Åsa Hellberg: Vega Varg: Das Schweigen der Insel

Die Grenzregion zwischen Schweden und Norwegen ist ein beliebtes Setting in Skandinavien-Krimis. So auch in Åsa Hellbergs Auftakt ihrer Vega-Varg-Reihe, mit der die Autorin, die sich bisher mit Liebesromanen einen Namen gemacht hat, Neuland betritt. Liebe bzw. Sex spielen auch im ersten Fall eine zentrale Rolle.

Auf der Insel Südkoster wird ein junger Mann, Fredde Skog, ermordet. Kurz danach verschwindet Meja Kron, die Ehefrau eines prominenten norwegischen Politikers. Sie gehört einer Gruppe von vier Immobilienmaklern an, die für ein Team-Retreat auf die Insel gekommen sind, um ihre Gruppendynamik zu verbessern. Die hat es in sich.

Jede/r hat etwas mit jeder/m. Es wird munter durcheinander koitiert, und natürlich dürfen Drogen nicht fehlen. Außerdem befindet sich eine betrogene Ehefrau auf der Insel, die ihrem untreuen Mann hinterherspioniert. Auch Fredde scheint mit Meja geschlafen zu haben.

Verdächtig sind vor dem ausschweifenden Hintergrund natürlich alle. Abgesehen von den Ermittelnden, Vega Varg und ihrem Freund und Kollegen Leopold. Kein Wunder: Sie haben keinen Sex.

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Olivia Laing: Crudo

Eine rohe, fast gehetzte Sprache; vorwärtstreibende, mal verflochtene, mal stakkatoartige Sätze. Inhaltlich mäandernd, assoziativ. Einen Plot gibt es nicht. Stattdessen einen Parforceritt durch Gedanken und Erinnerungen der Protagonistin, verwoben mit all den schmutzigen Themen der Gegenwart: Umweltzerstörung, Pädophilie, abgehobene Finanzeliten, Faschisten in Charlottesville und im Weißen Haus. Erbarmungslos seziert sie ihre Umwelt, decouvriert Dünkel und Verlogenheit – und sich selbst.

»Crudo« ist das in jeder Hinsicht beeindruckende Romandebüt von Olivia Laing, die sich schon zuvor einen Namen als Memoir-Schreiberin und Essayistin gemacht hat. Ihre literarische Herkunft liegt auch diesem Buch zugrunde, denn ihre Hauptfigur ist eine Melange aus ihr selbst und Kathy Acker, der 1997 verstorbenen »Queen of Punk«, die sie immer wieder ohne Kennzeichnung zitiert (die Quellen finden sich im Anhang).

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Antje Zimmermann: Das Event

Die einleitende Szene, passend mit Regenfluten und Sturmeswüten, lässt Vergangenes und ein daraus folgendes Verbrechen, ja sogar den Täter/die Täterin erahnen. Doch zunächst dreht sich alles um ein aufgrund des Todes der Besitzer geschlossenes Hotel auf Helgoland, in dem vorübergehend eine Event-Agentur ein Gruselabenteuer inszeniert, bei dem Stephen Kings »Shining« nachgestellt wird. Nicht nur im Hotel »Hummer« geschehen seltsame, wenn auch, wie sich ein ums andere Mal herausstellt, letztlich harmlose Dinge. Oder steckt doch mehr dahinter?

Kommissarin Maxi Adler und Leandra Kern, die neue Polizeichefin der Insel, haben ganz andere Sorgen. Geplagt von allerlei persönlichen Problemen – Maxi wegen ihrer Familie, Leandra mit ihrer durch eine Hormonbehandlung angestachelten Libido – sind sie weit davon entfernt, toughe Ermittlerinnen zu sein. Vogelgrippe, ein abgeschlachtetes Lamm und attackierende Möwen zerren ebenso an ihren Nerven wie die albernen Horrorinszenierungen im »Hummer«. Doch dann tritt zum einen Klaus Kleine auf den Plan, ein bisher unbekannter Erbe des Hotels, das sich Maxis Eltern unter den Nagel reißen wollen; zum anderen taucht Mathis, Maxis verschwundener und für tot erklärter Zwillingsbruder, auf. Beide sorgen für erhebliche Aufregung auf der Insel.

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Dror Mishani: Nicht

Der israelische Autor Dror Mishani, bekannt geworden durch seine Avi-Avraham-Krimireihe, hat einen Liebesroman geschrieben. Und eine Geschichte über einen Mann, der eigentlich alles falsch macht.

Eli, 52, Übersetzer französischer Kriminalromane, erwartet nicht mehr viel vom Leben, lebt eher trübsinnig vor sich hin, nachdem seine Frau gestorben ist. 27 Jahre war er glücklich mit ihr. An eine zweite große Liebe glaubt er nicht. Bis er Lia trifft. Sie spielt Cello in einem Kammerquartett und gibt Kindern Musikunterricht. Sie ist ähnlich zurückhaltend wie Eli, und so entspinnt sich ihre Beziehung zaghaft, aber mit wachsender Zuversicht. Vor allem bei Eli.

Doch dann begeht er einen folgenschweren Fehler und verstrickt sich, statt einfach die Wahrheit zu sagen, bei dem Versuch, seine neue, so verheißungsvolle Liebe zu retten, in ein Geflecht aus Kurzschlusshandlungen und Lügen, das alles gefährdet.

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Robert Seethaler: Die Straße

»Wenn Sie die Straße von Ost nach West oder in umgekehrter Richtung durchlaufen, fällt Ihnen sicherlich eine gewisse Disharmonie ins Auge. […] Man könnte es auch als Charakter oder Persönlichkeit bezeichnen. Wenn man die Dinge nur lange genug anschaut, offenbart sich mitunter eine Schönheit, die hinter jeder Fassade und somit jenseits unserer Vorstellungskraft liegt.«

Eigentlich kann man Robert Seethalers neuen Roman nicht besser beschreiben. Der Autor führt uns diese Straße auf und ab und macht uns mit dem Schicksal ihrer Bewohner vertraut. Und da passt vieles nicht zusammen. Hinter den disparaten Fassaden gibt es unerfüllte Träume und Zukunftsängste, Missklänge und Leben aus dem Gleichgewicht. Aber auch Mut, Hartnäckigkeit und neue Anfänge. Und Persönlichkeiten, so unterschiedlich wie die Häuser.

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John Niven: Zwei Väter

Dan Chambers wird mit Ende 40 endlich Vater. Auf der Entbindungsstation trifft er auf Jada Hamilton, Anfang 50, der ebenfalls gerade Vater geworden ist.

Die beiden Männer und ihre Lebenssituation könnten gegensätzlicher nicht sein. Dans Frau wurde nach jahrelangen, vergeblichen Versuchen mit der sechsten IVF-Behandlung endlich schwanger; für Jada ist es das sechste Kind, soweit er weiß, mit der sechsten Frau. Dan, erfolgreicher Drehbuchautor, lebt in sorgenfreiem Luxus; Jada schlägt sich mit Kleinkriminalität durch. Dan träumt davon, endlich einen großen Roman zu schreiben; Jada will noch einen, den ganz großen Coup landen.

Niven beschreibt die beiden Hauptfiguren und ihre Lebenswelt mit mal subtilem, mal drastischem, satirischem Spott. Sie sind Repräsentanten der britischen Klassengesellschaft, der bis heute gepflegten Differenzierung zwischen »us« und »them«: uns hier unten und denen da oben.

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Volker Klüpfel: Mord ist die beste Beseitigung

Produktbild: Mord ist die beste Beseitigung

Volker Klüpfel, bekannt und beliebt geworden als Co-Autor der mit Michael Kobr verfassten Erfolgsreihe um Kultkommissar Kluftinger, startete mit »Wenn Ende gut, dann alles« seine eigene Solo-Krimireihe. Nun liegt der zweite Band dieser Krimiparodie vor und dürfte ähnlich begeistert aufgenommen werden.

Tommy, der von Millionensellern und einem Leben als Starautor träumt, über Ideen und wenige Notizen aber nicht hinauskommt, lebt nach wie vor in einem Wohnmobil, das von Haushaltshilfe Svetlana, einem Quell ukrainischer und verquerer deutscher Sprichwörter, in Schuss gehalten wird. Und wieder schlittern sie, Tommy unfreiwillig, Svetlana zielstrebig, in einen Kriminalfall hinein.

