John Grisham: Das Vermächtnis

Simon Latch, Provinzanwalt in Braxton, einer Kleinstadt in Virginia, hat seine liebe Müh mit seinem Leben: eine schlecht gehende Praxis, eine teure Scheidung, drei Kinder mit geldverschlingenden Hobbys und Ambitionen, Wettschulden, das Konto hoffnungslos überzogen. Plötzlich hellt sich der Himmel auf in Gestalt der 85-jährigen Witwe Eleanor Barnett, für die Simon ein Testament aufsetzen soll. Als sich herausstellt, dass sie über ein millionenschweres Erbe verfügt und sie bereits ein Testament bei einem windigen Konkurrenten gemacht hat, der sich rechtswidrig ihre riesigen Aktienpakete unter den Nagel reißen wollte, sieht er seine Chance.

Allerdings ist auch sein Testament alles andere als standesrechtlich sauber. Zwar baut er Spenden an gemeinnützige Organisationen ein, aber in erster Linie will er an die Millionen, die ihn von allen Sorgen befreien würden. Er freundet sich mit Eleanor an, führt sie großzügig zu zahlreichen Restaurantbesuchen aus und setzt alles daran, ihr Vertrauen zu gewinnen. Aber warum zeigt sie ihm nicht ihr Portfolio? Warum hat sie noch keine seiner Rechnungen bezahlt? Gründe, misstrauisch zu sein, gibt es genug. Doch Simon will ihr glauben. Seine Gier, sein Traum vom großen Reichtum behält die Oberhand.

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Rachid Benzine: Der Buchhändler von Gaza

Der Fotojournalist Julien Desmanges streift durch Gaza-Stadt auf der Suche nach Motiven. Zufällig entdeckt er einen Buchhändler, der, auf seiner Schwelle sitzend, in ein Buch vertieft ist. Nabil Al Jabers Laden ist vollgestopft mit Büchern aller Art, die er an Besucher verschenkt. Als Julien ihn fotografieren will, gestattet Nabil ihm dies nur unter der Bedingung, sich zuerst dessen Lebensgeschichte anzuhören.

Und so erfahren wir vom Leben Nabils und seiner Familie. Ein Leben geprägt von Armut, Unterdrückung und Vertreibung, von Tod, Trauer und Verzweiflung, aber auch von dem Willen zu überleben, sich nicht kampflos zu ergeben, von Freundschaft und Liebe. Und von der Kraft der Literatur, die es Menschen ermöglicht, zu lernen und zu verstehen oder der grausamen Wirklichkeit für ein paar Stunden zu entfliehen. Viele Kapitel verknüpfen die Familiengeschichte mit historischen Ereignissen wie dem Sechstagekrieg oder der ersten und zweiten Intifada und mit für Nabil zentralen Werken der Weltliteratur von Shakespeare bis Victor Hugo und André Malraux.

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Kathy Reichs: Die Spur der Angst

Zunächst sind es nur Tierkadaver, die sadistisch verstümmelt und öffentlich „ausgestellt“ werden; die Tiere werden größer, die Verstümmelungen und Inszenierungen immer schockierender. Den Ermittlern ist klar: Bald könnte der Täter Menschen opfern. Und so kommt es dann auch.

Zusammen mit Erskine »Skinny« Slidell versucht die forensische Anthropologin Temperance Brennan, den Täter zu finden, bevor ihm (oder ihr?) noch mehr Menschen zum Opfer fallen. Soweit zum Fall.

Die Spur der Angst ist der mittlerweile 24. Band in Kathy Reichs’ Temperance-Brennan-Reihe, und um es gleich zu sagen, allen Lobeshymnen zum Trotz: Er ist einer der schwächsten.

Auch wenn das Buch als Thriller beworben wird – von Nervenkitzel keine Spur. Stattdessen dehnt sich der Plot wie Kaugummi. Nichts Überraschendes geschieht, sondern allein das, was bereits im Klappentext angekündigt wird. Siehe oben.

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Richard Price: Lazarus Man

Zu Beginn versucht ein Mann in einer Bar in East Harlem, New York, mit einer Frau anzubändeln, was ihm misslingt, nicht nur, weil er zu durchsichtige Lügengeschichten erzählt.

Dann kollabiert ein fünfstöckiges Mietshaus und reißt die Nachbarschaft aus dem Schlaf; sechs Menschen sterben, weitere werden vermisst. Das Unglück verändert das Leben im Viertel und insbesondere das Leben vier seiner Bewohner.

Felix Pearls Alltag besteht darin, sein Viertel zu filmen und Fotos zu machen, willkürlich und zufällig. Warum, kann er selbst nicht genau sagen. Momentan verdient er ein paar Dollar mit Aufnahmen für das Grünflächenamt.

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Cilla u. Rolf Börjlind: Schatten über dem Wald

Es beginnt schaurig: Jemand beobachtet ein seltsames Ritual auf einem Felsplateau; ein Blinder geht mit seiner Begleitung durch ein stilles Dorf, beobachtet durch den schmalen Spalt einer Jalousie; der Schrei einer Frau gellt durch die Nacht; ein Wolf heult auf dem Felsplateau.

Dann beginnt der Fall: In einem riesigen Ameisenhaufen wird eine männliche Leiche ohne Kopf entdeckt. Die örtliche Polizei aus Strömsund beginnt in dem kleinen Dorf Slagtjärn in den Tiefen der schwedischen Wälder zu ermitteln, während in dem Dorf die Angst umgeht und eine Bürgerwehr gebildet wird.

