Nadine Schneider: Drei Kilometer

Der Roman „Drei Kilometer“ von Nadine Schneider begleitet das Leben der Protagonistin Anna. Anna lebt in einem Dorf in Rumänien, im Banat. Das Land steht kurz vor dem Zusammenbruch der Diktatur, vor der Revolution 1989. Die Sprache ist unverblümt und in vielen poetischen Metaphern eingerückt. Das Buch beginnt mit einem wunderbaren Satz: „Der Fahrtwind war der schönste Begleiter. Strich mir durchs Haar und kühlte meine Stirn.“

Anna gehört der deutschsprachigen Minderheit an. Die Frage: bleiben oder das Land verlassen? begleitet Anna, begleitet ihre Eltern, begleitet ihre Freunde Hans und Misch. Drei Kilometer, ein Maisfeld, trennt sie vom gefährlichen Weg in die Freiheit nach Jugoslawien. Der Schritt muss bis zum Herbst getan werden, bevor das Maisfeld abgeerntet ist. Ängste, die hochkommen. Annas Vater darf schließlich für einen Verwandtenbesuch nach Deutschland. Das rumänische Regime genehmigt ihm die Reise. Der Vater plant, in Deutschland zu bleiben. Annas Freunde denken über ein Weggehen nach. Fragen, die unausgesprochen im Alltag stehen. Wird man es schaffen? Was passiert, wenn man es nicht schafft? Was passiert mit denen, die bleiben? Werden sie unter Repressalien des Regimes leiden müssen?  

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anna Maschik: Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten

Dieses Buch handelt von einem ungewöhnlichen Familienepos. Ungewöhnlich, weil die Autorin die Handlung auf wenige Seiten konzentriert und verdichtet. Es ist ein Konzentrat, das aufzeigt, wie gewisse Eigenheiten und Ausprägungen mancher Charaktere über Generationen hinweg in einer Familie erhalten bleiben und sich in denen, die nachkommen, offenbaren.

Die Geschichte beginnt mit der Zeit des Ersten Weltkrieges. Die Autorin schildert das harte bäuerliche Leben auf einem Hof in Norddeutschland. Hier lebt Almas Urgroßmutter Henrike, die im Alter von dreizehn Jahren ihre Mutter verliert. Von nun an kümmert sich Henrike um den Haushalt und die jüngeren Brüder. Henrike schlachtet Tiere, bepflanzt den Garten. Als sie eines Morgens bemerkt, dass das Gemüse in den Beeten eine milchig-weiße Farbe angenommen hat, weiß sie, dass der Vater im Krieg gefallen ist.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Dirk Stermann: Die Republik der Irren

Eine irrsinnige Geschichte, die wahr ist

Zum Inhalt

Dirk Stermanns Buch ist aus der Sicht des jungen Cherubino geschrieben. Er wird im Alter von 15 Jahren von seinem Heimatdorf in den Abruzzen zur Ausbildung als Krankenpfleger nach Pergine eingeladen. Eine Gelegenheit, die er gerne annimmt. In der dortigen psychiatrischen Anstalt lernt er nicht nur einen Beruf, sondern auch Lesen und Schreiben, verliebt sich in die junge Nonne Letizia und schließt Bekanntschaften mit futuristischen Künstlern. Einer von diesen ist es auch, der dem Leiter der Anstalt von einem neuen Projekt erzählt. Die italienische Stadt Fiume (heute Rijeka) wurde im Zweiten Weltkrieg durch die Italiener von den Kroaten zurückerobert. Dort möchte ein gewisser Gabriele D’Annunzio einen neuen Staat gründen. Dieser soll modern, voller Liebe, Militär-Verehrung und Musik sein. Als Minister sollen „harmlose Irre“ aus psychiatrischen Anstalten aus ganz Italien eingesetzt werden – u.a. auch aus Pergine. Cherubino wird beauftragt, den Patienten Zino nach Fiume zu begleiten. Dort angekommen ist Cherubino über praktische Umsetzung dieses modernen Staates schockiert: Orgien, Drogenexzesse, ständige Feiern und keine Justiz. Dennoch beschließt er mit Letizia als Begleiterin dort zu bleiben, um „auf die Irren aufzupassen.“ Denn andere Pfleger verlassen die Stadt schnell wieder oder werden versehentlich bei Salut-Schüssen umgebracht.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Navessa Allen: Lights Out

Ich möchte diese Rezension gerne damit beginnen zu betonen, dass ich keine dieser hochtrabenden Rezensenten bin, die alles schlecht finden, was der Masse Spaß bringt und ohne ein Wörterbuch lesbar ist. Ich lese allen möglichen Schund, wenn er mich unterhält und bin der festen Meinung, dass ein gutes Buch keinesfalls direkt hohe (unverständliche?) Literatur sein muss.

