Anne Stern: Wenn die Tage länger werden 

Ein wunderbar einfühlsamer, emotionaler, manchmal traurig machender und doch positiver Roman.
Lisa, die Protagonistin sieht man direkt vor sich. Immer abgehetzt, eigentlich nie mal richtig ausgeschlafen, voller Selbstzweifel, weil sie glaubt, es keinem, auch sich selbst nicht, recht zu machen. Ihr Selbstbewusstsein ist irgendwann zwischen „ich werde sicher keine berühmte Violinistin“ und Pauls Geburt auf der Strecke geblieben. Statt Violinistin zu werden, wie ihre Mutter sich das erträumt hatte, schließlich hat Lisa das Talent vom Großvater geerbt, hat Lisa Musik für Lehramt studiert und unterrichtet mehr oder weniger begeistert. Seit Janusz, Pauls Vater vor gut einem Jahr aus beruflichen Gründen von Freiburg nach Oldenburg gezogen ist, lebt Lisa mit dem inzwischen sechsjährigen Paul in einer kleinen, ständig unaufgeräumten Wohnung, alleinerziehend mit Teilzeitstelle, ohne wirkliches Back up, wenn’s mal hakt. Lisas Verhältnis zu ihrer Mutter ist nicht besonders gut, schon gar nicht innig, Barbara ist gehört nicht zu der Sorte Oma, die sich drum reißt, Zeit mit dem Enkel zu verbringen. Auch wirkliche Freundinnen hat Lisa nicht, auf die sie zurückgreifen könnte. Da ist eigentlich nur Nina, aber deren Leben ist völlig anders als Lisas.

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Nena Tramountani: Twelve Of Nights 02: Das verlorene Leben

Achtung, massive Spoiler zu Band 1 und eine sehr empfehlenswerte Reihe, lesen Sie deshalb zuerst den ersten Teil!

Endlich hat Ioanna wieder ein Herz, das in ihrer Brust schlägt, sie ist nicht länger ein gefühlskaltes Monster – aber es ist das Herz ihrer großen Liebe Daphne, die sich für sie geopfert hat und nun ihrerseits mit den Kalikanzari nur einmal im Jahr für 12 Tage unter den Menschen weilen darf und das restliche Jahr über vergessen wird.

Ioanna hat nicht vor, das hinzunehmen und setzt alles daran, Daphne zu retten. Hilfe bekommt sie dabei ausgerechnet von Ari, Daphnes Exfreund und Mörder ihrer Schwester. Denn Ari ist selbst ein Kalikanzari, kann aber das ganze Jahr über in Kontakt mit Menschen sein und sie hoffen, dass es seine Geheimnisse sind, die nicht nur Daphne, sondern alle Kalikanzari von dem Fluch befreien können. Erzfeinde müssen zusammenarbeiten, um die Liebe ihres Lebens zu retten und dabei schneller sein als die Mysterien, die mit aller Kraft versuchen, die Dorfbewohner in ihrem Vergessen gefangenzuhalten – und sie so unwissend auf ihren Untergang warten lassen, denn jedes Jahr holen die Herzlosen einen weiteren Menschen.

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Jennifer Bright: Almost isn´t enough 02: Echoes of the Past

Damian kann seinen Augen nicht trauen, als er plötzlich eines Nachts seiner Jugendliebe Hazel gegenübersteht, den sie ist vor Jahren aus der Kleinstadt verschwunden. Sie hilft nun ihrem erkrankten Großvater in dessen Buchhandlung und er ist gezwungen sich abzulenken, wenn er sein Herz nicht erneut brechen will. Jedoch knistert es zwischen den Beiden wieder, bis Hazels Probleme sie wieder einholen.

Dieses Buch war ein echter Pageturner, emotional und mit greifbaren Gefühlen wurde hier eine unvergessliche Geschichte erschaffen.

Auch hier hat es die Autorin meisterhaft geschafft, mich von Anfang an zu fesseln, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, genauso wie bei dem ersten Band der Reihe.

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Sven Petter Naess: Schuld: Team Oslo ermittelt Band 03

Willkommen in Elvestad, einem Ort, in dem das Schweigen und Verbrechen scheinbar zu Hause ist. Für Harinder Singh, der hier seine Kindheit und Jugend erlitten hat, ist Elvestad ein Ort, aus dem eine Flucht unmöglich geworden ist. Erneut sieht er sich gezwungen, mit Menschen zu reden, die ihm in der Vergangenheit übel mitgespielt haben. Manche von ihnen haben nicht nur ihre Finger in allen möglichen Geschäften, sie profitieren auch vom plötzlichen Tod unbequemer „Nachbarn“. Der große Gewinner ist in der Regel der alte Georg Davidsen, der Harinder anblafft:

„… Glauben Sie ja nicht, ich wüsste nicht, was Sie da treiben. … Bilden Sie sich etwa ein, Sie können diese geisteskranke Person dafür benutzen, mich und meine Familie anzugreifen? … Mein Sohn sitzt Ihretwegen im Gefängnis.“

„Nein, er sitzt im Gefängnis, weil er Frauen vergewaltigt und die Übergriffe gefilmt hat.“ (S. 130)

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Angela Merkel / Beate Baumann: Freiheit: Erinnerungen 1954 – 2021 (Hörbuch)

Angela Merkel gibt in der von ihr selbst gemeinsam mit ihrer langjährigen Beraterin verfassten Biographie Einblick in ein geteiltes Leben. Die Hälfte hat sie in der DDR verbracht, unpolitisch, als Schülerin und Physikerin, die andere Hälfte in der BRD, als Politikerin. Sie beschreibt, wie sie aufwuchs, wie das so war, das Leben unter dem Regime. Sie hat sich damit arrangiert, was blieb ihr auch anderes, aber sie hat durchaus erkannt, wo die Ecken und Kanten waren. Allein die Beschreibungen, wie sie als Wissenschaftlerin damit kämpfte, sich mit Forschern aus nichtkommunistischen Ländern vernünftig auszutauschen, wäre schon ein ganzes Buch wert.

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Liz Tomforde: Caught Up

Ich habe schnell in die Geschichte hineingefunden und habe sie geliebt.

Wir treffen auf Kai, Single-Helikopter-Dad, heißer Baseballspieler und er will nur das Beste für seinen Sohn Max, nachdem dessen Mutter den Kleinen einfach so bei ihm zurückgelassen hat. Er braucht allerdings einen Babysitter für seinen Sohn, während er bei den Spielen/beim Training ist, doch keine kann es ihm recht machen. Sein Trainer zwingt ihn daraufhin seine Tochter als Nanny zu nehmen und auch wenn er keine Lust drauf zu haben scheint, bleibt ihm natürlich keine andere Wahl als Miller einzustellen und ihr seinen Sohn anzuvertrauen …

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Hendrik Streeck: Das Institut: Im Schatten der Wissenschaft

Eigentlich ja naheliegend, dass Wissenschaftler auch gerne mal das Genre wechseln. Immer nur Fachbücher, Publikationen in Fachmagazinen oder Sachbücher, das weckt vielleicht ja auch die Lust, mal was Neues zu probieren und einen Krimi zu schreiben. Mit „Das Institut“ hat der renommierte Virologe Hendrik Streeck jetzt einen wirklich packenden Thriller geschrieben, der – nicht unbeabsichtigt – auch gute Einblicke in die Welt des Wissenschaftsbetriebes gibt. Ein Metier, in dem er sich auskennt. Die Arbeit in Forschungslaboren ist geprägt von Konkurrenzdenken, vom Ringen um Forschungsgelder, um Anerkennung und Renommée, das man mit Publikationen erwirbt, die in den richtigen Fachmagazinen erscheinen. Aber auch hier geht es wohl nicht um „wer hat was geschrieben und entdeckt“, sondern darum, wer bereit ist, den Erfolg eines z.B. Assistenten auch dem zuzugestehen, dem er gebührt. Ein Haifischbecken, in dem oft nur der Stärkere überlebt und in dem auch mal mit unlauteren Mitteln gekämpft wird.

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Lisa Eckhart: Boum

Ein bitterböse Satire – echt Lisa Eckhart eben! Viel Sex, wahnwitzige Einfälle und jede Menge Schläge unter die Gürtellinie. Vom Bodyshaming zur Islamophobie, von Obdachlosen, Freaks, Femen-Aktivistinnenbis z u Männern mittleren Alters mit Hang zu schnellen, großen Autos – sie alle bekommen im zweiten Roman der Kabarettistin gehörig ihr Fett weg. Wer Wordplays mag und tiefschwarzen Humor nicht scheut, wird sich bestens unterhalten fühlen. Allerdings serviert uns Lisa Eckhardt weniger eine stringente Story mit Spannungsaufbau, als eine Aneinanderreihung absonderlicher Szenen. Ein „Boum“ – aka Knaller – folgt hier auf den nächsten. Wobei Boum auch für die titelgebende Figur steht, einen Terrorexperten, der außer Eskalation und gebrochenen Frauenherzen nicht viel auf die Reihe bekommt. Für ihren Plot entführt uns die in Österreich geborene Autorin nach Paris, wo sie selbst einmal studiert hat.

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Siân James: Ein Nachmittag im Mai

Die Waliserin Siân James (1930-2021) veröffentlichte 1975 ihr preisgekröntes Erstlingswerk, den Roman Ein Nachmittag im Mai. Darin geht es um die sechsunddreißigjährige Anna. Sie ist seit vier Jahren Witwe, Mutter von drei Töchtern und lebt in der walisischen Countryside. Seit dem Tod ihres Mannes Giles steht sie in einer Art Sackgasse. Nur mit viel Mühe kann sie aus den Einkünften eines kleinen Vermögens ihre Familie finanzieren. Und seit die Jüngste das Schulalter erreicht hat, glaubt sie an einen Ausweg: Sie will im kommenden Herbstsemester ihr Studium wieder aufnehmen. Es wird Zeit nach vorn zu schauen, denkt Anna. Als Lehrerin kann sie ihr eigenes Geld verdienen und damit leichter Rechnungen bezahlen.

An einem Tag im Mai geraten Annas Pläne und Gedanken durcheinander, als sie dem gutaussehenden Schauspieler Charlie wieder begegnet. Der jüngere Mann küsst sie spontan und ausgiebig bei der Begrüßung, als wären sie bereits ein Liebespaar. Auch sonst sind seine Umgangsformen einnehmend.

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Katherine Mansfield: In der Bucht

Die neuseeländisch-britische Schriftstellerin Katherine Mansfield wurde 1888 in Wellington/Neuseeland geboren und starb im Alter von nur 34 Jahren an Tuberkulose in Fontainebleau/Frankreich. Während ihrer schriftstellerischen Schaffensphase hat sie keinen Roman veröffentlicht, sondern ihren Bekanntheitsgrad durch 73 kurze Erzählungen erlangt. „In der Bucht“ ist eine ihrer bekanntesten und längsten Geschichten, die in Neuseeland angesiedelt sind. Der kleine, schmale Erzählband gehört zum Quartett aus Klassikerbänden mit ausschließlich weiblichen Autoren aus dem Verlag Mare.

Katherine Mansfields Vorbild war Anton Čechow, der ihr eigenes Schreiben geprägt hat.

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