Rebecca Gablé: Drachenbanner

Es geht zurück nach Waringham. Endlich. Und in diesem Band findet Rebecca Gablé auch wieder den Erzählfluss, den ich bei ihr so liebe. Und trotzdem ist dieser and doch anders als die anderen. Denn diesmal spielt nicht ein Mitglied des Adels die Hauptrolle – auch kein gefallenes – sondern ein Leibeigener. Unfrei geboren, vollkommen abhängig von seinem Lehensherrn, der in diesem Fall ein eher böser Waringham ist, fällt es Bedric von Anfang an schwer, sich mit seinem Schicksal abzufinden. Das Leben hat es ihm auch nicht einfach gemacht. Seine Mutter war die Amme der Adela von Waringham und da die meisten Waringham – außer dem aktuellen – eigentlich gute Herren sind, wächst er in den ersten Jahren auf der Burg beinahe gleichberechtigt mit seiner Ziehschwester auf. Das bedeutet, er kennt die andere Seite und mag sich mit seiner so gar nicht abfinden. Nach dem Tod seines Vaters hatte er die Summe für seine Freilassung schon zusammen, aber sie wird ihm gestohlen. Das ist zu viel, er flieht nach London, um „nah einem Jahr und einem Tag“ frei zu sein. Kein einfaches Vorhaben, aber in diesem Fall erfolgreich. Und dann lernt er Simon de Montfort kennen. Er ist der Schwager des Königs, aber hat für einen Adeligen geradezu unziemliche Gedanken über Gleichberechtigung und Mitsprache. Dass der König eine Fehlentscheidung nach der anderen trifft, schadet seiner Sache nicht gerade. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ivar Leon Menger: Als das Böse kam

Die sechzehnjährige Juno lebt mit ihrem kleinen Bruder Boy und ihren Eltern auf einer Insel in einem schwedischen See. Niemand darf wissen, dass sie dort sind, denn ihr Vater hat vor Jahren etwas getan, das dem Leser erscheint wie eine Aussage gegen die Mafia und seitdem versteckt sich die Familie. Der einzige Kontakt ist der Postbote Ole, der aber die Kinder auch niemals sehen darf. Es gibt einen Fluchtkeller und Pläne für den Notfall. Juno ist mit dieser Geschichte aufgewachsen und hat sie niemals bezweifelt. Stets war sie gehorsam und dass Ole sie eines Tages sieht, ist wirklich nur ein Versehen.

Dann taucht eines Nachts Luca auf. Luca klingt für den Leser eher italienisch, wer ist dieser Geheimnisvolle, der eine ganz andere Geschichte andeutet und Juno in den Unterlagen ihrer Eltern wühlen lässt?

So beim einfachen Durchlesen fand ich das Buch, dass der Verlag als Thriller beschreibt, durchaus spannend. Ich fand es auch nachvollziehbar, wie der Autor sich langsam aber sicher an die Wahrheit heranarbeitet. Der brutale Verlauf kurz vor dem Ende ließ mich dann allerdings völlig unbefriedigt zurück. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ralf Günther: Arzt der Hoffnung

Robert Koch ist bereits anerkannter Stabsarzt, als er 1892 nach Hamburg geschickt wird. Eine Krankheit breitet sich aus, aber niemand in Hamburg will hören, dass es sich dabei um eine Seuche handelt. Die Cholera greift um sich und Koch bekommt aus Berlin den Auftrag, diese einzudämmen und am besten zu besiegen. Keine leichte Aufgabe, möchte sich die Stadtregierung von Hamburg doch am besten gar nichts von Berlin vorschreiben lassen und eine Abriegelung hat ja auch Konsequenzen. „Die Wirtschaft, die Wirtschaft“, glaubt man sie jammern zu hören.

Ralf Günther nimmt den Leser an die Hand und führt ihn in den Personen von Robert Koch und seiner Geliebten Hedwig durch das Hamburg der Sattelzeit. An der Seite von Koch erleben wir eine sture Bürokratie, eine immer verzweifelter werdende Suche nach der Ursache, nach der Quelle, aber auch Diskussionen um Maßnahmen, die weder von der Bürokratie noch von den Menschen so richtig angenommen werden mögen. An der Seite von Hedwig erleben wir die Auswirkungen auch auf die einfachen Menschen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Stephanie Wrobel: Willkommen in Wisewood

Sie ist eine missbrauchte Tochter, sie ist Lady Fearless. Sie hat etwas geschaffen und etwas vernichtet.

Natalie sucht ihre kleine Schwester Kit. Kit hat sich vor dem Leben auf eine Insel mit einer Kommune geflüchtet und doch hat sie Nat eine E-Mail geschrieben. Ist es ein Hilferuf? Nat macht sich auf den Weg auf die Insel, um sich selbst ein Bild zu machen. Was sie vorfindet, verwirrt sie, kein Körperkontakt, keine Elektronik und sagt ihr eigentlich jeder hier die Wahrheit, auch wenn alle behaupten, der reinen Wahrheit verpflichtet zu sein.

Stephanie Wrobel erzählt die Geschichte in mehreren Zeitebenen und aus drei Perspektiven: Nat, Kit und noch einer, von der nicht von Anfang an klar ist, wem sie gehört. Es erzählt ein Mädchen mit einem mehr als strengen Vater, der sie immer wieder vor Aufgaben stellt, für die es wichtige Punkte gibt. Weniger als 15 Punkte am Tag bedeutet, nicht schlafen gehen zu dürfen. Die Aufgaben können alles mögliche sinnvolle und sinnlose enthalten. Es kann einfach sein, wie ein Punkt für eine gute Note, aber auch fast unmöglich, wie 3 Minuten die Luft anhalten oder die eigene Schwester fast ertränken. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hjorth & Rosenfeldt: Die Früchte, die man erntet

Eine Kleinstadt in Schweden. Jeder kennt jeden. Es gab kleine und große Katastrophen in den letzten Jahren. Jetzt folgt eine nach der anderen. Immer Morde, immer aus dem Hinterhalt, immer direkt durch die Stirn geschossen.

Nachdem Torkel seine ganz persönliche Tragödie durchleben musste und seine Alkoholsucht nicht mehr verbergen konnte, ist er verrentet und Vanja leitet die Reichsmordkommission. Es ist ihre erste große Ermittlung und sie steht gewaltig unter Druck. Denn sie haben überhaupt keine Spur. Noch nicht einmal einen Hinweis auf ein Motiv. Obwohl die Stadt so klein ist, scheint es zwischen den Opfern keinen Zusammenhang zu geben. Selbst der allerkleinste, verzweifelt an den Haaren herbei gezogene, Hinweis auf eine Übereinstimmung verläuft bei dem nächsten Mord im Sande. Vanja ist verzweifelt genug, ihren Vater Sebastian um Rat zu fragen. Mit Hilfe von Vanjas kleiner Tochter, die Enkelin, die Sebastian abgöttisch liebt und zu der er sich den Zugang auf keinen Fall verbauen will, hat sich das seltsame Verhältnis von Vater und Tochter einigermaßen normalisiert und auch Sebastians Beziehung zu Ursula verläuft in ruhigen Bahnen. Das Einzige, was ihn ein wenig in der Spur schlingern lässt, ist sein neuer Patient Tim, der wie er seine Familie beim Tsunami in Thailand verloren hat und dessen Geheimnis den echt fiesen Cliffhanger am Ende des Buches bildet. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sebastian Fitzek: Playlist

Feline wird entführt. Nach Wochen findet ihr Vater sie in einem Lieferwagen direkt vor der eigenen Tür – lebend. Dann klingelt sein Telefon und er lässt eine Tochter gefesselt im Lieferwagen zurück. Erfahrene Fitzek-Leser werden jetzt gemeinsam mit dem Emblem auf dem Buchumschlag etwas ahnen, allen anderen sei hier die Spannung nicht genommen.

Felines Mutter wendet sich an Alex Zorbach, ein Tip von Alina, Felines blinder Physiotherapeutin, die zwar selbst mit Alex nie wieder etwas zu tun haben will, aber seine Ermittlerfähigkeiten durchaus schätzt. Felines Vater ist Lehrer und zumindest für seine eigene Familie ein totaler Technikfeind. Umso wichtiger ist für Feline ein MP3-Player, den Aline ihr einmal gab und ihr auch eine Playlist dafür gemacht hat. Damals hatte Feline mehr im Scherz gesagt, wenn sie jemals einen Song von Depche Mode – ihrer Lieblingsband – daraus entfernen würde, wäre das ein deutliches Zeichen dafür, dass sie wirklich in Schwierigkeiten steckt. Denn der Player hat WLAN und jetzt hat Feline die Playlist geändert. Alina und Alex sind gleichermaßen überzeugt, dass es sich um eine Botschaft handeln muss, und machen sich auf den Weg, diese zu entschlüsseln. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kevin Brooks: Bad Castro

Judy ist Polizistin. Sie bekommt per Mail einen Hinweis und ist tatsächlich dabei, als zwei ihrer Kollegen den Gangführer Bad Castro verhaften. Aber diese Nacht ist keine ruhige Nacht, seit dem Abend schon gibt es an allen Ecken Ausschreitungen. Es ist eine seltsame Nacht, denn es scheint sich um keinen „normalen“ Bandenkrieg zu handeln, sondern jeder gegen jeden und alle gegen die Polizei. Der Wagen, in dem sie Castro transportieren wird gerammt und als Judy aus einer kurzen Bewusstlosigkeit erwacht, sind ihre beiden Kollegen erschossen und sie muss mit Castro aus dem brennenden Auto fliehen. Er bleibt bei ihr und sie bleibt bei ihm in dieser hochgefährlichen Nacht.

„Bad Castro“ ist eine faszinierende psychologische Ausarbeitung über die Komplexität des Zusammenspiels von Gang-/Bandenwesen und Polizei. Da ist auf der einen Seite Castro, ein Gangleader, jemand mit Macht, jemand, der bereits getötet hat und wahrscheinlich auch Morde in Auftrag gegeben hat. Man kommt nicht durch Wattebäuschchenweitwurf in eine solche Position. Er ist abgebrüht, der kennt sich aus, er weiß, wie man diese Nacht überleben kann. Und doch ist er noch ein Kind. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Volker Kutscher: Mitte

Friedrich „Fritze“ Thormann hat es nie ganz leicht gehabt im Leben. Das kurze Glück, als er als Pflegesohn zu Gereon und Charly kam, nachdem er lange auf den Straßen von Berlin gelebt hatte, zerrann, als er in eine andere – ungeliebte Pflege-stelle musste. Zu Anfang von begeistert von der HJ und ihren Aufmärschen, wurde er im letzten großen Band „Olympia“ auch brutal ernüchtert, als er sich für den falschen Sportler begeisterte und dann auch noch Zeuge eines Selbstmordes wurde, der angeblich nie stattfand.

Mitte erzählt jetzt einen großen Teil seiner Geschichte nach den Olympischen Spielen von 1936. Er ist untergetaucht in einer Kohlenhandlung in Berlin Mitte. Ausgestattet mit einem falschen Pass macht er sich sogar Hoffnungen auf einen Ausbildungsplatz. Aber er ist einsam und so beginnt der belesene Fritze, Briefe zu schreiben. An Charly natürlich, aber auch an seine alte Freundin Hannah, die ebenfalls mit falschen Papieren in Breslau untergekommen ist. Diese Briefe erzählen uns, was aus ihm wird, auch wenn wir die Antworten nicht zu lesen bekommen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kathrin Lange & Susanne Thiele: Probe 12

Mitten in Georgien wird an einem der größten zukünftigen Problemen der Menschheit geforscht. Sogenannte Phagen sollen Bakterien direkt im menschlichen Körper abbauen, sogar die, gegen die wegen der zunehmenden Resistenz kein Antibiotikum mehr hilft – und das werden immer mehr. Der Forscher Anasias steht kurz vor dem Durchbruch, der hat bereits erfolgreich Stämme angezüchtet und getestet. Aber er fühlt sich verfolgt, bedroht und verschickt seine 24 wichtigsten Stämme nach Deutschland, kurz bevor er ermordet wird. Nina, seine Ziehtochter, die nicht in seine Fußstapfen treten wollte,sondern Wissenschaftsjournalistin wurde, macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Tom in Deutschland trägt eine große Schuld mit sich herum. Ein unbedacht eingefangener Magen-Darm-Virus aus Indien, ein sorglos eingenommenes Medikament und er trägt einen antibiotikaresistenten Bakterienstamm in sich, den er an seine ohnehin immungeschwächte Tochter weitergibt. Bei ihr kann er sich vermehren und ausbreiten und schon sehr bald gehen den Ärzten die Optionen aus. Da trifft er auf den Gedanken der Phagenbehandlung und auf Nina. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Harriet Walker: Die Neue

Margot ist erfolgreich. Sehr erfolgreich, sie arbeitet bei einer Modezeitschrift und ist da sehr hoch aufgestiegen. Jetzt ist sie schwanger und braucht eine Schwangerschaftsvertretung. Ohnehin keine ganz leichte Aufgabe, denn auf der einen Seite soll die Neue den Job gut machen, auf der anderen Seite aber nicht so gut, dass sie in Zukunft eine ernstzunehmende Konkurrenz für Margot wäre oder sie gar ganz ersetzen könnte. Margot findet Maggie, leichtes Übergewicht, der eigene Stil nicht ganz so teuer wie Margots, aber eine erfahrene Journalistin, die bereit ist, sich der Aufgabe zu stellen. Maggie scheint perfekt.

Aber in den Wochen der Einarbeitung kommen Margot Zweifel. Ist Maggie nicht doch zu perfekt? Wieso schafft sie es so leicht, Team und Chefin für sich einzunehmen? Nach einigen Wochen in der Welt der Mode ist auch Maggies Stil deutlich eleganter und teurer geworden. Dann kommt Margots Baby zur Welt und die einstmals erfolgreiche Frau ist völlig in ihre eigene Welt zurückgeworfen. Alleine mit ihren Gedanken und Ängsten und alleingelassen von der Frau, die sich ihre beste Freundin nannte. Denn Winnie war kurz vor Margot schwanger geworden, die beiden Frauen hatten viele Pläne, wie sie viel gemeinsame Babyzeit verbringen wollten. Aber Winnies Baby hat die ersten Wochen nicht überlebt und Winnie sich (wieder einmal) völlig zurückgezogen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: