Geheimagent und Gentleman – aus heutiger Sicht vielleicht ein bisschen antiquiert, aber nicht minder gut zu lesen wie vor Jahrzehnten. Immerhin ist das Buch, das jetzt zum 100. Geburtstag des Autors neu aufgelegt wurde, bereits 1960 erschienen. Viele werden den Bestseller damals gelesen und inzwischen vielleicht vergessen haben. Es lohnt sich, ihn mit dem Wissen von heute, vor dem Hintergrund der Entwicklungen, die Simmel damals ja nicht vorhersehen konnte, noch einmal zu lesen. Die Sprache mag ein bisschen seltsam anmuten, der damaligen Zeit entspricht sie ebenso wie die Rechtschreibung, die ja mittlerweile reformiert worden ist. Das mag zu Anfang ein bisschen seltsam wirken, aber nach ein paar Seiten, nimmt man das gar nicht mehr richtig wahr.
WeiterlesenAutor: Leselust Team
Jeff Kinney: Titel: Gregs Tagebuch 18: Kein Plan von nix
Ich musste tatsächlich noch mal ins Impressum gehen, ob das Original wirklich amerikanisch ist. Zu bekannt kam mir die Problemstellung vor. Gregs Schule hat bei einem landesweiten Test dermaßen schlecht abgeschnitten, dass sie geschlossen werden soll. Die Schüler werden auf zwei andere Schulen verteilt. Die eine hat Privatschulatmosphäre, die andere ist eher eine – wie man in Deutschland sagen würde – Brennpunktschule.
In diesem 18 Band über Greg und seinen Alltag scheint es mir, als wäre der Humor erwachsener geworden. Es ist immer noch lustig und klamaukig, aber unterschwellig schwingt viel Kritik mit. Kritik an unfähigen oder unwilligen Lehrern – klar überzogen, aber immer noch deutlich erkennbar der Realität angelehnt. Auch die Versuche der Schule, die Schließung durch Finanzierungsmaßnahmen abzuwenden, meistens auf Kosten der Schüler, sind nicht gänzlich der Fantasie des Autors entsprungen. Wirklich witzig sind dann die Bemühungen der Schüler, mit den Maßnahmen umzugehen, sie zu umgehen oder auch auszunutzen – und die sind Gott sei Dank meistens erfunden.
WeiterlesenPaul Murray: Der Stich der Biene
Der irische Schriftsteller Paul Murray (u.a. „Skippy stirbt“) porträtiert in seinem neuen Roman „Der Stich der Biene“ die Familie Barnes, indem er die Kapitel abwechselnd aus Sicht der einzelnen Mitglieder erzählt: Tochter, Sohn, Mutter, Vater – in dieser Reihenfolge.
Es handelt sich um eine Familie in Schwierigkeiten. Das Autohaus, in dem Vater Dickie arbeitet, droht pleite zu gehen, Mutter Imelda, die eigentlich lieber den Bruder ihres Mannes geheiratet hätte, kommt mit dem finanziellen Niedergang schlecht zurecht, Teenager-Tochter Cass droht im Alkoholexzess unterzugehen, und der zwölfjährige Sohn PJ plant die Flucht. Keiner der Charaktere ist ein Sympathieträger. Das alles ist recht deprimierend und von wenig Freude durchzogen.
WeiterlesenHaneen Al-Sayegh: Das unsichtbare Band
Emotional, poetisch, kraftvoll. Die in Berlin und Beirut lebende Autorin Haneen Al-Sayegh gewährt Einblicke in das Leben von Frauen der drusischen Glaubensgemeinschaft, die in den Bergen des Libanon nach strengen patriarchalischen Regeln leben. Ihre Hauptfigur Amal ist ein Leben lang zerrissen zwischen der Liebe zur Familie und ihrem Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung. In lyrischen Bildern wandern wir durch Amals Gedankenwelt und eine Welt, die jenseits der öffentlichen Wahrnehmung nach eigenen, geheimnisvollen Riten lebt. Gleichzeitig wird sich Amal der Stärke des „unsichtbaren Bandes“ bewusst, dass die Frauen unterschiedlichster Religionen im Libanon eint, im Positiven wie im Negativen. Dazu gehören sowohl Aufopferung und Liebe, als auch Schweigen und ererbtes Leiden. Ein faszinierender Einblick in eine Welt, die wirkt, wie aus der Zeit gefallen.
WeiterlesenDarkviktory, Kostas Kind: Secondhand Toyfriend
Damian, 17, hat coole Freunde, eine nette Familie und eine hübsche Freundin. Eigentlich könnte sein Leben perfekt sein, doch innerlich befindet er sich in einem ununterbrochenen Konflikt: Er findet seine Freundin Emma zwar unglaublich nett, kann aber körperlich einfach nicht weitergehen. Liegt es daran, dass Emma kein Junge ist? Aber ist er wirklich schwul und wie soll er das herausfinden, ohne Emma zu betrügen?
Die Lösung erscheint ihm absurd wie ideal: Ein Sextoy über Kleinanzeigen bestellen, anonym verpackt, damit seine Mutter nichts davon mitbekommt.
Der Verkäufer ist der gleichalte Emil, der die Anzeige nur zum Spaß hochgeladen hat. Als er dann die erste Nachricht von Damian bekommt, wird er neugierig, schreibt zurück und ihre Geschichte beginnt sich zu entwickeln.
