Louise Erdrich: Jahr der Wunder

Louise Erdrich (Jahrgang 1954), US-Amerikanerin mit indigenen Wurzeln wurde 2021 für ihren Roman „Der Nachtwächter“ mit dem Pulitzer Prize for Fiction ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in Minneapolis im US-Staat Minnesota, wo sie die Buchhandlung Birchbark Books betreibt. Ihr neuer Roman „Jahr der Wunder“ (Originaltitel: The Sentence) erschien am 17. Mai 2023 in einer Übersetzung von Gesine Schröder im Aufbau Verlag.

Darin findet sich die Indigene Tookie im Gefängnis wieder, nachdem sie ihrer Freundin Danae helfen wollte, die Leiche ihres toten Ex-Freundes Budgie von seiner Ehefrau Mara zu stehlen. Von Danae erhält sie für diesen Freundschaftsdienst einen „dicken Scheck“. Leider klebt auch noch Crack an Budgies Körper.

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Ali Smith: Gefährten

AliSmith, die 1962 im schottischen Inverness geboren wurde, lebt und arbeitet im englischen Cambridge. 2021 schloss sie mit „Sommer“ ihr hochgelobtes Jahreszeitenquartett ab, das auch hier besprochen wurde. Am 24. Mai 2023 veröffentlichte der Luchterhand Literaturverlag ihr Begleitstück zu dem Quartett unter dem Titel „Gefährten“. Auch hier übersetzte Silvia Morawetz den Text aus dem Englischen.

Darin erhält Sandy nach dreißig Jahren 2021 den Anruf einer Frau, die sich als Martina Pelf geb. Inglis vorstellt. Sie ist eine ehemalige Studienkollegin, an die sich Sandy kaum erinnert. Aufgeregt berichtet Martina ihr von einem Erlebnis am Flughafen, bei dem sie von der Polizei festgehalten wurde. Als Mitarbeiterin eines Museums hatte sie ein mittelalterliches, geschmiedetes Truhenschloss (das Boothby-Schloss) aus einer Wanderausstellung zurück nach England überführt. Während der Wartezeit in einem von außen verschlossenen Raum hört Martina eine Stimme, die „Curlew oder curfew. Du entscheidest“ sagt. Sie fragt Sandy, was das zu bedeuten hat. Und schon wird Sandy neugierig.

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T. C. Boyle: Blue Skies

Tom Coraghessan Boyle (Jahrgang 1948) schreibt und schreibt und schreibt. Nun liegt nach „Sprich mit mir“ aus dem letzten Jahr sein 31. Roman vor: „Blue Skies“. Titelgebend ist das gleichnamige Jazzstück von Irving Berlin aus dem Jahr 1926.Der Carl Hanser Verlag veröffentlichte den Roman am 15. Mai 2023 in einer Übersetzung von Dirk van Gunsteren.

„Blue Skies“ handelt von der Familie Cullen. Ottilie und Frank, die Eltern mit Hund Dunphy, und der Sohn Cooper leben in Kalifornien. Tochter Catherine (Cat) ist vor Kurzem mit ihrem Verlobten Todd nach Florida gezogen, wo dieser ein Strandhaus von seiner verstorbenen Mutter geerbt hat. Cat ist die Protagonistin in Boyles Geschichte. Und mit ihrem Auftritt startet der Roman.

Cat ist eine Möchtegern-Influencerin, die sich seit ihrem Umzug in den „Sunshine State“ langweilt und Mojitos trinkt, während Todd als Bacardi-Botschafter im In- und Ausland Parties schmeißt. Während eines Bummels durch ein Einkaufsviertel entdeckt sie das Reptiliengeschäft „Herps“ und kauft dort spontan einen Dunklen Tigerpython, den sie Willie nennt. Cat malt sich aus, die Würgeschlange wie Schmuck auf ihren Social Media Kanälen zu präsentieren und damit Follower zu generieren.

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Ian Rankin: Das Erbe der Toten

Am 12. April 2023 ist der 24. Band (!) der John-Rebus-Reihe von Ian Rankin im Wilhelm Goldmann Verlag erschienen. Conny Lösch hat den Kriminalroman mit dem Titel „Das Erbe der Toten“ aus dem Englischen übersetzt. Der Schotte Ian Rankin (Jahrgang 1960) liefert damit seit den späten 1980er Jahren regelmäßig  und sehr erfolgreich einen neuen Fall für seinen Detective Inspector John Rebus. Inzwischen ist seine Hauptfigur im Ruhestand, hält aber weiterhin engen Kontakt zu seiner ehemaligen Kollegin Siobhan Clarke und auch zu der inzwischen im Rollstuhl sitzenden Unterweltgröße Big Ger Cafferty.

