Josephine W. Johnson: Die November-Schwestern

Einen Neuanfang zu wagen, spricht für Mut. Alles hinter sich zu lassen, in die Fremde zu ziehen, um Farmland zu bearbeiten, zeigt Hoffnung. Margets Eltern haben beides, als sie diesen Weg wählen. Drei Mädchen und ein wenig Gepäck sind alles, was sie noch haben. Die gepachtete Farm, die Obstbäume, der Wald, die Weiden und steinige Felder werden ihr neues Zuhause. Doch da ist auch noch Verzweiflung, mit der sich Margets Eltern in die ungewisse Zukunft stürzen. Es heißt alles oder nichts. Genau genommen ist dieses Alles ein Berg von Schulden, der wie eine Eisenkugel an ihren Fesseln gekettet ist. Jeder Schritt wird doppelt schwer.

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David Safier: Miss Merkel: Mord auf hoher See

Ich hab was vermisst. Eigentlich müsste, finde ich, spätestens im Nachwort, wenn nicht schon gleich zu Anfang, heißen: Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen – Politikerinnen und Politikern, Autorinnen und Autoren, anderen Menschen des öffentlichen Lebens oder Geschehnissen der jüngeren Geschichte – sind absolut gewollt und hoffentlich unverkennbar!

Es macht unheimlich Spaß, diesen subtilen Humor zu genießen, mit dem Safier seine Miss Merkel immer wieder Vergleiche ziehen lässt zu Begegnungen mit hochrangigen Politikern, Menschen aus Wirtschaft, Kultur, Sport oder einfach nur Menschen, die zu irgendeiner Zeit in irgendeinem Bereich eine gewisse Macht, das nötige Geld oder Einfluss hatten oder vielleicht auch noch haben. Die aktuellen Ereignisse der Weltpolitik werden zwischen den Zeilen kommentiert auf eine Weise, die man sich bei der Ex-Kanzlerin, auch wenn man sie wahrscheinlich nicht persönlich gut kennt, gut vorstellen kann.

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Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn

Jennifer Quinn ist 77 Jahre alt. Ihr Leben lang hat sie gebacken. Nicht so einfache Sachen wie ich (und ich komme aus einer Bäckerfamilie). Auch nichts ohne Aufwand. Sondern so richtig tolle Dinge. Torten, die aufwendiger sind, als manche Hochzeitstorte vom Bäcker. Windbeutel gefüllt mit Dingen, von denen ich nicht mal gehört habe. Sie backt für ihre Familie, ihre Nachbarn und sie findet tiefe Entspannung in dieser Tätigkeit. Sie liebt die Sendung „Backduell“ und jetzt mit 77, befällt sie eines Tages das Gefühl, dass sie noch etwas tun muss im Leben. Dass sie sich noch nicht alt genug fühlt, um alles einfach abzuhaken. Aus dieser Stimmung heraus bewirbt sie sich bei „Backduell“. Zunächst erzählt sie niemandem davon, nicht mal ihrem Ehemann Bernhard, denn sie glaubt nicht daran, eine Chance zu haben. Schließlich ist sie doch eigentlich viel zu alt für solche Aktionen. Aber sie backt sich nach vorne, Runde um Runde – bis sie es nicht mehr verheimlichen kann.

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T. J. Klune: Aus Sternen und Staub

Nate Cartwright kann ein Lied davon singen, dass das Leben so manche unangenehme, ja traumatische Überraschungen für einen bereithält. Vor einiger Zeit hat der Journalist aus Washington D.C. sich zum Ausspannen in die einsam an einem abgelegenen See inmitten eines Waldes gelegene elterliche Hütte zurückgezogen. Mit dabei: sein damaliger Partner. Als die beiden gerade ihrer Lust frönen, geht die Tür auf und die geschiedenen Eltern stehen in der Hütte. Es kommt zu Eklat – das unfreiwillige Coming-out sorgt dafür, dass der cholerische Vater ihn verstößt, die Mutter steht sprachlos daneben und greift nicht ein.

Kurze Zeit später ermordet sein Vater seine Ex-Ehefrau, bevor er sich mit der Schrotflinte selbst richtet. Das Geld geht an Nates Bruder, er erbt nur den alten Pick-Up und die Hütte in den Bergen.

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Judith Merchant: SCHWEIG!

Psychologischer Thriller mit subtilem Nervenkitzel

Es gibt Bücher, die man nicht einfach liest, sondern die einen beinah selbst verschlingen – „Schweig!“ von Judith Merchant gehört für mich persönlich definitiv zu dieser Kategorie.

Während ich als Lesende sanft in die Gefühlswelt der Protagonisten hineingezogen wurde, hat mich die aufgeladene Atmosphäre dazu inspiriert, unaufhörlich meine Gedanken über das Gelesene kreisen zu lassen, um das Psycho-Mysterium Seite für Seite zu entschlüsseln.

