T. C. Boyle: I walk between the raindrops

Der US-amerikanische Schriftsteller T. C. Boyle (Jahrgang 1948) schreibt jedes Jahr ein neues Buch. 2023 war es der Roman „Blue Skies“, der den weltweiten Klimawandel und seine Auswirkungen in den USA in apokalyptischer Form beschreibt. Am 13. Mai 2024 folgen nun dreizehn Stories mit dem Titel „I walk between the raindrops“, die im Carl Hanser Verlag erschienen sind. Dirk van Gunsteren und Anette Grube haben sie übersetzt.

Lebenswelten in der Kurzform

T. C. Boyle kann nicht nur Romane schreiben, sondern brilliert auch mit seinen Kurzgeschichten.

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Graham Norton: Ein Ort für immer

Für diesen Roman stellen wir Ihnen eine Doppelrezension vor.  Zwei unserer Rezensentinnen haben das Buch gelesen. Ihre Besprechungen fallen gar nicht so unterschiedlich aus. Doch während Renate Müller die absurden Komponenten des Romans als vergnüglich und unbedingt empfehlenswert einstuft,  bewertet Annegret Glock genau diese Skurrilität als zu trivial:

Renate Müllers Rezension:

Berührender und humorvoller Roman um die Frage: Sind wir da zu Hause, wo wir wohnen?

Ein Schicksal, das heutzutage sicher öfter vorkommt, als man glaubt. Plötzlich sitzt ein Partner auf der Straße, weil der andere keine Vorsorge getroffen hat.

In dem Roman des irischen Autors Graham Norton, des ersten, den ich von ihm las, geht es vor allem um das, was unser Zuhause ausmacht. Für fast alle der wunderbar ausgearbeiteten Figuren stellt sich diese Frage, nicht alle finden eine Antwort.

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Nisha J. Tuli: Trial of the Sun Queen: Die Artefakte von Ouranos 01

Lor sitzt in einem grausamen Kerker, seit sie ein Kind ist. Gemeinsam mit ihren Geschwistern wurde sie – ein Mensch – von den Fae dort eingesperrt. Warum? Sie weiß es, hält es aber geheim. Gerade als ihre Lage anscheinend nicht schlimmer werden kann, wird sie befreit und findet sich im Luxus wieder. Sie wurde auserwählt, als eine von 10, als „der letzte Tribut“ um die Hand des Sonnenkönigs zu kämpfen. Dabei ist nicht nur Wissen gefragt – das sie nicht haben kann, wie sollte sie im Kerker auch lernen, welcher König wie viele Töchter hatte – , sondern auch Geschick – hat sie – und nicht zuletzt die Frage, wem man in dieser Schlangengrube vertrauen kann und wem nicht. Mit am spannendsten an diesem Buch fand ich Lors Erkenntnis, dass sie mit ihrer Taktik des Null-Vertrauens auch nicht bestehen kann.

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James J. Butcher: Dead Man´s Hand

Wie überall auf der Welt teilen sich auch in Boston, Massachusetts die Gewöhnlichen ihre Heimat mit den Paranormalen. Und Department für unorthodoxe Angelegenheiten sind die Auditoren die magische Elite, staatlich zugelassene Hexen, die über Kevlarmaske, Zaubersprüche und die damit verbundene Macht und das Prestige verfügen. Grimshaw Griswald Grimsby ist … trotz eines mehrjährigen Studiums leider keiner dieser Auditoren.

Nachdem er bei der Ausbildung durchfiel und von seiner Ausbilderin, der gefährlichsten Hexe der Welt, als „nicht für die Abteilung geeignet“ entlassen wurde, versuchte Grimsby, sich mit einem Leben als mittelmäßiger Hexer abzufinden. Aber er kann nicht anders, als zu hoffen, dass er irgendwie, irgendwo eine weitere Chance bekommt, seine Fähigkeiten zu beweisen. Bis dahin arbeitet er als Clown-Zauberer für Geburtstagskinder im versifften Burger-Paradies des Gewerbegebiets – ab und an darf er dort auch die Toiletten reinigen.

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Anne Stern: Das Opernhaus: Rot das Feuer

Elise Jacobi, geborene Spielmann, hat sich in Dresden mittlerweile einen Namen als begnadete Violinistin gemacht. Ihr Wunsch nach Anerkennung ihres Könnens wurde also erfüllt. Nicht zuletzt hat sie das den Kontakten ihres wesentlich älteren Ehemannes, des Komponisten und Journalisten Adam Jacobi zu verdanken. Dessen ist sich Elise durchaus bewusst, was sie aber nicht daran hindert, auch immer mal wieder, im Rahmen einer Soirée oder eines Empfanges, im Gespräch, mit ihrer Meinung zur Kunst nicht hinter dem Berg zu halten. Sehr zum Missfallen ihres Ehemannes, der streng auf Etikette und Konventionen achtet und der Meinung ist, Frauen haben keine Meinung zu haben.

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Christina Lauren: The Soulmate Equation

Das Buch entführt seine Leser in eine Welt voller Statistiken und Zahlen, ebenfalls wird die große Liebe gesucht. Genau deshalb wird die neue Dating-Agentur gegründet, die DNA-Tests macht, um zu schauen, ob man mit einer Übereinstimmung dieser die große Liebe finden kann. Jess ist erstaunt, als ihr Ergebnis mit dem von Dr. River Peña übereinstimmt und das zu 98 %. Er ist einer der Mitgründer der Agentur und sie beginnt zu zweifeln, ob die Analyse wirklich so zuverlässig ist wie angenommen.