In „Das Erbe der Toten“ steht John Rebus das erste Mal in seinem Leben als Angeklagter vor Gericht. Wie es dazu kommen konnte, erzählt Ian Rankin in gewohnt spannender und unterhaltsamer Weise:

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Jörg Thadeusz: Steinhammer

12. April 2023, 19.30 Uhr, im Dietrich-Keuning-Haus in Dortmund: der Moderator, Journalist und Schriftsteller Jörg Thadeusz stellt gemeinsam mit seiner Lektorin Helga Frese-Resch vom Verlag Kiepenheuer & Witsch sein Buch „Steinhammer“ vor, das am 5. April 2023 erschienen ist. Es ist ein Heimspiel für Thadeusz, der 1968 in Dortmund geboren wurde. In seiner launigen, aufgeräumten Art erzählt er über das Buch und liest daraus vor.

„Steinhammer“ ist die Steinhammerstraße in Dortmund-Marten bzw. Lütgendortmund, in der Jörg Thadeusz einige Jahre selbst gewohnt hat. In dem Buch lebt dort in der Nachkriegszeit die fiktive Familie Woicik. Jörg Thadeusz hat seine Woicik-Geschichte an die Familiengeschichte eines Cousins seines Vaters angelehnt. Der Cousin heißt Norbert Tadeusz (1940-2011) und ist ein bekannter gegenständlicher Maler des späten 20. Jahrhunderts. Er lehrte in Düsseldorf, Berlin und Braunschweig. Allerdings gibt Thadeusz an, dass in seiner Familie wenig über den berühmten Mann gesprochen wurde und dass er selbst auch erst spät auf dessen Werk aufmerksam wurde. Für das Buch „Steinhammer“ hat Thadeusz u.a. mit der Witwe von Norbert Tadeusz, Petra Lemmerz, gesprochen, die ebenfalls Malerin ist.

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Helga Schubert: Der heutige Tag: Ein Stundenbuch der Liebe

Die deutsche Psychologin und Schriftstellerin Helga Schubert (Jahrgang 1940) ist in Ost-Berlin geboren und aufgewachsen. Sie studierte an der Humboldt-Universität, arbeitete als Psychotherapeutin und schreibt. 2020 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis für „Vom Aufstehen“. Sie ist mit dem Psychologen und Maler Johannes Helm verheiratet und lebt in Mecklenburg-Vorpommern. Am 16. März 2023 erschien ihr Buch „Der heutige Tag – Ein Stundenbuch der Liebe“ bei dtv.

Und um es gleich vorwegzunehmen: „Der heutige Tag“ ist ein beeindruckendes persönliches Buch. Helga Schubert erzählt darin von ihrer über sechzig Jahre alten Beziehung zu ihrem Mann, dem sie in dem Buch den Namen „Derden“ gibt:

„Ich nenne ihn Derden.

Ich habe den Namen gegoogelt. Es gibt ihn noch nicht.“ (S. 34)

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Joy Williams: Stories

Joy Williams (Jahrgang 1944) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die in ihrer Heimat sehr wohl bekannt und mit vielen Preisen ausgezeichnet worden ist. In Deutschland kennt man sie noch nicht so gut. Das wird sich hoffentlich nun ändern. Am 16. März 2023 ist die deutsche Erstausgabe ihrer Short-Stories aus dem Jahre 2015 bei dtv erschienen. Das Buch mit dem Titel „Stories“ wurde von Brigitte Jakobeit und Melanie Walz aus dem Englischen übersetzt.

Darin finden sich dreizehn Kurzgeschichten, in denen Joy Williams düstere Episoden von Menschen erzählt, die eher nicht auf der „sunny side“ des Lebens stehen.

Da ist der Prediger Jones in der Geschichte „Liebe“, dessen Frau schwer erkrankt ist und dessen Tochter sich auf eine Selbsterfahrungsreise begibt. Sie überlässt ihm ihr Baby und den Hund. 

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Julia Schoch: Das Liebespaar des Jahrhunderts

Die deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin Julia Schoch (Jahrgang 1974) erhielt kürzlich den Schubart-Preis 2023 für ihr Buch „Das Vorkommnis“ aus dem Jahre 2022. Es ist das erste Buch einer Trilogie, die den Untertitel „Biographie einer Frau“ trägt. Am 16. Februar 2023 ist der zweite Teil „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ bei dtv erschienen.