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Anne Becker: Luftmaschentage

Es ist nicht immer einfach, jung zu sein. Wenn dann die eigene Mutter noch Pfarrerin ist und alle Welt auf einen starrt, kann es einem schon Mal die Sprache verschlagen. So ergeht es Mats, sie kann nur mit ganz wenigen Menschen überhaupt sprechen, ihre alte verstorbene Nachbarin, die sie in die Welt der Handarbeit einführte, war eine davon, eine andere ihre Freundin Charlotte, und natürlich ihre Familie. Für alle andern ist sie stumm. Denn in ihrem Kopf wohnt Madame Schüchtern, die sich groß machen und ihr die Worte aus der Kehle stehlen kann. Und dann kommt Ricci neu in ihre Klasse und sie ist so ganz anders.

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Sabrina Imbler: So weit das Licht reicht

Der Roman „Soweit das Licht reicht. Die Kreaturen der Tiefsee und was sie mir über das Leben erzählen“ von Sabrina Imbler führt in die Tiefen unserer Ozeane, soweit das Licht eben reicht und weiter. Dort unten leben Wesen ohne Licht, ohne Sauerstoff, blühen auf und vergehen, ohne dass wir sie sehen. Sie haben sich so sehr an diese Welt angepasst, dass sie an lebensfeindlichen Orten geboren werden, sich vermehren und sterben können, sie haben Mechanismen und Körper entwickelt, die sich manch eine:r von uns des Öfteren wünschen würde.

Wie viele Menschen leben in absolutem Unverständnis ihrer Außenwelt bezüglich ihrer Gefühle füreinander, ihrer Interessen und Ausdrucksweisen oder ihrer Sexualität. Ich weiß nicht genau, warum die intimsten Wesenszüge der Menschen derart ans Tageslicht gezogen werden müssen, sobald die Personen nicht dem plakativen „Normal“ entsprechen. Wieso existiert eine solche Angst, Abneigung, Distanz gegenüber Queerness, gegenüber so vielschillernden Arten, das Leben zu bewältigen?

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Ilona Jerger: Lorenz

Die Autorin Ilona Jerger hat Germanistik und Politologie studiert. Im Schreiblust-Leselust-Portal wurde auch ihr vorangegangener, 2017 erschienener  Roman Und Marx stand still in Darwins Garten rezensiert.

Ilona Jergers aktuelles Buch „Lorenz“ handelt vom Tierpsychologen und Verhaltensforscher Konrad Lorenz. Die Autorin selbst schlüpft als Ich-Erzählerin in die Rolle einer Ornithologin, die ergänzend am biografischen Inhalt mitwirkt. Wie Ilona Jerger selbst beschreibt, lebt ihr Roman in einer Zwischenwelt, in der sie die biografischen und historischen Fakten gemäß ihrer künstlerischen Freiheit literarisch ergänzt.
So lernt man den Verhaltensforscher Lorenz, der seine Tierbeobachtungen bereits in der Kindheit und Jugend begonnen hat, von Seite zu Seite besser kennen:

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Katerina Gordeeva: Nimm meinen Schmerz

Erschütternde Schicksale machen den Schmerz fast greifbar – schwer erträgliches, aber ungemein wichtiges Buch

 „Aber eigentlich handelt (meine Geschichte) nicht von mir. Sie handelt von den Menschen. Manche verwandelt der Krieg schnell zu Bestien. Ich habe solche gesehen: Man gibt ihnen eine Waffe, und sie verlieren sofort alles Menschliche. Verlieren ihr Gewissen und Mitgefühl. Ich habe gesehen, wie schnell das geht.“ (S. 71).

Solche Geschichten, von Menschen, Frauen, Männern, Kindern, im Krieg erzählt die Journalistin Katerina Gordeeva. Oder vielmehr sie lässt diese Menschen ihre Geschichten erzählen, sie hört zu, stellt manchmal Fragen, manchmal fehlen ihr aber auch die Worte. Und manchmal möchten die Ukrainerinnen gerade mit ihr nicht sprechen, denn Katerina Gordeeva ist Russin.

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Charles Lewinsky: Der Teufel in der Weihnachtsnacht

Weil ihm Schwester Innocentia eine derart leckere Kombination aus Dresdener Christstollen und Panettone kredenzt, dass er viel zu viel davon isst, schläft der Papst in der Heiligen Nacht sehr schlecht und wird heimgesucht vom … Teufel. Der rechnet ihm behände vor, dass die Kirche nicht rentabel ist und empfiehlt ihm umfassende Umgestaltungen. Der Höllenfürst meint, man müsse fusionieren, umstrukturieren, kooperieren und überhaupt von Grund auf modernisieren. Reformieren sagt er bewusst nicht.

Weil alle Politiker, Wirtschaftsbosse und Werbetexter Lügner seien, habe er in der Hölle das akkurat passende Personal für die dringend notwendigen Erneuerungen. Es gehe ja schon mit dem Namen los. Heilige katholische Kirche. Unmöglich. Der Teufel würde den Konzern in „Wirklich Nützliche Gesellschaft“ umbenennen. Das klinge schon viel zeitgemäßer. In seinem fliegenden Ferrari nimmt er den Papst mit auf eine rasante Reise, durch die er ihm die Umgestaltungen schmackhaft machen möchte. Der Heilige Vater ist etwas überfordert und vor allem zögerlich.

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