Alicia Joe, Sabine Winkler: Falsche Vorbilder: Wie Influencer uns und unsere Kinder manipulieren

Eltern haben es nicht immer leicht, die richtigen Entscheidungen für ihr Kind zu treffen. Genauso geht es Lehrern. Gerade wenn es den Handy-Konsum betrifft, wissen Menschen oft nicht, wie und ob sie eingreifen sollen – nicht zuletzt, weil ja oft gar nicht klar ist: Was macht das Kind da eigentlich? Was ist TikTok überhaupt? Was ist eine Instagram-Story? Und wer sind eigentlich diese Influencer?

Influencer: Ein Traumberuf der neueren Generationen – aber sind Influencer wirklich die Vorbilder, die sie zu sein scheinen?

Alicia Joe sieht die aktuellen Entwicklungen in der Branche kritisch – und sie muss es wissen, immerhin ist sie eine der bekanntesten YouTuberinnen Deutschlands. Mit ihrem Buch will sie Eltern und Lehrern helfen, einen besseren Durchblick in dem Thema zu erlangen und erklärt in den verschiedenen Kapiteln unter anderem, wie Influencer ihr Geld verdienen, klärt über gefährliche Trends auf (wie etwa den Schönheitswahn), erläutert die rechtlich kritische Lage von Familienbloggern und beleuchtet, was für erschreckende Folgen das unüberlegte Teilen der eigenen Kinder im Netz haben kann. Um das Verständnis aller Leser zu gewährleisten, ist das Buch zusätzlich mit einem umfangreichen Glossar ausgestattet, das eine Vielzahl an Begriffen erklärt. Weiterlesen

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John Sutherland (Hrsg.): In 80 Büchern um die Welt

Der Titel führt ein wenig in die Irre, denn es sind nicht ausschließlich Weltreisen, um die sich die erwähnten 80 Bücher drehen. Nein, es geht insgesamt um das Reisen schlechthin, das Reisen in unbekannte Region, auf gefährlichen, beschwerlichen Wegen, mit ungewissem Ziel.

Wunderschön aufgemacht ist er, dieser Band, an welchem eine Gruppe von mehr 50 Autoren und Autorinnen mitgewirkt hat. Eine fesselnde und spannende Sammlung von bekannten und weniger bekannten, von berühmten und vergessenen Büchern, die sich allesamt mit dem Reisen beschäftigen.

Chronologisch geordnet, beginnend mit der wohl berühmtesten Reise, der Odyssee, über die Entdeckungsfahrten bis hin zu den Abenteuerreisen, über die Lehrjahre auf Reisen bis zu den Roadmovies unserer Zeit, stellt dieses Buch Romane der verschiedensten Gattungen und Zeiten vor.

Jedes wird mit dem Cover der Originalausgabe gezeigt, man erfährt kleine Details zum Erscheinen, zum Verfasser und zur Geschichte des Romans. Es handelt sich übrigens bewusst nur um Romane, Sachbücher sind in der Auflistung nicht vertreten, ein besonderer Charme, wie ich finde. Weiterlesen

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Kirstin Breitenfellner: Maria malt

Die Autorin beginnt die fiktive Biografie über Maria Lassnig mit einem wunderschön erzählten ersten Kapitel über deren frühe Kindheit. Maria „Riedi“ ist arm und oft hungrig, sie lebt als „lediges Kind“ bei der Großmutter. Manchmal muss sie zur Strafe auf einem Holzscheit knien, manchmal bekommt sie den Zutzel, damit sie still ist, einen zerknäulten Lappen, gefüllt mit Zucker und Alkohol. Sie weiß, manche Kinder, die zuviel zutzeln, werden davon dumm. Auch Riedi ist anders, sie mag nicht sprechen. Dafür kann sie zeichnen und malt das Haus ihrer Großmutter. Ihre Mutter ist schön, stark und klug, und nachdem sie einen Bäckermeister geheiratet hat, holt sie Riedi zu sich.

Diese Geschichte ist sehr berührend und ich habe beim Lesen erst einmal innegehalten, bevor ich weiter auf die Reise gegangen bin: Maria besucht die Wiener Akademie: „Die Tochter und Enkelin einer langen Reihe von unverheirateten und unterprivilegierten und überarbeiteten Frauen“ erhält ihr Hochschuldiplom, wird in Kärnten zum Provinzstar und verliebt sich in den „Widerspenstigen Wilden“ Arnulf Rainer. Die Künstlerpersönlichkeiten inspirieren sich gegenseitig in der Nachkriegszeit, werden dann zu Konkurrenten, die sich unterschiedlich gut im Kunst-„Betrieb“ durchsetzen können. Kurz: Arnulf verkauft, Maria malt. Weiterlesen

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Mina König: Mademoiselle Oppenheim

Erst achtzehn Jahre alt ist Meret Oppenheim, als sie das Elternhaus in Deutschland und die geliebte Großmutter in der Schweiz verlässt, um nach Paris zu ziehen. Ihr Ziel: der große Durchbruch als weltbekannte Künstlerin. Anfänglich besucht sie Kurse an der Kunstakademie, tut dies aber nur, um die Sorgen ihrer Eltern zu beschwichtigen. Denn diese verstehen ihren Drang zur abstrakten modernen Kunst nicht und halten sie für ausgemachte Zeitverschwendung. Als Meret dann auch noch zustimmt, für ein Projekt Aktmodell des berühmten Fotografen Man Ray zu sein, verliert sie jegliche Unterstützung. Ihr Vater empfiehlt ihr, eine Irrenanstalt aufzusuchen und Meret bricht als Antwort jeglichen Kontakt ab. Das Schlimmste hieran ist nicht nur, dass die freie Entfaltung ihrer Kunst hinter das Geldverdienen treten muss, sondern auch, dass Meret im Unwissen bleibt, wie es ihrer Familie geht. Nur in den Nachrichten erfährt sie von der erschreckenden politischen Lage in ihrem Heimatland und von der Gefahr, der ihre Eltern und ihre Geschwister mit jüdischen Wurzeln ausgesetzt sind. Weiterlesen

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Heinz Schuler & Dominik Schwarzinger: Die Masken der Psychopathen

Impulsivität? Charmieren, heucheln, hochstapeln? Woran erkennt man Psychopathie und wie geht man mit Psychopathen um? Genau das erfahren wir in „Die Masken der Psychopathen“, denn tatsächlich weist jeder achte Mensch psychopathische Persönlichkeitszüge auf. Das Autorenduo hat sich ein spannendes psychologisches Thema rausgepickt und dieses erstaunlich anschaulich und verständlich aufbereitet. Dabei zeigen sie, wie unglaublich komplex diese schwere antisoziale Persönlichkeitsstörung ist, sowohl zur Charakterisierung an sich als auch dessen Beurteilung. Beim Lesen lernen wir ebenso, weshalb es mehr männliche als weibliche Psychopathen gibt.

Steckt hinter einer Maske positiver Ausstrahlung und Wirkung, tief unter der Oberfläche von vielen Personen, die Herausragendes geleistet haben und große Erfolge erzielen, womöglich etwas, das sie mit Schwerverbrechern verbindet?“ (S. 7)

Diese Lektüre bietet der Leserschaft nicht nur die Psychogramme von James Bond, Napoleon Bonaparte und Pablo Picasso – sondern auch einen interessanten Selbsttest. Na, wie hoch sind deine eigenen psychopathischen Anteile? Weiterlesen

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Katrin Eigendorf: Putins Krieg

Die Ukraine sei das einzige Land, das die anderen Europäer daran erinnere, was Würde und Freiheit bedeuten, und dessen Menschen bereit seien, dafür zu sterben, während die Europäer in Brüssel über die Form von Tomaten debattieren.“ (S. 92).  Diesen Satz zitiert Katrin Eigendorf im Buch aus ihrem eigenen Tagebuch unter dem Datum 12. April 2014 und sie lässt hier einen Polen sprechen, der dies damals zu einem Ukrainer sagte.

Bereits 2014 hat die bekannte Reporterin von ZDF und anderen Formaten aus der Ukraine berichtet, bereits damals, als Russland die Krim annektierte. Und in diesem Jahr 2022 war sie wieder dort, reiste nach Kiew am Tag des Beginns des russischen Angriffs. Ihre seither gesammelten Eindrücke fasst sie jetzt im vorliegenden Buch zusammen, lässt Ukrainerinnen und Ukrainer zu Wort kommen und schildert auch ihre eigenen Gefühle beim Anblick der zerstörten Städte und Dörfer. Sie fährt nach Butscha, nach Irpin, nach Odessa, sie spricht mit Soldaten, Zivilisten, mit Flüchtenden und Bleibenden.

Viele der Szenen, die sie beschreibt, sah man im Fernsehen, in den Nachrichten, in denen sie regelmäßig live zugeschaltet wird. Katrin Eigendorf ist eine mehrfach ausgezeichnete Reporterin, Kriegsberichterstatterin trifft es wohl eher. Sie war in Afghanistan, in Syrien und nun also in der Ukraine. Weiterlesen

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Juvvie Ajayi Jones: Handbuch für Unruhestifterinnen

Als professionelle Unruhestifterin ist die aus Nigeria stammende Autorin Luvvie Ajayi Jones in den USA bekannt geworden. Ihr Podcast, ihre Initiativen und die häufig gebuchten Auftritte als Rednerin zeigen, dass sie über Themen spricht, die andere nur denken: nämlich Gerechtigkeit für ALLE.

Es war ein langer und turbulenter Weg dorthin. Anfangs schrieb sie auf ihrem Blog nur vor sich hin, wie sie die Zeit auf der Universität erlebte. Und plötzlich stellte sie fest, dass immer mehr Interessierte ihre Ansichten teilten und sich von ihr inspiriert fühlten. Mit einer gelungenen Mischung aus Witz und lauten Forderungen ging es weiter, ohne dass es einen Masterplan für eine Karriere gab.

