Max Kugel: Wie ich auszog, um mein Handwerk zu retten

Wenn Max Kugel öffentlich erklärt, richtig gutes, ehrliches Brot zu backen, dann sind viele neugierig und wollen seine Brote sehen, riechen und schmecken. Der Vater mahnte, am Anfang kommen die Neugierigen, und danach würden die Verkäufe erfahrungsgemäß weniger. Der übliche Überschuss am Ende eines Tages sei einzukalkulieren.

Bei Max Kugel lief es anders. Seine Philosophie sieht, riecht und spürt man bereits an der Eingangstür. Der Verkaufsbereich und seine Backstube sind nur durch eine Glaswand getrennt und demonstrieren eine ungewohnte Offenheit.

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Val McDermid: 1989: Wahrheit oder Tod

Sosehr mich der Vorgängerband „1979“ begeistert hat, so wenig konnte mich „1989“ abholen. Es ist kein schlechtes Buch, aber irgendwie fehlt der Drive, der 1979 hatte.

Allie Burns hat eine Phase des erfolgreichen Investigationsjournalismus hinter sich und jetzt ist sie bei einem mehr oder weniger Boulevardblatt ziemlich kaltgestellt. Auf der einen Seite nagt das an ihr, auf der anderen Seite ist sie aber auch in einem Alter, in dem sie langsam merkt, was die ständige Beschäftigung mit den Katastrophen der Welt mit ihr macht. Und das gefällt ihr nicht.

Als sie eine einfache Reportage über die neue Seuche Aids machen will, fällt ihr als Erstes auf, wieviel schlechter die Betroffenen in Schottland behandelt werden und dann stößt sie auf eine Pharmafirma, die offensichtlich mit dem Leben der Probanden spielt. Weil das bereits aufgefallen ist, wurden die Studien nach Ostdeutschland verlegt, wo man offenbar nicht ganz so genau hinsehen möchte. Hier soll sie nur Informationen bekommen, wenn sie bereit ist, einer Frau bei der Flucht zu helfen. Dazwischen geht es noch zur Stadionkatastrophe von Hillsborough und am Ende zu den Morden des Zweiten Weltkriegs in Polen.

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Heather Fawcett: Emily Wildes Enzyklopädie der Feen

Emily Wilde beschäftigt sich an der Universität Cambridge mit Dryadologie, der Feenkunde. Aus diesem Grund begibt sie sich auf eine Forschungsreise nach Ljosland, eine Insel im hohen Norden. Dort will sie Feldstudien durchführen und ihre Erkenntnisse ein einer Enzyklopädie zusammenfassen. Vorerst hält sie ihre Erlebnisse in einem Tagebuch fest, dem vorliegenden Roman. Ljosland präsentiert sich landschaftlich karg, kalt, von einer bizarren Schönheit. Die Menschen begegnen Emily mit einer Mischung aus Neugier und Zurückhaltung.

Sie kommt mit ihrem spröden Naturell nicht besonders gut an bei ihnen. Tatsächlich gelingt es ihr besser, Kontakt zu einem Elf zu knüpfen, mit ihm zu plaudern und eine Freundschaft aufzubauen. Da taucht der Institutsleiter und ihr Vorgesetzter Wendell Bambleby auf, um an ihrer Arbeit zu partizipieren. Bambleby ist überirdisch schön, charmant und ein Ästhet, aber auch faul, launisch und schwer durchschaubar.

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Natalie Haynes: Die Heldinnen von Troja: A Thousand Ships

Der Kampf um Troja. Ein Epos um Krieger, Helden, Gier und Macht, durch und durch männlich.  Bis jetzt. Denn Natalie Haynes, „Rockstar der Mythologie“ und studierte Altphilologin aus Cambridge, lässt die 50 Prozent des 10-jährigen Krieges zu Wort kommen, die bislang als bloßes Beiwerk abgekanzelt wurden: Frauen. Das diese die wahren Heldinnen sind, verdeutlicht Haynes mit schonungsloser Brutalität.

Ausgangspunkt ist der Strand vor der völlig zerstörten Stadt Troja. Die Frauen der besiegten Königsfamilie und ihre Dienerinnen sehen einer schrecklichen Zukunft entgegen. Denn während ihren männlichen Familienmitgliedern der Gnade eines frühen Todes zuteil kam, geht ihr Martyrium erst richtig los. Als Kriegsbeute völlig entrechtet, werden sie unter den siegreichen griechischen Fürsten aufgeteilt, geschändet, in die Fremde entführt. Auch ihre Kinder werden versklavt oder direkt von der Stadtmauer geworfen.

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Alan Garner: Treacle Walker: Der Wanderheiler

Der Brite Alan Garner gehört zu den großen Fantasyautoren. Wer 2012 für sein Lebenswerk den World Fantasy Award erhalten hat und zehn Jahre später für sein Spätwerk Treacle Walker einen Platz sowohl in der Shortlist für den Booker Prize als auch für den British Fantasy Award erhält, zeigt, dass Schreiben viel mehr als nur ein Beruf sein darf.

Sein Roman Feuerfrost und Kadellin aus dem Jahr 1960 dürfte sein erster Roman gewesen sein. Rückblickend kann man feststellen, dass alle Romane ein gemeinsames Leitthema haben: Seine Geschichten fokussieren junge Menschen, die mit bösen Mächten in Berührung kommen und mit der Hilfe guter Magier und magischen Steinen Abenteuer in Parallelwelten erleben.

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Rebecca Yarros: Fourth Wing: Flammengeküsst

Um „Flammengeküsst“ gab es ja schon im Vorfeld jede Menge Diskussionen. Dabei ging es aber mehr um die Aufmachung des Buches, um Farbschnitte, die nicht verfügbar waren, um Bücher mit Farbschnitten, die auf diversen Verkaufsplattformen zu unmöglichen Preisen angeboten (und manchmal offenbar auch gekauft) wurden. Das Buch hat aber auch einen Inhalt, und der ist gar nicht mal so schlecht – auch wenn hier die Meinungen zwischen „grottenschlecht“ und „Offenbarung“ alles ausfüllen. Soviel Hype geht an mir nicht spurlos vorüber, da werde ich neugierig, also habe ich es auch gelesen.

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Polly Ho-Yen: The Mothers

In der nahen Zukunft sind 99% der Frauen unfruchtbar. Schwangerschaften sind nur mit Hilfe von Medikamenten möglich, die den Müttern jedoch mehr schaden als helfen. In England wurde die Regierung von einer totalitären Partei abgelöst, die sich die Erhaltung der Menschheit zum obersten Ziel gemacht hat. Zumindest behaupten sie das, während ihr System in Wahrheit darauf aufbaut, Eltern zu kontrollieren und zu unterdrücken. Wer nicht den perfekten Normwerten entspricht, muss sein Kind abgeben. Jeder Fehler wird in die Akten eingetragen und nach sieben Fehltritten kommt es zur Zwangsteilung der Familie. Alles im Wohle des Kindes.

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John Brownlow: Seventeen

Bei den Geheimdiensten gibt es zahlreiche Abteilungen. Darunter auch private Firmen, die jenseits der Legalität agieren. Seventeen ist einer dieser freischaffenden Mitarbeiter, der im Kreis der Auftragskiller zu den Besten zählt. Seventeen alias Jones hat vor Jahren Sixteen abgelöst, nachdem dieser spurlos verschwunden ist. Sein legendärer Ruf ist jedoch wie ein ständiger Schatten geblieben.

Im Laufe der Jahre hat Seventeen so viel Geld verdient, dass es für den Rest seines Lebens reichen dürfte. Sein Arbeitgeber will ihn jedoch nicht gehen lassen. Er gibt ihm in Berlin einen Auftrag, der mit einem spontanen weiteren Job gekoppelt ist. Kurz darauf will ihn jemand umbringen.

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Hernan Diaz: Treue

Im Mai 2023 erhielt Hernan Diaz für seinen Roman „Trust“ (Originaltitel) den Pulitzer Preis in der Kategorie Literatur. Diaz wurde 1973 in Argentinien geboren. Aktuell lebt und arbeitet er in New York City (USA). Hanser Berlin aus dem Carl Hanser Verlag veröffentlichte den Roman unter dem deutschen Titel „Treue“ in einer Übersetzung von Hannes Meyer am 25. Juli 2022.

Schon die Verpackung, die die Postbotin im Briefkasten hinterlegt, lässt aufmerken: Die vier Seiten des Paketkartons entsprechen aufgeklappt den Überschriften der vier Kapitel des Romans. So entpuppt sich der Roman als Schachtel mit vier Geschichten, die Hernan Diaz elegant in Beziehung setzt. Da ist zunächst der Roman von Harold Vanner „Verpflichtungen“ über den New Yorker Finanzmogul Benjamin Rask und seine Frau Helen, die in den 1920er Jahren zu den einflußreichsten Menschen in der Finanzwelt gehörten. Sie häuften unermesslichen Reichtum an. Rask spekulierte an der Börse und Helen widmete sich der Wohltätigkeit, sie förderte Künstlerinnen und Künstler. Vanner schreibt die fiktive Geschichte eines sehr erfolgreichen Ehepaares, bis Helen ernsthaft psychisch erkrankt und unter Mithilfe ihres Ehemannes in der Schweiz zu Tode therapiert wird.

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Victor Dixen: Vampyria: Der Hof der Finsternis

Louis XIV, gemeinhin als Sonnenkönig bekannt, hat 1715 etwas gewagt, was vor ihm kein Mensch je wagte – mittels eines alchemistisch-magischen Rituals hat er sich unsterblich gemacht – und wurde zum ersten, der Vampyre. Viele weitere Adelige, Königshäuser in der ganzen Welt folgten ihm in die Transmutation. Seitdem lebt der Adel noch prächtiger, noch prunkvoller, der vierte Stand, die normalen Menschen haben eine zusätzliche Steuer – einen Blutzehnt – abzugeben. Eine Eiszeit im wortwörtlichen Sinn hat sich über Europa gesenkt.

Während in Versailles, dem Herrschersitz, der Hof der Finsternis regiert, der Adel jede Nacht zur Jagd auf das gefangen und ausgesetzte Wild, die Menschen ruft, darben die Bürgerlichen.

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