er zu durchsichtige Lügengeschichten erzählt.

Dann kollabiert ein fünfstöckiges Mietshaus und reißt die Nachbarschaft aus dem Schlaf; sechs Menschen sterben, weitere werden vermisst. Das Unglück verändert das Leben im Viertel und insbesondere das Leben vier seiner Bewohner.

Felix Pearls Alltag besteht darin, sein Viertel zu filmen und Fotos zu machen, willkürlich und zufällig. Warum, kann er selbst nicht genau sagen. Momentan verdient er ein paar Dollar mit Aufnahmen für das Grünflächenamt.

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Cilla u. Rolf Börjlind: Schatten über dem Wald

Es beginnt schaurig: Jemand beobachtet ein seltsames Ritual auf einem Felsplateau; ein Blinder geht mit seiner Begleitung durch ein stilles Dorf, beobachtet durch den schmalen Spalt einer Jalousie; der Schrei einer Frau gellt durch die Nacht; ein Wolf heult auf dem Felsplateau.

Dann beginnt der Fall: In einem riesigen Ameisenhaufen wird eine männliche Leiche ohne Kopf entdeckt. Die örtliche Polizei aus Strömsund beginnt in dem kleinen Dorf Slagtjärn in den Tiefen der schwedischen Wälder zu ermitteln, während in dem Dorf die Angst umgeht und eine Bürgerwehr gebildet wird.

Emmy Sunna, die örtliche Polizeiassistentin, wird durch Olivia Rönning unterstützt, die Kennern der Krimireihe des Autorenpaares Börjlind bestens vertraut ist. Zunächst gibt es keinerlei Spuren, keinerlei nennenswerte Ansatzpunkte.

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Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

Der zentrale Satz des Buches steht direkt am Anfang:

»Ich spiele mit dem Gedanken, ihn zu enterben. Ich könnte dafür sorgen, dass er leer ausgeht.«

Bo, 89, wohnt allein in seinem Haus in Hissmofors, einem Weiler im ländlichen Schweden, seit Fredrika, seine Frau, in ein Heim für Demenzkranke eingewiesen wurde. Seine Kontakte beschränken sich auf die Pflegekräfte, seinen Sohn Hans, der ihn regelmäßig besucht, auf Telefonate mit seinem einzigen Freund Tule – und auf seinen Hund Sixten.

Und den will ihm sein Sohn wegnehmen! Hans ist der Meinung, Bo könne sich nicht mehr um seinen Hund kümmern; vor allem fürchtet er Bo könne bei den Spaziergängen in den umliegenden Wäldern stolpern und sich schwer verletzen. Der aber kann sich ein Leben ohne seinen Hund, der stets bei ihm ist, seine Einsamkeit lindert und neben ihm auf der Küchenbank schlafend Nähe und Wärme gibt, nicht vorstellen.

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Reese Witherspoon, Harlan Coben: Ohne ein letztes Wort

Der Einsatz von Militärärzten, Liebe und Opferbereitschaft, Altruismus und Egozentrik, KI und Deadbots, medizinischer Fortschritt und Schönheitsindustrie, Geldgier, Macht und Skrupellosigkeit – das sind die Themen der ersten Zusammenarbeit des Multitalents Witherspoon (Schauspielerin, Produzentin, Autorin) und eines der erfolgreichsten Thriller-Autoren der Gegenwart.

Maggie McCabe, eine begnadete und einst gefeierte plastische Chirurgin der amerikanischen Armee, hat ihre Approbation verloren. Bald danach macht ihr ein Mittelsmann ein eigentlich dubioses Angebot: Sie soll einen offensichtlich steinreichen Mann operieren, erfährt aber keinerlei Details und darf mit niemandem jemals darüber reden. Aber zum einen brennt Maggie für ihren Beruf, zum anderen bietet man ihr ein horrendes Honorar – 10 Millionen Dollar – und die Tilgung aller Schulden ihrer Schwester. Also nimmt sie das Angebot an und findet sich in der Luxusvilla, inklusive eines hochmodernen Operationssaals, eines russischen Oligarchen wieder, und soll nicht nur ihn operieren, sondern auch seiner jungen Geliebten Nadja zu größeren Brüsten verhelfen.

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