Nun, da das gesagt wurde: Was für ein schlechtes Buch! Respectfully.

Aber erstmal: Worum geht es?

Aly ist Trauma-Krankenschwester und kämpft im Alltag damit, die schlimmsten Fälle zu bearbeiten – von Vergewaltigungsopfern bis Mördern ist bei ihren Patienten alles dabei. In ihrer Freizeit verschafft sie sich Ablenkung, indem sie sich auf Social Media in Thirst Traps von maskierten Männern verliert und darüber fantasiert, ihnen im echten Leben zu begegnen.

Einer dieser Männer ist Josh, dem Alys Besessenheit von ihm so schmeichelt, dass er beschließt, ihren Traum wahrzumachen und beginnt, sie zu stalken und ihre heißen Fantasien zu erfüllen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Gerti Tetzner: Karen W.

1974 erschien der Roman Karen W. von Gerti Tetzner zum ersten Mal in der ehemaligen DDR. Er wurde unter anderem wegen seiner Originalität ein großer Erfolg im In- und Ausland. Die in Thüringen geborene Autorin schreibt Gegenwartsliteratur, in der universelle Themen wie Liebe, Selbstbestimmung, Freiheit in einen gesellschaftlichen und damit indirekt in einen politischen Kontext gesetzt werden.

Karen W.’s Geschichte beschreibt, wie eine Jugendliche als Erste aus ihrem bäuerlichen Dorf die Oberschule besuchen darf, Jura studiert und danach als Rechtsanwältin und Notarin für die Erbschafts- und Grundbuchangelegenheiten der Landbevölkerung zuständig wird. In den 1960-er Jahren findet in der jungen DDR ein gewaltiger Umbruch statt. Einzeleigentum wird in Gemeinschaftseigentum umgewandelt. Darüber hinaus wird unternehmerisches Handeln und Denken unter staatlicher Führung den Genossenschaften zugeordnet. Gemeinwohl steht nun über dem eigenen Wohl. Am Beispiel von Paul, einem eigenverantwortlich arbeitenden Hühnerzüchter, wird sichtbar, wie ein fleißiger, strebsamer Mensch sein Lebenswerk verliert und gesellschaftlich geächtet wird. Sein wirtschaftlicher Erfolg passt nicht zu der angeordneten modernen Massentierhaltung. Also verweigert man ihm die Medikamente, die den Ausbruch einer Infektionskrankheit bei seinen Hühnern verhindern könnte. Als alle Hühner gestorben sind, will ihn die dörfliche Genossenschaft ins Gefängnis bringen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Bianca Iosivoni: Silver Lights: The more I hate you

Shae steckt in der Klemme, nachdem sie ihrer versnobten Familie erzählt hat, sie habe einen Freund – und diese ihn nun kennenlernen will. In Wahrheit hat sie keinen Freund; sie möchte nur, dass ihre Eltern endlich aufhören, sie verheiraten zu wollen – etwas, das sie schon seit Jahren versuchen, seit sie Shae als Teenager damals weggeschickt haben.
Auf der Suche nach einem Fakefreund bietet ausgerechnet Beck an, die Rolle zu übernehmen – und das, obwohl sich die beiden eigentlich nicht ausstehen können. Schon bald liegt ein Knistern in der Luft, und Gefühle beginnen, sich zu regen – dabei lautete der Deal doch, sich nicht zu verlieben.
Während Shae alles daransetzt, ihre Geschwister zu beschützen, kämpft Beck um das Überleben seines Pubs – und ist bereit, jedes Risiko einzugehen, auch wenn das bedeuten könnte, das Herz seiner falschen Freundin zu brechen …

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Christiane Wünsche: Es bleibt doch in der Familie

Erbschaftsstreitigkeiten und die Suche nach der eigenen Identität sind die beiden großen Themen, die die Autorin in ihrem berührenden Familienroman aufgreift. Sehr einfühlsam, eindrucksvoll und in einem sehr ansprechenden Stil.

