Claire hat von ihrem Kollegen Marc erfahren, wie er aus der Führungsetage geflogen ist. Während seine Kollegen wie gewohnt in der obersten Etage ihre Besprechungen abhalten, wurde er eine Etage tiefer versetzt. Er würde auch dort bei Bedarf informiert werden. Doch dies geschah nicht. Marc wurde vergessen. Nur Claire erinnert sich an ihn u
nd seine Frage, ob sie mit ihrem Fuß gegen eine bestimmte Treppenstufe stoße. Inzwischen ist ihr Zeh wundgestoßen, und sie wechselt täglich das Pflaster. Auch sonst stößt sie gegen Hindernisse, die nur sie nicht sehen kann.
Anfangs sah ihr Karrieresprung so vielversprechend aus. Sie fühlte sich dazugehörig und arbeitete mit großem Einsatz. Doch heute gibt es bei den üblichen Treffen mit den Kollegen Gespräche, die sie ausschließen. Sie kennt nicht die Vornamen bestimmter Leute, und ihr fehlt das notwendige Netzwerk. Mitten in einer Besprechung erkennt Claire auf einmal die tatsächliche Distanz, vor der sie so lange die Augen verschlossen hat. Völlig unerwartet bekommt sie keine Luft mehr. Sie muss raus. Über eine Letter klettert sie auf das Dach, um frische Luft zu atmen. Dort oben ist die Perspektive eine andere, und sie erlaubt sich eine ehrliche Analyse über ihr aktuelles Leben. Weiterlesen


Auf über 700 Seiten entfaltet Jonas Hassen Khemiri in seinem Roman „Die Schwestern“ ein Panorama, das sich über 35 Jahre und mehrere Kontinente erstreckt. Im Mittelpunkt steht eine Familie, insbesondere die drei Schwestern Ina, Evelyn und Anastasia Mikkola. Die Geschichte beginnt mit dem jungen Jonas, der die Drei in seinem Stockholmer Viertel kennenlernt. Zwischen Nachbarschaft, Freundschaft, Geheimnissen und familiären Verstrickungen verweben sich ihre Biografien im Laufe der Jahrzehnte zunehmend miteinander.




