Zufluchtsort Schrebergartenkolonie
Hinter dem verheißungsvollen Namen „Neu-Amerika“ verbirgt sich nicht etwa eine gefragte Urlaubshochburg, sondern eine schlichte Schrebergartensiedlung. „Neu-Amerika“ wird aus der Not heraus zum neuen Wohnort von Marianne, Didi und dem Obmann Herrn Gregor. Alle drei haben nichts gemeinsam außer einem Bett in ihrer jeweiligen Hütte in der Gartenanlage am Stadtrand. Dort treffen ihre unterschiedlichen Schicksale aufeinander.
Marianne avanciert zur typischen durchs-Netz-gefallenen Dauerbewohnerin der Schrebergartensiedlung. Obwohl die Bäckersgattin früher täglich hinter der Ladentheke stand und frische Backwaren verkaufte, steht sie plötzlich vor dem Nichts. Nach dem Desaster, das ihr verstorbener Mann ihr hinterlassen hat, kann sie sich keine noch so kleine Mietwohnung leisten. Doch sie kann sich anstrengen wie sie will, das Dilemma, in dem sie steckt, wird in Neu-Amerika nicht kleiner. Glücklicherweise erweist sich die junge Didi, die sich in die Behausung ihrer Oma eingenistet hat, mehr als einmal als unerwartete Retterin.
Irgendwie kämpfen sich alle mit ihren Problemen mehr oder weniger erfolgreich durch den Alltag.
Bis der Wetterumschwung kommt, der alles verändert.
Die Autorin fokussiert den Plot dieser Geschichte auf aktuelle gesellschaftliche Themen und soziale Brennpunkte wie unbezahlbare Mieten oder chaotische Familienstrukturen. Sie zeigt auf, wie schier unbezwingbare Behördenrestriktionen alle Bemühungen, Fuß im Arbeitsmarkt zu fassen, ins Leere laufen.
Die Einzelschicksale in der Handlung sind der Wirklichkeit nachempfunden und stehen stellvertretend für viele ähnlich gelagerte reale Problemsituationen.
Am Ende symbolisiert eine nicht bezähmbare Naturgewalt die Ohnmacht der Menschen.
Feinsinnig und einfühlsam beschreibt die Autorin die Sackgassen, aus denen sich ihre Figuren versuchen herauszumanövrieren. Dabei lässt sie ihre ProtagonistInnen aus der Not heraus zusammenhalten und ungeahnte Kräfte und Engagement entwickeln.
Sorgen und Nöte werden von einem heiter gelassenen Ton getragen.
Christina Walker wurde 1971 in Bregenz geboren. Ihre Texte wurden mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem mit dem Vorarlberger Literaturpreis und dem Schwäbischen Literaturpreis.
Christina Walker: Verteidigung eines Gartens.
Residenz, September 2026.
296 Seiten, Hardcover, 26,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
