Thomas Montasser: Freitags um fünf

Es sind immer amüsante Romane, die reale Hintergründe mit fiktiven Personen verquicken. Wenn dann noch ein kleines Mädchen auf den waschechten Bundeskanzler trifft, verspricht das Ganze mindestens gute Unterhaltung.

So auch dieser kleine Roman, der davon erzählt, wie Ernst Meister, der Bundeskanzler der Bundesrepublik, gestresst, mit krankem Herz und schwerem Gemüt, sich durch die Tage voller Arbeit, Akten und Aufgaben quält. Bis er eines Tages, weil er an einer ausgeprägten Orientierungsschwäche leidet, versehentlich das Kanzleramt durch eine Seitentür verlässt und dabei einem kleinen Mädchen beim Murmelspiel begegnet.

Die beiden kommen ins Gespräch und verabreden sich für den folgenden Freitag um fünf. Doch Meister erkrankt und muss in die Klinik. Dort erreicht ihn eine Karte des Mädchens mit einer Murmel und Genesungswünschen.

Nun tut der Bundeskanzler, trotz der vielen Termine, Reisen und Debatten, was in seiner Macht steht, um immer freitags um fünf ein paar Minuten Zeit für ein Murmelspiel mit Emma zu haben. Aber immer mal wieder kommt doch etwas dazwischen und mal taucht auch das Kind nicht auf, sehr zu seiner Enttäuschung. Nach und nach erfährt er mehr über Emma, wobei sie viel nicht verrät, nur leise Andeutungen, aus denen er sich einiges zusammenreimt. Weiterlesen

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Amélie Nothomb: Psychopompos

In diesem Werk, einer Mischung aus Autobiografie, spirituellen Erkenntnissen und Schreibfindungsprozess, gewährt uns die vielfach prämierte Autorin Amélie Nothomb faszinierende Einblicke in ihr Leben. Als Diplomatentochter lebte sie in ihrer Kindheit unter anderem in Japan, China, New York, Bhutan und Bangladesch. Amélie Nothomb, die ständig Entwurzelte, findet in den Vögeln ihre Seelentiere. Sie identifiziert sich mit ihrem Wesen, auch und gerade nach einem persönlichen Trauma zu Beginn ihrer Pubertät. Doch hinter ihrer Passion für Vögel steckt weit mehr als ornithologische Hingabe. Ihre Faszination gilt Psychopomp, einem Wesen, das die Seelen der Toten ins Jenseits begleitet. Mal kann dies ein Götterbote wie Hermes sein, mal ein Vogel wie die Taube in der Bibel als Symbol des Heiligen Geistes. Poetisch, mit leisem Humor, aber auch düster und abstrakt ist der Autorin ein faszinierendes Konglomerat an Stilen gelungen, das der Begriff Biografie allein nicht zu fassen vermag. Wer sich auf dieses ungewöhnliche Leseerlebnis einlassen kann, wird nicht enttäuscht. Denn dies ist keine Biografie im herkömmlichen Sinn. Weiterlesen

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Isabel Allende: Mein Name ist Emilia del Valle

Mit „Mein Name ist Emilia del Valle“ hat die berühmte chilenische Schriftstellerin Isabel Allende einen neuen Roman geschrieben. Die deutsche Erstveröffentlichung ist am 4. August 2025 in einer Übersetzung von Svenja Becker im Suhrkamp Verlag erschienen.

1891: Eine Frau auf dem Weg von San Francisco nach Santiago de Chile

„Mein Name ist Emilia del Valle“ ist zeitlich im späten 19. Jahrhundert angesiedelt. Molly Walsh, die Tochter irischer Einwanderer in die USA, will Nonne werden. Als Novizin wird sie Lehrerin an einer kleinen Schule im Mission District, San Francisco. Der Mestize Francisco Claro, genannt Don Pancho, ist Leiter der Schule mit dem Namen „Der Stolz der Azteken“. Leider wird Molly nach einem Abenteuer mit dem chilenischen Lebemann Gonzalo Andrés del Valle schwanger. Damit wird ihr der Eintritt in den klösterlichen Orden unmöglich. Alle Versuche, mit der Familie del Valle in Kontakt zu treten, werden abgeblockt. Don Pancho Claro nimmt Molly bei sich auf und heiratet sie vor der Geburt ihrer Tochter, die sie Emilia del Valle Claro nennen. Weiterlesen

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Ferdinand von Schirach: Der stille Freund

Version 1.0.0

Unaufgeregt und sachlich, wie wir das bereits aus seinen anderen kleinen Bänden kennen, schafft es von Schirach auch hier wieder, den Leser mitzunehmen in eine scheinbar andere Welt. Fast meint man, in einem der typischen tiefen cognacfarbenen oder rotbraunen Ledersessel einer Hotelbar oder -lobby zu versinken und der warmen, sonoren Stimme eines Erzählers zu lauschen, der von Begebenheiten, Ereignissen oder Anekdoten berichtet, die wir uns so kaum vorstellen können.

Sei es Massimo, der einen eigentlich ganz unspektakulären alltäglichen Moment seinen „stillen Freund“ nennt oder Cynthia, die sich in Mateo verliebt, der sie vielleicht zunächst vergöttert, aber -dennoch misshandelt und quält, bis sie ihn verlässt, um später mit dem wesentlich älteren Nicco glücklich zu werden. Nicco, der sie beschützen will, für den sie das Kostbarste und Wichtigste in seinem Leben ist, und der – mit der Macht und den Möglichkeiten einer seit Jahrhunderten einflussreichen Familie in Rom – in oder mit Cynthias Vergangenheit „aufräumt“. Weiterlesen

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Catharina Maura: The Wrong Bride

Die Familie Windsor ist bekannt für ihre ausgeklügelte Heiratspolitik in den höchsten Kreisen der High Society. Ihr Leben lang musste Raven dabei zusehen, wie ihre ältere Schwester Hannah – und nicht sie – verlobt und auf das Leben vorbereitet wurde, von dem Raven insgeheim träumt: an der Seite von Ares Windsor. Als Hannah jedoch am Hochzeitstag nicht am Altar erscheint, bleibt der Modedesignerin Raven keine andere Wahl, als einzuspringen und Ares zu heiraten – den Mann, in den sie schon immer verliebt war. Von nun an jeden Tag mit ihm zusammen zu sein, obwohl er ihre Gefühle nicht erwidert, ist ein wahr gewordener Albtraum – oder die perfekte Chance, Ares endlich für sich zu gewinnen …

Die Situation in dem Buch ist kompliziert: Einerseits geht Ravens Wunsch, Ares zu heiraten, in Erfüllung, andererseits weiß sie, dass er sie nie lieben wird.

Der Fokus auf die High Society gefällt mir sehr, denn hier taucht man in eine Welt ein, die teils ein wenig skurril wirken mag, gleichzeitig aber einfach faszinierend ist. Weiterlesen

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Jay McLean: Loving Lucas: Losing Logan: Leaving Leo: Preston Brothers

Loving Lucas
Lucas Preston muss sich nach dem Tod seiner Mutter um seine fünf Brüder kümmern. Genauso gehört es zu seinem Alltag, dass er um Mitternacht bei Laney klopft. Sie ist längst mehr als nur eine Freundin für ihn. Einst war sie das einsame Einzelkind, bis sie in das Leben der Preston-Familie eintauchte. Nun fragt sie sich, ob Lucas genauso empfindet wie sie …

Die Geschichte ist sehr lebendig und emotional erzählt. Sie vereint alles – Familiengefühle, Liebe, Humor, Emotionen und noch vieles mehr. Einmal angefangen, fällt es schwer, wieder aufzuhören.

Die Handlung setzt in der Jugend von Lucas und Laney an. Sie zieht frisch zu ihrem Vater, um dort neu zu beginnen, während Lucas behütet mit Mutter und Geschwistern aufwächst. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die trotz vieler tragischer Ereignisse nie abreißt. Von der ersten Seite an war ich gefesselt und konnte der Geschichte bis zum Ende problemlos folgen. Man begleitet die beiden beim Erwachsenwerden und erlebt Situationen, die man selbst lieber nicht durchstehen möchte. Oft ist es nur die große Liebe, die hilft, all das auszuhalten – und das spürt man beim Lesen deutlich. Weiterlesen

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Liz Tomforde: Play Along

Kennedy ist in ihrem Job als Sportmedizinerin für das Chicagoer Baseballteam stets professionell – bis zu einem Ausrutscher: Eines Morgens wacht sie in Las Vegas auf. Mit Erinnerungslücken – und einem Ehering am Finger! Neben ihr liegt ausgerechnet Isaiah, der unverschämt gut aussehende und charmante Spieler, dessen Flirtversuche sie schon lange abwehrt. Um ihren Ruf zu retten, lässt Kennedy sich zähneknirschend auf Isaiahs Vorschlag ein, die Saison über verheiratet zu bleiben. Was sie nicht weiß: Isaiah verfolgt ganz eigene Ziele. Er will seiner Traumfrau endlich beweisen, dass er der Richtige für sie ist. Sie muss nur mitspielen…

