Dani Shapiro: Leuchtfeuer

Zwei Familien, die in einem New Yorker Vorort in gegenüberliegenden Häusern wohnen, stehen im Mittelpunkt von Dani Shapiros nicht chronologisch erzähltem Roman „Leuchtfeuer“.

Er beginnt mit einem folgenschweren Autounfall, den drei Teenager verursachen und den die Geschwister Sarah und Theo noch 20 Jahre später nicht überwunden haben.

Auch ihr Vater, Ben, ein pensionierter Arzt, hat dabei eine unrühmliche Rolle gespielt.
Ben ist es auch, der später eine enge Beziehung zum Nachbarsjungen Waldo entwickelt, der sich für Astronomie interessiert und den die Autorin als etwas weltfremd und versponnen darstellt. Schon bei Waldos Geburt hat Ben eine entscheidende Rolle gespielt. Und Jahre später ist es wiederum Waldo, der in einer schicksalsschweren Nacht auf Bens an Demenz erkrankte Frau Mimi trifft.

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Kerri Maniscalco: Hunting Prince Dracula: Audrey Rose 02

Auch der zweite Audrey-Rose-Roman von Kerri Maniscalco besticht durch seine atmosphärische Dichte. Nach ihrem Treffen mit Jack the Ripper kümmern sich die junge Gerichtsmedizin-Studentin Audrey-Rose Wadswarth und ihr So-Gut-Wie-Lover Thomas Cresswell um die Nachfahren von Graf Dracula – und das nirgendwo anders als auf Schloss Bran, das in Rumänien als Draculas Schloss vermarktet wird, obwohl Vlad III., der als Vorbild für den Ober-Vampir gilt, dort nur einmal übernachtet haben soll.

Im Roman, der Ende des 19. Jahrhunderts spielt, ist dort ein gerichtsmedizinisches Lehrinstitut untergebracht, in dem unsere beiden Helden hoffen, angenommen zu werden.

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Timon Karl Kaleyta: Heilung

Der Protagonist in Timon Karl Kaleytas Roman „Heilung“ leidet an Schlafstörungen und lässt sich von seiner Frau dazu überreden, sich in einer Nobelklinik in den Bergen behandeln zu lassen.

Dort gefällt es ihm aber nicht. Er gerät mit dem Leiter, Professor Trinkl, aneinander und flieht schließlich.
Es gibt gleich mehrere Probleme an diesem Buch. Erstens ist der Held keine Identifikationsfigur. Er wirkt wie ein willenloser Spielball, der sich von anderen herumkommandieren lässt: von seiner Frau, von besagtem Professor, von einer (mutmaßlich) anderen Patientin der Klinik und schließlich von einem alten Freund. Einmal beispielsweise befiehlt ihm der Professor, eine Bären-Mutter zu töten. Warum tut er es, obwohl er es eigentlich gar nicht will?

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Elias Hirschl: Content

Elias Hirschl, geboren 1994, war 2022 für einige Monate Stadtschreiber in Dortmund. Und tatsächlich finden sich in seinem Roman „Content“ einige Dortmund-spezifische Motive: ein legendärer Stahl-Magnat, den es nie gegeben hat (Karl Hoesch) und ein See, dessen Ufer eine Thomas-Birne ziert.
Im Nachwort bedankt sich der gebürtige Wiener bei der Stadt Dortmund, ohne deren Stipendium der Roman nicht möglich gewesen wäre.

Inhaltlich ist „Content“ eine ungemein witzige Satire auf moderne Internet-Eigenheiten wie die Künstliche Intelligenz ChatGPT oder Soziale Medien wie Instagram, Facebook und Co.
Die namenlose Erzählerin arbeitet in einer Firma namens „Smile Smile“, die quasi fließbandmäßig absurde YouTube-Videos oder Listenartikel („Listicles“) produziert – beispielsweise „Die 13 drogensüchtigsten Filmstars (Nummer 7 ist komplett gestört)“. Seltsamerweise wird davon nie etwas veröffentlicht, was die Erzählerin neugierig macht.

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Nathan Hill: Wellness

Wow, was für ein großartiger, begeisternder, vielschichtiger, reichhaltiger und intelligenter Roman! Der 1975 geborene amerikanische Schriftsteller Nathan Hill legt nun mit „Wellness“ ein ähnlich fulminantes und rundum überzeugendes Werk vor wie bereits 2016 mit „Geister“.

Hauptfiguren sind diesmal Elizabeth, die aus einem reichen, aber herzlosen Elternhaus stammt, und Jack, der irgendwo in der Provinz großgeworden ist – mit einem Vater, der sich aufs Abbrennen von Feldern verstand und einer geradezu bösartigen Mutter. Beide haben dunkle Geheimnisse in ihrer Vergangenheit.

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Silvesterspecial 2023

Im Laufe eines Jahres erscheinen unzählige Bücher von berühmten Autorinnen oder noch unbekannten Autoren. Darunter finden sich dann immer wieder ganz besonders berührende, unterhaltsame, fesselnde, interessante oder dramatische Bücher, die lesens- und empfehlenswert sind.

Aus den vielen Büchern, die die Rezensentinnen und Rezensenten der Leselust in den vergangenen zwölf Monaten gelesen und besprochen haben, sind es diese, die sie im Jahr 2023 besonders begeisterten:

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Christian Herzog: Aktion Phoenix

Was für ein spannender Thriller: Ralf H. Dorweiler, der hier unter dem Pseudonym Christian Herzog schreibt, nimmt die Olympischen Spiele von 1936 in Berlin zum Hintergrund seines Romans „Aktion Phoenix“.

Hauptfiguren sind eine Widerstandskämpferin gegen die Nazis, ein Mitarbeiter des Propagandaministeriums unter Goebbels, der sich in sie verliebt, und ein werdender Steward auf dem größten Zeppelin, den es damals gab: den LZ 129 „Hindenburg“.

Die Drei müssen sich mit einem perfiden Plan Hitlers, der als Figur sogar selbst auftritt, herumschlagen.
Herzog vermischt hier gekonnt Fakten und Fiktion. So treten erdachte Charaktere wie unsere drei Helden neben realen Figuren dieser Zeit wie einigen Nazi-Größen, der Regisseurin Leni Riefenstahl, dem erfolgreichen Sportler Jesse Owens oder auch dem Zeppelin-Erbauer Hugo Eckener auf.

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Paul Auster: Baumgartner

Mit seinem neuen Roman „Baumgartner“ legt der 1947 geborene amerikanische Schriftsteller-Superstar Paul Auster einen sehr persönlichen Roman vor. Sein Held, der Phänomenologie-Professor Seymour Baumgartner, hat viel gemeinsam mit Auster. Auch Anklänge zu Austers Partnerschaft mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt lassen sich aus dem Text herauszulesen.

Es geht um einen 70-jährigen älteren Herrn, der Schwierigkeiten hat, über den Tod seiner geliebten Frau Anna hinwegzukommen. Er stürzt sich in die Arbeit und auch in neue Affären, doch das alles hilft ihm nicht, einer gewissen Grund-Melancholie und Einsamkeit zu entkommen.

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Shehan Karunatilaka: Die sieben Monde des Maali Almeida

Der Rowohlt-Verlag hat den Booker-Prize-Gewinner 2022 nun auch auf Deutsch herausgebracht: Shehan Karunatilaka: Die sieben Monde des Maali Almeida. Dabei handelt es sich sowohl formal als auch inhaltlich um einen ungewöhnlichen Roman. Der Titelheld, ein Fotograf, muss Anfang der 90er-Jahre in Sri Lanka zur Kenntnis nehmen, dass er gestorben ist und sich nun in einem Zwischenreich aufhält, das wie ein völlig überfülltes Amt wirkt. Er hat nun als Geist sieben „Monde“ – gemeint sind Nächte – Zeit zu ergründen, wie und warum er gestorben ist. Geschrieben ist das Ganze – irritierenderweise – in der zweiten Person: „Du bist gestorben“.

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Jasmin Schreiber: Endling

Die 1988 geborene deutsche Autorin Jasmin Schreiber schickt in ihrem Roman „Endling“ ihre Heldin Zoe, eine Biologin, auf zwei ungewöhnliche Reisen. Zusammen mit der pubertierenden Schwester Hanna und der arg skurrilen Tante Auguste – sie hat panische Angst vor Infektionen – macht sie sich auf die Suche nach zwei seltsamen Dörfern, in denen nur Frauen überleben können. Das Ganze spielt im Jahre 2041, in dem das Artensterben immer mehr zunimmt und eine rechtsradikale Regierung das Sagen hat, die zum Beispiel Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Mit im Gepäck haben die drei Frauen eine Weinbergschnecke, die die letzte ihrer Art ist: einen „Endling“ – und so erklärt sich der Titel.

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