Max Goldammer: Feind des Volkes

Der Untertitel auf dem Buchumschlag war schon ein kleiner Schock. „Max Hellers letzter Fall“. Was wird passieren? Hat Max sich jetzt derart verrannt, dass er doch noch in Bautzen landet? Wird er einfach in Rente gehen – doch nicht Max, dem die Gerechtigkeit so am Herzen liegt. Wird er gar von einem Täter ermordet werden? Durch viele Bände hindurch haben wir Max Heller durch das Dresden der Nachkriegszeit begleitet, was wird jetzt aus ihm werden?

Während des größten Teils des Romans scheint all das möglich zu sein. Je älter er wird, desto weniger ist Hauptmann Max Heller bereit, an den passenden Stellen den Mund zu halten. Er fühlt sich in seinen Ermittlungen behindert, immer wieder wird er gezwungen, Rücksichten zu nehmen. Seiner Adoptivtochter Anni wird das Studium trotz hervorragender schulischer Leistungen verweigert. Sie stamme nicht aus einer Arbeiterfamilie ist die offizielle Begründung, aber Max ahnt anderes, die Familie ist eher nicht systemtreu genug. Seine Frau Karin bereut inzwischen zutiefst, dass sie nicht damals in den Westen zu ihrem geflohenen Sohn gegangen sind, als die Grenzen noch nicht ganz so dicht und die Gelegenheit da war. Weiterlesen

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Neal Shusterman: Game Changer

Ash ist ein einigermaßen erfolgreicher Footballspieler. Er ist weiß, hetero und alles in allem amerikanischer Durchschnitt. Bis sich bei einem Zusammenstoß beim Football plötzlich alles ändert. Oder nur eine Kleinigkeit geändert hat. Jedenfalls hat sich Ashs Leben geändert. Er hat plötzlich reiche Eltern und ist ein Arschloch. Es muss etwas mit diesem Zusammenprall beim Football zu tun gehabt haben, denn da hat er plötzlich eine Verschiebung bemerkt. Beim nächsten Spiel möchte er das wiederholen und macht alles nur noch schlimmer.

Ash ist in der Lage Multiversen zu erschaffen, und bei dem Versuch, zurück in sein eigentliches Universum zu gelangen, erschafft er Welten, in denen die Rassentrennung nie abgeschafft wurde, in denen er schwul oder ein Mädchen ist. Das bringt eine ganze Menge neue Erkenntnisse mit sich.

Bislang hielt sich Ash für einigermaßen tolerant, sowohl Schwarzen wie auch Mädchen gegenüber, aber hier muss er erkennen, dass das nicht ausreicht. Ihm war nie klar, wie unfair das Leben Frauen gegenüber ist, bis er selbst ein Mädchen ist und das am eigenen Leib spürt, wohlgemerkt mit seinem Gedächtnis, wie die gleiche Situation als Mann gewesen wäre. Ihm war auch nie klar, wie dünn das Eis für seinen schwarzen Freund wirklich ist und wie hart dieser Arbeiten musste, um dort zu sein, wo er ist – und wie unmöglich das sein kann, wenn die Welt eine andere ist. Weiterlesen

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Henri Faber: Ausweglos

Elias war mal ganz oben. Er galt gar als Star der Hamburger Mordkommission. Davon ist nicht mehr viel übrig. Er war mit seinem Kollegen Malte so dicht davor, den Ringfingermörder zu erwischen. Dann erschien ein Artikel mit Anschuldingen wegen Ermittlungsfehler, der Ringfingermörder hörte auf zu morden und Elias und Malte fielen tief. Jetzt, Jahre später geschieht plötzlich wieder ein Mord nach dem alten Schema und durch alte Beziehungen ist ausgerechnet Elias der erste am Tatort. Es ist wie damals, aber doch anders…

Noah wurde auf dem Dachboden überfallen, während er die Wäsche aufhängte. Er wurde gezwungen, den Mörder zu seiner Frau zu führen, aber es ist nicht alles, wie es scheint.

„Ausweglos“ ist ein spannender Thriller, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Da ist zunächst einmal Elias, der Ermittler, von dem nach und nach herauskommt, warum er es in der neu gebildeten Spezialeinheit so schwer hat. Noahs Perspektive scheint die des hilflosen Opfers zu sein, wurde er doch niedergeschlagen und musste den Mord mitansehen. Durch die wechselden Erzählperspektiven (es gibt mehr als diese zwei, aber die beiden sind die Hauptperspektiven) und geschickt gewählte Cliffhanger ist das Buch ein echter Pageturner. Weiterlesen

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Kerstin Gier: Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann

Quinn ist umschwärmt. Er wird zu Partys eingeladen, um seine Meinung gefragt, ist einfach ein cooler Teenager – der sich nur zu gerne von seiner Freundin Lilly trennen würde, es aber nicht übers Herz bringt – nett ist er also auch noch. Mathilda ist klug, hilfsbereit und hübsch, aber für andere alles andere als cool. Denn sie kommt aus einer hochreligiösen Familie mit langer Tradition und verbringt einen Großteil ihrer Freizeit in kirchlichen Einrichtungen. Ausgerechnet während der Party, auf der Quinn sich endgültig von Lilly trennen will, wird er angegriffen. Zumindest glaubt er das, alle anderen denken, er ist betrunken vor den LKW gelaufen.

Quinn überlebt nur knapp und ist lange auf Krücken und Rollstuhl angewiesen, sein Kopf ist jetzt kahl und vernarbt und seine Umwelt glaubt, er hätte auch geistige Schäden davongetragen. Er glaubt das auch, denn er sieht Wesen, hört Stimmen und irgendwas stimmt mit seiner Sehschärfe nicht. Quinns Mutter bezahlt Mathilda dafür, Zeit mit Quinn zu verbringen, denn seine alten Freunde will er nicht mehr sehen.

Zwei, die es noch nicht wissen, haben sich gefunden. Denn Quinn, der Pragmatiker, wird plötzlich mit einer Welt – dem Saum – konfrontiert, die es doch eigentlich nicht geben kann oder höchstens in Fantasy-Geschichten, die er nicht liest. Mathilda dagegen kennt jeden Fantasy-Roman auf dem Planeten, hat sie doch Grund genug, dem geistigen Leben ihrer Familie zu entfliehen. Dafür kann sie den Saum weder sehen noch betreten. Weiterlesen

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Tana French: Der Sucher

Carl Hooper war ein Cop in Chicago, jetzt hat er beschlossen Dorfbewohner in Irland zu werden. Weg von der hektischen Großstadt und hinein ins beschauliche Dorfleben. Ein noch auszubauendes Haus, ein zu pflegender Garten und lange Spaziergänge wirken beruhigend auf seine überreizte Seele. Aber seine Reflexe funktionieren nach wie vor. Er wird beobachtet, er ist sicher. Ist es nur einer der neugierigen Nachbarn oder steckt mehr dahinter? Hier, auf dem ruhigen Dorf, wo nie was passiert.

Es ist nur ein Kind, das bei ihm auftaucht, immer wieder. Erst versteckt, aber mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen kommt es näher, arbeitet mit Carl, spricht schließlich sogar mit ihm. Bittet ihn um Hilfe. Denn der geliebte große Bruder ist verschollen, schon mehrere Monate. Eines Tages ging er aus dem Haus und kam einfach nicht zurück. Carl soll helfen, denn er ist doch schließlich Polizist.

Carl zögert. Er ist kein Cop mehr, aber der Drang, das Kind nicht zu enttäuschen ist größer. Langsam und vorsichtig beginnt er Erkundigungen einzuziehen. Stößt auf Widerstände. Weiterlesen

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Stefanie Lasthaus: Touch of Ink 02: Im Bann der Verbotenen

Im zweiten Band der Dilogie ist Quinn fast auf sich alleine gestellt, obwohl sie doch gerade erst herausgefunden hat, was sie ist und wo sie hingehört. Nathan wurde während des Angriffs entführt und der Rat der Wandler misstraut ihr als Verbotene. Quinn möchte diese ganze Macht nicht, die ihr ihr zweifaches Erbe als Wandler und Sänger angeblich gibt, überhaupt nicht. Sie möchte nur Nathan retten und manchmal als Polarfuchs gemeinsam mit ihm durch die Wälder streifen. Aber sie kann sich dem Krieg nicht entziehen, den die andere Verbotene gemeinsam mit abtrünnigen Bärenwandlern unbedingt haben will.

Ich fand auch den zweiten Band flüssig und angenehm geschrieben, allerdings nicht ganz so stark wie den ersten Band. Das mag an den vielen politischen Erklärungen liegen, die einfach notwendig waren, um diesen ganzen Krieg und den Hass, der da herrscht, zu verstehen. Aber es hat auch viel vom Schwung der Erzählung genommen. Außerdem war dieser Band deutlich düsterer als der erste. Wo im ersten Buch Quinn noch mit einer gewissen Neugier und Faszination ihr neues altes Leben entdecken konnte, ist hier fast nur Grausamkeit und Verzweiflung. Weiterlesen

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Titus Müller: Die fremde Spionin

1961 ist die DDR noch nicht abgeriegelt. West- und Ostberlin verkehren noch selbstverständlich miteinander. Aber es gibt sie schon, die fremde Denkweise in Ost und West. Die Konkurrenz, die sich an technischen Spielereien austobt und doch eine Konkurrenz der Systeme ist. Und es gibt sie auch  schon, die beiden Geheimdienste, die ständig im Wettstreit stehen und doch häufiger als geahnt die gleichen Spieler aufgestellt haben.

In dieser Welt lebt Ria. Schon ihre Eltern waren dem DDR-Regime nicht genehm, aber viel schlimmer ist, dass Ria im Alter von gerade 10 Jahren ihre Familie verlor. Die Eltern verhaftet, sie selbst und ihre kleine Schwester in getrennten Pflegefamilien untergebracht, ohne jeden Kontakt zueinander. Ihre Chance zur Rache erhält sie, als der BND sie rekrutiert. Ihre Chance zur Rache und vielleicht sogar die Gelegenheit, ihre Schwester endlich wieder zu finden.

Ria arbeitet im Ministerium für Außenhandel, dort soll sie für den BND spionieren, aber auch die Stasi hat bereits ein Auge auf die intelligente junge Frau geworfen. Der Agent Sorokin ist ihr auf den Fersen, hat jedoch auch schwer mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Denn er ist verliebt. Undenkbar für einen Agenten mit Killerauftrag. Aber es ist so und Sorokin versucht alles Legale und Illegale, um die junge Frau und sein Baby zu beschützen und heiraten zu dürfen. Weiterlesen

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Gytha Lodge: Neben wem du erwachst

Louise wacht auf nach einer durchgesoffenen Nacht. Das ist kein völlig neues Gefühl für sie, denn nur der Alkohol kann die andere, die mutige, die fröhliche Louise hervorbringen. Ein Teil von ihr, den Louise ebenso hasst, wie sie ihn braucht und will. Eigentlich trinkt sie nur noch, wenn ihr Mann Niall auf Geschäftsreise ist, denn er sieht das nicht gerne. Wieso liegt er also neben ihr? Langsam kommt Louise in ihrem Kater zu sich und stellt fest: Der Mann neben ihr ist nicht Niall und er ist tot. Was hat sie nur getan? Sie kann sich an nichts erinnern.

Gytha Lodge erzählt ihren Roman aus zwei Sichten. Aus der von Louise und aus der der Ermittler. Das ist insofern in diesem Fall ziemlich genial, weil uns Louise von ihren Zweifeln erzählt, von ihren Erlebnissen mit der „betrunkenen Louise“, die so ganz anders ist, als die „normale Louise“. Der Leser versteht erst nach und nach, warum Louise ihren betrunkenen Part so sehr braucht und lernt sehr viel früher als sie selbst, an Niall zu zweifeln. Im Laufe der Ermittlungen werden Zweifeln an so ziemlich jedem Teil von Louises Leben gestreut und das bleibt bis zum Schluss spannend. Zumal das meiste zwar nicht so ist, wie es am Anfang schien, aber auch nicht so, wie man in der Mitte glaubte. Weiterlesen

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Anna Fleck: Meeresglühen 01: Geheimnis der Tiefe

Während ihre Mutter als Ärztin in Afghanistan tätig ist, verbringt Ella die Ferien bei ihrer Granny in Cornwall. Dort verlebt sie unbeschwerte Stunden mit ihrem Hund und alten und neuen Freunden, bis sie eines Tages einen vermeintlichen Surfer vor dem Ertrinken rettet. Aris ist – anders. Seine Verletzungen erscheinen merkwürdig und als es ihm besser geht und Ella ihn mit zu ihren Freunden nimmt, scheint er selbstverständliche Dinge einfach nicht zu kennen.

Das ist auch wenig verwunderlich, denn Aris stammt vom Meeresgrund. Das gesteht er Ella jedoch erst, als es gar nicht mehr anders geht. Als seine Verfolger bereits beginnen, auch Ella und ihre Familie zu verfolgen. Genial hier die beiden wehrhaften alten Damen. Aris muss zurück unter die Meeresoberfläche, aber Ella will ihn nicht allein lassen. Dabei ist eins klar: Wer einmal dort unten war, darf niemals wieder zurück.

Stella Fleck erzählt eine spannende, aber nicht zu spannende Geschichte. Ella läuft sehenden Auges in ihr Schicksal, aber nach und nach wächst sie daran. Mir hat besonders das immer wieder geheimnisvolle an diesem Roman gefallen. Zuerst versteht Ella nicht, um wen es sich bei Aris wirklich handelt. Später sind es Aris Erinnerungslücken, die Ella und den Leser immer wieder an Freund und Feind verzweifeln lassen. Nicht jeder ist in diesem Buch der, der er vorgibt zu sein und Stella Fleck versteht es, den Leser mit in Ellas Verwirrungen und Zweifel zu ziehen. Dazu ist der Schreibstil sehr angenehm und flüssig, wenn ich persönlich auch deutlich weniger Landschaftsbeschreibungen vorgezogen hätte, das liegt aber eher an meinen Vorlieben als an der Autorin. Weiterlesen

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Kilay Reid: Such a Fun Age

Zwei Welten prallen aufeinander. Die dunkelhäutige Babysitterin Emira wird von einer Party zu einem nächtlichen Noteinsatz gerufen. Eine Scheibe ist zu Bruch gegangen, die weiße Alix möchte ihr Kind einfach aus dem Chaos heraushaben. Emira geht mit dem Kind wie so oft in den Supermarkt. Nachts. In Amerika. Eine farbige, zur Party gestylte Frau (ja, auch leicht angetrunken) mit einem weißen Kind an der Hand. Das geht (natürlich) nicht gut. Emira muss sich gegen den Vorwurf wehren, das Kind entführt zu haben, gerät mit dem Wachpersonal aneinander und muss schließlich den Vater zu Hilfe rufen („Er ist ein weißer alter Mann.“, herrlich). Das ist aber nur der Anfang der Geschichte.

Weder Emira noch Alix sind mit ihrem Leben zufrieden. Emira lässt sich mit Hilfsjobs treiben und möchte doch so gerne im Leben ankommen, wie all ihre Freundinnen. Alix bereut den Umzug aus New York, auch wenn sie theoretisch ihren Job auch von außerhalb machen könnte. Ihr Job ist, zu bekommen was sie will und anderen Frauen beizubringen, wie sie genau das erreichen. Klingt modern, ist es auch. Nur dass Alix sich außerhalb von New York langweilt. Das trägt auch dazu bei, dass sie ihren gesamten Ehrgeiz darauf ausrichtet, Emira zu helfen. Die gar keine Hilfe will, jedenfalls nicht die von Alix. Dazu kommt auch noch eine komplizierte Liebesgeschichte mit einem Mann, den beide kennen. Weiterlesen

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