Liza Marklund: Das kalte Moor

Das in recht dunklen Farben gehaltene Cover vermittelt einen guten Vorgeschmack auf die Geschichte, die der zweite Teil der Polarkreis-Trilogie erzählt. Düster, geheimnisvoll, aber diesmal wesentlich persönlicher als im ersten Teil, den man im Übrigen nicht gelesen haben muss, um jetzt im zweiten mitzukommen. „Das kalte Moor“ ist gut als Standalone zu lesen, die Geschichte erklärt sich gut und ohne viele Bezüge.

Düster und leicht bedrückend ist die Gegend, in der die Autorin das Geschehen angesiedelt hat. Stenträsk, ein kleiner schwedischer Ort nördlich des Polarkreises und unmittelbar angrenzend an ein Raketenversuchsgelände, das schon an sich geheimnisumwoben ist, weil die, die dort arbeiten, ob aus dem kleinen Ort oder von ihren Firmen irgendwo auf der Welt für eine gewisse Zeit abgeordnet, natürlich nicht über das reden dürfen, was auf dem Gelände passiert oder erforscht wird. Dennoch kommt man natürlich miteinander in Kontakt, immerhin müssen diejenigen, die nur auf Zeit in Stenträsk arbeiten, ja im Hotel wohnen und man trifft sich natürlich auch mal in der Kneipe. Markus, der Sohn des örtlichen Polizeichefs Wiking Stromberg, arbeitet auf dem Versuchsgelände. Was genau er dort macht, darf er auch seiner Familie nicht erzählen, nur so viel: Er soll befördert werden und würde dieses Angebot auch gerne annehmen. Wenn da nicht dieses anonyme Schreiben wäre, das ihn eindringlich davor warnt. Der Schreiber, die Schreiberin bittet ausdrücklich, dass Markus das Schreiben seinem Vater zeigt, der sofort einen bestimmten Verdacht hat, wer der Absender sein könnte.

Doch das kann nicht sein. Seine Frau, Helena, die auf genau die gleiche Art ihre Schreiben unterzeichnet hat, deren Handschrift er wiederzuerkennen glaubt, ist seit dreißig Jahren tot. Im Moor geblieben. Einzig ihre damals erst wenige Monate alte Tochter wurde gefunden. Von Helena hat niemand je wieder etwas gehört. Und trotzdem ist sich Wiking sicher, die Warnung kommt von ihr. Schweren Herzens sagt Markus das Jobangebot ab. Sein Kollege, der an seiner statt den Job bekommt, kommt nur wenig später bei einem Autounfall ums Leben. Sollte sich die Warnung bewahrheitet haben? Wiking glaubt nicht an den Unfall. Er setzt alle Hebel in Bewegung, das näher zu untersuchen, auch wenn es offiziell keine Beweise für eine Manipulation am Fahrzeug gibt. Wiking lässt nicht locker. Und es gibt eine weitere Warnung, wieder dieselbe Handschrift, dieselbe Signatur. Wie kann das sein?

Wiking verbeißt sich in die Recherchen zur – auch eigenen – Vergangenheit. Mit Präzision und Logik, mit Unterstützung seines Freundes Mats, der weiterreichende Möglichkeiten hat, auf Verschlussakten und Daten zuzugreifen. Gemeinsam graben sie in der Vergangenheit und finden Antworten auf viele offene Fragen, stoßen aber auch immer wieder auf Zweifel.

Packend geschrieben, diesmal sehr persönlich aus der Perspektive von Wiking und seiner Familie. Düster und sehr atmosphärisch, ruhig und präzise, gleichzeitig aber stellenweise auch sehr emotional.

Liza Marklund: Das kalte Moor
Aus dem Schwedischen übersetzt von Dagmar Mißfeldt
Atrium, Februar 2026
400 Seiten, Hardcover, 24,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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