Beate Maly: Die Trümmerschule: Zeit der Hoffnung

Stella, eine junge Jüdin, kommt 1946 zurück nach Wien, in ihre alte Heimat. Voller Hoffnung und Zuversicht, dort wieder ein Zuhause zu finden, wieder heimisch zu werden und beim Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Stadt mitwirken zu können. Nicht nur mit ihrer Hände Arbeit, viel mehr mit ihrem Wissen und ihren pädagogischen Fähigkeiten. Stella will als Lehrerin den jungen Leuten Wissen vermitteln, sie lehren, frei zu denken und ihre Vorstellungen zu verwirklichen.

Stella hat als einzige aus ihrer Familie den Krieg überlebt. Ihre Eltern sind in Auschwitz ums Leben gekommen, auch Simon, ihr Verlobter, hat den Krieg nicht überlebt. Stella hatte das Glück, das sie manchmal aber im Nachhinein auch als Unglück empfindet, in trübsinnigen Momenten glaubt sie, ihre Familie im Stich gelassen zu haben, dank der Hilfe einer Bekannten, rechtzeitig aus Wien fliehen und in London im Exil leben zu können. Jetzt glaubt sie, es sei an der Zeit und gut, nach Wien zurückzukommen. Bei ihrer Freundin Feli kann sie erst einmal wohnen. Eine eigene Wohnung zu finden, wäre wohl kaum realistisch. Feli ist es auch, die ihr eine Anstellung als Lehrerin am Lindengymnasium verschafft, wo sie selbst als Schulsekretärin arbeitet. Englisch und Deutsch soll Stella unterrichten.

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Carla Kaspari: Das Ende ist beruhigend

In der Welt des Jahres 2130 gibt es nicht viele Anlässe, sich zu beruhigen. Außer in Spes 1, einem abgeschirmten Utopia-Dorf in Norditalien. Hier sind die Menschen – ausgewählte kreative, innovative Geister – glücklich, weil sie unter einer topmodernen Schutzglocke leben, die den unwirtlichen Bedingungen des Klimawandels trotzt. Doch das Leben im „Außen“ ist akut lebensbedrohlich. Kann so ein Experiment gelingen? Wie agieren Menschen in diesem Mikrokosmos? Woher kommt die Hoffnung? Kann Glück nur entstehen, wenn alles Unglück ausgeblendet wird? Die Kölner Autorin Carla Kaspari, Jahrgang 1991, verleiht der Zukunft eine unglaublich kraftvolle Stimme. Man kauft der Autorin jedes Wort ab. So oder so ähnlich könnten sich die Dinge wirklich entwickeln. Ein Roman, teils erschreckend, teils ironisch, immer faszinierend.

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Isabell Bennett: Love Will Find You

Emma beschließt einen Neustart in einer Kleinstadt zu wagen, den das hektische Großstadtleben wird ihr einfach zu viel. Sie will eine Alpaka-Farm eröffnen und bei ihrer Ankunft hat sie fast einen Unfall mit dem Sporttrainer Noah. Er ist gleich der Meinung, dass er nicht viel von der Großstädterin hält, aber dennoch möchte er sie besser kennenlernen und wird bald eines Besseren belehrt. Die Gefühle der beiden kochen bald über – aber es gibt einen weiteren Grund, aus dem Emma New York verlassen hat, und der droht, sie einzuholen …

Das Buch hat mich schnell in seinen Bann gezogen, allerdings kam mir das Ende dann doch etwas zu abrupt. Aber es war eine schöne Liebesgeschichte mit einem tollen Setting, in das man sich gerne hineinliest – besonders die Alpakas haben es mir angetan, denn sie wurden so gut in diese Geschichte hineingeschrieben. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive von Emma und Noah erzähl, wodurch man einen guten Einblick in ihre Gefühle und Gedanken bekommen hat und sie somit auch besser kennenlernen kann. Beide Charaktere waren gut gezeichnet und ich hatte schon bald einen guten Bezug zu ihnen.

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Simon Stålenhag: Swedish Machines

Etwas abseits der Zentren, auf einer kleinen Insel, erwarb der schwedische Rüstungskonzern Swedish Machines Ende der 1960er-Jahre Land, auf dem er bis 1979 eine Forschungs- und Erprobungsanlage errichten ließ, die ihresgleichen suchte. Hier forschte man an neuartigen Waffen, an innovativen Ideen, Menschen umzubringen und Städte zu zerstören. Und man war erfolgreich. Eine neuartige Strahlenkanone sollte ihre Ziele quer durchs Erdinnere erreichen können.

Ein abschließender Test sollte den Erfolg beweisen. Der Tetraeder, die Abschusseinrichtung, wurde auf eine Militärstation der Amerikaner in Nevada geflogen, der Zielpunkt lag auf der Insel.

Man schrieb den 12. Juli 1980, als die Waffe ausgelöst wurde. Es wurde eine dermaßen starke Explosion ausgelöst, dass sich Raum und Zeit ineinander verwanden, dass die Grenze zu Paralleluniversen durchlässig wurde, dass die Rauchsäule noch in 40 Kilometern Entfernung sichtbar war. Danach wurde das Gebiet weiträumig gesperrt. Wissenschaftler, die den Vorgang vor Ort untersuchen wollten, erkrankten unheilbar.

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Dietmar Bittrich: Waren wir schon mal hier?

Dem stressigen Alltag auf Reisen entfliehen und entspannen. Doch beim Reisen erlebt man so manche Abenteuer …

Dietmar Bittrich schreibt mit nüchternem Humor satirisch über Sinn und Unsinn des Reisens. Darunter Anreisen mit der Bahn (oder eher „Warten auf den Zug“), autofreies Reisen (in Gedanken sucht man jedoch immer nach einem Parkplatz – da kann man nicht so schnell mit aufhören), Stadterkundungen jenseits der Touristenspots (Hoppla, wo bin ich denn hier gelandet? Die sprechen hier ja gar kein Englisch? Und Google Maps versagt …), Ausflugstipps von der Verwandtschaft („Vor 30 Jahren waren wir auch mal dort. Sagt dem Wirt einfach unsere Namen und euer Essen geht aufs Haus.“ Nur leider gibt es weder Wirt noch Gasthaus …), das Phänomen der engeren Sitze auf Rückflügen und vielem mehr.

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Eva Mirasol: Staying Alive

Doch ein Arztroman und auch ein Klischee, wenn auch sehr temperamentvoll umgesetzt

Wenn eine Ärztin einen Arztroman – pardon Ärztinnenroman – verfasst, kann man davon ausgehen, dass alle medizinischen Details stimmig und korrekt wiedergegeben werden. Im vorliegenden Buch, dem Debütroman der Autorin, geht das sogar soweit, dass durchgängig die häufig verwendeten Fachbegriffe in Fußnoten erläutert werden, dies jedoch ebenso humorvoll wie der gesamte Roman.

In diesem geht es um Nicki, die ihren Dienst an einer Rettungsstelle einer großen Berliner Klinik aufnimmt. Dieser Dienst umfasst ständige Überstunden, Nachtschichten, Hektik und Hetze, verlangt schnelle Entscheidungen, oft über Leben und Tod und führt zu vielen skurrilen Begegnungen.

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Ralf Rothmann: Museum der Einsamkeit

Neun Geschichten sind in diesem Erzählband von Ralf Rothmann versammelt. Jeder einzelne Text strahlt eine besondere Magie aus.

Zwei von Ralf Rothmanns früher erschienenen  Bücher sind ebenfalls im Schreiblust-Leselust-Portal zu finden: Hotel der Schlaflosen und Im Frühling sterben.

In der titelgebenden Erzählung Museum der Einsamkeit geht es um eine alte Dame, die in eine Seniorenresidenz am Meer umziehen möchte. Bei der gemeinsamen Wohnungsbesichtigung  mit der Tochter offenbart sich ein regelrechtes Horrorszenario dieser Residenz.

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Rebecca Russ: Der Weg

Ein Thriller zum Dranbleiben! Schon auf den ersten Seiten wird’s spannend und man ist neugierig auf die beiden Protagonistinnen Julia und Nicki, die beste Freundinnen sind, seit sie zusammen in einer Studenten-WG gewohnt haben. In der letzten Zeit hat ihre Freundschaft allerdings ein bisschen gelitten. Julia ist seit Kurzem mit Lars zusammen und lässt sich von ihm ziemlich vereinnahmen. Für Nicki hat sie kaum einen Gedanken übrig gehabt.

Doch jetzt steht Nicki vor der Tür, ganz überraschend, und will mit Julia einen etwas anderen Junggesellinnen-Abschied feiern. Die Leidenschaft für’s Wandern hat sie immer verbunden, und daran will Nicki jetzt ein weiteres Mal anknüpfen. Schon morgen geht der Flieger nach Schweden, es ist alles arrangiert. Die Tickets sind gekauft, ein neues Zwei-Mann-Zelt ebenfalls, die Pension für die erste Nacht ist gebucht. Eine Ausrede lässt Nicki nicht gelten, auch wenn Julia eigentlich im Moment überhaupt keine Zeit hat, eine Woche in der schwedischen Wildnis zu wandern.

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Marie Lacrosse: Montmartre: Licht und Schatten

Wer ein bisschen mehr über das Leben und Künstlerleben während der sogenannten Belle Epoque in Paris erfahren möchte, der wird hier fündig. Auch wenn es „Belle Epoque“ heißt, diese Zeit war keineswegs für alle unbeschwert und sorgenfrei. Marie Lacrosse schildert das Leben im Pariser Viertel Montmartre in dieser Zeit sehr plastisch und durchaus bunt anhand des Schicksals zweier junger Frauen, die beide zufällig am gleichen Tag hier geboren werden. Elise als Tochter einer Wäscherin, die mit dem kargen Lohn für ihre tägliche harte Arbeit sich und ihre beiden Töchter kaum durchbringen kann, würde ihre Freundin Marianne, die Hebamme, die die beiden Kinder zufällig beide auf die Welt gebracht hat, sie nicht unterstützen. Marianne wird auch sowas wie das Bindeglied, da sie für jedes der beiden jungen Mädchen immer eine Vertraute bleibt. Elise wächst in Armut auf den Hügeln des Montmartre auf und erlebt von Kind an, was es heißt, sich seinen Lebensunterhalt hart zu erarbeiten.

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Hartmut Lange: Der etwa vierzigjährige Mann

Ein Titel, der in die Irre führen kann: Es handelt sich in diesem Erzählband keinesfalls um Männer in ihrer Midlifecrisis. Sondern um Männer, die in sonderbare Situationen geraten, welche ihnen die Dualität der Welt vor Augen führen. Es sind nur drei Erzählungen, aber die haben mehr Tiefgang, mehr Finesse und mehr Verve als die meisten Longseller. Qualität statt Quantität. Der vielfach ausgezeichnete Autor Hartmut Lange schafft es, die großen Themen mühelos zu verdichten. Grandios, wie er das Absurde mit allergrößter Selbstverständlichkeit über seine Protagonisten hereinbrechen lässt.

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