Anne Holt: Zwölf ungezähmte Pferde

Wer Hanne Wilhelmsen nicht aus den früheren Bänden der Reihe kennt, dürfte versucht sein, sie als echt unsympathisch und schwierig abzustempeln. Kein Wunder, ist sie doch extrem sarkastisch, kompromisslos und unhöflich zu ihrer Frau und Tochter, zu den beiden gemeinsamen jungen Freunden, die zum Abendessen eingeladen sind. Noch bevor das Essen richtig begonnen hat, ist der Abend zu Ende. Eskaliert wegen Hannes mangelnden Einfühlungsvermögens, ihrer sehr speziellen eigenen Art, mit Leuten umzuspringen, in der Annahme, sich alles erlauben zu können. Diesmal nicht. Nefis, ihre Frau, verlässt gemeinsam mit Tochter Ida noch am selben Abend die gemeinsame Wohnung. Henrik, ein junger Hauptkommissar und Hannes einzig noch verbliebene Verbindung zur Polizei, wie auch Ebba, eine junge Lektorin, sind ebenfalls richtig sauer wegen Hannes Benehmen und gehen. Hanne findet sich alleine in der großen Wohnung wieder.

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Sybil Volks: Café Finito

Ein Buch über den Tod? Über sechs Trauernde, die mit dem Verlust eines Menschen leben müssen? Will man das lesen?

Man muss!

Sybil Volks hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben über ein Dutzend Menschen und über einen Friedhof, den Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin, dessen zahlreiche berühmte „Bewohner“ – von Fichte bis Hegel, von John Heartfield bis Otto Sander, von Herbert Marcuse bis Fritz Teufel – kleine Nebenrollen spielen.

Der Ort der Handlung ist real. Sein Verwalter Kristof, der dort ein Café betreibt, in dem sich für jeweils ein Jahr Menschen versammeln, um gemeinsam ihre Trauer zu verarbeiten, ist fiktiv. So wie die diesjährige Trauergruppe, die sich im Café Finito unter dem programmatischen Schild »Lost & Found« trifft.

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​Nelio Biedermann: Lázár

Im Mittelpunkt von Nelio Biedermanns Debütroman steht die ungarische Adelsfamilie Lázár, deren Schicksal sich vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Zeit nach dem Volksaufstand von 1956 spannt. Beginnend mit der Kindheit von Lajos von Lázár auf einem verfallenden Gutshof, verfolgt der Roman drei Generationen durch Kriege, politische Umwälzungen, Enteignung und Exil. Die Figuren erleben Liebe, Verrat, Verlust und die Suche nach Identität – stets im Schatten der großen Geschichte.

Bereits mit 21 Jahren gelingt Biedermann damit ein beeindruckendes Werk, das durch seine große Emotionalität und psychologische Genauigkeit besticht. Über dem gesamten Werk schwebt ein Hauch von Melancholie, die zum langsamen Untergang der k.u.k.-Monarchie genauso passt wie zum späteren Übertritt Ungarns in den Kommunismus und die Verfolgung Andersdenkender.

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L. J. Shen: Truly Forbidden

Als Calla in ihre Heimatstadt zurückkehrt, will sie nur eins: ihre beste Freundin Dylan zurückgewinnen. Seit Dylan sie mit ihrem großen Bruder Ambrose erwischt hat, herrscht zwischen den beiden Funkstille. Sich von Ambrose, der mittlerweile ein berühmter Sternekoch ist, fernzuhalten, wird allerdings schwieriger als gedacht, denn er ist sogar noch attraktiver geworden. Für Cal sind die alten Gefühle mit einem Schlag wieder da. Aber Ambrose ist tabu, heute mehr denn je, wenn sie die Freundschaft mit Dylan kitten will. Doch als Cal einen Job in Ambrose’ Restaurant annimmt, kommen sie sich unweigerlich wieder näher. Und etwas Verbotenes hat sich noch nie zuvor so gut angefühlt …

In einigen Punkten war das Buch leider recht vorhersehbar, hatte kaum eine bemerkenswerte Wendung hingelegt und war teils auch etwas zäh. Dabei fand ich den Start der Geschichte noch sehr gut.

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Heinrich Steinfest: Das schwarze Manuskript

Heinrich Steinfests neuer Roman „Das schwarze Manuskript“ beginnt mit einer scheinbar alltäglichen Szene: Ashok Oswald, ein wohlhabender Mann, schwimmt wie jeden Morgen in seinem Pool. Doch an diesem Tag wird er von drei Fremden gezwungen, ein geheimnisvolles Manuskript herauszugeben, das ihm einst von Peter Bischof anvertraut wurde. Die Dringlichkeit und Entschlossenheit der Eindringlinge lassen Ashok erkennen, dass dieses Buch von ungeahnter Bedeutung ist. Um das Rätsel zu lösen, verlässt er sein bisheriges Leben und begibt sich auf eine Suche, die ihn in einen Zwischenbereich von Literatur und Realität führt.

Steinfest ist bekannt für seinen humorvollen, originellen Stil, der auch in diesem Roman zum Tragen kommt. Besonders die ersten Seiten sind geprägt von Witz, überraschenden Perspektivwechseln und einer Sprache, die das Alltägliche ins Groteske kippen lässt.