Darin beschließt die Ich-Erzählerin nach dreißig Jahren Beziehung: „Ich verlasse dich.“

Sie denkt diesen Satz mit den drei Worten, spricht ihn jedoch nicht aus. Vielmehr gerät sie ins Erinnern: was ist aus dem „Ich liebe dich“ des Anfangs geworden?

Dabei wandelt sie auf den Spuren der Vergangenheit. Geht zurück zum ersten Kennenlernen, zum ersten Vanilletee. Schoch beschreibt die große, aufregende Liebe zwischen ihren Figuren während des Studiums, während der Auslandsaufenthalte in Paris und Bukarest und die langsame, aber stetige Ernüchterung im schnöden Alltagsleben zwischen Geld verdienen, Kinder kriegen und Verantwortung tragen:

„Ich habe einen Wimpernschlag gebraucht, mich in dich zu verlieben, und dreißig Jahre, um Gründe dagegen zu sammeln.“ (S. 65)

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Joshua Cohen: Die Netanjahus

Der 1980 geborene US-amerikanische Schriftsteller Joshua Cohen hat 2022 für den Roman „The Netanyahus“ den Pulitzer Preis bekommen. Nun ist am 26. Januar 2023 die deutsche Ausgabe unter dem Titel „Die Netanjahus“ bei Schöffling & Co erschienen. Ingo Herzke hat den Roman aus dem Englischen übersetzt.

„Die Netanjahus oder vielmehr der Bericht über ein nebensächliches und letztlich sogar unbedeutendes Ereignis in der Geschichte einer sehr berühmten Familie“ (so der komplette Titel mit Untertitel) ist ein Campusroman, der an der fiktiven Corbin University in Corbindale, New York spielt. Der emeritierte Professor für Amerikanische Wirtschaftsgeschichte, Ruben Blum, erinnert sich an den Winter 1959/1960, in dem er von seinem Dekan Dr. Morse gebeten wird, eine Kommission zu leiten, die über die Bewerbung eines israelischen Kollegen namens Ben-Zion Netanjahu entscheiden soll. Ruben Blum ist erst seit Kurzem an der Corbin University und der einzige Jude dort. Er kann diese Aufgabe nicht ablehnen. Joshua Cohen erzählt über das Leben von Jüdinnen und Juden in der Diaspora am Beispiel der Familie Blum in den USA der 1950er und 1960er Jahre, ihrem Wunsch nach Assimilation und Akzeptanz, ihrem Wunsch „Amerikaner“ zu sein. Dafür nehmen sie Rassismus, Diskriminierung und Missachtung in Kauf. Ruben Blum wird Professor an einer amerikanischen Universität. Seine Kollegen begegnen ihm mit „Herablassung“. Seine Frau Edith arbeitet im Magazin der Uni-Bibliothek, seine Tochter Judith geht noch zur Highschool und will sich unbedingt ihre „Tante Zelda Nase“ operieren lassen. Mit dem Besuch von Ben-Zion Netanjahu, der seine Frau Zila und die drei Söhne Jonathan, Benjamin und Iddo mitbringt, gerät das Blumsche Leben aus den Fugen.

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Arno Geiger: Das glückliche Geheimnis

Der Österreicher Arno Geiger (Jahrgang 1968) ist mit seinem Roman „Es geht uns gut“ 2005 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. In seinem neuesten Buch „Das glückliche Geheimnis“ erzählt er vom Davor und Danach seines Erfolges und seines Lebens als Schriftsteller. „Das glückliche Geheimnis“ ist am 10. Januar 2023 im Carl Hanser Verlag erschienen.

Das Davor beginnt 1992: als Vierundzwanzigjähriger lebt Arno Geiger in Wien und will Schriftsteller werden. Eines Tages entdeckt er neben Papiercontainern in der Nähe seiner Wohnung Kartons mit Büchern, die offenbar entsorgt worden sind. Dies ist der Beginn seines „glücklichen Geheimnisses“, denn Geiger beginnt zunächst zu Fuss später mit dem Fahrrad, die Altpapierbehälter in seiner Umgebung zu durchforsten. Er bringt stapelweise alte Dokumente, Zeitungen, Zeitschriften, Briefe, Postkarten, Fotos und Bücher mit nach Hause, um sie sorgfältig zu sichten. Einige davon verkauft er auf dem Flohmarkt weiter, und bestreitet so einen Teil seines Lebensunterhaltes. Andere behält er, um sie für seine Schreibarbeit zu nutzen. Die darin enthaltenen Alltagstexte, wie Geiger sie nennt, werden zur „Schule“ seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Oder mehr noch, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung Ende Januar 2023 sagt:

„Aber in erster Linie war es für mich eine Schule des Lebens, weil ich mich im eigenen Leben besser orientieren konnte.“

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