James Ellroy: Die Bezauberer

James Ellroys Roman „Die Bezauberer“ beginnt faszinierend. Wir werden in Marilyn Monroes Schlafzimmer in Hollywood im Sommer 1962 gebeamt, kurz nachdem sie tot aufgefunden worden ist. Größen jener Zeit wie die Kennedy-Brüder, die Schauspieler Peter Lawford oder Liz Taylor, die gerade „Cleopatra“ dreht, kommen genauso vor wie eine Vielzahl von weiteren realen und fiktiven Figuren.

Hauptfigur ist der alkohol- und drogenabhängige Ich-Erzähler Freddy Otash, ein Ex-Cop und Schnüffler, der Informationen beschaffen soll und dabei für wechselnde Auftraggeber arbeitet.

Der Roman lebt von seiner atmosphärischen Dichte. Es gelingt Ellroy, die Stimmung jener Zeit und jenes Ortes – zumindest wie sie gewesen sein könnte – glaubhaft zu vermitteln. Wie alle James-Ellroy-Romane („L.A. Confidential“ z.B.) ist auch dieser rau und brutal. Im Grunde alle Figuren lügen und sind korrupt. Polizisten nehmen auch mal den Tod eines Gefangenen in Kauf, um den Aufenthaltsort einer Geisel zu erfahren – wie in der eindrücklichen Anfangsszene beschrieben. Lichtblicke oder Hoffnungsschimmer gibt es so gut wie gar nicht. Bei aller stilistischen Brillanz: Das muss man mögen, um diesen Roman in vollen Zügen genießen zu können.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Vera Buck: Das Baumhaus

Vera Bucks neuer Thriller „Das Baumhaus“ hat bereits vor seiner Veröffentlichung hohe Erwartungen geweckt. Doch hält er, was er verspricht?

In unserer neuen Doppel-Rezension nehmen wir das Buch aus zwei verschiedenen Lese-Blickwinkeln unter die Lupe.

Während unsere Rezensentin Olivia Grove die Spannung vermisste und sich durch Nebenerzählstränge verloren fühlte, sieht Renate Müller Potenzial, das jedoch durch überkonstruierte Elemente und schablonenhafte Charaktere getrübt wird.

Rezension von Olivia Grove:

Suspense aller erster Klasse? Für mich definitiv nicht.

„Bullerbysyndromet“. So nennt man die überzogene Liebe der Deutschen zum idyllischen Heile-Welt-Schweden. Einem Schweden, das sich direkt aus Kindergeschichten speist.“ (S. 32)

Vera Bucks neuer Thriller „Das Baumhaus“ verspricht einen idyllischen Urlaub in Schweden, der sich schnell in einen Albtraum verwandeln soll.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Thomas Ziebula: Evas Rache

Evas Rache ist der vierte und leider auch der letzte Fall des Kriminalhauptkommissars Paul Stainer. Vor ein paar Jahren bekam der Kriegsheimkehrer bei der Leipziger Polizei, der Wächterburg, seine Chance, im Alltag Fuß zu fassen. Er ist einer von den vielen Soldaten, die von den Geschehnissen des Ersten Weltkriegs traumatisiert sind. Und jeder von ihnen muss seinen Platz in einer Gesellschaft finden, die unter der Wirtschaftskrise leidet. Die Inflation zerstört die Reichsmark und ist verantwortlich für die explodierenden Preise.

Recht schnell wird der Außenseiter Paul Stainer befördert, und neue Freundschaften geben ihm besonders nach der Ermordung seiner Frau Halt.

Ohne Widerstand verändern die Nationalsozialisten die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, die auch vor der Wächterburg keinen Halt machen. Kriminelle haben auch 1922 ein leichtes Spiel. In diesem Jahr werden im Raum Leipzig junge Blondinen ermordet, ohne dass Paul Stainer und seine Kollegen eine konkrete Spur zum brutalen Serienmörder finden.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Karina Urbach: Das Haus am Gordon Place

Ein Krimi für alle Fans der Spionagethriller. Ein gekonnter Mix aus Fakt und Fiktion, denn die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, die die Autorin, selbst promovierte Historikerin, geschickt einbindet in die Geschichte um den Historiker Professor Hunt und die ehemalige britische MI6 Agentin Daphne Parson, die in den letzten Jahren des 2. Weltkrieges und den ersten Jahren der Nachkriegszeit in Wien stationiert war und als Abhörspezialistin vor allem in einem extra dafür gegrabenen Tunnel unter der Wiener Innenstadt tätig war. Erzählt wird in zwei Zeitebenen. Einmal eben in der Zeit um 1944 / 1948 und dann wieder in der Jetzt-Zeit.

Der britische Historiker Professor Hunt staunt nicht schlecht, als er, kaum auf dem Flughafen in New York gelandet, von Emma Spencer, einer britischen Geheimdienstagentin festgenommen und mit dem nächsten Flugzeug zurück nach London gebracht wird. Ausgerechnet in seiner Wohnung, in einer der teuersten Gegenden Londons, eben am Gordon Place, ist ein Mord geschehen. Sein Nachbar. Aber was hatte der in seiner Wohnung zu suchen?

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Petra Hammesfahr: Die Verlierer

Rita Voss hat ihre Schwierigkeiten, sich an den neuen Vorgesetzten zu gewöhnen. Dazu kommt noch eine irre Geschichte: Fred Keller fährt mit Frau und Wohnmobil auf einen Campingplatz. Beim Joggen verschwindet seine Frau. Er braucht Tage, um das überhaupt zu melden, als Begründung gibt er an, seine Frau hätte das schon mal gemacht – einfach zu verschwinden. Der Stiefsohn kann nicht zur Aufklärung beitragen, weil er nicht auffindbar ist. Nach und nach entblättert sich eine Familiengeschichte, die mit jedem Detail trauriger wird.

Ich fand den Roman gut aufgebaut, auch durch die Einschübe von „Carli“, die das Ganze noch rätselhafter machten. Auch die verschiedenen Perspektiven tragen zur Spannung bei. Petra Hammesfahr ist bekannt dafür, tief in die dunklen Abgründe von Familien einzutauchen und dunkle Denkweisen ans Licht zu holen. Das ist ihr auch hier wieder gelungen. Am Ende gibt es einige Überraschungen, auch wenn man die ganze Zeit glaubte, den Täter doch schon zu kennen. Das Motiv fand ich wirklich gut gewählt, auch wie sich die Erzählung von „Carli“ immer wieder in die Aufklärungsarbeit einschob und dabei quasi Parallelen bildete.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Michael Kobr: Nebel über Rønne

Auf der dänischen Sonneninsel Bornholm passiert ein grausiger Dreifachmord. Drei Insassen eines kleinen Passagierflugzeuges werden nach der Landung noch im Flieger vergast. Sie kommen gar nicht mehr dazu, auszusteigen. Dieser Fall steht eine Herausforderung dar für Kommissar Lennart Ipsen und seine zwei Mitarbeiterinnen Britta Blomdal und Tao Nguyen. Derartige Morde kennt man eigentlich nur aus Mafia-Kreisen. Bei den drei Toten handelt es sich um den Piloten Henrik Forsberg, einem Hotelier und Investor, Bjarne Moller, Teehändler und sehr aktiv in Bornholms Kunstszene und dem jungen Pastor Finn Iversen. Im Laufe der Ermittlungen kommen einige interessante Details an den Tag.

Forsberg hatte in Südfrankreich Beteiligungen an einem dubiosen Hotelprojekt, Moller dealte in respektablem Umfang mit Drogen und Pastor Iversen war ein Spieler. Wem galt der Anschlag, der alle drei in den Tod gerissen hat?

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ashley Elston: Wer zuerst lügt

Wer ist Lucca? Die wenigen, die ihr näher kommen, stellen verwundert fest: Sie ist so jung, flüchtig wie Wasser, wechselt häufig ihren Namen, ihre Adresse und ihr Aussehen.

Die Autorin Ashley Elston schrieb bisher Jugendromane. Wer zuerst lügt ist ihr erster Thriller für Erwachsene. Ihre Heldin ist eine wandlungsreiche, intelligente junge Frau, deren Schule das Leben geworden ist. Luccas Startbedingungen sind denkbar schlecht. Sie ist arm, ohne Familie und träumt von Unabhängigkeit mit einem eigenen Haus und Garten. Anfangs verleitete sie die Armut zu Trickbetrügereien. Und dann wurde daraus Routine, die sie mit jeder weiteren Gaunerei verfeinert. Lucca ist heute ein Profi.

Sie könnte für ihr Land die ideale Agentin sein, wenn der geheimnisvolle Mr Smith sie nicht erpressen würde. ‚Arbeite für mich oder gehe ins Gefängnis‘ sind die beiden Optionen, die vor jedem neuen Auftrag mitschwingen. Eines weiß Lucca genau: Für sie gibt es weder ein Nein noch eine Kündigung.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Maz Evans: Over My Dead Body

Als die unausgeglichene Ärztin mit Alkoholikerhintergrund Miriam Price tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, sind sich alle einig: Tod durch Missgeschick. Ein Rückfall zum Trinken, zu viele Schlaftabletten und ein trauriges, aber logisches Ende für die kluge, aber unausstehliche Frau. So denkt der Voruntersucher bei Gericht, so denken Ehemann, Freunde und Familie.

Miriam denkt das nicht. Sie weiß: Sie wurde ermordet. Und nun muss sie es beweisen. Zu blöd, dass ihre alte Nachbarin und ehemalige Erzfeindin Winnie die einzige ist, die sie sehen kann. Um nicht die nächsten fünfzig Jahre in einem Zwischenzustand gefangen zu sein und endlich in die Eternity übergehen zu können, muss Miriam trotzdem dringend herausfinden, wer sie ermordet hat.

Nur leider war sie in ihrem Leben nicht nur eine begabte Ärztin, sondern auch eine sehr verbitterte Frau mit mehr Feinden, als sie aufzählen kann. Ein lustiger, trauriger und emotionaler Wettlauf gegen ihren eigenen Mörder beginnt – und dieser hat nicht zum letzten Mal getötet …

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ashley Audrain: Das Geflüster

Die kanadische Autorin Ashley Audrain (Jahrgang 1982) schrieb in ihrem 2021 auf Deutsch erschienen Debütroman „Der Verdacht“ über eine Mutter, die ihre neugeborene Tochter ablehnt. Nun veröffentlichte der Penguin-Verlag am 24. April 2024 ihren zweiten Roman „Das Geflüster“. Aus dem Englischen übersetzt wurde er von Lotta Rüegger und Holger Wolandt.

Zu diesem Roman haben unsere Rezensenten Sabine Sürder und Olivia Grove ganz unterschiedliche Meinungen. Wir veröffentlichen hier beide. Teilen Sie uns gerne Ihre Meinung in den Kommentaren unten mit.

Sabine Sürders Besprechung fällt so aus:

Gossip im Großstadt-Viertel

Im Buch finden wir vier Frauen aus einem früher von Portugiesen bevorzugtem Viertel einer US-amerikanischen Großstadt. Whitney, Blair, Rebecca und Mara leben mit ihren Ehemännern in kleineren oder größeren Häusern mit oder ohne Kinder.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Karen Sander: Der Sturm: Verachtet

Wo Sander draufsteht, ist auch Sander drin. Stimmt auch diesmal wieder, wenn sie uns wieder mitnimmt zu den Ermittlungen auf dem Darß.

Tom Engelhardt und sein Team sind noch immer mit dem Fall der beiden Skelette befasst, die bei einer Sturmflut am Kliff freigelegt worden waren. Noch ist die Identität der Toten nicht geklärt. Auch eine CD, die bei den Skeletten gefunden worden war, konnte bisher nicht entschlüsselt werden. Mascha Krieger, Kryptologin vom LKA in Schwerin ist es bisher nicht gelungen an die gespeicherten Daten zu kommen. Sie geht nicht ganz legale Wege, um weiterzukommen, aber das sind sowohl ihr Chef in Schwerin als auch Tom Engelhardt bereits gewohnt. Ebenso wie Mascha die Standpauken in Kauf nimmt, die sie sich mit ihren Alleingängen oft einhandelt. Bisher hatte sie ja auch immer Erfolg und damit im Nachhinein oft eine Rechtfertigung. So auch diesmal, denn nachdem sie die Daten auf der CD auslesen konnten, nimmt der Fall eine völlig neue Wendung. Gleichzeitig zum Fall der Skelette vom Kliff müssen sich die Kollegen aber noch mit mindestens einem weiteren Fall beschäftigen, in den Mascha auch ganz persönlich verwickelt ist. Es geht um einen Stalker, der junge Frauen bedroht.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: