John Scalzi: Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaiju-Monster

Eigentlich wollte Jamie ja in Chicago seine Masterarbeit über SF schreiben, dann entschied er, dass es vielleicht doch geschickter wäre, in New York Karriere zu machen. In einem Start-up für kontaktlose Essens-Auslieferungen will er durchstarten – bis ihn der Boss nach einem halben Jahr zu den Fahrern entsorgt. Mitten während Corona muss er froh sein, wenigstens noch etwas zu verdienen – bis sein Ex-Boss das Unternehmen an Uber verkauft und er auf die Straße gesetzt wird.

Da kommt das Angebot eines entfernten Bekannten gerade rechtzeitig – er soll Sachen schleppen, irgendwo im Nichts, während die Wissenschaftler eine Spezies erforschen und schützen wollen.

Gesagt, getan, nur, dass das irgendwo eine Parallelwelt ist und die schützenswerte Fauna einer Kreuzung zwischen Drachen und Godzilla gleicht …

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Tom Rachman: Die Hochstapler

Auf dem Cover von Tom Rachmans neuestem Werk steht „Roman“, doch eigentlich handelt es sich um eine Sammlung von Erzählungen, die durch eine Rahmenhandlung lose miteinander verbunden sind. Das soll keinesfalls abwertend gemeint sein. Viele dieser Erzählungen sind spannend, einfallsreich und stilistisch gut geschrieben. Doch wer eine stringente, in sich abgeschlossene Handlung erwartet, ist bei diesem Buch falsch.

In besagter Rahmenhandlung versucht eine alternde Schriftstellerin, die an beginnender Demenz leidet – Dora Frenhofer heißt sie -, einen letzten Roman zu verfassen. Die eingestreuten Erzählungen sind das, was sie zuwege bringt.

Immerhin stehen die Figuren, die darin jeweils die Hauptrolle spielen, in irgendeiner Beziehung zur Autorin. Da ist zum Beispiel ihre Tochter Beck. Sie versucht sich erfolglos als Comedian und verliebt sich unglücklich. Oder Amir, der zur Beerdigung seines Vaters in einen islamischen Staat reist und dort grausamst gefoltert wird. Oder Theo, der sich im Urlaub in Indien zwei Reisebekanntschaften anschließt und in die Rettungsaktion eines Ertrinkenden verstrickt wird.

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Irene Diwiak: Die allerletzte Kaiserin

Sie sei die allerletzte Kaiserin von Österreich, beteuert die resolute, wenn auch steinalte Touristin, die eines Tages in dem Gasthaus in den Bergen auftaucht, das den Eltern der Ich-Erzählerin Claudia Hendl gehört. Sie erscheint dort nach ihrem ersten Besuch täglich, sitzt immer am selben Platz, isst jedes Mal dasselbe Menü und irgendwann erzählt sie der Wirtstochter ihre Geschichte. Und die hat es in sich. In ihrem Lebenslauf bildet sich die österreichische Politik und die Sozialgeschichte des gesamten 20. Jahrhunderts ab. Johanna Fialla heißt die Dame, deren Großvater um 1900 in Wien eines der ersten Autohäuser betreibt.

Die Familie wohnt aus diesem Grund an einer der allerersten Adressen der Stadt an der noblen Ringstraße. Die Mutter ist verträumt und hält in ihrem Leben nach einem Ritter Ausschau, wie sie in den von ihr geliebten Romanen vorkommen. Auf einem Ball begegnet sie dem Kellner Johann Witz und folgt ihm in die Besenkammer.

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Martina Bogdahn: Mühlensommer

Wenig mitreißender Roman um das Leben auf einem Bauernhof

In einer Mischung aus aktueller Handlung und ständigen Rückblicken scheint hier eine Autorin ihre Kindheit aufzuarbeiten. Ein Roman, den es nicht braucht.

Im Stil eines Schulaufsatzes der fünften Klasse zum Thema „Mein schönstes Ferienerlebnis“ erzählt Martina Bogdahn von einer Kindheit auf einem Bauernhof. Da, laut Vita im Buch, sie selbst auf einem solchen aufwuchs, liegt die Annahme nahe, dass sie hier ihre eigenen Erlebnisse schildert.

Maria, Mutter zweier Töchter – einen Vater scheint es nicht zu geben – wird in ihr Elternhaus gerufen, als ihr Vater einen schweren Unfall hat. Sie muss einspringen, die Tiere versorgen und auf die demente Oma aufpassen. Es ist ein heißer Sommer und eigentlich wollte sie sich mit Freunden zu einem langen Wochenende treffen. Nun kommen diese Freunde stattdessen zu ihr auf den Bauernhof und wirken dort dann ziemlich fehl am Platz.

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Lukas Hartmann: Martha und die Ihren

Martha wurde vor dem Ersten Weltkrieges in einem Schweizer Dorf geboren. Ihr Vater ist Brunnenbauer und lebt mit seiner Familie in einem Haus für Tagelöhner. Als Marthas Vater nach einem Unfall nicht mehr auf die Beine kommt, leidet die ganze Familie große Not. Nach seinem Tod verlieren sie das Wenige, das sie noch besitzen: Martha und ihre fünf Geschwister werden auf fünf verschiedene Bauernhöfe verteilt. Sie sind jetzt Verdingkinder und haben den gleichen sozialen Status wie das Vieh.

Marthas Leitfaden wird aus dem Wunsch geboren, immer fleißig und gehorsam zu sein. Dann würde es in ihrem Leben irgendwann aufwärtsgehen. Und trotzdem …, wenn es nach den üblichen Regeln ginge, müsste sie für den Rest ihres Lebens den Stempel Verdingkind tragen.

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Karina Urbach: Das Haus am Gordon Place

Ein Krimi für alle Fans der Spionagethriller. Ein gekonnter Mix aus Fakt und Fiktion, denn die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, die die Autorin, selbst promovierte Historikerin, geschickt einbindet in die Geschichte um den Historiker Professor Hunt und die ehemalige britische MI6 Agentin Daphne Parson, die in den letzten Jahren des 2. Weltkrieges und den ersten Jahren der Nachkriegszeit in Wien stationiert war und als Abhörspezialistin vor allem in einem extra dafür gegrabenen Tunnel unter der Wiener Innenstadt tätig war. Erzählt wird in zwei Zeitebenen. Einmal eben in der Zeit um 1944 / 1948 und dann wieder in der Jetzt-Zeit.

Der britische Historiker Professor Hunt staunt nicht schlecht, als er, kaum auf dem Flughafen in New York gelandet, von Emma Spencer, einer britischen Geheimdienstagentin festgenommen und mit dem nächsten Flugzeug zurück nach London gebracht wird. Ausgerechnet in seiner Wohnung, in einer der teuersten Gegenden Londons, eben am Gordon Place, ist ein Mord geschehen. Sein Nachbar. Aber was hatte der in seiner Wohnung zu suchen?

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Gabriella Santos De Lima: That Girl

Tess ist ein echtes That-Girl mit einer perfekten Morgenroutine und einem gut laufenden Instagram-Kanal. Vor kurzem hat sie ein Buch geschrieben, in dem es um ihre bisherigen Dates ging und die Verkaufszahlen sprechen für sich. Nach außen hin ist es ein perfektes Leben, doch in Wahrheit ist die junge Frau auf der Suche nach sich selbst und der großen Liebe. Durch einen Zufall begegnet sie Leo und beginnt sich zu fragen, ob das nun wahre Liebe ist und ob diese wirklich so eine große Rolle in ihrem Leben spielt wie bisher angenommen.

Ich brauchte ein bisschen, um in das Buch hineinzukommen, doch als ich die kurze Durststrecke überwunden hatte, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Diese Geschichte ist keine klassische nullachtfünfzehn Liebesgeschichte und deshalb unterscheidet sich das Buch endlich mal von all den anderen. Es geht in der Geschichte um Selbstfindung, Freundschaft und der Frage, was die große Liebe eigentlich ist. Es brachte mich zum Nachdenken und bleibt bestimmt noch lange in meinem Gedächtnis.

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Petra Hammesfahr: Die Verlierer

Rita Voss hat ihre Schwierigkeiten, sich an den neuen Vorgesetzten zu gewöhnen. Dazu kommt noch eine irre Geschichte: Fred Keller fährt mit Frau und Wohnmobil auf einen Campingplatz. Beim Joggen verschwindet seine Frau. Er braucht Tage, um das überhaupt zu melden, als Begründung gibt er an, seine Frau hätte das schon mal gemacht – einfach zu verschwinden. Der Stiefsohn kann nicht zur Aufklärung beitragen, weil er nicht auffindbar ist. Nach und nach entblättert sich eine Familiengeschichte, die mit jedem Detail trauriger wird.

Ich fand den Roman gut aufgebaut, auch durch die Einschübe von „Carli“, die das Ganze noch rätselhafter machten. Auch die verschiedenen Perspektiven tragen zur Spannung bei. Petra Hammesfahr ist bekannt dafür, tief in die dunklen Abgründe von Familien einzutauchen und dunkle Denkweisen ans Licht zu holen. Das ist ihr auch hier wieder gelungen. Am Ende gibt es einige Überraschungen, auch wenn man die ganze Zeit glaubte, den Täter doch schon zu kennen. Das Motiv fand ich wirklich gut gewählt, auch wie sich die Erzählung von „Carli“ immer wieder in die Aufklärungsarbeit einschob und dabei quasi Parallelen bildete.

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Maiya Ibrahim: Gewürzstrasse

Seit Generationen ist die Wüstenstadt Qalia und deren Umgebung von der restlichen Welt getrennt. Ein Bund sorgt dafür, dass die Menschen dort sicher sind, während sie mit ihren Kräften für den Schutz der Stadt und ihrer Umgebung sorgen. Der Misra-Tee, aus der Rinde des gleichnamigen Baumes gewonnen, verleiht ihnen magische Kräfte, Befähigungen, mit den Elementen des Landes zu interagieren, diese zu nutzen und damit Unglaubliches zu bewerkstelligen.

Als der ältere Bruder unserer Erzählerin Imani eines Tages spurlos verschwindet und dabei ein größerer Vorrat an der zauberkräftigen Rinde mit diesem vermisst wird, geht man davon aus, dass Atheer dem zauberkräftigen Tee verfallen war und letztlich den Djinns zum Opfer fiel.

Statt zu trauern, macht Imani sich auf, als Schild Rache an den Wüstenbewohnern, die ihren Bruder vermeintlich getötet haben, zu nehmen. Schnell nennen die Djinns sie nur mehr furchtsam die Töterin.

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Franziska Gänsler: Wie Inseln im Licht

Die junge Zoey ist an die französische Atlantikküste in die Nähe von Bordeaux gereist, um Abschied von ihrer Mutter zu nehmen.

Zoey hat hier einen Teil ihrer Kindheit verbracht und zusammen mit der Mutter und ihrer jüngeren Schwester Oda in einem Bauwagen am Strand gewohnt. Hier am Meer ist die Schnittstelle, die sie alle drei miteinander verbunden und irgendwann später voneinander getrennt hat.

Die Geschichte beginnt rätselhaft und bleibt fast bis zum Schluss rätselhaft. Vieles, was in der Vergangenheit geschehen ist, bleibt unerklärlich für Zoey. Da brechen die Erinnerungen an die jüngere Schwester Oda wieder auf, die plötzlich verschwunden war. Die Mutter hatte nur mit ihr, ohne die kleine Oda Frankreich verlassen. Seither hatten sie zu zweit in einer kleinen Dachwohnung in Berlin gelebt. Über all die Jahre, in denen Zoey dann ihre Mutter selbstlos und selbstverständlich gepflegt hat, ist diese ihr alle Antworten schuldig geblieben. Aus Rücksicht auf den Zustand der Mutter hat Zoey irgendwann das Fragen eingestellt. Auch sonst war niemand da, der ihr etwas hätte erklären können.

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