Stefan Zeh: Fataler Wahn

Albträume nicht ausgeschlossen

Rezept
Man nehme:
1 Triebtäter,
3 Opfer, jung, weiblich, Single,
4 Ermittler, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Nacheinander gönne man den Zutaten einzelne Kapitel, dem Triebtäter die seinen als Ich-Erzähler, die der Opfer und der blutjungen Kriminalbeamtin Julia Beck in der dritten Person und alle in der Vergangenheit. Das Gericht genießt man am besten ans Kopfende seines Bettes gelehnt, nur mit einer dünnen Decke, das kühle Schlafzimmer unzureichend durch die Nachttischlampe ausgeleuchtet, und schon ist eine schlaflose Nacht oder eine mit Albträumen garantiert.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Marcel Huwyler: Der lila Seeteufel

Eine schillernde Frau ermittelt – spannend und urkomisch

Wie immer genial. Kaum erhalten, schon ausgelesen, geradezu weggesuchtet habe ich diesen neuen Roman des Schweizers, dessen Bücher Garanten sind für geniale Unterhaltung.

Auch wenn ich seine Frau Morgenstern viel lieber mag –  die Romane haben mehr Tiefgang, sind spannender und die Plots verwickelter und damit interessanter  – so ist Eliza Roth-Schild eine viel zu schillernde Frau, um sie nicht zu mögen. Um ihren Auftrag zu erfüllen, scheut sie keine Gefahr, keine Tricks und keinen doppelten Boden. Dabei schießt sie dann manchmal über das Ziel hinaus und kommt nur dank hilfsbereiter Männer wieder aus der Bredouille heraus.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sin Blaché und Helen Macdonald: Prophet

Helen Macdonald hat 2015 den Bestseller „H wie Habicht“ geschrieben. 2021 erschien ihre Essaysammlung  „Abendflüge“. Nun hat sie sich mit Sin Blaché zusammengetan und herausgekommen ist „Prophet“, Science Fiction, Thriller, Liebesgeschichte, Mystery und Horror, alles in einem. Der Carl Hanser Verlag veröffentlichte die deutsche Ausgabe in einer Übersetzung von Thomas Gunkel am 21. August 2023.

„»Das Ende der Welt sind Menschen, die an ihren Spielsachen kleben.«“ (S. 441)

Ich kann es gleich zu Beginn sagen: „Prophet“ hat das Zeug, zu einem meiner Lieblingsbücher 2023 zu werden.

Phantastisch, schnell und spannend geschrieben mit zwei sehr ausdrucksstarken Charakteren in einer gesellschaftlich und politisch brisanten Story. Das ist guter Stoff für Leserinnen und Leser.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Eva Rossmann: Fine Dying

Alles beginnt mit einem Telefonat. Der Spitzenkoch Günter Manninger befindet sich gerade beruflich in der Karibik, als in seinem Restaurant „Apfelbaum“ in Österreich die Küchenhilfskraft Khaled ermordet wird. Manninger bittet seine langjährige Bekannte, die Journalistin Mira Valensky, sich im „Apfelbaum“ undercover umzusehen.

Die Küche leitet inzwischen Esat Al Sayed, wie Khaled ein Flüchtling aus Syrien. Mira heuert als Küchenhilfe an und findet gemeinsam mit ihre Freundin Vesna heraus, dass Esat zusätzlich im „KI“ angestellt ist, einem Lokal mit dem Namen „Kitchen Intelligence“, in dem angeblich nur Roboter arbeiten. Das KI gehört einem gewissen Busch. Mira und Vesna entdecken, dass dort hinter den Kulissen sehr wohl Menschen kochen, und zwar Großteils geflüchtete Ukrainerinnen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mathias Berg: Die Kriminalistinnen: Der Tod des Blumenmädchens

Historischer Kriminalroman aus der Flower-Power-Zeit, der sein Thema verliert

Der Kölner Autor siedelt seinen Kriminalroman im Düsseldorf des Jahres 1969 an, als die ersten Kriminalbeamtinnen eingestellt bzw. ausgebildet wurden. Sie stoßen auf wenig Begeisterung bei den männlichen Kollegen und auf wenig Respekt und Anerkennung in der Bevölkerung.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Lucia Specht, die 22Jährige hat bisher als Sekretärin gearbeitet und ist nun zur Polizei gewechselt. Sehr zum Leidwesen, ja zum Ärger ihres Bruders und ihres Vaters. Doch seit dem Tod der Mutter, die vor Jahren einem Verbrechen zum Opfer fiel, das nie aufgeklärt wurde, zieht es Lucia zur Polizei.

Unter den strengen Augen des Vorgesetzten darf sie, ebenso wie die anderen jungen Frauen, die wie sie die Ausbildung in verschiedenen Abteilungen durchlaufen, erste eigene Ermittlungen durchführen, als in einer Wohnung die Leiche einer jungen Frau gefunden wurde. Das Mädchen gehörte zur Hippieszene in Düsseldorf und nach und nach finden Lucia und ihre Kollegen Details über ihr Leben heraus.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Gina LaManna: Drei Freundinnen

Unterhaltsamer Popcorn-Psychothriller

Geheimnisse wogen schwer.