Gerade noch haben sie einen Reiseruf im Radio gehört, da fährt die Frau im blauen Audi an ihnen vorbei. Natürlich wollen sie helfen und folgen dem Wagen, verlieren ihn aus den Augen, entdecken ihn auf einem Rastplatz – aber die Frau, Gabriele Zorn, ist verschwunden. Noch auf dem Rastplatz beginnt Svetlana zu ermitteln. Bei ihren Nachforschungen stoßen sie auf einen dubiosen Fahrradunfall mit Todesfolge und die noch dubiosere Selbsthilfegruppe »Die Glücklichen«. Wofür genau dieser Name steht, werden die beiden Hobbydetektive herausfinden und sich damit in Lebensgefahr bringen.

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John Grisham: Das Vermächtnis

Simon Latch, Provinzanwalt in Braxton, einer Kleinstadt in Virginia, hat seine liebe Müh mit seinem Leben: eine schlecht gehende Praxis, eine teure Scheidung, drei Kinder mit geldverschlingenden Hobbys und Ambitionen, Wettschulden, das Konto hoffnungslos überzogen. Plötzlich hellt sich der Himmel auf in Gestalt der 85-jährigen Witwe Eleanor Barnett, für die Simon ein Testament aufsetzen soll. Als sich herausstellt, dass sie über ein millionenschweres Erbe verfügt und sie bereits ein Testament bei einem windigen Konkurrenten gemacht hat, der sich rechtswidrig ihre riesigen Aktienpakete unter den Nagel reißen wollte, sieht er seine Chance.

Allerdings ist auch sein Testament alles andere als standesrechtlich sauber. Zwar baut er Spenden an gemeinnützige Organisationen ein, aber in erster Linie will er an die Millionen, die ihn von allen Sorgen befreien würden. Er freundet sich mit Eleanor an, führt sie großzügig zu zahlreichen Restaurantbesuchen aus und setzt alles daran, ihr Vertrauen zu gewinnen. Aber warum zeigt sie ihm nicht ihr Portfolio? Warum hat sie noch keine seiner Rechnungen bezahlt? Gründe, misstrauisch zu sein, gibt es genug. Doch Simon will ihr glauben. Seine Gier, sein Traum vom großen Reichtum behält die Oberhand.

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Rachid Benzine: Der Buchhändler von Gaza

Der Fotojournalist Julien Desmanges streift durch Gaza-Stadt auf der Suche nach Motiven. Zufällig entdeckt er einen Buchhändler, der, auf seiner Schwelle sitzend, in ein Buch vertieft ist. Nabil Al Jabers Laden ist vollgestopft mit Büchern aller Art, die er an Besucher verschenkt. Als Julien ihn fotografieren will, gestattet Nabil ihm dies nur unter der Bedingung, sich zuerst dessen Lebensgeschichte anzuhören.

Und so erfahren wir vom Leben Nabils und seiner Familie. Ein Leben geprägt von Armut, Unterdrückung und Vertreibung, von Tod, Trauer und Verzweiflung, aber auch von dem Willen zu überleben, sich nicht kampflos zu ergeben, von Freundschaft und Liebe. Und von der Kraft der Literatur, die es Menschen ermöglicht, zu lernen und zu verstehen oder der grausamen Wirklichkeit für ein paar Stunden zu entfliehen. Viele Kapitel verknüpfen die Familiengeschichte mit historischen Ereignissen wie dem Sechstagekrieg oder der ersten und zweiten Intifada und mit für Nabil zentralen Werken der Weltliteratur von Shakespeare bis Victor Hugo und André Malraux.

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Kathy Reichs: Die Spur der Angst

Zunächst sind es nur Tierkadaver, die sadistisch verstümmelt und öffentlich „ausgestellt“ werden; die Tiere werden größer, die Verstümmelungen und Inszenierungen immer schockierender. Den Ermittlern ist klar: Bald könnte der Täter Menschen opfern. Und so kommt es dann auch.

Zusammen mit Erskine »Skinny« Slidell versucht die forensische Anthropologin Temperance Brennan, den Täter zu finden, bevor ihm (oder ihr?) noch mehr Menschen zum Opfer fallen. Soweit zum Fall.

Die Spur der Angst ist der mittlerweile 24. Band in Kathy Reichs’ Temperance-Brennan-Reihe, und um es gleich zu sagen, allen Lobeshymnen zum Trotz: Er ist einer der schwächsten.

Auch wenn das Buch als Thriller beworben wird – von Nervenkitzel keine Spur. Stattdessen dehnt sich der Plot wie Kaugummi. Nichts Überraschendes geschieht, sondern allein das, was bereits im Klappentext angekündigt wird. Siehe oben.

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