Die Idee mit der Gen-basierten App fand ich sehr toll, mal was anderes, und es wurde sehr gut umgesetzt. Die Diskussionen zwischen den Protagonisten war herrlich, so erfrischend und manches Mal musste ich schmunzeln während dem Lesen.

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Margarita Garcia Robayo: Das Paket

Margarita Garcia Robayo hat einen äußerst doppelbödigen und originellen Roman über Themen wie Entwurzelung, Herkunft, Familie und soziale Bindungen in einem Zeitalter des ständigen Unterwegsseins geschrieben. Die Ich-Erzählerin ist von Kolumbien nach Buenos Aires gezogen, um dort als Werbetexterin zu arbeiten. Nun erhofft sie sich ein Stipendium in Europa. Sie lebt ihr Leben so, dass sie es überall tun könnte. Ihre größte Fähigkeit sei es, „das, was ich tue in jedem Einzimmerappartement auf diesem Planeten erledigen zu können – eine anständige Internetverbindung vorausgesetzt. Ich bin so oft umgezogen, ohne Einbrüche. Das Geheimnis war, mit dem unerlässlichen Minimum zu leben …“ (S. 85).

Beziehungen im Zeitalter des Internets
Die Protagonistin wird als kluge und gewitzte Grüblerin gezeichnet. Sie lebt in einem Appartement im obersten Stock und erfreut sich an der Schönheit eines nicht vollendeten Bauskeletts, auf den der Blick von ihrer Terrasse fällt. Ihre Beziehungen sind alle von einer gewissen Unverbindlichkeit geprägt. Mit ihrer Mutter hat sie seit Jahren kaum noch Kontakt, mit ihrer besten Freundin hat sie sich zerstritten und ihre neue Beziehung vermag sie nicht einzuordnen. Ist sie für ihren Freund Axel nur ein körperlicher Zeitvertreib oder gibt es eine gemeinsame Zukunftsplanung?

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Michael Kobr: Nebel über Rønne

Auf der dänischen Sonneninsel Bornholm passiert ein grausiger Dreifachmord. Drei Insassen eines kleinen Passagierflugzeuges werden nach der Landung noch im Flieger vergast. Sie kommen gar nicht mehr dazu, auszusteigen. Dieser Fall steht eine Herausforderung dar für Kommissar Lennart Ipsen und seine zwei Mitarbeiterinnen Britta Blomdal und Tao Nguyen. Derartige Morde kennt man eigentlich nur aus Mafia-Kreisen. Bei den drei Toten handelt es sich um den Piloten Henrik Forsberg, einem Hotelier und Investor, Bjarne Moller, Teehändler und sehr aktiv in Bornholms Kunstszene und dem jungen Pastor Finn Iversen. Im Laufe der Ermittlungen kommen einige interessante Details an den Tag.

Forsberg hatte in Südfrankreich Beteiligungen an einem dubiosen Hotelprojekt, Moller dealte in respektablem Umfang mit Drogen und Pastor Iversen war ein Spieler. Wem galt der Anschlag, der alle drei in den Tod gerissen hat?

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Leigh Brackett: Schwelende Rebellion

Willkommen in einem Sonnensystem, wie man es sich im Vor-Raumfahrtzeitalter vorstellte. Die Planeten, allen voran Mars, Venus und Merkur haben eine tropische bzw. Wüstenatmosphäre und sind von wilden Stämmen besiedelt. Überall kann man auf Ruinen einstiger Hochzivilisationen stoßen, es gilt das Recht des Stärkeren, des Brutaleren.

In dieser Welt wuchs Eric John Stark auf dem Merkur bei einem der dortigen Stämme auf. Der Erdenmann hat sich dabei nicht nur den Respekt und die Achtung vor fremden, nur auf den ersten Blick primitiven Kulturen angeeignet, er hat auch seine animalische Seite akzeptiert.

Drei Abenteuer warten vorliegend auf uns. Drei Novellen, die uns, neu und sehr stimmungsvoll von Dr. Helmut W. Pesch übertragen, zeigen, dass Leigh Brackett zu den interessantesten, eigenständigsten Autorinnen ihrer Zeit gehörte.

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Doris Dörrie: Die Reisgöttin und andere Mitbringsel

Wer Touristenmeilen eher meidet, um das Leben in den Seitenstraßen zu entdecken, hat in Doris Dörrie eine passende Reisebegleitung gefunden. In 47 Anekdoten, jede knapp zwei DIN-A-5-Seiten lang, erzählt die Autorin von ihrer ungestillten Neugierde, hinter die Dinge sehen zu wollen.

Ihre Reisen führen sie unter anderem nach Asien, den Nahen Osten, die USA und Mittelamerika, aber auch direkt vor die Haustür. Sie hinterfragt kulturelle Werte, die Herkunft landestypischer Speisen, Haushaltswaren und traditioneller Feste.

Am liebsten bummelt sie über Flohmärkte und durch Kramläden in aller Welt, um etwas mitzubringen, das sie zu einer Geschichte inspiriert hat. Dabei legt sie ihr Augenmerk oft auf Dinge, die die meisten Menschen bestenfalls als Kitsch bezeichnen würden. Ihr Mann jedenfalls versucht erfolglos, sie davon abzuhalten, immer mehr Ramsch anzuhäufen. Zumal er sein Haus bereits mit einem Stoffschwan mit Schnabelproblem und einer Porzellankaraffe in Hasenform teilen muss. Aber der Autorin geht es nicht um den Wert der Dinge als solche, sondern um den ideellen Wert. 

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