Emmy Sunna, die örtliche Polizeiassistentin, wird durch Olivia Rönning unterstützt, die Kennern der Krimireihe des Autorenpaares Börjlind bestens vertraut ist. Zunächst gibt es keinerlei Spuren, keinerlei nennenswerte Ansatzpunkte.

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Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

Der zentrale Satz des Buches steht direkt am Anfang:

»Ich spiele mit dem Gedanken, ihn zu enterben. Ich könnte dafür sorgen, dass er leer ausgeht.«

Bo, 89, wohnt allein in seinem Haus in Hissmofors, einem Weiler im ländlichen Schweden, seit Fredrika, seine Frau, in ein Heim für Demenzkranke eingewiesen wurde. Seine Kontakte beschränken sich auf die Pflegekräfte, seinen Sohn Hans, der ihn regelmäßig besucht, auf Telefonate mit seinem einzigen Freund Tule – und auf seinen Hund Sixten.

Und den will ihm sein Sohn wegnehmen! Hans ist der Meinung, Bo könne sich nicht mehr um seinen Hund kümmern; vor allem fürchtet er Bo könne bei den Spaziergängen in den umliegenden Wäldern stolpern und sich schwer verletzen. Der aber kann sich ein Leben ohne seinen Hund, der stets bei ihm ist, seine Einsamkeit lindert und neben ihm auf der Küchenbank schlafend Nähe und Wärme gibt, nicht vorstellen.

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Reese Witherspoon, Harlan Coben: Ohne ein letztes Wort

Der Einsatz von Militärärzten, Liebe und Opferbereitschaft, Altruismus und Egozentrik, KI und Deadbots, medizinischer Fortschritt und Schönheitsindustrie, Geldgier, Macht und Skrupellosigkeit – das sind die Themen der ersten Zusammenarbeit des Multitalents Witherspoon (Schauspielerin, Produzentin, Autorin) und eines der erfolgreichsten Thriller-Autoren der Gegenwart.

Maggie McCabe, eine begnadete und einst gefeierte plastische Chirurgin der amerikanischen Armee, hat ihre Approbation verloren. Bald danach macht ihr ein Mittelsmann ein eigentlich dubioses Angebot: Sie soll einen offensichtlich steinreichen Mann operieren, erfährt aber keinerlei Details und darf mit niemandem jemals darüber reden. Aber zum einen brennt Maggie für ihren Beruf, zum anderen bietet man ihr ein horrendes Honorar – 10 Millionen Dollar – und die Tilgung aller Schulden ihrer Schwester. Also nimmt sie das Angebot an und findet sich in der Luxusvilla, inklusive eines hochmodernen Operationssaals, eines russischen Oligarchen wieder, und soll nicht nur ihn operieren, sondern auch seiner jungen Geliebten Nadja zu größeren Brüsten verhelfen.

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Josef Oberhollenzer: Sellemond oder Von der Schwierigkeit, Touristen zu töten

Vorweg sei angemerkt: Ich bin ein Freund experimenteller, von den üblichen Erzählkonventionen abweichender Literatur.

Eigentlich.

Dieser Roman macht eine Ausnahme.

James Joyce soll über sein letztes Werk, das nach einhelliger Meinung unlesbare Finnegans Wake, gesagt haben, so wie er ein Leben lang gebraucht habe, es zu schreiben, bräuchten seine Leser auch ein Leben lang, es zu verstehen. Josef Oberhollenzer war wohl bemüht, dem zumindest nahezukommen.

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Simon Beckett: Knochenkälte

Der siebte Band von Simon Becketts Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter beginnt wie ein klassischer Horrorfilm: tiefschwarze Nacht, Sturm und Blitz und Donner, sintflutartige Regenfälle, ein undurchdringlicher, finsterer Wald. Mittendrin David Hunter, der sich verfahren hat. Eigentlich war er auf dem Weg nach Carlisle, um an einer Ermittlung teilzunehmen. Stattdessen landet er in einem abgeschiedenen Dorf in den Cumbrian Mountains und einem heruntergekommenen ehemaligen Hotel mit spinnwebverhangenen Fenstern. Fehlen nur noch Zombies, Vampire oder Poltergeister.

Hinreichenden Ersatz findet Hunter in den Bewohnern des gar sich so paradiesischen Edendale. Die Menschen sind unfreundlich, misstrauisch oder gar feindselig, insbesondere ein herrischer, hasszerfressener Alter, ein hinterhältiger Riese und ein pubertierendes Rabenaas.

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Melanie Metzenthin: Die Psychoanalytikerin

Hamburg, 1920. Die Nachwehen des Ersten Weltkriegs sind noch überall zu spüren. Auch in der Praxis der Psychoanalytikerin Vera Albers, die überwiegend durch Kriegserfahrungen traumatisierte Menschen behandelt. Als Hermann Braun, einer ihrer Patienten, ermordet wird, beginnen Kommissar Karl Bender und Kriminalanwärter Abel Bernstein auch in ihrer Praxis zu ermitteln. Schnell weitet sich der Fall aus: Es gibt weitere Opfer, die alle Soldaten im selben Regiment waren. Unversehens ist Vera selbst Teil der Ermittlungen, als Willy Schuster verschwindet – auch er Mitglied dieses Regiments und Ehemann Johanna Schusters, einer ihrer Patientinnen. Wird auch er zum Opfer eines unbekannten Rächers? Oder ist er selbst der Täter? Was ist das Motiv? Die ermittelnden Kommissare hoffen, mit Veras Hilfe die mysteriösen Morde aufklären zu können.

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