Titus Müller: Der letzte Auftrag

Im dritten und letzten Band der Spionage-Reihe um Ria Nachtmann geht es im Roman „Der letzte Auftrag“ von Titus Müller gar nicht so sehr um Ria selbst, die ja im letzten Band in die BRD fliehen musste und jetzt mit ihrer großen Liebe in Berlin lebt. Es geht vielmehr um ihre Tochter Annie, die als Kinderkrankenschwester in der DDR die Wiedervereinigung und ihre Vorboten erlebt.

Sie ist unzufrieden mit den Vorgängen im Krankenhaus, ihrer Meinung nach wird nicht genug für die Frühgeburten getan und nach ihrer Ansicht ist Kinderversorgen mehr als Füttern und Wickeln. Damit macht sie sich so unbeliebt, dass sie versetzt wird. Später kommt sie mit einer Gruppe von Regimekritikern in Kontakt und beginnt das Wahlsystem zu hinterfragen, gemeinsam mit einem Jugendfreund will sie eine Doku über die Zustände der DDR drehen. Aber der Leser lernt nicht nur Annie kennen, sondern auch Stasimitarbeiter, BND-Beamte und KGB-Offiziere – Putin spielt eine nicht unerhebliche Rolle – , sowie einfache Bürger der DDR, die nichts als ihre Arbeit machen und trotzdem entweder für das Regime arbeiten oder mit ihm Zusammenrasseln.

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David Levithan & Jennifer Niven:  Nimm mich mit dir, wenn du gehst

Außergewöhnlich berührender Roman um zwei Geschwister, sehr empfehlenswert

Haben Mom und Darren uns mehr durch das, was sie getan haben, verletzt, fragte ich mich, oder durch das, was sie nicht getan haben? Was hinterlässt schlimmere Wunden – der spürbare Hass oder die fehlende Liebe?“ (S. 205)

Diese Sätze machen wirklich nachdenklich. Die Antwort auf diese Frage gibt das Buch am Ende auch nicht. Aber es endet versöhnlich, soviel sei verraten.

Dieses Buch, welches ich nicht mehr aus der Hand legen konnte, nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte. Ein Jugendroman, der erschüttert, der berührt und der so wunderbar geschrieben ist wie alle Bücher von David Levithan und Jennifer Niven. Sein „Will und Will“, welchen er zusammen mit John Green verfasst hat oder ihr Roman „All die verdammt perfekten Tage“ sind ebenso ergreifende wie mutmachende Geschichten um das Erwachsenwerden.

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Ursel Braun: Unangepasst. Künstlerinnen und ihre Kleider

Ursel Braun porträtiert in „Unangepasst“ eine Reihe großer Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und legt das Hauptaugenmerk auf ihre Garderobe. Durch Kleidung kann man den Fokus der Gesellschaft auf sich richten, man kann damit provozieren oder sich darin verstecken. Josephine Baker, die bis zu ihrem achten Lebensjahr keine Schuhe besitzt, erlangt Bekanntheit, weil sie in jungen Jahren bei ihren Auftritten kaum etwas trägt und sich später umwerfend elegant kleidet.

Die Modejournalistin Helen Hessel fällt durch ihren androgynen Look auf, die Malerin Georgia O´Keeffe zieht sich in ihre minimalistischen schwarzen Textilien zurück. Einige der Damen designen oder nähen ihre Garderobe selbst, andere greifen Trachten, Farben, Styles indigener Völker auf und Louise Nevelson durchwühlt förmlich die Flohmärkte New Yorks, um extravagante Fundstücke kreuz und quer und kunterbunt zu eigenwilligsten Kreationen zu kombinieren.

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Lucy Clarke: One of the girls

Es sollte ein netter Jungesellinnenabschied werden. Sie sind Freundinnen seit Ewigkeiten und eine von ihnen hat Zugang zu einem Ferienhaus auf einer griechischen Insel. Was könnte also schöner sein, als es ein letztes Mal so richtig krachen zu lassen? Die sechs Endzwanzigerinnen glauben, sich zu kennen, aber tun sie das wirklich?

Es ist Lexis Feier, sie ist es, die demnächst heiraten wird. Sie redet sich ein, sie wäre glücklich, aber es ist nicht alles, wie es scheint – oder wie sie es glaubt. Ihre beste Freundin Bella ist nur auf feiern aus, aber sie weiß mehr, als sie zugeben will. Eleonore ist die zukünftige Schwägerin, sie möchte dazu gehören zu dem fröhlichen Kreis. Ana hat einen Sohn, über dessen Vater sie sich seit Jahren ausschweigt. Erstaunlicherweise sind sie und Lexis Zukünftiger sich noch nie begegnet.

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Maria Borrély: Mistral

Die Natur bestimmt über das Leben in den kleinen Dörfern der Haute Provence und der Mistral gibt den Takt an. Er formt Bäume und Häuser, pfeift durch die Gassen und macht einen verrückt im Kopf. Dieser kalte Wind aus Norden vertreibt die Wolken, lässt Fensterläden schlagen und die Tiere unruhig werden. Die Menschen hier leben von der Landwirtschaft, ihre Tage sind angefüllt mit Arbeit.

Marie ist die älteste Tochter von Nourrine und Costant. Die Leute sagen, dass sie auch ihre liebste Tochter ist, denn sie ist schön und heiter und sie ist sich für keine Arbeit zu schade. Als sie Olivier zum ersten Mal sieht, weitet sich ihre Welt. Eine unbändige Sehnsucht ergreift Besitz von ihr. All ihr Denken und Fühlen ist auf den schönen, kräftigen jungen Mann gerichtet.

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Tonio Schachinger: Echtzeitalter

Till sieht bei der Besichtigung des Wiener Internats Marianum nicht nur die großzügige Anlage, das pompöse Gebäude und die Nebengebäude oder die zahlreichen Sportstätten. Was er ganz bewusst wahrnimmt, sind die Mauern, die das Gelände umschließen. Für die luxusverwöhnten Kinder sind diese Mauern nur Kulisse, für Till bilden sie eine unüberwindbare Grenze, die ihm bis zum Matura die Freiheit nehmen wird. Seine Schulzeit wird eine Gefangenschaft, die viele Ängste erzeugt. Till ist wie alle anderen Klassenkameraden der 1b dem Klassenvorstand Dolinar und seinen Lauen ausgeliefert. Und hierbei spielt es keine Rolle, ob die Eltern reich und einflussreich sind oder über die bescheidenen Mittel seiner alleinerziehenden Mutter verfügen.

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Marie Benedict: Die einzige Frau im Raum

Es gibt Lichtgestalten in der Geschichte, die ihrer Zeit weit voraus sind. Helle Geister, mutige Vorreiter, Menschen mit erweitertem Horizont. Hedy Lamarr war so eine Gestalt. Unter diesem Namen machte sie in Hollywood Karriere und wurde in den 40er Jahren als schönste Frau der Welt gehandelt. Wohingegen wenig über Hedwig Kiesler, die interessantere Frau hinter der Rolle bekannt ist. Über die Erfinderin, die Widerstandskämpferin, das Genie. Hedwig Kiesler hätte vieles sein können. Wenn sie nicht jüdisch und vor allem keine Frau in den 1930er und 1940er Jahren gewesen wäre. Das Problem an Lichtgestalten ist häufig, dass sie zu Zeiten leuchten, in denen ringsum noch Dunkelheit herrscht. Weshalb sie selten ein glückliches Ende finden.

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Christian Handel/Andreas Suchanek: Spiegelstadt 01

Die beiden deutschen Fantasy-Autoren Christian Handel und Andreas Suchanek haben sich zusammengetan, um gemeinsamen einen Zweiteiler zu verfassen: „Spiegelstadt“. Band 1, „Tränen aus Gold und Silber“ ist nun erschienen.

Grundgedanke dabei: Berlin gibt es gleich zweimal. Neben unserer heutigen Welt existiert noch eine gespiegelte Stadt, die in den 20er-Jahren stehengeblieben ist. „Babylon Berlin goes Fantasy“ – so wirbt der Droemer-Knaur-Verlag für das Buch.

Hauptfigur Max wird nach dem Tod seiner Großmutter in das andere Berlin katapultiert, wo er auf eine ganze Reihe von unterschiedlichen Feenwesen trifft und jede Menge Abenteuer bestehen muss.

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Stephen Amidon: Das Ende von Eden

Eden Perry ist tot. Daran besteht kein Zweifel, aber wie konnte das in dem so beschaulichen amerikanischen Vorort Emerson geschehen? In der Nacht ihres Todes war Eden mit drei Freunden allein in dem Haus: Jack und Hannah behaupten, als erste gegangen zu sein, Christopher sagt aus, sie hätte noch gelebt, als er ging. Patrick fährt in dieser Nacht ziellos durch die Gegend, er hält an, als er einen Hund anfährt, als er diesem folgen will, sieht er eine Gestalt im Dunkeln stehen. In der Nacht, in der Eden stirbt und beinahe vor ihrem Haus.

Stephen Amidon nimmt uns mit in eine amerikanische Kleinstadt. Sie ist voller Teenager und Eltern, voller Annahmen und Vorspielungen. Stück für Stück zerlegt er dann Haus für Haus, Familie für Familie, bis schließlich nur noch die Wahrheit übrigbleibt – die dann aber niemand hören möchte. Jede der beteiligten Familien versucht, ihr Kind zu schützen. Problematisch dabei ist, dass die Teenager nichts erzählen und jede Familie für sich von dem ersten Gedanken „Mein Kind tut so was nicht“ mehr und mehr in „Wirklich?“ hineinschlittert. Die Polizei hat in Christopher einen idealen Täter gefunden: Er ist nicht weiß, kein Amerikaner, er war zuletzt bei Eden und ein Motiv wird sich schon finden.

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Orna Donath: #regretting motherhood

Die meisten von uns kennen keine Mutter, die offen ausspricht, dass sie die Mutterschaft bereut. Manchmal sagen Mütter zwar, dass sie die Freiheiten vermissen, doch darauf folgt dann sofort ein: „Aber ich würde mich trotzdem wieder so entscheiden“. Es gibt sie aber: Frauen, die sich nicht mit der Mutterrolle identifizieren können. Frauen, die diese Entscheidung bereuen. Frauen, die unter der Mutterschaft leiden. Dieses Gefühl ist gesellschaftlich jedoch so stark tabuisiert und stigmatisiert, dass es selbst in feministischer Literatur nur selten thematisiert wird.

Um diesem Tabu entgegenzuwirken, hat die Soziologin Orna Donath Forschungsarbeiten durchgeführt, in denen sie anonymisierte Interviews mit Müttern geführt hat, die lieber keine Mütter wären. Über die individuellen Erfahrungen dieser berichtet sie in dem Sachbuch „#regretting motherhood. Wie Frauen mit einem unerlaubten Gefühl leben“. Heranwachsende Personen, die noch nicht wissen, ob sie ein Kind haben wollen, sollten dieses Buch unbedingt lesen, um eine andere Sichtweise auf diese Thematik kennenzulernen. Für Mütter, die insgeheim nicht glücklich mit dieser Rolle sind, kann dieses Buch darüberhinaus einen wertfreien Raum schaffen, in dem sie endlich unter Gleichgesinnten sind.

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