Kennen sie die Geschichte um Kardinal Richelieu und die drei Musketiere? Alexandre Dumas hat mit den Romanen um die rauf- und lebenslustigen Kämpfer des Königs einige der erfolgreichsten Abenteuer-Romane der Weltliteratur verfasst.
Nun stellen sie sich diese Welt vor – nur ein klein wenig anders. Frauen sind hier gleichberechtigt, ja ihren männlichen Kollegen mit scharfem Stahl und brennender Lunte oftmals überlegen. Richelieu, Rochefort und Dartagnan stehen als Frauen der Königin, wenn auch untereinander verfeindet, dennoch treu zur Seite. Dass Begabte, und von diesen gibt es viele, wahrhaftige Engeln beschwören und für ihre Zwecke einsetzen können, fordert zwar jeweils seinen Preis in Lebenszeit, führt aber dazu, dass Wunderheilungen oder gar überwältigende Schöpfungen allgegenwärtig sind.
Autor: Leselust Team
Flynn Berry: Northern Spy: Die Jagd
Wenn Tessa in Belfast unterwegs ist, schaut sie nach Menschen, die sich verdächtig benehmen. Ständig rechnet sie mit einem terroristischen Angriff. Und bevor sie mit ihrem Auto fahren will, sucht sie den Unterboden nach Bomben ab. Wie Tessa leben alle Nordiren in ständiger Angst. Schon immer hat sie sich für Politik interessiert und wurde aus diesem Grund Journalistin, die bei der BBC politische Sendungen macht. Nach Feierabend kümmert sich die Alleinerziehende um ihren Säugling. Ihr Kampf im Alltag bedeutet neben der ständigen Sorge um ihren Sohn Finn viel Organisation und die Angst vor Fehlinterpretation.
Völlig unerwartet bricht ihr fragiles Leben auseinander, als ihre „unpolitische“ Schwester Marian bei einem Anschlag gefilmt wird und die IRA sich hierfür bekennt. Allein der Gedanke, dass „… Meine Schwester weiß, wie man eine Waffe lädt, wie man Sprengstoffe transportiert und wie man mit bloßen Händen kämpft.“ (S. 181) macht Tessa fassungslos. Wie konnte sie nur so blind gewesen sein?
WeiterlesenAlison Bechdel: Das Geheimnis meiner Superkraft
Alison Bechdel, geboren 1960, ist eine US-amerikanische Comic-Zeichnerin, die 2006 mit ihrer gezeichneten Autobiografie „Fun Home“ den Durchbruch schaffte. Auch ihr neuestes Werk „Das Geheimnis meiner Superkraft“ ist wieder eine autobiografische „Grapfic Novel“, was Lesern, die weniger Erfahrungen mit diesem Genre haben, ein ungewohntes Lese-(Seh-)Erlebnis verschafft. Man hat gleich die Bilder zum Text – und umgekehrt.
Vordergründig geht‘s um die Erfahrungen der Autorin mit Sport: Krafttraining, radfahren, joggen, Berge besteigen und einiges mehr. Etwas hintergründiger handelt dieses Buch vom gesamten Leben Alison Bechdels von 60er- bis in die 2010er-Jahre. Dazu gehören ihr problematisches Elternhaus mit einem verdeckt homosexuellen Vater sowie ihr eigenes Coming Out und ihre Erlebnisse mit wechselnden Partnerinnen.
WeiterlesenIan Rankin: Das Erbe der Toten
Am 12. April 2023 ist der 24. Band (!) der John-Rebus-Reihe von Ian Rankin im Wilhelm Goldmann Verlag erschienen. Conny Lösch hat den Kriminalroman mit dem Titel „Das Erbe der Toten“ aus dem Englischen übersetzt. Der Schotte Ian Rankin (Jahrgang 1960) liefert damit seit den späten 1980er Jahren regelmäßig und sehr erfolgreich einen neuen Fall für seinen Detective Inspector John Rebus. Inzwischen ist seine Hauptfigur im Ruhestand, hält aber weiterhin engen Kontakt zu seiner ehemaligen Kollegin Siobhan Clarke und auch zu der inzwischen im Rollstuhl sitzenden Unterweltgröße Big Ger Cafferty.
