Johanna Sebauer: Nincshof

Das unscheinbare Dörfchen Nincshof liegt in der alleräußersten Ecke Österreichs an der Grenze zu Ungarn. Isa Bachgasser und ihr Mann Silvano Mezzaroniaus Wien kaufen dort eine alte Mühle und bauen sie zu einem modernen Eigenheim um. Silvano, dank eines Erbes von seinem Beruf als Architekt unabhängig, erfüllt sich einen Herzenswunsch, indem er Irrziegen züchtet, die ursprünglich aus Südamerika stammen. Er findet relativ leicht Zugang zu den Alteingesessenen.

Isa hingegen, Dokumentarfilmerin in einer Schaffenspause, kann in dieser provinziellen Einöde nur schwer Fuß fassen. Schließlich ergibt sich ein sachter Kontakt zur Witwe Erna Rohdiebl. Erna gehört mehr unfreiwillig als freiwillig zum Club der Oblivisten. Diese Oblivisten arbeiten daran, Nincshof in Vergessenheit geraten zu lassen.

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Molli Morgan: Vom Glück, auf Bäume zu flattern

Ein Huhn erzählt von der Freiheit – absurd und interessant zugleich

Bücher, in denen Tiere die Protagonisten und manchmal auch die Erzähler sind, gibt es viele. So wie der kürzlich rezensierte Roman „Frankie“, in dem die Umsetzung nicht so wirklich gelungen war. Ähnliche Probleme hatte auch die Autorin des vorliegenden Romans, die unter dem Pseudonym besagter Henne das Buch veröffentlicht.

Molli ist in einer Legebatterie aufgewachsen, kennt kein Gras und keine frische Luft. Sie hatte nie Gelegenheit, ihre Mutter kennenzulernen und ihre einzige „Freundin“ unter den anderen Hennen liegt eines Tages tot in der Legebox. Die anderen Hühner im Stall picken und hacken nach Molli, der es dann aber mit Geschick und dank eines Zufalls gelingt, aus der Legebatterie zu entkommen.

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Anna-Maria Caspari: Perlenbach

Luise weiß genau, dass sie im Perlenbach nicht nach Muscheln suchen darf. Jeder, der dabei erwischt wird, muss mit einer vom König verordneten drastischen Bestrafung rechnen. Während Jacob und Wilhelm am Ufer stehen, springt sie in das eisige Wasser des Perlenbachs. Der Fund, das plötzliche Erscheinen von einem Wächter und die gelungene Flucht in ein Versteck machen aus diesem Spiel ein unvergessliches Abenteuer. Mit den Perlen besiegeln sie ihren Schwur auf ewige Freundschaft.

Die drei Kinder werden älter und viel zu schnell erwachsen. Jeder von ihnen verfolgt eigene, einsame Ziele, und es sieht so aus, als würde der Schwur im Laufe bewegender Jahre in Vergessenheit geraten.

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Uwe Timm: Alle meine Geister

Der 1940 geborene deutsche Erfolgsautor Uwe Timm erinnert sich in seinem neuen Werk „Alle meine Geister“ an seine Zeit als Kürschner-Lehrling in den 50er-Jahren. Im Alter von 14 Jahren wird er von seinem Vater, ebenfalls Kürschner, in eine solche Lehre geschickt.

Fortan dreht sich das Leben des Jungen um Felle, Schnittmuster und das Miteinander mit den so unterschiedlichen Kollegen. Von dem einen erhält er Literaturempfehlungen, von dem anderen hört er Geschichten über die körperliche Liebe, und ein dritter bringt ihm die Politik näher.

Insofern ist „Alle meine Geister“ ein Coming-of-Age-Roman. Er zeigt die Entwicklung des schüchternen Lehrlings hin zu einem literarisch und politisch interessierten Menschen, der schließlich das Handwerk an den Nagel hängt, sein Abitur nachmacht und studiert.

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Meike Stoverock: Tod im Museum: Ein Fall für Skarabäus Lampe 02

Willkommen zurück in meiner Welt. Einer Welt, in der wir Tiere die Zivilisation beherrschen, in der es Freude, Vergnügen und Leid gibt. Und ja, es passieren auch hier Diebstähle, Erpressungen, ja Morde. Gefragt ist dann die Polizei, die ihre Ermittler hauptsächlich bei den Hunden rekrutiert. Deren Geruchssinn hat schon so manchen Täter überführt.

Dieses Mal aber geht es um kein Verbrechen. Mein Vater, der gefeierte Archäologe und Ehrenbürger der Stadt, erlag an seinem Schreibtisch im Museum einem Herzinfarkt. Anlässlich seiner Ablebens richtet die Stadt, die eigentlich dringend die Elendsviertel sanieren und wenigstens die dortige Kanalisation in Ordnung bringen sollte, im Museum eine aufwendige Totenfeier aus. Als einer der Ehrengäste bei seiner Rede auf dem Pult zusammenbricht, wird deutlich, dass beide Tode nicht natürliche Ursachen hatten.

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Vincent Moissonnier & Joachim Frank: Der Käse kommt vor dem Dessert

Goldene Regeln für den Benimm im Restaurant – unterhaltsam, wenn auch vielleicht ein wenig aus der Zeit gefallen

Wer kennt nicht den „Knigge“ oder hat zumindest schon mal davon gehört. Ein ähnliches Anliegen, nämlich den Menschen ein wenig Benehmen beizubringen, hat wohl auch die Autoren dieses kleinen, fein illustrierten Buchs umgetrieben.

Vincent Moissonnier ist oder vielmehr war Betreiber des gleichnamigen Restaurants in Köln, Joachim Frank ist Journalist, der für eine Kolumne viele Gespräche mit Moissonnier führte. Daraus ist schließlich dieses kleine Buch entstanden. In welchem sich der Restaurantbetreiber in lockerer Weise, ohne erhobenen Zeigefinger, aber doch deutlich auf Defizite hinweisend, über die verschiedenen Möglichkeiten auslässt, sich beim Restaurantbesuch daneben zu benehmen.

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Marie Vieux-Chauvet: Der Tanz auf dem Vulkan

Ein Novum der Geschichte: Auf Haiti fand die einzige erfolgreiche Sklavenrevolution der Welt statt. Diese führte zur Gründung des ersten unabhängigen Karibikstaates.  Dieser Roman erzählt, wie es zwischen 1791 und 1804 dazu kam, dass sich die französische Kolonie Saint-Domingue zur souveränen schwarzen Republik Haiti entwickelt hat, in der Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe dieselben Bürgerrechte erhielten. Dies zu einer Zeit, als die Flotten der Meere Sklaven aus Afrika in alle Welt verschifften. Marie Vieux-Chauvet erzählt von den besonderen Umständen, die dazu geführt haben, aber auch von dem Leid und den vielen Opfern, die dieser Befreiungsschlag gefordert hat. Absolut faszinierend und mitreißend!

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Kathrin Lange/Susanne Thiele: Toxin

Der Klimawandel beeinflusst nicht nur unser Wetter. Oder sagen wir es anders: Das Wetter beeinflusst nicht nur unser direktes Wohlbefinden. Überflutungen reißen nicht nur Häuser ein, sondern legen auch Dinge frei, die man vor sehr vielen Jahren leider nicht verbrannte, sondern nur tief vergrub. Auch im auftauenden Permafrost lagern noch Viren und Bakterien, die die Menschheit längst ausgerottet glaubte.

Bei einem Erdrutsch durch auftauende Permafrostböden werden Karibu-Reste freigelegt. Die Herde starb vor vielen Jahren – Jahrzehnten – am Milzbrand und wurde damals einfach tief vergraben. Der Forscher Gereon erkennt in dem gefährlichen Erreger aber auch eine Chance: Er möchte ihn modifizieren und in der Krebsforschung einsetzen.

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Doris Knecht: Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe

Die Ich-Erzählerin in Doris Knechts Roman „Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“ ist Anfang 50, geschieden und alleinerziehende Mutter der Zwillinge Mila und Max. Sie wohnt in einer 150 Quadratmeter großen Wohnung in Wien, die sie sich nicht mehr leisten kann. Die Zwillinge haben eben Abitur gemacht und wollen/sollen ausziehen.

Mila gelingt das mühelos, für Max arrangiert seine Mutter eine WG, gemeinsam mit dem Sohn einer ihrer Freundinnen. Die Protagonistin selbst sucht auch einen neuen Platz für sich und ihren Hund. Einerseits ist sie froh, den alten Ballast loszuwerden, andererseits plagt sie das schlechte Gewissen, weil sie das Nest auflöst. In vielen Rückblenden erfährt der Leser vom eigenen Umzug der Hauptfigur vom Land in die große Stadt, vom Leben in diversen WGs, von gescheiterten Beziehungen und Begegnungen mit Männern, die nie als Lebensmenschen in Frage kamen.

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René Freund: Wilde Jagd

Saufender Philosoph philosophiert über Philosophen

Wenn ein gelungenes Buch die Erwartungen an weitere Romane eines Autors in die Höhe treibt, ist Enttäuschung vielleicht nicht überraschend. Die Corona-Quarantäne Geschichte „Das Vierzehn-Tage-Date“ von René Freund war unglaublich gelungen, temporeich und witzig. Das kann man von dem vorliegenden Roman leider nicht behaupten.

Ein Philosophieprofessor, der im Haus seiner verstorbenen Eltern einzieht, wird in einen Vermisstenfall hineingezogen. So die Ausgangslage, man könnte also vermuten, es handelt sich um einen Krimi. Besagter Professor, getrennt von Frau und erwachsener Tochter, dem Alkohol mehr zugetan, als gut für ihn ist, den Bewohnern des Dorfes seiner Kindheit fremd geworden, begegnet der Pflegerin Evelina, die den alten Zillner betreut. Nach und nach stellt sich heraus, dass sie ihre Schwester sucht, die vor ihr diesen Posten innehatte und spurlos verschwunden ist. Evelina gelingt es, Professor Quintus Erlach in ihre Recherchen hineinzuziehen, was diesem nicht immer gut bekommt.

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