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Antonia Wesseling: Loverboy

Viven ist anders geworden, seit sie mit Pascal zusammen ist, sie ist unzuverlässig geworden, verstrickt sich in Lügen und noch dazu verschwindet sie nach einer Auseinandersetzung einfach spurlos aus der WG. Ihre Mitbewohnerin Lola meldet sie nach einigen Tagen als vermisst, doch ohne Erfolg. Da Viven bereits erwachsen ist, geben die Polizisten ihr den Rat sie bei Viviens Freund zu suchen, doch Lola ist sich sicher: da kann was nicht stimmen. Plötzlich taucht Elias vor der WG auf, er ist Viviens Halbbruder der nie erwähnt wurde und gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Viven. Bei der Suche kommen sie sich immer näher, ahnen dabei jedoch nicht, welche Grenzen Viven für die vermeintlich große Liebe schon längst überschritten hat …

Antonia Wesseling hat hier etwas Unglaubliches zu Papier gebracht. Sie zeigt auf erschütternde Weise, wie toxisch Liebe sein kann.

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Ana Savas: Beneath Broken Skies

Für Madelyn Prince ist nichts wichtiger als ihre Arbeit im Unternehmen ihrer Familie. Doch als der renommierte Verlag plötzlich verkauft wird, stellt sie dies vor ungeahnte Herausforderungen: denn der junge Erbe des Konkurrenzverlags – und Maddies neuer Boss – ist niemand anders als Wesley Knight. Ausgerechnet Wes, in den sie in der Schule schon verliebt war, der sie aber nie wirklich beachtet hat. Wes, der trotz aller Mauern um ihr Herz tief in ihre Seele schaut. Doch je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto stärker sind die Gefühle zwischen ihnen mit einem Mal – bis ein Moment alles verändert …

Ein Buch, in dem es um Bücher geht, noch perfekter geht es ja wohl nicht!

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Mounia Jayawanth: Purple Clouds

Debbie White hat eine Stelle in der Redaktion des angesagten Purple Clouds Magazin in New York ergattert. Aber schon in der ersten Woche wird ihr klar, dass sie sich dort beweisen muss, denn ihre Chefredakteurin hat von Debs größtem Geheimnis erfahren: Sie ist seit vier Jahren verheiratet. Und nun soll sie einen Artikel darüber schreiben, wie es ist, als moderne Frau so früh den Bund der Ehe einzugehen. Kein Problem – hätte Deb nicht seit der Hochzeit keinen Kontakt mehr zu ihrem Mann Emory. Doch wenn sie an die Nacht voller Glücksgefühle zurückdenkt, in der sie spontan geheiratet haben, fragt Deb sich, ob es nicht mehr als einen Grund gibt, der Sache mit Emory noch eine Chance zu geben …

Die Idee, eine moderne Ehegeschichte mit beruflichem Druck, alten Gefühlen und persönlicher Reifeentwicklung zu verknüpfen, gefiel mir sehr.

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Julia Hausburg: Fighting Through Deep Waters

Meeresbiologiestudentin Henriette hat einen der begehrten Plätze auf der Segeljacht Sapient Sailor ergattert und verbringt ein exklusives Auslandssemester auf hoher See. Endlich hat sie die Chance, sich aus dem Schatten ihrer Schwester zu lösen. An Bord des Großseglers stößt Henriette auf Lukas, ihren besten Freund aus Kindertagen, der ihr inzwischen jedoch fremd ist. Das erste Wiedersehen ist eisig, aber zwischen Studienprojekten und gemeinsamen Tauchgängen im Südpazifik funkt es gewaltig. Bis ein verhängnisvoller Kuss, alte Wunden und ungesagte Wahrheiten drohen, ihr neues Glück im Keim zu ersticken. Als ein Sturm die Jacht in Gefahr bringt, müssen sie kämpfen: gegen ihre Vergangenheit und um ihre Liebe.

Leider konnte mich das Buch nicht ganz abholen, obwohl das Setting wirklich mega war.

Der Schreibstil der Autorin ist gut, fast schon meditativ und man kann das Buch flüssig lesen. Allerdings wirkte er mir manchmal ein bisschen zu kindisch. Aber man fühlt sich so, als wäre man selbst auf der Segeljacht und alles ist stimmig.

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Marie Pierre, Maria W. Peter: Der Weg der Frauen: Das Pensionat an der Mosel 03

Auch im dritten Teil der Reihe um „Das Pensionat an der Mosel“ ist wieder in jeder Zeile die Liebe der Autorin zu der Region zu spüren, in der sie ihre Geschichte um Pauline Martin, Leiterin der eher kleinen, aber elitären Einrichtung in Diedenhofen, angesiedelt hat. Wie gewohnt hervorragend und akribisch recherchiert nimmt Maria W. Peter – alias Marie Pierre – uns mit ins Jahr 1912, ins Reichsland Elsass-Lothringen.

Nach den Problemen, die sie mit ihrer Schülerin Suzette, die aus der Provence an die Mosel gekommen war, und mit dem gefährlichen Geheimnis der irischen Lehrerin Rhona O’Malley hatte, die sie – leider nur kurze Zeit – an ihrem Institut beschäftigen konnte, sehr zum Bedauern ihrer Schülerinnen, die die Irin rasch ins Herz geschlossen hatten, hatte Pauline gehofft, jetzt einmal ein bisschen Ruhe und Frieden an der Schule genießen zu können. Dieser Wunsch wird ihr jedoch nicht erfüllt. Eine ihrer Schülerinnen wird in Metz verhaftet, nachdem sie sich unter einem Vorwand im Pensionat für einige Tage hatte beurlauben lassen. Sophie hat an einer Demonstration für die Rechte der Frauen teilgenommen, gemeinsam mit ihrer Cousine, die der Verhaftung allerdings entgehen konnte. Sophie wird zurückgebracht nach Luxemburg, zu ihrer Familie, die Pauline die Schuld gibt an der Verfehlung ihrer Tochter und ihr vorwirft, ihrer Aufgabe als Leiterin des Mädchenpensionats nicht gerecht zu werden. Pauline gelingt es, Sophie an die Schule zurückzuholen, muss aber feststellen, dass das Mädchen weit größere Probleme halt als den Einsatz für die Rechte der Frauen.

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