Bernhard Schlink: Das späte Leben

Der deutsche Jurist und Schriftsteller Bernhard Schlink (Jahrgang 1944) schreibt Erzählungen und Romane. Darunter auch ab Ende der 1980er Jahre eine Kriminalroman-Trilogie mit dem Privatdetektiv Gerhard Selb („Selbs Justiz“, „Selbs Betrug“ und „Selbs Mord“), für die ich hier gerne eine Leseempfehlung ausspreche. International bekannt wurde Schlink durch seinen Roman „Der Vorleser“ (1995), der 2008 mit Kate Winslet und David Kross verfilmt wurde. Am 13. Dezember 2023 erschien im Diogenes Verlag Bernhard Schlinks neuester Roman „Das späte Leben“.

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Christopher Clark: Frühling der Revolution

Wären alle Sachbücher so spannend wie dieses, gäbe es wohl kein Pisa-Debakel in Deutschland. Dieses Buch füllt enorme Wissenslücken! Beispiele: Wussten Sie, dass die Welle der 1840er Revolutionen nicht im aufmüpfigen Frankreich, sondern in der beschaulichen Schweiz losgetreten wurden? Warum hatte die Abschaffung des Feudalsystems die Situation der Bauern zunächst verschlechtert? Weshalb war Großbritannien das einzige Land Europas, in dem keine Revolution stattfand? (Spoiler: Weil es die Probleme einfach auf seine Kolonien abgewälzt hatte!)

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Christina Dalcher: Vita

Wir befinden uns in einem parallelen Amerika. Gegner der Todesstrafe haben zwar nicht die Abschaffung der Todesstrafe erreicht, aber dafür gesorgt, dass die Staatsanwaltschaft sie nur noch sehr selten beantragt. Sollte sich nämlich herausstellen, dass es sich um einen Justizirrtum handelt, erhält der beantragende Staatsanwalt ebenfalls die Todesstrafe.

Justine Gallaghan ist Anwältin, war in ihrer Jugend Anhängerin der Vita-Bewegung, die diese Änderung durchgedrückt hat, und hat ein einziges Mal in ihrem Leben selbst die Todesstrafe verhängt. Sie war so sicher, der Fall so eindeutig, der Angeklagte sogar vollumfänglich geständig. Aber einen Tag nach seiner Hinrichtung scheinen sich neue Beweise zu ergeben. Dazu kommt, dass seit der Gesetzesänderung zwar noch nie ein Staatsanwalt verurteilt wurde, aber jetzt ist eine ihrer Kolleginnen betroffen und es scheint zur Vollstreckung zu kommen. Justine macht sich auf die Suche nach der Wahrheit, bevor es jemand anders tut.

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Tessa Korber: Das Leben im Großen und Ganzen

Eine einsame Frau mit Ansprüchen – nicht ganz überzeugender Selbstfindungsroman

So recht fand ich keinen Zugang zur Protagonistin dieses Romans, die voller Selbstmitleid ihr männerloses Dasein beklagt, andererseits aber an ihren Ansprüchen scheitert.

Der vorige Roman von Tessa Korber, in dem sie vier Frauen zusammenbringt zu einer Wohngemeinschaft, die mit Humor und Zusammenhalt ihre jeweiligen Probleme und Schicksale bewältigen, gefiel mir gut. Er machte Mut, er zeigte starke Frauen, die selbst oder gemeinsam die  kleinen und größeren Steine aus ihren Wegen räumen.

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Greg Keyes: Der Basiliskenthron

Sie sehen fast aus wie Menschen – die Drehu sind nur ein wenig größer und viel breiter, als die Menschheit, die sie einst mit ihren schwimmenden Festungen und ihren magischen Waffen, die auf weite Entfernung töten und vernichten konnten, unterjocht hatten. Seit ein paar Generationen haben sich die einstigen Sklaven erhoben, haben ihre früheren Herren bekämpft, zurückgetrieben und sich peu à peu ihre Welt wieder zurückgeholt. Nun gilt es, die wertvollen Zuckerwege zu sichern und die spinnenähnlichen Drehu endgültig zu besiegen.

Eine vereinigte Flotte der drei Reiche wird ausgehoben und entsandt, die letzte, stark befestigte Bastion der einstigen Herren anzugreifen und diese endgültig zu besiegen.

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Ibram X. Kendi: Gebrandmarkt

„Die Geschichte der USA ist weiß.“ – Ein Satz, der im Laufe der Jahrhunderte tausendfach gedacht oder gesagt wurde. Und eine Lüge ist. Denn seit die USA existiert, leben dort People of Color, die das Land mit aufgebaut und geprägt haben und deren Lebensgeschichten zu den grausamsten der Weltgeschichte zählen. „Gebrandmarkt. Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika“, von Dr. Ibram X. Kendi geschrieben und von Joel Christian Gill als Graphic Novel illustriert, beginnt ganz am Anfang dieser Weltnation und arbeitet sich durch den Dreck ihrer Geschichte. Die comichaften Bilder im Buch sind in schwarzweiß gehalten und dekonstruieren anschaulich Mythen über die Sklaverei, Bildungseinrichtungen wie Yale oder Princeton (allesamt auf rassistischem Gedankengut erbaut) oder ehemalige US-Präsidenten. So werden Thomas Jefferson oder Abraham Lincoln, beide als weiße Helden der Sklavenbefreiung gefeiert, als Rassisten enttarnt. Jefferson, der selbst über einen Sklavenhausstand verfügte und Lincoln, der in der Befreiung weniger Sklaven eine Bereicherung für seine Armee sah, gelten noch heute unter den Amerikanern als Retter von PoC.

