Martina Bogdahn: Mühlensommer

Wenig mitreißender Roman um das Leben auf einem Bauernhof

In einer Mischung aus aktueller Handlung und ständigen Rückblicken scheint hier eine Autorin ihre Kindheit aufzuarbeiten. Ein Roman, den es nicht braucht.

Im Stil eines Schulaufsatzes der fünften Klasse zum Thema „Mein schönstes Ferienerlebnis“ erzählt Martina Bogdahn von einer Kindheit auf einem Bauernhof. Da, laut Vita im Buch, sie selbst auf einem solchen aufwuchs, liegt die Annahme nahe, dass sie hier ihre eigenen Erlebnisse schildert.

Maria, Mutter zweier Töchter – einen Vater scheint es nicht zu geben – wird in ihr Elternhaus gerufen, als ihr Vater einen schweren Unfall hat. Sie muss einspringen, die Tiere versorgen und auf die demente Oma aufpassen. Es ist ein heißer Sommer und eigentlich wollte sie sich mit Freunden zu einem langen Wochenende treffen. Nun kommen diese Freunde stattdessen zu ihr auf den Bauernhof und wirken dort dann ziemlich fehl am Platz.

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Lukas Hartmann: Martha und die Ihren

Martha wurde vor dem Ersten Weltkrieges in einem Schweizer Dorf geboren. Ihr Vater ist Brunnenbauer und lebt mit seiner Familie in einem Haus für Tagelöhner. Als Marthas Vater nach einem Unfall nicht mehr auf die Beine kommt, leidet die ganze Familie große Not. Nach seinem Tod verlieren sie das Wenige, das sie noch besitzen: Martha und ihre fünf Geschwister werden auf fünf verschiedene Bauernhöfe verteilt. Sie sind jetzt Verdingkinder und haben den gleichen sozialen Status wie das Vieh.

Marthas Leitfaden wird aus dem Wunsch geboren, immer fleißig und gehorsam zu sein. Dann würde es in ihrem Leben irgendwann aufwärtsgehen. Und trotzdem …, wenn es nach den üblichen Regeln ginge, müsste sie für den Rest ihres Lebens den Stempel Verdingkind tragen.

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Gabriella Santos De Lima: That Girl

Tess ist ein echtes That-Girl mit einer perfekten Morgenroutine und einem gut laufenden Instagram-Kanal. Vor kurzem hat sie ein Buch geschrieben, in dem es um ihre bisherigen Dates ging und die Verkaufszahlen sprechen für sich. Nach außen hin ist es ein perfektes Leben, doch in Wahrheit ist die junge Frau auf der Suche nach sich selbst und der großen Liebe. Durch einen Zufall begegnet sie Leo und beginnt sich zu fragen, ob das nun wahre Liebe ist und ob diese wirklich so eine große Rolle in ihrem Leben spielt wie bisher angenommen.

Ich brauchte ein bisschen, um in das Buch hineinzukommen, doch als ich die kurze Durststrecke überwunden hatte, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Diese Geschichte ist keine klassische nullachtfünfzehn Liebesgeschichte und deshalb unterscheidet sich das Buch endlich mal von all den anderen. Es geht in der Geschichte um Selbstfindung, Freundschaft und der Frage, was die große Liebe eigentlich ist. Es brachte mich zum Nachdenken und bleibt bestimmt noch lange in meinem Gedächtnis.

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Franziska Gänsler: Wie Inseln im Licht

Die junge Zoey ist an die französische Atlantikküste in die Nähe von Bordeaux gereist, um Abschied von ihrer Mutter zu nehmen.

Zoey hat hier einen Teil ihrer Kindheit verbracht und zusammen mit der Mutter und ihrer jüngeren Schwester Oda in einem Bauwagen am Strand gewohnt. Hier am Meer ist die Schnittstelle, die sie alle drei miteinander verbunden und irgendwann später voneinander getrennt hat.

Die Geschichte beginnt rätselhaft und bleibt fast bis zum Schluss rätselhaft. Vieles, was in der Vergangenheit geschehen ist, bleibt unerklärlich für Zoey. Da brechen die Erinnerungen an die jüngere Schwester Oda wieder auf, die plötzlich verschwunden war. Die Mutter hatte nur mit ihr, ohne die kleine Oda Frankreich verlassen. Seither hatten sie zu zweit in einer kleinen Dachwohnung in Berlin gelebt. Über all die Jahre, in denen Zoey dann ihre Mutter selbstlos und selbstverständlich gepflegt hat, ist diese ihr alle Antworten schuldig geblieben. Aus Rücksicht auf den Zustand der Mutter hat Zoey irgendwann das Fragen eingestellt. Auch sonst war niemand da, der ihr etwas hätte erklären können.

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T. C. Boyle: I walk between the raindrops

Der US-amerikanische Schriftsteller T. C. Boyle (Jahrgang 1948) schreibt jedes Jahr ein neues Buch. 2023 war es der Roman „Blue Skies“, der den weltweiten Klimawandel und seine Auswirkungen in den USA in apokalyptischer Form beschreibt. Am 13. Mai 2024 folgen nun dreizehn Stories mit dem Titel „I walk between the raindrops“, die im Carl Hanser Verlag erschienen sind. Dirk van Gunsteren und Anette Grube haben sie übersetzt.

Lebenswelten in der Kurzform

T. C. Boyle kann nicht nur Romane schreiben, sondern brilliert auch mit seinen Kurzgeschichten.

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Graham Norton: Ein Ort für immer

Für diesen Roman stellen wir Ihnen eine Doppelrezension vor.  Zwei unserer Rezensentinnen haben das Buch gelesen. Ihre Besprechungen fallen gar nicht so unterschiedlich aus. Doch während Renate Müller die absurden Komponenten des Romans als vergnüglich und unbedingt empfehlenswert einstuft,  bewertet Annegret Glock genau diese Skurrilität als zu trivial:

Renate Müllers Rezension:

Berührender und humorvoller Roman um die Frage: Sind wir da zu Hause, wo wir wohnen?

Ein Schicksal, das heutzutage sicher öfter vorkommt, als man glaubt. Plötzlich sitzt ein Partner auf der Straße, weil der andere keine Vorsorge getroffen hat.

In dem Roman des irischen Autors Graham Norton, des ersten, den ich von ihm las, geht es vor allem um das, was unser Zuhause ausmacht. Für fast alle der wunderbar ausgearbeiteten Figuren stellt sich diese Frage, nicht alle finden eine Antwort.

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Anne Stern: Das Opernhaus: Rot das Feuer

Elise Jacobi, geborene Spielmann, hat sich in Dresden mittlerweile einen Namen als begnadete Violinistin gemacht. Ihr Wunsch nach Anerkennung ihres Könnens wurde also erfüllt. Nicht zuletzt hat sie das den Kontakten ihres wesentlich älteren Ehemannes, des Komponisten und Journalisten Adam Jacobi zu verdanken. Dessen ist sich Elise durchaus bewusst, was sie aber nicht daran hindert, auch immer mal wieder, im Rahmen einer Soirée oder eines Empfanges, im Gespräch, mit ihrer Meinung zur Kunst nicht hinter dem Berg zu halten. Sehr zum Missfallen ihres Ehemannes, der streng auf Etikette und Konventionen achtet und der Meinung ist, Frauen haben keine Meinung zu haben.

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Christina Lauren: The Soulmate Equation

Das Buch entführt seine Leser in eine Welt voller Statistiken und Zahlen, ebenfalls wird die große Liebe gesucht. Genau deshalb wird die neue Dating-Agentur gegründet, die DNA-Tests macht, um zu schauen, ob man mit einer Übereinstimmung dieser die große Liebe finden kann. Jess ist erstaunt, als ihr Ergebnis mit dem von Dr. River Peña übereinstimmt und das zu 98 %. Er ist einer der Mitgründer der Agentur und sie beginnt zu zweifeln, ob die Analyse wirklich so zuverlässig ist wie angenommen.

Die Idee mit der Gen-basierten App fand ich sehr toll, mal was anderes, und es wurde sehr gut umgesetzt. Die Diskussionen zwischen den Protagonisten war herrlich, so erfrischend und manches Mal musste ich schmunzeln während dem Lesen.

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Margarita Garcia Robayo: Das Paket

Margarita Garcia Robayo hat einen äußerst doppelbödigen und originellen Roman über Themen wie Entwurzelung, Herkunft, Familie und soziale Bindungen in einem Zeitalter des ständigen Unterwegsseins geschrieben. Die Ich-Erzählerin ist von Kolumbien nach Buenos Aires gezogen, um dort als Werbetexterin zu arbeiten. Nun erhofft sie sich ein Stipendium in Europa. Sie lebt ihr Leben so, dass sie es überall tun könnte. Ihre größte Fähigkeit sei es, „das, was ich tue in jedem Einzimmerappartement auf diesem Planeten erledigen zu können – eine anständige Internetverbindung vorausgesetzt. Ich bin so oft umgezogen, ohne Einbrüche. Das Geheimnis war, mit dem unerlässlichen Minimum zu leben …“ (S. 85).

Beziehungen im Zeitalter des Internets
Die Protagonistin wird als kluge und gewitzte Grüblerin gezeichnet. Sie lebt in einem Appartement im obersten Stock und erfreut sich an der Schönheit eines nicht vollendeten Bauskeletts, auf den der Blick von ihrer Terrasse fällt. Ihre Beziehungen sind alle von einer gewissen Unverbindlichkeit geprägt. Mit ihrer Mutter hat sie seit Jahren kaum noch Kontakt, mit ihrer besten Freundin hat sie sich zerstritten und ihre neue Beziehung vermag sie nicht einzuordnen. Ist sie für ihren Freund Axel nur ein körperlicher Zeitvertreib oder gibt es eine gemeinsame Zukunftsplanung?

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Doris Dörrie: Die Reisgöttin und andere Mitbringsel

Wer Touristenmeilen eher meidet, um das Leben in den Seitenstraßen zu entdecken, hat in Doris Dörrie eine passende Reisebegleitung gefunden. In 47 Anekdoten, jede knapp zwei DIN-A-5-Seiten lang, erzählt die Autorin von ihrer ungestillten Neugierde, hinter die Dinge sehen zu wollen.

Ihre Reisen führen sie unter anderem nach Asien, den Nahen Osten, die USA und Mittelamerika, aber auch direkt vor die Haustür. Sie hinterfragt kulturelle Werte, die Herkunft landestypischer Speisen, Haushaltswaren und traditioneller Feste.

Am liebsten bummelt sie über Flohmärkte und durch Kramläden in aller Welt, um etwas mitzubringen, das sie zu einer Geschichte inspiriert hat. Dabei legt sie ihr Augenmerk oft auf Dinge, die die meisten Menschen bestenfalls als Kitsch bezeichnen würden. Ihr Mann jedenfalls versucht erfolglos, sie davon abzuhalten, immer mehr Ramsch anzuhäufen. Zumal er sein Haus bereits mit einem Stoffschwan mit Schnabelproblem und einer Porzellankaraffe in Hasenform teilen muss. Aber der Autorin geht es nicht um den Wert der Dinge als solche, sondern um den ideellen Wert. 

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