Sie waren lebende, atmende Wesen, die wuchsen und sich mit der Zeit veränderten. Sie erstickten und erdrückten ihre Bewahrer; blähten sich vor Wut auf und sanken vor Depression in sich zusammen.“ (S. 96)

Die Autorin zaubert in ihrem Psychothriller „Drei Freundinnen“ pure Spannung aufs Papier – voller unerwarteter Wendungen, die einen regelrecht an die Seiten fesseln. Ich war gebannt darauf, wie sich die Geschichte entwickelt, daher habe ich das Buch nicht nur in Rekordgeschwindigkeit inhaliert. Nein, ich habe wirklich jeden Satz intensivst gelesen; buchstäblich, um nichts zu verpassen – und das ist bei mir eine Seltenheit! Denn wenn mich die Faszination nicht packt, was leider zu oft der Fall ist, verfalle ich automatisch ins Speed Reading.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Karen M. McManus: One Of Us Is Back

Sommerferien und alle kommen wieder in Bayview zusammen. Es könnte so schön sein: Endlich wieder mit seinen Freunden vereint, lange Tage am Strand – wäre da nicht ein riesiges Problem, das auf Bronwyn, Nate und ihren Freunden lastet, ganz besonders auf Addy. Denn Jake wird aus dem Gefängnis entlassen, sein Prozess soll aufgrund eines bürokratischen Fehlers neu aufgerollt werden. Nun läuft er als der gute Junge von nebenan wieder durch die Straßen der Stadt. Der Jake, der Simon bei seinem Plan geholfen und Nate ins Gefängnis gebracht hat. Der versucht hat, Addy umzubringen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Freida McFadden: Wenn sie wüsste

Viele Leser sind restlos begeistert, und auch ich war anfangs voller Vorfreude. Doch was hätte diesen Thriller zu einem wahrhaften Meisterwerk gemacht?

Feinsinnige Details, spitzenklasse Dialoge, überraschend unvorhersehbare Wendungen –„Wenn sie wüsste“ von Freida McFadden verspricht so viel, doch bleibt in einigen Aspekten hinter meinen hohen Erwartungen zurück.

Die Geschichte beginnt vielversprechend mit der geheimnisvollen Millie, die eine Stelle als Haushaltshilfe auf Long Island annimmt. Hier könnte man eine facettenreiche Charakterentwicklung erwarten, jedoch bleibt Millies Persönlichkeit etwas oberflächlich, undurchsichtig und naiv. Die dynamischen Beziehungen zwischen den Hauptfiguren sind zwar spannungsgeladen, aber oft fehlt die emotionale Tiefe, die das Lesen noch mitreißender gemacht hätte.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kathrin Lange/Susanne Thiele: Toxin

Der Klimawandel beeinflusst nicht nur unser Wetter. Oder sagen wir es anders: Das Wetter beeinflusst nicht nur unser direktes Wohlbefinden. Überflutungen reißen nicht nur Häuser ein, sondern legen auch Dinge frei, die man vor sehr vielen Jahren leider nicht verbrannte, sondern nur tief vergrub. Auch im auftauenden Permafrost lagern noch Viren und Bakterien, die die Menschheit längst ausgerottet glaubte.

Bei einem Erdrutsch durch auftauende Permafrostböden werden Karibu-Reste freigelegt. Die Herde starb vor vielen Jahren – Jahrzehnten – am Milzbrand und wurde damals einfach tief vergraben. Der Forscher Gereon erkennt in dem gefährlichen Erreger aber auch eine Chance: Er möchte ihn modifizieren und in der Krebsforschung einsetzen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Monika Feth: Und du wirst lächelnd sterben

Ivy kennt nicht mehr als ihren Vornamen. Sie steht auf einem Feldweg, voller Blut und Dreck und kann sich an nichts erinnern. Nur bei einem ist sie sich absolut sicher: Sie will auf überhaupt keinen Fall zur Polizei gehen. In einer kleinen Pension auf dem Land findet sie zunächst Unterschlupf und auch Hilfe. Niemand scheint sie zu vermissen, niemand scheint sie zu suchen. Wie kann das sein? Ist sie es, die etwas Furchtbares getan hat? Vor allem nachts tauchen Erinnerungsfetzen auf, an eine furchtbare Tat. War sie daran beteiligt oder hat sie es nur gesehen? Ivy weiß es nicht.

Monika Feth hat hier eine Geschichte erdacht, hinter der deutlich mehr steckt, als man am Anfang vermutet. Und sie hat sie sehr geschickt aufgebaut. „Und du wirst lächelnd sterben“ lässt uns sehr lange genauso im Unklaren, wie es Ivy ist. Und als der oder die Täter endlich auftauchen, bleibt fast bis zum Ende offen, was eigentlich passiert ist.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: