Jennette McCurdy: I´m Glad My Mom Died

Ich muss zehn oder elf Jahre alt gewesen sein, als die Enkelin meiner Nachbarn in mein Freundebuch schrieb. Unter „Lieblingsserie“ notierte sie „iCarly“. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, was das war, aber damit bin ich in meiner Generation ein Einzelfall. iCarly war eine der erfolgreichsten Kinderserien der frühen 2000er, produziert von dem Kinderunterhaltungs-Megakonzern Nickelodeon.

Die Hauptdarstellerinnen gelangten dadurch zu weltweiter Bekanntheit – und eine von ihnen ist Jennette McCurdy. Vor der Kamera spielt sie die durchgedrehte, witzig-zynische beste Freundin der Hauptdarstellerin. Hinter der Kamera ist sie ein traumatisiertes Kind, das von seiner Mutter missbraucht und emotional erpresst wird.

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Fabian Neidhardt: Nur ein paar Nächte

Ben Berger ist Holzschnitzer. Er lebt mit seiner zwölfjährigen Tochter Mia im Dorf Immenau und kommt in seinem Leben gut zurecht. Die Dinge gehen ihren Gang. Eines Tages aber steht sein Vater vor der Tür. Er hat Bens Mutter betrogen und fragt, ob er „nur für ein paar Nächte“ bei ihm Unterschlupf finden kann. Daraufhin gerät einiges in Bewegung. Die Polizei bringt zum Beispiel Mia nach Hause. Sie wollte gemeinsam mit ihrem sechsjährigen Spielgefährten mit dem Bus nach Hamburg fahren, um ihre Mutter Orna zu sehen.

Orna hat sich bisher nicht um Mia gekümmert. Sie wollte nie ein Kind. Nur auf Bens eindringliche Bitte ließ sie Mia nicht abtreiben, brachte sie zur Welt und überließ sie Ben. Der kam mit dem Baby zu seinen Eltern zurück. Die lebten damals noch in dem Haus, das er jetzt mit Mia bewohnt. Nach und nach trudeln alle Familienmitglieder bei Ben ein.

Seine Schwester Salome, die ungewollt Kinderlose, kommt ebenso vorbei wie seine Mutter. Irgendwann ist während des Lesens nicht mehr zu leugnen, dass mit Mia etwas nicht stimmt. Sie kann zwar sprechen, bedient sich allerdings zusätzlich der Gebärdensprache und schaut Serien für Kleinkinder. Auch dieses Rätsel wird gelöst. Mia hat ein gravierendes Handicap. Bens Vater ist der Meinung, Orna habe ihre Tochter deswegen nicht akzeptiert. Bei einem großen Showdown am Küchentisch kommt noch so manches Geheimnis ans Tageslicht.

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T. C. Boyle: Blue Skies

Tom Coraghessan Boyle (Jahrgang 1948) schreibt und schreibt und schreibt. Nun liegt nach „Sprich mit mir“ aus dem letzten Jahr sein 31. Roman vor: „Blue Skies“. Titelgebend ist das gleichnamige Jazzstück von Irving Berlin aus dem Jahr 1926.Der Carl Hanser Verlag veröffentlichte den Roman am 15. Mai 2023 in einer Übersetzung von Dirk van Gunsteren.

„Blue Skies“ handelt von der Familie Cullen. Ottilie und Frank, die Eltern mit Hund Dunphy, und der Sohn Cooper leben in Kalifornien. Tochter Catherine (Cat) ist vor Kurzem mit ihrem Verlobten Todd nach Florida gezogen, wo dieser ein Strandhaus von seiner verstorbenen Mutter geerbt hat. Cat ist die Protagonistin in Boyles Geschichte. Und mit ihrem Auftritt startet der Roman.

Cat ist eine Möchtegern-Influencerin, die sich seit ihrem Umzug in den „Sunshine State“ langweilt und Mojitos trinkt, während Todd als Bacardi-Botschafter im In- und Ausland Parties schmeißt. Während eines Bummels durch ein Einkaufsviertel entdeckt sie das Reptiliengeschäft „Herps“ und kauft dort spontan einen Dunklen Tigerpython, den sie Willie nennt. Cat malt sich aus, die Würgeschlange wie Schmuck auf ihren Social Media Kanälen zu präsentieren und damit Follower zu generieren.