„Was mir damals nicht klar war: Mein Job hatte sich gewandelt, und das war völlig okay. Es war nicht mehr länger mein Job, jeden Tag im Schlafanzug daheim zu sitzen und die Tagesnachrichten zu kommentieren. Mein Job bestand nun darin, auf die Bühne zu gehen und den Leuten von meinen Lektionen, meinen Fehlern und meinen Triumphen zu erzählen.“ (S. 235)

Sie erzählte frei und ehrlich, wie es wirklich ist, als schwarze Frau gegen Wände zu laufen, für die gleiche Arbeit weniger zu verdienen als weiße oder schwarze Männer oder auch weiße Frauen. Weiterlesen

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Luka Holmegaard: Look

Kleidung hat unterschiedliche Liebesaffären und vieles mehr. Extravaganz, Luxus, Exzess.“ (S. 26)

Luka Holmegaard (ehemals Ida) ist 1990 in Dänemark geboren und studierte Literarisches Schreiben. „Look“ ist das dritte Werk, diesmal ein Hybrid aus Essay und Roman.

Für mich persönlich ist es revolutionär einzigartig, daher definiere ich es neu: holmegaardesk. Denn der Roman ist auch literarisch ein Genuss, zum Brillanten geschliffen durch die Übersetzung von André Wilkening.

Da zu liegen, fühlt sich luxuriös an, ich gönne mir das, wie Champagner am Vormittag.“ (S. 9)

Diese bezaubernde Lektüre schafft ein Bewusstsein für facettenreiche Denkperspektiven über Identität und Geschlechterrollen.

Dabei sprüht „Look“ nur so vor bemerkenswerten Details und Interpretationen über Kleidung, Sprache und Stil. Intelligent und galant verwebt Luka die Rollenbilder der Geschlechter, Literatur, Transformation, Kultur, Liebe, aber auch Burnout und die eigene Geschlechtsidentität werden tagebuchartig aufgespalten. Federleicht erspürt Luka ganz feinsinnig den zarten Stoff, der zwischen uns allen den Unterschied unserer Einzigartigkeit kreiert. Weiterlesen

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Johannes Hepp: Die Psyche des Homo Digitalis

Eine Befragung ergab, dass 40 Prozent aller unter 35-jährigen Amerikaner selbst beim Autofahren auf Social Media gehen, 64 Prozent bei der Arbeit, 65 Prozent während eines Dates und 36 Prozent direkt nach dem Sex.“ (S. 128)

21 Neurosen, die uns im 21. Jahrhundert herausfordern? Zuerst einmal: Was ist eine Neurose? Als Neurosen werden psychische Verhaltensstörungen definiert, wie bspw. Phobien, Angststörungen, Zwangsstörungen, Panikattacken, depressive Neurosen, hypochondrische Neurosen, diffuse Angstzustände oder dissoziative Störungen. Genau diese Definition fehlt mir, um gleich zu Beginn im zentralen Thema des Buches anzukommen. Dennoch fand ich es interessant, denn Seite um Seite ist richtig gut zu lesen, ohne Durchhänger meinerseits, ohne langweilige Passagen.

Noch spannender hätte ich es gefunden, wenn die zahlreichen Themen durch weiterführende erhellende Einsichten und erfrischende Blickwinkel ungewöhnlicher Perspektiven geglänzt hätten. Auch wenn ich nicht allem zustimmen konnte, was der Autor erörterte, regt es jedenfalls gut zum Nachdenken an. Doch bei seiner Kritik über Social Media bin ich voll und ganz bei ihm. Denn der Homo Digitalis denkt, er konsumiere kostenlose Produkte, doch er ist das Produkt. Weiterlesen

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Zoe Chance: Der gute Einfluss: Menschen für sich gewinnen, authentisch bleiben und Gutes bewirken

Vorweg: Ein Buch einzig und allein anhand des Genderns zu beurteilen und unverschämte 1-Sterne-Kritiken zu geben, ist für mein Empfinden absolut kleingeistig und engstirnig. Auch wenn die Eleganz der Sprache und der Lesefluss durch „Verführungskünstler*innen“, „Trickbetrüger*innen“ oder „Lobbyistinnen und Lobbyisten“ gestört wird, ist dies nur ein winziger Negativaspekt einer sonst unfassbar wertvollen Lektüre. Auf den Genderwahn zu verzichten mit einem Hinweis im Vorwort, wäre in einer zweiten Auflage perfekt.

Die Dynamik erfahrener Verkäufer: „»Du willst sie anregen, du willst ihre Neugier wecken. Und dann willst du, dass sie mit dir im selben Team spielen.« Aus den besten Verhandlungen kommen Sie mit einer Idee heraus, die noch großartiger ist als jene, mit der Sie hineingegangen sind.“ (S. 204)

Jeder Mensch könne andere beeinflussen, sagt die Yale-Professorin Zoe Chance, auch Introvertierte. Sie erklärt in ihrem Werk, wie authentischer Einfluss wirklich gelingt. Dabei verwebt sie faszinierende Studien, wissenschaftliche Forschungsergebnisse, Experimente, Theorien so klug mit originellen, persönlichen Anekdoten, dass man beim Lesen dauerhaft ins begeisterte Staunen verfällt, da man selbst immer wieder neue Erkenntnisse entdecken darf. Weiterlesen

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