Kristina Sanders: Nachts ist man am besten wach

Ich möchte nicht viele Worte verlieren, aber „Nachts ist man am besten wach“ von Kristina Sanders ist ein Buch, das sich definitiv zu lesen lohnt. Es geht unter die Haut und bleibt im Gedächtnis. Die Geschichte von Sophia und ihren neuen Freundinnen Margarete, Klara und Katharina ist unterhaltsam, erfrischend und tiefgründig zugleich.

Sanders hat es geschafft, die Schwere von Sophias Leben – die Trennung vom Ehemann, der Tod der Mutter und die damit einhergehende Einsamkeit und Schlaflosigkeit – mit einer Leichtigkeit und Wärme zu erzählen, die einfach begeistert.

Die Begegnungen der vier Frauen in der Nacht, ihre Gespräche und das Teilen ihrer Befürchtungen und Sehnsüchte sind dabei so authentisch und einfühlsam herzerwärmend beschrieben, dass man sich wünscht, selbst ein Teil dieser Freundschaft zu sein.

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David Schalko: Was der Tag bringt

Der in Wien lebende Autor David Schalko zeigt den tiefen Fall seines Protagonisten Felix, dessen nachhaltige Firma „Wastefood“ die Coronazeit nicht überlebt hat. Mit dem Verlust seiner Arbeit verliert Felix seinen Platz in der Gesellschaft, seine Struktur, seinen Tagesablauf. Doch die Probleme des 38-Jährigen haben bereits vor der Pandemie begonnen: seine soziale Isolation, sein Nomadentum, die Getriebenheit, die mangelnde Empathie für die Bedürfnisse anderer. Dazu das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, die Fragen nach dem Sein, Schein und Status. Felix ist immer auf der Suche nach Berührung und hält sich die Welt doch stets auf Distanz.

Kompromisslose Metaphern und Zitate

Radikal lässt Schalko seine Figur an den Rand der Existenz und darüber hinaus taumeln. Surreale Ereignisse, verworrene Gedanken und Wegbegleiter, die selber straucheln – der Autor erspart seiner Figur nichts. Im Gegenteil: Er dekonstruiert sie mit Genuss. Das alles liest sich ebenso faszinierend wie erschreckend. Und setzt gleichzeitig der Gesellschaft einen Spiegel aus Scherben vor. Daneben schafft der Autor Sätze und Metaphern, die so kompromisslos schön sind, dass man nicht weiß, ob man sie übers Bett hängen oder auf eine öffentliche Toilette kritzeln soll. Beispiele: „Liebe ist, wenn man den anderen mit sich selbst verwechselt.“ (S. 120)oder „Wer bei sich selbst ankommt, fährt in einen leeren Bahnhof ein.“ (S. 267)

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Richard Russo: Mohawk

„Mohawk“ ist eine fiktive Kleinstadt im Hinterland New Yorks. Und „Mohawk“ heißt auch der erste Roman des US-amerikanischen Bestsellerautors Richard Russo aus dem Jahr 1986. Nun ist er auf Deutsch erschienen.

Es ist ein tristes Kaff in den 60er- und 70er-Jahren, in dem die Krebsrate wegen der Gerbereien, von denen viele Menschen leben, deutlich höher ist als im Landesdurchschnitt. Wir lernen einige Bewohner dieses Städtchens kennen. Sie alle sind durch Hass aufeinander, geheime Liebschaften oder dunkle Geheimnisse, die in der Vergangenheit schlummern, miteinander verbunden. Wie der zurückgebliebene Bill, der vernarrt in Anne ist, die ihrerseits aber den Rollstuhlfahrer Dan liebt – oder Dallas, einen unzuverlässigen Loser, oder den gewaltbereiten Rory.

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Richard Kadrey: Höllenthron

Hallo, ich bin James Stark. Einst, so lange ist das noch gar nicht her, war ich die ersten lebende Seele, die in die Hölle versetzt wurde – als Nephilim – Sohn eines Engels und einer Frau – bringt einen das nicht um. In der Unterwelt habe ich mir einen Namen gemacht – Sandman Slim hieß ich, habe in der Arena im Kampf gegen jede Menge Höllengezücht ein wenig aufgeräumt mit den Einwohnern. Dann gelang mir als Erstem die Flucht zurück. Jetzt bin ich wieder in Los Angeles – der Stadt der Engel.

Dumm dann, dass Luzifer – ja, der, der umgangssprachlich immer als Teufel beschrieben wird – wieder an der Seite Gottes weilt und ausgerechnet mein Todfeind, Verursacher meines damaligen Absturzes in die Unterwelt, sich zum Herrn der Hölle aufgeschwungen hat. Und er hat einen Plan – er will den Himmel angreifen und Gott durch sich selbst ersetzen.

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Lioba Werrelmann: Tod in Siebenbürgen

In „Tod in Siebenbürgen“ von Liobe Werrelmann erreicht den Journalisten Paul aus heiterem Himmel eine Nachricht. Er hat in Siebenbürgen den Hof seiner Tante Zinzi geerbt und muss nach Sibiu reisen. Paul ist als Kind mit seinem Vater von Rumänien nach Deutschland ausgewandert. Zu seiner Chefin sagt er einen Satz, den zu formulieren er sich jahrelang nicht durchringen konnte: „Ich bin ein Siebenbürger Sachse.“

Der Hof seiner Tante ist in keinem besonders guten Zustand. Trotzdem wird er zu Pauls Erstaunen von Maia bewohnt, die Tante Zinzi als Mädchen bei sich aufgenommen hat. Diese Maia trägt alte Armeekleidung und wirkt insgesamt wenig vertrauenseinflößend. Sie versorgt verletzte Tiere, braut allerlei dubiose Tränke und schnitzt als Schutzzauber geheimnisvolle Zeichen in die Tür zu Pauls Schlafzimmer, denn er bleibt ein paar Tage auf dem Hof. Vieles ist ihm sofort wieder vertraut, anderes registriert er mit Befremden. Sein alter Freund Sorin und er finden allerdings gleich wieder einen Draht zueinander und Paul ist schockiert, als er erfährt, dass Sorin wenige Tage nach seiner Ankunft den deutschen Unternehmer Günther Huber umgebracht haben soll.

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Sam Feuerbach et al: Minen der Macht: Der Unheiler

Sie ist der wirtschaftliche Rückhalt des Königreichs Evenbor. Die Rede ist von Grubenstedt, eine gigantische Mine, die sich im Roman „Minen der Macht“ von Sam Feuerbach und anderen terrassenförmig in das Erinnere bohrt. Hier fand und findet man seltene Metalle, hier finden Menschen, wenn auch oftmals nur für Kupferpfennige, Arbeit und wenn sie nur den Schlamm aus den Tiefen nach oben schleppen oder die ewigen Tretmühlen bewegen. Und hier ruhen, verborgen im Schlamm, monetäre wie magische Schätze.

Ganz tief unten, der tiefsten Sohle der Minenstadt, landet der Auswurf der Gesellschaft. Wer einmal im Schlammring angekommen ist, der verlässt diesen nie wieder.

Dies gilt auch für die Büttel der Obrigkeit – allen voran Hauptmann Gunter. Als er im Schlamm auf eine ganze Reihe von Leichen stößt, denen Pflanzen aus jedweder Körperöffnung sprießen, ahnt er, dass das aber auch so gar nichts Gutes für ihn und seine Truppe bedeutet. Steckt eines der im Schlamm immer wieder auffindbaren magischen Artefakte dahinter, oder eher doch eine Unheilung, die droht den Schildstein, die magische Kuppel, die die Mine seit Jahrzehnten vor den angreifenden Horden der Wilden schützt, zu vernichten?

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Ben Aaronovitch: Die schlafenden Geister des Lake Superior

Ben Aaronovitch entführt uns in seinem neuen Roman „Die schlafenden Geister des Lake Superior“ nicht in die geisterhafte Welt und Unterwelt von London, sondern an einen eisigen See in Wisconsin. Kimberly Reynolds ist beim FBI für das Übernatürliche zuständig und reist auf einen Hilferuf eines Ex-Kollegen nach Eloise. Henderson  hatte bei seinem Anruf angegeben, dass es sich vermutlich um ein Verbrechen mit okkultem Hintergrund handeln würde,  jetzt ist er nicht mehr zu erreichen.

Als Kimberly am See ankommt, hat ein Eistornado die Gemeindeverwaltung und das Polizeirevier zerstört, so lernt sie den Meteorologen William und seinen gut ausgerüsteten Jeep kennen, was sich noch als Glücksfall erweisen wird. Denn sie bekommt es mit Eismonstern und uralten Indianerlegenden genauso zu tun wie mit einer vor fast 200 Jahren verschollenen Expedition und Beamten, die nicht sind, was sie vorgeben zu sein.

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Jörg Thadeusz: Steinhammer

12. April 2023, 19.30 Uhr, im Dietrich-Keuning-Haus in Dortmund: der Moderator, Journalist und Schriftsteller Jörg Thadeusz stellt gemeinsam mit seiner Lektorin Helga Frese-Resch vom Verlag Kiepenheuer & Witsch sein Buch „Steinhammer“ vor, das am 5. April 2023 erschienen ist. Es ist ein Heimspiel für Thadeusz, der 1968 in Dortmund geboren wurde. In seiner launigen, aufgeräumten Art erzählt er über das Buch und liest daraus vor.

„Steinhammer“ ist die Steinhammerstraße in Dortmund-Marten bzw. Lütgendortmund, in der Jörg Thadeusz einige Jahre selbst gewohnt hat. In dem Buch lebt dort in der Nachkriegszeit die fiktive Familie Woicik. Jörg Thadeusz hat seine Woicik-Geschichte an die Familiengeschichte eines Cousins seines Vaters angelehnt. Der Cousin heißt Norbert Tadeusz (1940-2011) und ist ein bekannter gegenständlicher Maler des späten 20. Jahrhunderts. Er lehrte in Düsseldorf, Berlin und Braunschweig. Allerdings gibt Thadeusz an, dass in seiner Familie wenig über den berühmten Mann gesprochen wurde und dass er selbst auch erst spät auf dessen Werk aufmerksam wurde. Für das Buch „Steinhammer“ hat Thadeusz u.a. mit der Witwe von Norbert Tadeusz, Petra Lemmerz, gesprochen, die ebenfalls Malerin ist.

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Friederike Emmerling, Julia Hagen u.a. (Hrsg.): Sag jetzt nichts, lass mich zu Ende reden!

Wie viele andere Frauen auch kann ich mich noch gut an das berühmte Buch von Christine Brückner erinnern, das den Titel hatte: Ungehaltene Reden Ungehaltener Frauen. An den Erfolg und vor allem an den Anspruch dieses Buches aus den 80er Jahren knüpft nun diese neue Sammlung ungehaltener Reden an: „Sag jetzt nichts, lass mich zu Ende reden!“

Im Gegensatz zum Vorbild, in welchem die Autorin damals fiktive Reden berühmter historischer Frauenfiguren veröffentlichte, handelt es sich beim vorliegenden Band, der von mehreren Autorinnen herausgegeben wurde, um eine Zusammenstellung von Reden heutiger realer Frauen, die einem entsprechenden Aufruf folgten.

Dabei sind Autorinnen, Journalistinnen, Künstlerinnen, Lehrerinnen, Mütter, Töchter, Großmütter und Enkelinnen. Es sind Reden von berufstätigen, erfolgreichen Frauen, von Ehefrauen und Singles, von Opfern von Missbrauch oder sexueller Belästigung, von Unterdrückung oder schlicht von Vergessen und Ignoranz.

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Tom Rob Smith: Kälte

Lange nach der erfolgreichen Trilogie über den sowjetischen Stasiagenten erscheint jetzt von Tom Rob Smith ein Science-Fiction-Roman. Eines Tages im Jahr 2023 tauchen riesige Raumschiffe über der Erde auf und schalten sich auf alle Medien: Die Menschen haben dreißig Tage Zeit, um die Antarktis zu erreichen. Wer bis dahin nicht dort ist, wird vernichtet. Warum? Weswegen? Wir erfahren es nicht. Wir erfahren aber die Geschichte von Liza und Atto. Liza befindet sich gerade mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester in Portugal zum Urlaub, Atto ist dort Touristenführer. Sie machen sich gemeinsam auf den Weg nach Süden – wie ein Großteil des Rests der Welt. Am Ende bleiben von den 9 Milliarden Menschen nur einige Millionen übrig und die sind auf einem Kontinent gestrandet, der kaum zum Überleben taugt.

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