Eva Baltasar: Mammut

Dieser kleine Roman zeigt den mutigen Versuch einer jungen Frau auf, ihr konventionelles Leben hinter sich zu lassen und auszusteigen.

Die Protagonistin und Ich-Erzählerin ist unzufrieden mit sich, mit ihrer Tätigkeit als Mitarbeiterin ihrer Universität. Täglich sammelt sie Daten über Demografie und Langlebigkeit und befragt hierzu Senioren in geriatrischen Einrichtungen. Von Mal zu Mal hadert sie mehr mit ihrem Job und den vielen Oberflächlichkeiten um sie herum. Sie will tiefer eintauchen ins Leben, sucht das Ursprüngliche. So teilt sie ihre Intimitäten unverblümt mit uns Lesern. Sie will ihr Leben anders planen. Priorität hat, schwanger zu werden und ein Kind zu bekommen. Dafür und nur dafür braucht sie einen Mann, denn sie fühlt sich nur von Frauen angezogen. Das Kind soll dann ganz allein ihr gehören.

Natürlich kommt es anders.

Ihr Bedürfnis, sich zu reproduzieren, freizuschwimmen und zu emanzipieren, wird immer stärker. Das Stadtleben erdrückt sie und erscheint ihr immer paradoxer. Für andere irgendetwas zu arbeiten, um Geld zu verdienen, empfindet sie als sinnlose Ausbeutung.

Sie kündigt ihren Job, verlässt die Stadt und sucht die Einsamkeit. In einer abgeschiedenen Gegend findet sie ihr Glück in einem verlassenen, alten Haus ohne fließendes Wasser. Das Leben, das sie hier erwartet, erfordert täglich harte, körperliche Arbeit von ihr. Doch genau dies macht sie zufrieden. Im Haus begnügt sie sich mit Holzfeuer, einfachsten Utensilien, einem Waschtrog aus Stein und einem alten Bottich als Badewanne. Mehr will sie nicht, braucht sie nicht. Ihr nächster Nachbar, ein Schäfer, der sich bei Zahnschmerzen mit heiß glimmender Kohle den Nerv verödet, lebt ein ähnlich entbehrungsreiches Leben, wie sie selbst.

Am Ende kommt alles noch einmal anders als gedacht.

Dieses Buch verströmt eine ungemeine Kraft durch den plastisch geschilderten, intensiven Plot. Die teils groteske, archaische Lebensform der Protagonistin zieht bis zur letzten Zeile in den Bann.

Eva Baltasar: Mammut.
Übersetzung aus dem Katalanischen: Petra Zickmann
Schöffling & Co., Oktober 2025.
gebundene Ausgabe, 112 Seiten, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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