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Sylvain Tesson: Auf versunkenen Wegen

Weil Sylvain Tesson betrunken glaubt, den Clown geben zu müssen, fällt er acht Meter von einem Dach. Die Folge sind schwere Knochenbrüche, darunter die Zertrümmerung des Schädels und der Wirbelsäule. Sein Leben als Geograf, Schriftsteller, Filmemacher und Reisender, häufig begleitet von viel Alkohol, scheint schlagartig ein Wende genommen zu haben. Er verbringt Wochen in Krankenhäusern, ständig überwacht. Im Gesicht behält er eine Lähmung, seine Wirbelsäule gleicht einem Schraubenlager. Als er einigermaßen wiederhergestellt in eine Reha-Klinik soll, sperrt er sich dagegen.

Tesson will weit weg und beschließt, Frankreich von Südosten an der italienischen Grenze bis an den Atlantik im Westen zu Fuß zu durchqueren. Er besorgt sich eine Karte „hyperländlicher Gebiete“, rückständig, fernab von der modernen Welt und wandert auf alten Saumpfaden, Wildwechseln, Kirchsteigen, bäuerlichen Zufahrten. Versunkenen Wegen eben. Kurze Strecken begleiten ihn hin und wieder Freunde und Gefährten, das meiste bewältigt er ganz allein.

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Judy I. Lin: A Venom Dark And Sweet

Ning ist mit der rechtmäßigen Prinzessin auf der Flucht. Ihnen wird vorgeworfen, den Kaiser vergiftet zu haben, um selbst an die Macht zu kommen, auch wenn dies eigentlich von denen getan wurde, die nun im Palast sitzen und sie jagen lassen. Einer dieser Verschwörer ist Kang, der Junge, in den Ning sich verliebt hat – nicht wissend, dass es die ganze Zeit sein Ziel war, seinen Vater auf den Thron zu bringen.

Doch diese menschlichen Konflikte sind nicht das einzige, was das Reich bedroht. Etwas viel Mächtigeres breitet sich aus. Etwas, das viel gefährlicher ist. Ein Dämon, der einst ein Gott war, will zurück an die Macht gelangen und manipuliert dafür die politischen Geschehen in seinem Sinne. Um ihn zu bekämpfen, muss Ning bereit sein, alles zu opfern.

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Joseph O’Connor: In meines Vaters Haus

Widerstand leisten im besetzen Rom– auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte

Ein charismatischer Geistlicher versammelt mehrere tapfere Menschen um sich, um Geflohenen, Deserteuren, Verletzten und Verzweifelten zu helfen – unter der aufmerksamen Beobachtung des Deutschen Hartmann, Chef des NS-Sicherheitsdienstes.

Alle im Vatikan lebenden Menschen können dessen Gebiet kaum noch verlassen, nur mit Sondererlaubnis dürfen sie das von den Deutschen besetzte Rom betreten. Es ist kurz vor Weihnachten 1943 und der Geistliche Hugh O’Flaherty setzt sein eigenes Leben und das anderer aufs Spiel. Er muss eine sehr gefährliche Aktion ausführen, Geld zu denen bringen, die er retten will. Seine Helfer bei diesen Aktionen sind ganz verschiedene Menschen, die sich zur Tarnung als Chor treffen, Frauen und Männer, die aus ganz unterschiedlichen Gründen zu dieser Gruppe dazugestoßen sind.

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Jon Fosse: Das ist Alise

Jon Fosse ist der Literaturnobelpreisträger des Jahres 2023.
Im Jahr 2003 erschien im Mare Verlag Jon Fosses Novelle „Das ist Alise“ zum ersten Mal in deutscher Ausgabe. Im Vorfeld zur Verleihung des Literaturnobelpreises an Jon Fosse im Dezember 2023 hat der Verlag das Buch nun zwanzig Jahre später neu aufgelegt.

Bei Schreiblust-Leselust ist von Jon Fosse die Rezension „Ein Leuchten“ zu finden.

Die Geschichte, die aus sich immer wiederholenden Erinnerungen besteht, spielt in Norwegen in einem über hundert Jahre alten Haus am Fjord. – Ein archaischer Platz, der auf Ursprüngliches, auf das Elementare des Lebens begrenzt ist.
Die Wände des Hauses atmen die Verzweiflung und die Qualen aus, die sich hier über Generationen hinweg immer wieder mit einem sich ähnelnden schrecklichen Ereignis abgespielt hat.

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