In „Das Erbe der Toten“ steht John Rebus das erste Mal in seinem Leben als Angeklagter vor Gericht. Wie es dazu kommen konnte, erzählt Ian Rankin in gewohnt spannender und unterhaltsamer Weise:
WeiterlesenKristina Sanders: Nachts ist man am besten wach
Ich möchte nicht viele Worte verlieren, aber „Nachts ist man am besten wach“ von Kristina Sanders ist ein Buch, das sich definitiv zu lesen lohnt. Es geht unter die Haut und bleibt im Gedächtnis. Die Geschichte von Sophia und ihren neuen Freundinnen Margarete, Klara und Katharina ist unterhaltsam, erfrischend und tiefgründig zugleich.
Sanders hat es geschafft, die Schwere von Sophias Leben – die Trennung vom Ehemann, der Tod der Mutter und die damit einhergehende Einsamkeit und Schlaflosigkeit – mit einer Leichtigkeit und Wärme zu erzählen, die einfach begeistert.
Die Begegnungen der vier Frauen in der Nacht, ihre Gespräche und das Teilen ihrer Befürchtungen und Sehnsüchte sind dabei so authentisch und einfühlsam herzerwärmend beschrieben, dass man sich wünscht, selbst ein Teil dieser Freundschaft zu sein.
WeiterlesenDavid Schalko: Was der Tag bringt
Der in Wien lebende Autor David Schalko zeigt den tiefen Fall seines Protagonisten Felix, dessen nachhaltige Firma „Wastefood“ die Coronazeit nicht überlebt hat. Mit dem Verlust seiner Arbeit verliert Felix seinen Platz in der Gesellschaft, seine Struktur, seinen Tagesablauf. Doch die Probleme des 38-Jährigen haben bereits vor der Pandemie begonnen: seine soziale Isolation, sein Nomadentum, die Getriebenheit, die mangelnde Empathie für die Bedürfnisse anderer. Dazu das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, die Fragen nach dem Sein, Schein und Status. Felix ist immer auf der Suche nach Berührung und hält sich die Welt doch stets auf Distanz.
Kompromisslose Metaphern und Zitate
Radikal lässt Schalko seine Figur an den Rand der Existenz und darüber hinaus taumeln. Surreale Ereignisse, verworrene Gedanken und Wegbegleiter, die selber straucheln – der Autor erspart seiner Figur nichts. Im Gegenteil: Er dekonstruiert sie mit Genuss. Das alles liest sich ebenso faszinierend wie erschreckend. Und setzt gleichzeitig der Gesellschaft einen Spiegel aus Scherben vor. Daneben schafft der Autor Sätze und Metaphern, die so kompromisslos schön sind, dass man nicht weiß, ob man sie übers Bett hängen oder auf eine öffentliche Toilette kritzeln soll. Beispiele: „Liebe ist, wenn man den anderen mit sich selbst verwechselt.“ (S. 120)oder „Wer bei sich selbst ankommt, fährt in einen leeren Bahnhof ein.“ (S. 267)
Richard Russo: Mohawk
„Mohawk“ ist eine fiktive Kleinstadt im Hinterland New Yorks. Und „Mohawk“ heißt auch der erste Roman des US-amerikanischen Bestsellerautors Richard Russo aus dem Jahr 1986. Nun ist er auf Deutsch erschienen.
Es ist ein tristes Kaff in den 60er- und 70er-Jahren, in dem die Krebsrate wegen der Gerbereien, von denen viele Menschen leben, deutlich höher ist als im Landesdurchschnitt. Wir lernen einige Bewohner dieses Städtchens kennen. Sie alle sind durch Hass aufeinander, geheime Liebschaften oder dunkle Geheimnisse, die in der Vergangenheit schlummern, miteinander verbunden. Wie der zurückgebliebene Bill, der vernarrt in Anne ist, die ihrerseits aber den Rollstuhlfahrer Dan liebt – oder Dallas, einen unzuverlässigen Loser, oder den gewaltbereiten Rory.
