Maja Lunde: Für immer

Zum Inhalt

Ein weltweiter Ausnahmezustand: kein Mensch kann mehr sterben, Krankheiten sind eingefroren und Geburten ausgesetzt. Bringt dieser Zustand auf den ersten Blick viele Vorteile mit sich, zeigen sich im Laufe der Zeit jedoch auch die vielfältigen sozialen, psychologischen, wirtschaftlichen, biologischen Nachteile, mit denen jeder Protagonist und jede Protagonistin hadert.

Rezension

Mit „Für immer“ öffnet Maja Lunde ein interessantes Gedankenspiel. Um dem Leser die gesamte Tragweite dieser Überlegung zu vermitteln, werden verschiedene Hauptprotagonisten in der Erzählung „begleitet“. Insgesamt wird das Leben der Figuren langsam erzählt, erst nach und nach entfaltet sich das eigentliche Hauptthema des Buches. Mit dieser langsamen Erzählweise kann der Leser besonders gut in die Lebensrealität der Figuren eintauchen, mit ihnen fühlen und die Situation miterleben.

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Antonia Riepp: Der Garten der Geheimnisse

Für die 12-jährige Paula bricht die Welt zusammen, als ihre Mutter Francesca bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt. Paula fühlt sich allein und verzweifelt, von allen verlassen. Auch das Versprechen ihres Vaters, „nur noch du und ich“, fühlt sich bald nicht  mehr wahr an, als Sandra, Francescas angeblich beste Freundin, sich immer mehr in ihr Leben drängt. Was zunächst nach Kümmern und Trösten aussieht, wird mehr und mehr zum Eindringen in die Gemeinschaft zwischen Paula und ihrem Vater. In der Schule behandelt man sie wie ein rohes Ei, die Freundinnen wissen nicht, wie sie mit ihr umgehen sollen. Da ist die Aussicht, die großen Ferien an der Amalfiküste verbringen zu dürfen, bei Mamas Familie, für Paula ein großer Trost. In Ravello, wo Nonna Rosa, ihre Urgroßmutter und Nonna Adele, ihre Großmutter leben, fühlt sie sich willkommen und zu zu Hause. Nonna Adele hat nach dem Tod ihrer Tochter beschlossen, ihre Apotheke schon früher als geplant an ihre Mitarbeiterin zu übergeben und sich zurückzuziehen. Das Nichtstun fällt ihr allerdings nicht leicht, sie ist gerade mal knapp sechzig und viel zu agil, um nur noch in der Sonne zu sitzen. Paulas Besuch tut ihr gut. Sie liebt ihre deutsche Enkelin inniglich, erinnert sie sie doch sehr an ihre Tochter Francesca.

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Elena Ferrante: An den Rändern

„An den Rändern“ wird vor allem für Fans von Elena Ferrantes Büchern interessant sein. In diesem Essay gewährt sie ausgesprochen persönliche Einblicke in ihre Schriftstellerei. Mit den vier Bänden ihrer „Neapolitanischen Saga“ erreichte die italienische Schriftstellerin, die unter Pseudonym veröffentlicht, Weltruhm.

In unserem Leselustportal sind von Elena Ferrante folgende Rezensionen zu finden:

Frau im Dunkeln, Tage des Verlassenwerdens, Zufällige Erfindungen, Frantumaglia: Mein geschriebenes Leben sowie die vier Bände aus der Neapolitanischen Saga: Die Geschichte des verlorenen Kindes, Die Geschichte der getrennten Wege, Die Geschichte eines neuen Namens, Meine geniale Freundin

Hier nun sind Elena Ferrantes Vorträge, die sie an der Universität Bologna über ihr Schreiben hielt, nachzulesen.

Wir erfahren, wie Elena Ferrante schon als junges Mädchen zum Lesen fand und wie sich ihr Schreiben entwickelte, das sie als regelrechte Sucht bezeichnet. Weiter lesen wir davon, wie sie ihre bislang erschienenen Romane konzipierte. Hierzu gibt die Autorin Einblicke in die Überlegungen, welche sie anstellte, um die Charaktere und das Agieren ihrer Protagonistinnen zu erschaffen und weiter vom Entwickeln und Zusammenführen verschiedener Erzählstränge. Wer Ferrantes Bücher gelesen hat, wird also bald wieder auf ihre bekannten Figuren Lenú und Lila aus ihrer Neapolitanischen Saga und weitere Protagonistinnen wie Delia, Olga oder Leda stoßen.

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Zara Reed: Game of Deception

Düster, intensiv und fesselnd

In Game of Deception, dem zweiten Band der Dark Games Reihe, begleiten wir Everly. Nach außen hin verkörpert sie das perfekte, unschuldige Mädchen, doch ihre Fassade beginnt zu bröckeln. Der Tod der Mutter und die skandalösen Enthüllungen über ihren Vater haben sie leer und ausgelaugt zurückgelassen. Auf der Suche nach einem Ausweg stürzt sie sich nun in das aufregende Nachtleben von LA und landet direkt in den Fängen der Brüder Rome und Asher. Zwischen illegalen Geschäften und gefährlicher Anziehung merkt Everly fast zu spät, auf welches Spiel sie sich hier eingelassen hat.

Obwohl es der zweite Band der Reihe ist, lässt sich das Buch unabhängig lesen. Ich bin schnell in die Geschichte hineingekommen und – genau wie bei Band eins – hat mich der Sog der Handlung nicht mehr losgelassen, sodass ich immer weiter und weiter lesen musste. Die Atmosphäre ist düster, geprägt von Intrigen und stellenweise auch recht brutal, was die Spannung konstant hochhält.

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Max Küng: Supertoskana

„Supertoskana“ – bei solch einem Romantitel glaubt man fast schon zu wissen, was einen im Buch erwartet. Ja, und was so schön nach Urlaub klingt, ist tatsächlich auch eine prima Urlaubslektüre. Allerdings erleben die Figuren darin, drei Paare, ihre gemeinsame Auszeit in der Toskana alles andere als entspannend.

Es ist lange her, seit dem letzten Urlaub, den sie zusammen in Frankreich verbracht haben. Vieles hat sich seither verändert, zwischenmenschlich, altersmäßig, beruflich und überhaupt. Gemeinsamkeiten gibt es so gut wie keine mehr. Die Jahre haben ihre Spuren in allen Bereichen hinterlassen.

Die Hauptfiguren sind zum einen das zu Geld gekommene, künstlerisch veranlagte Gastgeberpaar, weiter ein gutmütiger, belesener Zahnarzt mit seiner neuen Flamme, deren Niveau so gar nicht zu den anderen passt, samt Baby, und letztlich sind noch Jean, der alle bekocht und seine Frau Jacqueline dabei.

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Debra Curtis: Die Gesetze von Liebe und Logik

Die US-Amerikanerin Debra Curtis hat ihren ersten Roman geschrieben. Das Buch mit dem Titel „Die Gesetze von Liebe und Logik“ erschien am 7. Mai 2026 bei den Ullstein Buchverlagen. Der Roman wurde von Susanne Höbel aus dem Englischen übersetzt.

Debra Curtis’ Geschichte von Lilys großer Liebe

„Die Gesetze von Liebe und Logik“ von Debra Curtis, einer emeritierten Professorin für Anthropologie, ist ein Unterhaltungsroman, in dem es um Liebe, Verlust, Sehnsucht und Familie geht. In drei Teilen nimmt Debra Curtis ihre Lesenden mit in die Jahre 1967 bis 2007 und die Geschichte von Lily Webb. Lily und ihre Schwester Jane wachsen behütet auf. Ihr Vater Martin arbeitet als Lehrer in einem Klosterinternat für Jungen und Carol, die Mutter, bezeichnet sich als Feministin und Katholikin. Als die Geschwister dreizehn und elf Jahre alt sind, stirbt die Mutter an Brustkrebs.

Sehr kleinteilig (monatsweise) erzählt Curtis von Lilys erster Liebe in Portsmouth, Rhode Island, zu einem Mitschüler und Football-Spieler, den sie immer nur als „der Junge“ bezeichnet:
„Als der Junge mit seiner Mannschaft aufs Feld lief, hielt er den Blick geradeaus gerichtet. Es war ein frischer Vormittag im Herbst. Die Stadtbewohner waren gekommen, um ihm bei seinem letzten Match zuzusehen, selbst diejenigen, deren eigene Kinder längst die Highschool verlassen hatten. In warme Decken gehüllt und an den Maschendrahtzaun gelehnt wollten sie miterleben, wie in ihrer Heimatstadt ein Held gekürt wurde.“ (S. 62/63)

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Olivie Blake: Gifted & Talented: Aufstieg und Fall einer magischen Familie

Olivie Blakes „Gifted & Talented“ nimmt ein bekanntes Motiv – den Tod eines übermächtigen Vaters und den Streit seiner Kinder ums Erbe – und transferiert dieses in eine Welt, in der Technik und Magie nebeneinander existieren. Im Zentrum stehen drei Geschwister, die nicht nur um ein Firmenimperium kämpfen, sondern vor allem um etwas, das sie nie wirklich bekommen haben – um Anerkennung.

Meredith, Arthur und Eilidh sind, zumindest auf den ersten Blick, allesamt erfolgreich. Eine führt ein Biotech-Unternehmen, das mittels einer App angeblich psychische Krankheiten heilen kann, der andere galt als ein politisches Talent mit einst großen Idealen, der an der politischen Realität gescheitert ist, die dritte ist eine ehemalige Star-Ballerina, die nach einer schweren Verletzung im väterlichen Unternehmen neu anfangen musste.

Je näher man ihnen kommt, desto deutlicher wird, dass hinter all dem Glanz viel Unsicherheit, Selbstzweifel und Täuschung stecken. Der Roman interessiert sich überraschenderweise weit weniger dafür, wer den Kampf ums Erbe am Ende gewinnt, als dafür, warum diese Figuren trotz all ihrer Möglichkeiten letztlich so verloren sind.

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Lisa Roy: Alles ist Gold

Lisa Roy erzählt in „Alles ist Gold“ von einer jungen Frau, die aus der Bahn gerät – und gerade im Stillstand merkt, wie wenig sie bisher selbst entschieden hat. Es ist ein leiser, beharrlicher Roman über Selbstzweifel, Erwartungen und die Zumutung, ein eigenes Leben zu beginnen.

Jana ist 30 Jahre alt, frisch getrennt – und schwanger nach einem One-Night-Stand. Und sie weiß nicht, was sie will: kein Kind, ein Kind, zurück ins alte Leben, hinaus aus allem. Sie zieht zu ihren Eltern, kreist in Gedanken um sich selbst und findet doch keinen Punkt, an dem aus Denken Entscheidung und Handeln wird.

Diese Unsicherheit ist nicht nur Janas Charakterzug, sondern das erzählerische Prinzip von „Alles ist Gold“. Fast jeder Impuls wird wieder zurückgenommen, jede Möglichkeit sofort infrage gestellt. Das ist psychologisch glaubwürdig, bisweilen für die Leserin/den Leser aber auch anstrengend. Denn der Roman richtet sich in Janas Unentschiedenheit gelegentlich so gründlich ein, dass die äußere Handlung an Spannung verliert.

Bewegung kommt erst durch Miral in die Geschichte, eine selbstbewusste Frau, die Jana zugleich fasziniert und verunsichert. Mit ihr bricht Jana nach Italien auf. Der Roadtrip gibt dem Roman Struktur, doch im Kern bleibt diese Reise eine innere: Jana flieht nicht nur vor einer Entscheidung, sondern vor der Erkenntnis, dass sie ihr Leben lange an fremden Erwartungen ausgerichtet hat.

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Katrin de Vries: Die kleinste größte Welt

Katrin de Vries ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie wurde 1959 in Ostfriesland geboren und lebt auch heute dort. 2024 erschien ihr Buch „Ein Garten offenbart sich“. Nun veröffentlichte dtv am 15. Mai 2026 ihren ersten Roman mit dem Titel „Die kleinste größte Welt“.

Deutschland 1959: Vom Leben und Arbeiten in einem ostfriesischen Dorf

Schauplatz der Geschichte ist ein kleines Dorf nahe der niederländischen Grenze in Ostfriesland: Die achtzehnjährige Lieske bringt ihr Kind 1959 zu Hause zur Welt. Die Hebamme Geeske Diddens und der Landarzt Dr. Wessels stehen ihr zur Seite. Das Mädchen Greta wird gesund geboren und wächst fortan meist unter der Obhut ihrer Großeltern auf. Ihre Eltern Lieske und Dieter müssen arbeiten. Sie in der Fabrik, er in der Malerfirma seines Vaters.
Die Hebamme Geeske ist seit ihrer Ausbildung Dorfhebamme und begleitet schon Jahrzehnte Frauen bei der Geburt. Inzwischen ist sie Witwe und kinderlos geblieben. Sie schreibt regelmäßig mit ihrer Freundin und Kollegin Käthe, die in der nahen Kleinstadt wohnt und arbeitet.

Das Wirtschaftswunder beginnt

Durch Geeskes Augen beschreibt Katrin de Vries das Leben in der Nachkriegszeit auf dem Dorf und die Veränderungen im Laufe der Zeit. Greta wächst behütet auf. Sie hat mit Großvater Klaas und Großmutter Janna liebevolle Großeltern. Das geht nicht allen Kindern so, weiß die Hebamme, die sich in den Dorfhaushalten auskennt.
Aber auch Geeske muss sich an die Veränderungen und den Fortschritt gewöhnen. Denn in den Krankenhäusern werden Geburtsstationen eingerichtet, die Frauen gehen zur Entbindung immer öfter dorthin. Supermärkte entstehen, die Leute fahren Auto und kaufen Fernsehgeräte, Kühlschränke und Waschmaschinen.

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Daniela Dröscher: Sprechen

Daniela Dröscher dürfte den meisten Lesern durch ihren 2022 erschienenen Roman „Lügen über meine Mutter“ bekannt sein. In unserem Leselustportal ist die Rezension ihres 2025 erschienenen Romans „Junge Frau mit Katze“ zu finden.

Wie man vom Titel bereits ableiten kann, sind in ihrem Essayband „Sprechen“ die Sprache und das Sprechen ihr zentrales Thema. Hier beleuchtet Daniela Dröscher Sprache von der wissenschaftlichen Seite aus und Sprache im Allgemeinen. Dabei nimmt sie Stellung zu Dialekten, Hochdeutsch, Fachsprache, zur sozialen Herkunft oder zur Tonalität der Worte.

Wie die Autorin selbst anmerkt, legt sie den Fokus dabei auf die Sphäre des Zwischenmenschlichen.

Immer wieder lässt sie Beispiele mit Interna aus ihrer Kindheit, die sie auch schon in ihren Romanen thematisiert hat, einfließen. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Hunsrück, war sie dort mit dem örtlichen Dialekt ebenso konfrontiert wie mit dem Hochdeutschen, das ihre Mutter zu sprechen pflegte. Geprägt von der Mutter, die sich auf ihre ganz eigene Art einst in die Dorfgemeinschaft einbrachte, versuchte auch Daniela Dröscher als Kind, sich präzise auszudrücken. Wir lesen unter anderem von Streitgesprächen in der Familie, vom Nichtverstandenwerden oder von falschen Interpretationen des Gesagten.

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