Klaus Brinkbäumer: Zeit der Abschiede: Sieben Jahre des Loslassens und Wiederfindens

Der Autor und Journalist Klaus Brinkbäumer hat seinem autobiografischen Buch den Titel Zeit der Abschiede gegeben. Seine Geschichte ist „… eine über Abschied, über Brüche, über den permanenten, täglichen Umbruch, über das Ende, das Sterben, das Leben.“ (S. 71 pdf-Datei)

Als Klaus Brinkbäumer beim letzten Atemzug seiner Mutter nicht da ist, ist er wütend und untröstlich zugleich. Er, das Mutterkind, verliert gleichzeitig ihre uneingeschränkte Liebe und Bestätigung. Nun wird er nicht mehr ihr herzallerliebster Sohn und Held sein. Kann man noch Sohn sein, wenn die Mutter verstorben ist? Kann man sich noch als Sohn fühlen, wenn man am Tag X in die Reihe der ältesten Generation gerückt ist? Wenn zum Beispiel die anderen Lebensrollen wie Ehemann, Vater und Großvater den Alltag bestimmen?

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John Boyne: Feuer

John Boynes Roman „Feuer“ (Original: „Fire“) beleuchtet die Schattenseiten der menschlichen Natur anhand der Geschichte von Dr. Freya, einer Chirurgin an einer Londoner Klinik, die sich der Hauttransplantation verschrieben hat. Hinter ihrem beruflichen Erfolg und dem gesellschaftlichen Ansehen verbirgt sich jedoch ein Trauma aus ihrer Kindheit – ein furchtbares Erlebnis, das ihr Leben geprägt hat und alte Rachegefühle in ihr weckt. Boyne stellt mit klugem Blick die unbequeme Frage, was Schuld bedeutet, wenn Opfer selbst zu Tätern werden.

Inhalt und Aufbau

Der Roman ist Teil von Boynes Erzählprojekt „Die Elemente“ und funktioniert gleichzeitig als Einzelwerk wie auch als Teil einer thematischen Serie. Freya, die Protagonistin, wirkte nach außen hin erfolgreich und souverän, doch innerlich ringt sie mit den Folgen eines brutalen Streichs aus ihrer Jugendzeit. Freyas Weg ist geprägt von dem Versuch, Kontrolle über ihr Schicksal zurückzugewinnen. Boyne erzählt diese Entwicklung mit großer psychologischer Tiefe und wechselt zwischen gnadenloser Offenheit und berührenden, nachdenklichen Passagen.

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John Boyne: Erde

John Boynes Roman „Erde“ ist der zweite Band seines ambitionierten „Elemente“-Projekts und schildert die Geschichte von Evan Keogh, einem gefeierten Fußballprofi, dessen glänzende Karriere durch einen Skandal abrupt ins Wanken gerät. Boyne verknüpft dabei zwei zentrale Handlungsebenen: Evans Weg von der bedrückenden irischen Inselkindheit bis hin zum Luxusleben in London – und eine dramatische Gerichtsverhandlung, in der es um Missbrauchsvorwürfe geht.

Stilistisch liefert Boyne wie gewohnt eine dichte Erzählung: Seine Sprache ist klar, die Dialoge sind pointiert. Dass sich die Geschichte in der Fußballwelt abspielt und dabei das toxische Maskulinitätsklima ungeschönt offenlegt, gibt „Erde“ seine gesellschaftliche Relevanz und unmittelbare Aktualität. Die Gerichtsverhandlung, die im Zentrum des Romans steht, zieht Leserinnen und Leser unweigerlich in einen Moralkonflikt.

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Lenz Koppelstätter: Was am Ufer lauert

Eine unbekannte Frauenleiche, ein Entführungsversuch und geheime Schriften Winston Churchills, die womöglich die Weltgeschichte verändern könnten: Gianna und ihre Familie geraten erneut in brisante und spannende Ermittlungen.

Gianna Ptiit soll auf Bitte ihres Vaters einen Informanten am Ostufer treffen. Doch dort scheint niemand zu sein – bis sie im Wasser etwas treiben sieht: eine Frauenleiche. Bei ihr findet sie eine CD-ROM-Hülle mit der Aufschrift Churchills Geheimnis. Gemeinsam mit ihrem Vater, ihrem Onkel, dem Marchese Francesco, und der Chefredakteurin Elvira Sondrini versucht die Reporterin herauszufinden, was es mit der Toten und der rätselhaften Hülle auf sich hat.

Lenz Koppelstätter knüpft mit dem Krimi Was am Ufer lauert nahtlos an den Vorgänger Was der See birgt an – daher empfiehlt es sich, die Bücher in dieser Reihenfolge zu lesen.

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Heike Specht: Die Frau der Stunde

Heike Specht kann also auch Roman! Wie in ihren bisherigen Büchern auch geht es auch hier um die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Diesmal allerdings handelt es sich nicht um real existierende Persönlichkeiten der näheren und ferneren Vergangenheit, die sie porträtiert, sondern es geht in ihrem ersten Roman um eine fiktive Frau, die für das steht, was vor 50  Jahren noch fast undenkbar war! Eine Frau macht Karriere in der Politik! Und das nicht nur als Abgeordnete im Bundestag, das gab es durchaus, wenn auch nicht in bedeutender Anzahl, 1978 waren es 38 bei insgesamt 518 Abgeordneten. Zum Vergleich: heute sind es 204 Frauen bei 630 Abgeordneten insgesamt.

Von den ersten Seiten an, hat man den Eindruck, die Autorin hätte die Zeit damals „live und in Farbe“ miterlebt und berichte für eine renommierte Zeitung oder einen Sender aus der Zeit. So authentisch, realistisch, süffisant und doch knallhart kann eigentlich nur jemand schreiben, der die Zeit erlebt hat. Aber dazu ist die Autorin viel zu jung. Dennoch fühlt man sich von Anfang an mittendrin im „Bundesdorf“ Bonn mit seinen politischen Intrigen, Kleinkriegen, Hinterzimmermauscheleien und dem Kneipengemauschel.
Catharina Cornelius, liberale Abgeordnete, bekannt für ihren Fleiß, ihre Gründlichkeit und ihr Wissen darum, als Frau immer besser sein zu müssen als die beteiligten Männer, wird von einem Parteifreund und Freund, mit dem sie auch privat verkehrt, wie auch mit seiner charmanten, weltgewandten, intelligenten Ehefrau, eines Abends dringend zu ihm nach Hause eingeladen.

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Daniel Donskoy: Brennen

Der Debütroman des Schauspielers und Musikers Daniel Donskoy, Brennen, ist ein Roadtrip durch das Leben eines jungen Mannes, der vor allem eines möchte: sich lebendig fühlen.

In kurzen Episoden schildert er teils skurrile Begegnungen – etwa eine sizilianische Jagdgesellschaft, ein in Flammen stehendes Filmstudio nahe Auschwitz oder eine Nacht in Tel Aviv, die einst alles veränderte. Der Erzähler reflektiert dabei immer wieder über vergangene Zeiten und die Freundschaft zu einem gewissen Tyler, die nach Jahren wieder aufgenommen werden soll.

Kritisch fällt auf, dass Donskoy an manchen Stellen Gesprächs- und Gedankenpassagen einstreut, die durch ihre etwas pseudo-intellektuelle Färbung eher bemüht wirken. Seine Beschreibungen von Grenzübertritten, Übermut und Leidenschaft werden oft durch teils schwerfällige, selbstverliebte Sprachbilder ergänzt, was der Geschichte einiges von ihrer Kraft und Glaubwürdigkeit nimmt.

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Antje Huhs: Zuhause ist vorübergehend geschlossen

Inhalt

Antje Huhs schreibt in ihrem Roman humorvoll über aktuelle Themen: überfüllte Pflegeheime bei zu geringem Personalschlüssel und schlechter Bezahlung. Daraufhin streiken die Pflegekräfte, ein Notbetrieb findet kaum statt. Wohin nur mit den Bewohnern? Die Lösung: Privathaushalte sollen Pflegebedürftige aus den örtlichen Heimen aufnehmen. Und das kurz vor Weihnachten …

Rezension

Huhs Gedankenexperiment zeigt eine drastische Alternative zur Versorgung in Pflegeheimen – frei nach dem Motto: „Wer keine Oma oder keinen Opa hat, bekommt eine/n.“ Konflikte vorprogrammiert.

Die Narration ist aus verschiedenen Perspektiven beteiligter Personen geschrieben: eine Familie, die einen fremden älteren Herren aufnehmen muss; ein Pfleger und die Bürgermeisterin, die für die Verteilung der Pflegeheim-Bewohner zuständig sind. Das ermöglicht eine breitere Annäherung an das Thema. Jeder Protagonist geht anders mit dem hohen Konfliktpotenzial um.

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Chloe Walsh: Boys of Tommen 5: Taming 7

Im fünften Band der „Boys of Tommen“-Reihe stellt Chloe Walsh Gerard („Gibsie“) Gibson und Claire Biggs in den Vordergrund.
Man kennt die beiden bereits aus den vorherigen Bänden, ahnt jedoch nicht, was in Gibsie wirklich vorgeht.
Hinter seiner sorglosen, humorvollen Art verbirgt sich ein zerbrochener, verlorener Junge – und hinter diese Fassade kann nur Claire blicken.
Sie hat den Jungen von nebenan immer verstanden und bewundert und sich vorgenommen, den wilden Jungen mit dem gebrochenen Herzen zu zähmen.
Doch etwas Unerwartetes geschieht, Grenzen verschwimmen, und alles steht auf dem Spiel.

Auch wenn es sich hier um eine in sich geschlossene Geschichte handelt, empfehle ich, die Reihenfolge beizubehalten und nicht mittendrin einzusteigen.
Denn natürlich tauchen auch Charaktere aus den vorherigen Bänden auf, und man würde leicht den Überblick verlieren, wenn man erst in der Mitte zu lesen beginnt.

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Iny Lorentz: Der Krieger und die Königin

Soviel gleich vorweg: ich bin dieses Mal ein bisschen enttäuscht. Eigentlich finde die super recherchierten, gut geschriebenen historischen Romane von Iny Lorentz immer spannend und sehr interessant wegen des geschichtlichen Hintergrunds, aber diesmal waren es mir einfach zu viele Schlachten, Völker, Stämme, Gruppierungen, Namen, Verwandtschaftsbeziehungen …. als dass ich es leicht gefunden hätte, dem zu folgen. Man hätte einen Notizblock gebraucht, um sich mit Querverweisen „auf dem Laufenden“ zu halten, wer jetzt mit wem verwandt, verfeindet oder befreundet ist.

Das Cover zeigt eine schöne, junge Adlige vor gebirgiger Landschaft, aber bis man einen Rückschluss ziehen kann, dass es sich hier um die Langobarden-Prinzessin Waltrada handeln wird, vergeht viel Zeit. Knapp 600 Seiten umfasst der neue Roman, der eigentlich schon vor gut dreißig Jahren hätte veröffentlicht werden sollen, bis es zur angekündigten „Geschichte, die die Geschichte Deutschlands grundlegend veränderte“ kommt, sind wir schon im letzten Teil. Zwar taucht der Name Waltrada bis dahin das ein oder andere Mal auf, aber die wesentliche Rolle, die ihr dann letzten Endes zukommt, kann man daraus nicht unbedingt ableiten. Zum ersten Mal trifft Garibald, der Held und ruhmreiche Krieger dieses Epos‘ auf die Prinzessin, als sie (vermeintlich) von den gefürchteten Wolfsreitern bedroht wird. Garibald schreitet ein und „befreit“ sie, was er mit einer Verletzung bezahlt, die sie ihm mit einem Dolch zufügt.

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Janine Barchas und Isabel Greenberg: Jane Austen: Ihr Leben als Graphic Novel

Einzelne Ausschnitte aus dem Leben der genialen Autorin in interessanten Zeichnungen

Nachdem ich gerade voller Vergnügen die Biografie über Jane Austen aus der Feder von Elsemarie Maletzke lesen durfte, musste ich natürlich auch nach dieser Graphic Novel greifen. Die mir einerseits durchaus auch gefiel, andererseits meiner Meinung nach auch ein paar Nachteile hat.

So hätte ich die in diesen Bildern erzählte Geschichte vermutlich weniger bis gar nicht verstanden, hätte ich eben nicht besagte Biografie kurz vorher gelesen. Das ermöglichte mir, die in den Dialogen genannten Personen zu erkennen und die jeweilige Einordnung.

Denn diese Graphic Novel, so nett die Idee ist, ein Leben auf diese Weise zu schildern, greift eben nur einzelne Episoden heraus. Sie konzentriert sich vor allem auf die Beziehung zwischen Jane und ihrer älteren Schwester Cassandra. Die beiden verband eine innige Liebe, ein immerwährendes Verständnis und ein großer Zusammenhalt. Der, im Falle von Cassandra, noch über Janes Tod hinaus Bestand hatte.

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