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Knut Hamsun: Hunger

„Hunger“ von Knut Hamsun gehört zu den Büchern, von denen man meint, sie ganz sicher schon gelesen zu haben, weil sie oft genug als Bezugspunkt genannt werden. Die Prüfung des Sachverhaltes hat allerdings ergeben, dass dem in meinem Fall nicht so ist und so bot mir die Neuauflage des Buches im Manesse Verlag die Gelegenheit, diese Lücke zu schließen. Bei der Recherche bin ich auf einen mir bis dato unbekannten Umstand gestoßen: Hamsun vertrat die Positionen der deutschen Nationalsozialisten und er verehrte Hitler. Von dieser Haltung hat er auch nach 1945, als Europa in Schutt und Asche lag, nicht abgelassen, was mein Interesse an seinem Buch stärkte, denn ich wollte herausfinden, warum wir Hamsuns Werke trotzdem nach wie vor lesen.

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Kate Heartfield: Assassin´s Creed: Die Magus Verschwörung 

Längst hat sich der Grundgedanke von „Assassin’s Creed“ verselbstständigt, denn es geht nicht mehr länger nur um den mittelalterlichen Konflikt, sondern zieht sich durch alle Epochen der menschlichen Zivilisation. Deshalb können die Geschichten auch immer vielfältiger und abwechslungsreicher werden, wie man an „Die Magus-Verschwörung“ von Kate Heartfield merkt.

Ein geheimnisvoller Mann rettet dem britischen Soldaten Simeon Price bei einem Schiffbruch vor der südafrikanischen Küste das Leben und rät ihm, zu einem Freund nach Wien zu gehen und die Armee hinter sich zu lassen. Als er das tut, wird er in eine gänzlich neue Welt hinter den Kulissen der normalen Politik eingeweiht.

In Europa rettet die Akrobatin und Varieté-Künstlerin Pierette der britischen Adligen Ada Lovelace das Leben. Als diese im Sterben liegt, vertraut sie der jungen Frau ihre Aufzeichnungen an und bittet diese, ihren ehemaligen Freund Simeon zu finden – ein Unterfangen, das die junge Frau durch halb Europa führt.

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Sebastian Fitzek: Elternabend

Wo ist die Raffinesse?

„Elternabend“ von Sebastian Fitzek entpuppte sich für mich persönlich als ein langatmig, enttäuschendes Leseerlebnis. Trotz meiner anfänglichen Hoffnung, auf Spannung und Faszination sowie auf den packenden Schreibstil seiner Psychothriller zu stoßen, konnte der Roman auf keiner Ebene mit Fitzeks üblicher Klasse mithalten.

Große Erwartungen & enormes Potenzial

Ich hatte große Erwartungen an dieses Buch und wollte es wirklich mögen, doch leider hat mich „Elternabend“ nicht überzeugt. Obwohl die Story an sich enormes Potenzial hatte, fehlt es dem Werk an Lockerheit und Raffinesse. Die Protagonisten schlüpfen in die Rolle von Hector’s Eltern, um einer Verhaftung zu entgehen, aber die Umsetzung wirkt unlustig und zäh wie Kaugummi.

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Astrid Ruppert: Hundert Himmel

Für den Zilpzalp Zio ist die Geschichte der hundert Himmel zunächst nur eine Geschichte, die im Frühling für den Jungvogel ganz weit weg ist. Er lebt im Jetzt und begeistert sich jeden Tag für das frische Grün, die Knospen und Düfte der ersten Blumen. Seine Freunde Zack und Zett dagegen lieben das Wetteifern bei ihren Flugübungen, um herauszufinden, wer von ihnen am schnellsten ist. Die ersten Wochen im Frühling sind für Zio wie ein Rausch.

Er lernt so viel kennen und lieben und weiß nicht mehr, wie er sein Glück verarbeiten soll, bis ihm der Gedanke kommt, mehr als die Töne Zilp und Zalp zu flöten, die ihm und den seinen den Namen gegeben haben. Jetzt fällt Zio in der Vogelschar der Zilpzalps immer mehr auf. Statt wie die anderen zu fliegen und seine Künste mit anderen zu messen, verweilt er an seinen Lieblingsplätzen und betrachtet die Schönheit der Natur, um diese zu besingen. Und dann kommt der Tag, an dem er unwiderruflich zum Außenseiter geworden ist, einer mit dem die meisten nichts mehr zu tun haben wollen.