WeiterlesenRichard Kadrey: Höllenthron
Hallo, ich bin James Stark. Einst, so lange ist das noch gar nicht her, war ich die ersten lebende Seele, die in die Hölle versetzt wurde – als Nephilim – Sohn eines Engels und einer Frau – bringt einen das nicht um. In der Unterwelt habe ich mir einen Namen gemacht – Sandman Slim hieß ich, habe in der Arena im Kampf gegen jede Menge Höllengezücht ein wenig aufgeräumt mit den Einwohnern. Dann gelang mir als Erstem die Flucht zurück. Jetzt bin ich wieder in Los Angeles – der Stadt der Engel.
Dumm dann, dass Luzifer – ja, der, der umgangssprachlich immer als Teufel beschrieben wird – wieder an der Seite Gottes weilt und ausgerechnet mein Todfeind, Verursacher meines damaligen Absturzes in die Unterwelt, sich zum Herrn der Hölle aufgeschwungen hat. Und er hat einen Plan – er will den Himmel angreifen und Gott durch sich selbst ersetzen.
WeiterlesenLioba Werrelmann: Tod in Siebenbürgen
In „Tod in Siebenbürgen“ von Liobe Werrelmann erreicht den Journalisten Paul aus heiterem Himmel eine Nachricht. Er hat in Siebenbürgen den Hof seiner Tante Zinzi geerbt und muss nach Sibiu reisen. Paul ist als Kind mit seinem Vater von Rumänien nach Deutschland ausgewandert. Zu seiner Chefin sagt er einen Satz, den zu formulieren er sich jahrelang nicht durchringen konnte: „Ich bin ein Siebenbürger Sachse.“
Der Hof seiner Tante ist in keinem besonders guten Zustand. Trotzdem wird er zu Pauls Erstaunen von Maia bewohnt, die Tante Zinzi als Mädchen bei sich aufgenommen hat. Diese Maia trägt alte Armeekleidung und wirkt insgesamt wenig vertrauenseinflößend. Sie versorgt verletzte Tiere, braut allerlei dubiose Tränke und schnitzt als Schutzzauber geheimnisvolle Zeichen in die Tür zu Pauls Schlafzimmer, denn er bleibt ein paar Tage auf dem Hof. Vieles ist ihm sofort wieder vertraut, anderes registriert er mit Befremden. Sein alter Freund Sorin und er finden allerdings gleich wieder einen Draht zueinander und Paul ist schockiert, als er erfährt, dass Sorin wenige Tage nach seiner Ankunft den deutschen Unternehmer Günther Huber umgebracht haben soll.
WeiterlesenSam Feuerbach et al: Minen der Macht: Der Unheiler
Sie ist der wirtschaftliche Rückhalt des Königreichs Evenbor. Die Rede ist von Grubenstedt, eine gigantische Mine, die sich im Roman „Minen der Macht“ von Sam Feuerbach und anderen terrassenförmig in das Erinnere bohrt. Hier fand und findet man seltene Metalle, hier finden Menschen, wenn auch oftmals nur für Kupferpfennige, Arbeit und wenn sie nur den Schlamm aus den Tiefen nach oben schleppen oder die ewigen Tretmühlen bewegen. Und hier ruhen, verborgen im Schlamm, monetäre wie magische Schätze.
Ganz tief unten, der tiefsten Sohle der Minenstadt, landet der Auswurf der Gesellschaft. Wer einmal im Schlammring angekommen ist, der verlässt diesen nie wieder.
Dies gilt auch für die Büttel der Obrigkeit – allen voran Hauptmann Gunter. Als er im Schlamm auf eine ganze Reihe von Leichen stößt, denen Pflanzen aus jedweder Körperöffnung sprießen, ahnt er, dass das aber auch so gar nichts Gutes für ihn und seine Truppe bedeutet. Steckt eines der im Schlamm immer wieder auffindbaren magischen Artefakte dahinter, oder eher doch eine Unheilung, die droht den Schildstein, die magische Kuppel, die die Mine seit Jahrzehnten vor den angreifenden Horden der Wilden schützt, zu vernichten?
Weiterlesen