Dieses Buch ist der vierte Band der „Windy-City“-Reihe, und ich habe auch die anderen drei („Mile High“, „The Right Move“ und „Caught Up“) verschlungen. Allerdings muss ich sagen, dass mir dieser Teil nicht ganz so gut gefallen hat wie die vorigen. Es passierte mir insgesamt zu wenig Spannendes, und schon bald konnte ich mir denken, wie das Ganze ausgehen würde – auch wenn ich nicht mit allem recht hatte und es doch einige Überraschungen gab. Wenig überraschend war jedoch die Entwicklung, die die anfängliche Fake-Ehe nahm. Weiterlesen

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Alicia Sommer: My Idea of No. 14

Die erste Hälfte des Buches konnte mich deutlich weniger überzeugen als die zweite.

Leah Herst will nur eins: die erste weibliche Head Coach der NFL werden. Doch bislang analysiert sie als Trainee bei den L.A. Vipers hauptsächlich Trainingsvideos. Genau dabei entdeckt sie ihn: Sam Ashton, einen der Quarterback-Draft-Picks – Spitzname Mr. Irrelevant. Leah erkennt sein Talent und denselben Drang, sich zu beweisen, der auch sie antreibt. Das bringt sie auf eine Idee: Wenn sie Sam coacht, könnte sein Erfolg auch ihr helfen, ihren großen Traum zu verwirklichen. Doch dann geschieht etwas, das alles aufs Spiel setzt, wofür Leah so hart gearbeitet hat: Der attraktive Sportler erobert langsam ihr Herz. Und würden die beiden entdeckt, könnte Leahs Karriere enden, bevor sie überhaupt begonnen hat … Weiterlesen

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Yavuz Ekinci: Die, deren Träume zerbrochen sind

Anstelle des Nachwortes ist unter anderem zu lesen: „Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Buches ist der Roman in der Türkei noch immer verboten, und Yavuz Ekinci drohen weiterhin 7 Jahre Haft. (S. 157 eBook)

Sein Roman erzählt die fiktionale Geschichte seines Hauses, seines Dorfes und seines Landes. „Es ist die Geschichte von Menschen, die nach ihren Söhnen, Töchtern, Vätern Ausschau halten … Es ist die Geschichte endlosen Wartens.“ (S. 160 eBook)

Die eigentliche Geschichte des Ich-Erzählers Hewal, einem nach Deutschland ausgewanderten Lehrer, beginnt an dem Tag, als sein jüngster Bruder, ohne ein Wort zu sagen oder zu schreiben, verschwindet. An diesem Tag veränderte sich das Leben der Familie und des Erzählers. Das Warten auf ein Lebenszeichen wird zur Marter, weil schon so viele Menschen für ihren Freiheitskampf gestorben sind. Für Hewals Vater muss es natürlich ein Ventil für seine maßlose Wut und den Verlust eines geliebten Menschen geben, jemanden, der für seine Sorgen verantwortlich ist. Wer wäre da nicht besser geeignet, als der älteste Sohn, der aus Feigheit und Angst den Weg in die Berge nicht gegangen ist. Seit diesem Tag fühlt sich Hewal für Yusufs Verschwinden schuldig. Er fühlt sich mitschuldig, weil bereits so viele aus seinem Umfeld gestorben sind. Auch für ihn sind sie gestorben. Genauso wie der Freund, der ihm zur Flucht verhalf. Weiterlesen

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Katharina Herzog: A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe

Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Roman vor der traumhaften Kulisse Cornwalls. Wenn Sie noch nicht dort gewesen sind, macht das Buch auf jeden Fall Lust, mal hinzufahren. Die Charaktere des Buches kann man sich herrlich in dieser Gegend vorstellen. Ein bisschen knurrig, verschroben und schroff, Fremden gegenüber erst einmal abweisend – oder abwartend? -, aber dann entdeckt man durchaus einen herzlichen Menschen unter der rauen Schale.

Diese Erfahrung macht auch Sophie, gefeierte Restaurantkritikerin aus London, die „es vermasselt“ hat. Mit einer echt bösen Kritik über ein neu eröffnetes Restaurant eines berühmten Models, einem harschen Verriss, hat sie im Netz einen Shitstorm ausgelöst, dessen Konsequenzen sie jetzt tragen muss. Harry, ihr Chef bei „Food Network“, der zunächst noch meinte: super! Die Klicks für den Sender gehen durch die Decke, rudert schnell zurück und ändert seine Meinung in „was hast du dir dabei nur gedacht?“ Wenn Sophie das nur noch so genau wüsste! Weiterlesen

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