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CJ Hauser: Die Kranichfrau

Dieses Buch hat mein Lesen nicht unbeschadet überstanden. Als ich es wieder ins Regal stellte, zierten seine Seiten etliche Eselsohren. Jaja, ich weiß, vielen von euch wird das gar nicht gefallen. Für mich aber ist es ein Zeichen dafür, dass das Buch in vielen Momenten sehr intensiv zu mir gesprochen hat. „Die Kranichfrau“ von CJ Hauser ist genial. Ich bin absolut begeistert – um das an dieser Stelle schon einmal vorweg zu nehmen.

Die Autorin schreibt so klug und tiefsinnig, dass ich beinahe neidisch bin. Sie verknüpft sehr geschickt ihre Beziehungen zu Partner:innen und zu sich selbst mit Ereignissen aus ihrem Leben, die zu Metaphern werden für etwas größeres. So fragen wir uns gemeinsam, wieso sich Tracy im Film „Nacht vor der Hochzeit“ für diesen oder jenen Mann entscheiden muss, der sie als diese oder jene Frau sieht und sie durch die Verbindung der Ehe verspricht, zu dieser oder jener Frau zu machen. Wieso muss sie ÜBERHAUPT einen der Männer wählen und wieso ist die Entscheidung für oder gegen einen Partner auch eine Entscheidung, die man über sich selbst trifft? „Du bist eine Statue!“, sagt der eine. „Du bist eine Königin!“, sagt der andere.

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Max Berry: Die 22 Tode der Madison May

Eigentlich schreibt Felicity nur Artikel über Politik. Dass sie den Fall Madison May übernimmt, liegt lediglich an der Mittagspause ihres zuständigen Kollegen. Mordfälle sind nicht ihr Ding. Trotzdem wird sie neugierig und ist geradezu versessen darauf, den Fall aufzuklären, nachdem sie den verwirrenden Tatort gesehen hat: Ein kleines, hässliches Haus, das die Immobilienmaklerin verkaufen wollte, bevor sie von einem Kunden am helllichten Tag mitten in New York ermordet wurde. Ein merkwürdiges Zeichen an der Wand. Und das größte Rätsel: Ein Täter, der nicht versucht, seine Spuren zu verwischen.

Dazu hat er aber auch keinen Grund. Das erfährt Felicity kurz darauf, als vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen wird und in einer Welt aufwacht, die ihrer zum Verwechseln ähnlich sieht – nur eben mit kleinen Unterschieden. Zum Beispiel ist Madison May hier noch lebendig und wohlauf und Felicity muss an ihrem Verstand zweifeln. Bis sie begreift: Sie befindet sich in einem Paralleluniversum und auch der Mörder hat die Grenze von Zeit und Raum überschritten – um Madison May einmal mehr umzubringen. Felicity muss sich entscheiden: Lässt sie den Dingen ihren Lauf oder bringt sie ihr eigenes Leben wieder und wieder in Gefahr, um eine fremde Frau zu retten?

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Kelly Canby: Klein-Lichtstadt

Der Bürgermeister von Klein-Lichtstadt ist in Aufruhr: Jemand klaut Steine aus der Stadtmauer! Der Dieb muss sofort gefunden und aufgehalten werden. Schließlich schützt die Mauer die Stadt und all ihre Bewohner vor den gefährlichen Einflüssen von draußen!

Auch die Bürger von Klein-Lichtstadt sind besorgt und folgen dem Bürgermeister auf seine Diebesjagd. Als sich schließlich herausstellt, dass ein kleines Mädchen hinter den verschwundenen Steinen steckt, haben viele Bewohner im Vorbeigehen einen Blick nach draußen werfen können. Wie spannend, denn zum ersten Mal kann man sehen, wer da so wohnt, außerhalb der Stadt. Und so zeigt sich: Das kleine Mädchen wollte gar nichts stehlen, sondern den Menschen Fenster schenken!

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