„… sie verfluchte sich selbst, über der Erbschaftsgeschichte aus dem Blick verloren zu haben, was das Leben eigentlich ausmachte: die Bindung, ja die Liebe zu denen, die ihr nahestanden.“ Das ist sicher einer der zentralen Sätze in diesem Roman mitten aus dem Leben. Wer schon einmal etwas geerbt hat, was mit anderen geteilt werden musste, kennt bestimmt die Erfahrung, dass Neid, Missgunst, Eifersucht und vor allem eigene Interessen viel kaputt machen können. So manche Familie ist über das Erben zerbrochen. Dass man auch wieder zusammenfinden kann, wird hier anschaulich dargestellt.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alexandra Benedict:  Das tödliche Christmas Game

Seichter, unspannender Krimi voller Sentimentalität

Ein neuer Weihnachtskrimi aus der Feder der britischen Autorin. Deren ersten Weihnachtsroman „Mord im Christmas Express“ ich ganz wunderbar fand, da hatte alles gestimmt, Setting, Spannung, Plot, Figuren, Auflösung.

Leider hat das Ganze dann schon beim folgenden Band „Das mörderische Christmas Puzzle“ nicht mehr so hundertprozentig funktioniert, obwohl dort zumindest die Protagonistin wirklich gelungen gezeichnet war.

Nun also, pünktlich zur entsprechenden Jahreszeit, ein neuer Roman. Der mich allerdings so gar nicht erfreuen konnte. Dafür waren der Stil zu sentimental, die Figuren zu flach, die Spannung so gut wie nicht vorhanden und der Krimiplot mühsam und unnötig verwickelt konstruiert.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

David Szalay: Was nicht gesagt werden kann

David Szalays Roman Flesh – in deutscher Übersetzung erschienen unter dem Titel Was nicht gesagt werden kann – ist ein stilles, eigentümliches Werk, das sich um eine Hauptfigur dreht, die ebenso schwer fassbar wie verstörend faszinierend wirkt. Szalay, 1974 in Kanada geboren und seit Jahren als einer der präzisesten Beobachter unserer Gegenwart geschätzt, steht mit diesem Buch auf der Shortlist des Booker Prize.

Ein Held wider Willen
Protagonist István ist ein Mann, der Gesprächen ausweicht und Worte meist nur als Echo zurückgibt. „Ob es mir gut geht?“ fragt er, wenn man ihn selbst danach fragt. Auf knapp 400 Seiten wiederholt sich dieses Muster – irritierend, lakonisch oder subtil entlarvend, je nach Lesart. Szalay zeichnet damit das Bild eines Getriebenen, der kaum handelt, sondern reagiert, hinnimmt, was andere für ihn entscheiden, und in Bahnen gerät, die nicht die seinen sind.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Eva-Maria Bast: Das Orangenblütenversprechen

Der Bau der Eisenbahnlinie von Soller nach Palma, Anfang des 20. Jahrhunderts bildet den Rahmen dieses emotionalen Familienromans um eine mutige junge Frau, die sich über viele Widerstände und alle Konventionen ihrer Zeit hinwegsetzt, um die Existenz der Orangenbauern in der Region Soller zu sichern. Ohne diese Eisenbahnlinie ist deren Existenz bedroht. Die Transportwege, entweder über den Coll de Soller, einen kurvigen, engen Gebirgspass oder über den Seeweg, waren risikoreich und wetterabhängig, damit auf Dauer kaum rentabel. Die Bahnlinie sollte den Transport erleichtern und die Wirtschaft von Soller ankurbeln. Doch der Bau drohte zunächst zu scheitern, weil es an Investoren mangelte, die bereit waren, den sehr teuren Bau mit vielen Tunneln zu finanzieren, aber auch die Widerstände der Händler in Palma groß waren. Maria kämpft um die Existenz der Plantagen, um die Zukunft der eigenen Familie und ihrer Freunde. Sie kämpft für ihre Region und scheut sich nicht, einflussreiche Männer persönlich aufzusuchen, um ihnen ihr Anliegen zu unterbreiten und sie um ihre Unterstützung zu bitten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: