George Saunders: Bei Regen in einem Teich schwimmen

Geschichten großer russischer Schriftsteller haben den  amerikanischen Literaturprofessor George Saunders nach seinen eigenen Angaben bewegt und verändert. Fünf dieser Schriftsteller bringt er uns mit insgesamt sieben Geschichten in diesem so unterhaltsamen wie lehrreichen Buch nahe.

Es sind dies drei Erzählungen von Anton Tschechow: „Auf dem Wagen“, „Herzchen“ und „Stachelbeeren“.

Von Leo Tolstoi lesen wir zwei Geschichten: „Herr und Knecht“ und „Aljoscha der Topf“.

Von Iwan Turgenjew ist die Geschichte „Die Sänger“ abgedruckt.

Nikolai Gogol ist mit der Erzählung „Die Nase“ vertreten.

All diese Texte haben sich für Saunders‘ Unterricht in Form von Schreibkursen in Creative-Writing und in seinen Master-Studiengängen bewährt, weshalb er sie für seine Studierenden immer wieder aufgegriffen hat. Die Leser dieses Buches kommen so also in den Genuss, quasi an einem Seminar von George Saunders teilzunehmen. Weiterlesen

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Jenny Odell: Nichts tun: Die Kunst, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen

*aufgewacht und erster Blick aufs Smartphone* also mal sehen, was für neue Schrecken mich auf dem «Neue-Schrecken-Gerät» erwarten“ (Tweet von @missokistic, S. 27)

Ja, was verbirgt sich wohl hinter diesem wunderschönen Cover mit dem effekthaschenden Titel? Die Autorin Jenny Odell ist Künstlerin und Kunstlehrerin an der Stanford University, was sie für meinen Geschmack etwas zu oft erwähnt. Sie schreibt selbst, dass wir ihr Buch nicht als abgeschlossene Informationsübermittlung betrachten sollten, sondern stattdessen als offenen und ausgedehnten Essay – eine Reise, einen Versuch vorwärtszukommen. Oder auch als ein „aktivistisches Buch im Gewand eines Selbsthilfebuchs.“ (S. 24)

Für mich persönlich ist „Nichts tun“ eher eine individuelle Erzählung in Form einer philosophischen Abhandlung, wie wir uns von der „kapitalistischen Aufmerksamkeitsökonomie“ lösen können, um bedeutungsvollere Dinge zu tun, als auf Social Media zu hängen. Weiterlesen

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Dr. Benjamin Hardy: Die Selbstfindungs-Falle

Auch wenn mich die Illustration auf dem Cover so gar nicht angesprochen hat, umso begeisterter bin ich vom Inhalt, der wirklich brandneue Sichtweisen eröffnet. Das Buch glänzt mit allerlei weisen Zitaten, wahren Lebensgeschichten und bietet ebenso praktische, wissenschaftlich fundierte Ratschläge für die persönliche Neuerfindung, hilfreiche Fragen zur Selbstreflexion sowie kurze Übungen.

Persönlichkeitstests als Fast Food für die Seele?

Der Psychologe Benjamin Hardy entlarvt auf Grundlage psychologischer Forschungserkenntnisse die weltumspannenden Mythen über die Persönlichkeit, die uns an der Weiterentwicklung hindern – und bietet erfrischende Strategien für persönliche Transformationsprozesse.

Dabei widerlegt er u. a. das Missverständnis des tief verwurzelten Glaubens, dass die Persönlichkeit angeboren und somit unveränderlich ist. Oder auch, warum populäre Persönlichkeitstests wie der Myers-Briggs-Typenindikator, das HEXACO-Modell und das Enneagramm nicht nur psychologisch destruktiv sind, sondern reiner Aberglaube, der sich als Wissenschaft tarnt. Denn sie reden uns Einschränkungen ein, die in Wirklichkeit gar nicht existieren oder sogar unser Leben ruinieren können. Weiterlesen

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Sacha Bachim: Therapie to go: 100 Psychotherapie Tools für mehr Leichtigkeit im Alltag

Das Problem ist nicht das Problem. Das Problem ist deine Einstellung zum Problem.“ (Captain Jack Sparrow in Fluch der Karibik; S. 69)

Der luxemburgische Psychotherapeut Sacha Bachim gibt dem Leser direkt praktische Beispiele, Tipps, Techniken und Methoden aus seinem psychotherapeutischen Werkzeugkoffer mit auf den Weg. Dabei geht er auf Fragen ein wie: „Wieso haben wir eigentlich diese ständigen Gefühle? Und wieso verhalten wir uns so, wie wir uns verhalten, und nicht anders?“ (S. 69)

Direkt am Anfang geht es schon los und man entdeckt als Leser erstes praktisches Handwerkszeug für die eigenen Routinen. Auf jeder Seite habe ich Text- und Pagemarker gezückt, um allerhand nützliche Textstellen zu markieren.

Dank des unterhaltsamen und charmant-humorvollen Schreibstils bin ich wissbegierig durch die Kapitel geflogen, in denen so viele ultraspannende, psychologische Aspekte beleuchtet werden. Weiterlesen

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Matthias Heine: Ausgewanderte Wörter

Dass wir in unserem Alltag viele eingewanderte Wörter verwenden, ist nicht neu. Jeden Tag sprechen wir von Computer, Fisimatenten oder ähnlichem. Aber aus unserer Sprache sind auch ganz viele Wörter ausgewandert, in alle Himmelsrichtungen und zu allen Zeiten.

Davon erzählt Matthias Heine in seinem Buch, das etliche Beispiele aufzählt. Viele davon sind bekannt, zum Beispiel Rucksack oder Kindergarten. Aber wer hätte gewusst, dass in Samoa das Wort „Fünfer“ angekommen ist oder im Ungarischen das Wort „Kupplung“.

Besonders spannend fand ich auch den „Perückenmacher“ im Russischen oder das „Hofbräuhaus“ in Korea – obwohl, das wundert dann doch eher nicht.

Interessant sind dabei die Geschichten dahinter, wie und warum kam dieses deutsche Wort in das fremde, oft weit entfernte Land. Bei manchen überrascht die Erklärung nicht, wenn zum Beispiel die Auswanderer das Deutsche mitnahmen nach Amerika. Aber wie kam der „Schraubenzieher“ ins Serbokroatische? Dabei erkennt man als Deutsche das Wort dann oft gar nicht wieder, wird es doch in den Sprachduktus und natürlich auch in die Schrift des Auswanderungslandes übernommen. Weiterlesen

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Harald Jähner: Höhenrausch: Das kurze Leben zwischen den Kriegen

Wer schon immer mal wissen wollte, wie es eigentlich genau beim Kapp-Putsch, dem Spartakus-Aufstand oder Hitlers Weg zur Macht zuging, dem sei hiermit ein hochinteressantes Sachbuch empfohlen: „Höhenrausch – das kurze Leben zwischen den Kriegen“ des ehemaligen Feuilletonchefs der Berliner Zeitung, Harald Jähner.

Doch es geht in diesem Buch über die Weimarer Republik keinesfalls nur um Politik. Wir erfahren, wie der „Shimmy“ die Tanzwelt revolutionierte oder wie es im berühmten Berliner Vergnügungstempel „Moka Efti“ zuging, den Fernsehzuschauer schon aus der Serie „Babylon Berlin“ kennen könnten – oder wie der Tonfilm nach anfänglichen Schwierigkeiten dann doch das Kino eroberte.

Auch der Rolle der Frau, dem Arbeitsleben in den Großraumbüros, der Hyperinflation und der Weltwirtschaftskrise sind einige Kapitel gewidmet. Weiterlesen

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Elyas Jamalzadeh & Andreas Hepp: Freitag ist ein guter Tag zum Flüchten

Wann ist man wirklich angekommen? Wann ist eine Flucht wirklich zu Ende? Und wann ist das neue Zuhause Heimat? Und schließlich die Frage, die mich während der Lektüre dieses Buches immer wieder beschäftigte: Wie verkraftet man solche Erlebnisse?

Elyas Jamalzadeh erzählt auf ganz ungewöhnliche Weise von seinem Leben auf der Flucht. Er wurde quasi auf der Flucht geboren, denn seine Eltern waren bereits aus Afghanistan geflohen, bevor er auf die Welt kam. So wurde er im Iran geboren und war dadurch weder das eine noch das andere, weder noch Afghane noch schon Iraner. Obwohl seine Familie viele Jahre im Iran lebte, kamen sie dort nie wirklich an, wurden nie anerkannt und blieben illegal. Was bedeutete, dass keiner von ihnen offiziell arbeiten durfte, die Kinder durften nicht in die Schule und Unterstützung bekamen sie auch nicht. Er war schon fast erwachsen, als die Familie beschloss, erneut zu fliehen, und zwar nach Österreich, wo eine seiner Schwestern bereits lebte. Weiterlesen

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Josef Winkler: Die Ukrainerin. Njetotschka Iljaschenko erzählt ihre Geschichte.

Im Sommer 1981 hält es Josef Winkler in Wien nicht mehr aus. Es zieht ihn in die Abgeschiedenheit der Berge. Er quartiert sich bei einer Bergbauernfamilie in Kärnten ein und will dort ein begonnenes Manuskript fertigstellen. Bis Herbst 1982 bleibt er auf dem Unterstarzerhof bei Valentina Steiner und ihrer Familie. Er freundet sich mit der Bäuerin an, schreibt an seinem Text, hilft aber auch tatkräftig am Hof mit. Dabei erfährt er, dass Valentina 1943 aus der Ukraine verschleppt wurde und als Fremdarbeiterin auf den Starzerhof gekommen ist. Später hat sie den Hoferben geheiratet und mit ihm eine Familie gegründet. In vielen Gesprächen erzählt sie Winkler ihre Lebensgeschichte, die ihrer Schwester Lydia und ihrer Mutter Hapka.

Der Autor lässt Valentina, die aus der Ich-Perspektive berichtet und im Text Njetotschka Wassiljewna Iljaschenko heißt, ihre Erinnerungen aufrollen. Dem Leser stockt bei der Lektüre der Atem. Es ist schier unfassbar, was diese Frau mitgemacht hat. Geboren wird sie im Dorf Dubynka am Dnjepr, die Eltern sind fleißige Leute mit bescheidenem Wohlstand, bis die Russen das Land zwangskollektivieren, der Vater nicht der Kolchose beitreten will und deswegen der Familie buchstäblich alles weggenommen wird. Weiterlesen

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Dieter Georg Herbst & Thomas Heinrich Musiolik: Digital Storytelling

Durch Vernetzung der User im digitalen Kosmos lassen sich Digital Storys auf neuartige Weise gemeinsam erstellen, entwickeln und weit verbreiten. […] User können aktiv dem Verlauf der Markengeschichte folgen und diesen mitbestimmen.“ (S. 282)

Was ist Digital Storytelling, wie entstehen digitale Geschichten und warum sind zu viele Geschichten in der Unternehmenskommunikation so langweilig, obwohl sie durchaus aufwendig hergestellt sind? Die beiden Storytelling-Experten Dieter Georg Herbst und Thomas Heinrich Musiolik erklären diese Themen dank unglaublich vieler praktischer Tipps, Taktiken und Strategien sehr anschaulich und tiefgreifend. Wie ein Leuchtturm im Dschungel des Digital Storytelling. Storytelling bleibt kein abstraktes Hypewort mehr. Seite um Seite erspüren wir als Leser sogar die Bedeutung multisensorischer Erlebnisse im Storytelling. Außerdem lernen wir, was digitale Geschichten spannend macht und wie Abenteuer die Stories voran bringt. Weiterlesen

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Bianca Blasl & Wilhelm Geiger: Bauer to the people

In diesem Sommer 2022, in dem die Hälfte der Fläche der EU von Dürre oder großer Trockenheit betroffen ist, in dem die Medien von ausgetrockneten Flüssen und verschwundenen Seen berichten, fragt man sich ernstlich: Woher kommt eigentlich unser Essen? Wie geht das vonstatten mit der Lebensmittelproduktion in Österreich (und Deutschland)? Wird es trotz Klimawandel in naher Zukunft für alle genug zu essen geben? Kaum jemand aus den großen Städten kennt einen Bauern persönlich. Bianca Blasl, gelernte Agrarökonomin und vielseitig interessiert, und Wilhelm Geiger, Koch und Sozio-Ökonom, wollten wissen, wer denn die Menschen sind, die die Basisprodukte unsere Nahrungsmittel herstellen, unter welchen Bedingungen sie das tun, was sie dafür bekommen, welcher Einsatz und welcher Aufwand dafür notwendig sind, und, und, und.

Sie wollten hinter die Ku(h)lissen schauen, wie es im Titel schon heißt und sich selbst vor Ort ein Bild machen. Nur mehr zwei Prozent der Erwerbstätigen in Österreich sind Bauern. Blasl und Geiger haben einige von ihnen besucht, sowohl konventionell wirtschaftende Landwirte als auch Bio-Bauern. Weiterlesen

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