WeiterlesenVigdis Horth: Ein falsches Wort
Vom tiefen Zerwürfnis innerhalb einer Familie handelt der Roman „Ein falsches Wort“ der 1959 geborenen norwegischen Autorin Vigdis Hjorth.
Vordergründig geht es um Erbschaftsstreitigkeiten unter vier Geschwistern, in die die Ich-Erzählerin Bergljot, eine Frau um die 60, hineingezogen wird, obwohl sie schon längst den Kontakt zu ihren Eltern und teils auch zu ihren drei Geschwistern abgebrochen hat.
Doch mehr und mehr stellt sich beim Lesen die Frage, warum Bergljot sich eigentlich von ihrer Familie losgesagt hat.
WeiterlesenJörg Hartmann: Der Lärm des Lebens
Jörg Hartmann, der im Tatort den Dortmunder Kommissar Peter Faber spielt, hat nun auch ein Buch geschrieben. „Der Lärm des Lebens“ heißt es, und es geht darin um verschiedene Episoden aus der Vergangenheit des Schauspielers. Der Roman ist zwar nicht gänzlich autobiografisch – der Name seiner Frau und Details aus der Beziehung mit ihr stimmen nicht mit Hartmanns tatsächlichem Leben überein –, jedoch dürfte der Anteil an Selbsterlebtem in diesem Text ansonsten sehr hoch sein.
„Der Lärm des Lebens“ wartet mit zwei dicken Pluspunkten auf: Zum einen ist er immer dann besonders stark, wenn es um Hartmanns Familie in Herdecke geht, wo er aufgewachsen ist. Herrlich, wie er die typische Ruhrpottsprache wiedergibt: Schlawannzuch, Kuckse, wonnich?, Mach mich nich rammdösich … Wer selbst im Ruhrpott aufgewachsen ist, kann sich über solche lautmalerischen Wortschöpfungen bestens amüsieren. Auch sonst strahlen die Erlebnisse in seinem Elternhaus schönstes Ruhrpottflair aus.
WeiterlesenHenri Faber: Gestehe
Jacket ist ein Star. Als Polizist der Wiener Leib-und-Leben und als Buchautor. Seit er in einer alten Lackfabrik einen Organhändlerring überführt und darüber ein Buch geschrieben hat, ist er mehr mit Interviews und Promotion beschäftigt als mit seiner Arbeit als Polizist. Die Story ist aber auch wie gemacht für einen Helden. Er und sein damaliger Partner wurden gefangen genommen und gefoltert. Schwerverletzt gelang es ihm, sich zu befreien und im Alleingang alle Bösen zu töten, um mit dem letzten überlebenden Opfer, der kleinen Beany, auf dem Arm genau in die Arme der Fotografen zu laufen. So steht es in seinem Buch und so glaubt es die Welt. Nur, dass er selbst sich nicht daran erinnert. Alles zwischen Gefangennahme und Fotografen ist wie ausgelöscht in seinem Gedächtnis, viel wurde erfunden, um die Lücken zu füllen. Wie sein Kollege gestorben ist? Genau weiß er es nicht. Seine Therapeutin Nora erklärt das mit Verdrängung. Mit der Zeit es ist ihm gelungen, selbst an das zu glauben, was in dem Buch steht. Er ist Jacket, er ist der Held.
WeiterlesenJonathan Lethem: Der Stillstand
Nach dem Stillstand hat sich die USA von den Errungenschaften der modernen Zivilisation verabschiedet. Computer, Autos, Handys, Fernseherund die liebgewonnen elektronischen Gadgets des Alltags – alles weg! Lethams Protagonist mit dem Spitznamen „Journeyman“ hat Glück gehabt, dass er sich zum Zeitpunkt des beginnenden Stillstands auf einer abgelegenen Halbinsel im Osten der USA aufgehalten hat. Denn hier betreibt seine Schwester Maddy mit ein paar anderen Aussteigern eine Bio-Farm. Die kleine Gemeinschaft kann sich nach Zusammenbruch der Lieferketten selbst versorgen. Sie lebt abgeschottet von der Außenwelt, die Grenze zum Festland wird von den mysteriösen Mitgliedern der „Kordonisten“ gesichert. Gegen die Bezahlung von Lebensmitteln schützt der Trupp die friedlichen Bio-Bauern gegen feindliche, gewalttätigen Einflüsse von außen. Behauptet er zumindest. Durch das Fehlen jeglicher Kommunikationsnetze weiß niemand auf der Halbinsel, wie es um den Rest der Welt steht. Herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände beim Kampf um die letzten Ressourcen? So gehen die Insulaner lieber den fragwürdigen Schutzdeal mit den Kordonisten ein.
WeiterlesenNina MacKay: The Darkest Queen: Kuss der Dämonen
Als der Prinz ihres Landes eine Brautschau ausruft, ist die Halbdämonin Skylar unter den Bewerberinnen. Nicht um den Prinzen zu heiraten, sondern um ihn zu töten. Das ist es, was der Dämon, dem sie dienen muss, von ihr verlangt und sollte sie scheitern, droht die Welt unterzugehen. Statt den Prinzen soll Skylar außerdem dessen Schwester umwerben, mit dem Ziel, am Ende diese zu heiraten und als Königin die mächtigste Frau der Welt zu werden.
Zunächst sieht sie kein Problem in dieser Aufgabe, ihre Augen sind nur auf ihr eigenes Ziel gerichtet: Sollte sie die Aufgabe des Dämons bewerkstelligen, wird er ihre Zwillingsschwester von den Toten zurückbringen.
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