Margaret Kennedy: Die englische Scheidung

Die gute Gesellschaft unter dem Brennglas – unterhaltsam und typisch englisch

Einen Klassiker zu rezensieren, ist zweischneidig. Würde man ihn doch in der Zeit, als er erschien, ganz anders gelesen, anders rezipiert haben als heute. Heute blickt man mit der aktuellen Brille auf den Roman, beeinflusst von dem heute üblichen Stil, dem Duktus und den Handlungstypen, die man gewöhnt ist, die man täglich liest.

Daher kann die Besprechung eines Romans, der im Original zuerst im Jahr 1936 erschien, nur mit Vorsicht und Bedacht formuliert werden. So ist schon allein die damals gebräuchliche auktoriale Erzählperspektive heute eher ungewöhnlich. Im vorliegenden Roman der 1896 geborenen Autorin, die mit mehr als 15 Romanen erfolgreich war, passt dieser Erzählstil aber perfekt, erlaubt er doch einen Blick in die Gedankenwelt aller Protagonisten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Benedict Jacka: Der Retter von London: Alex Verus 12

Einst, eigentlich ist es so lange nun auch wieder nicht her, war ich ein kleiner, unauffälliger Ladeninhaber für Zauberei in Camden. Den Touristen verkaufte ich wertlosen Tand, den Magiern, so sie sich denn in meinen Shop verirrten, gerne auch einmal etwas Wirksameres.

Ich war froh, nach einer traumatischen Jugend, als mein Schwarzmagischer Meister mich missbraucht hatte, endlich ein wenig Frieden, ja Freude gefunden zu haben. Ich hatte Freunde und übte mein Talent, Ereignisse vorherzusehen, kaum aus.

Alles änderte sich, als ich wieder in Kontakt mit dem Magier Establishment kam. Der Rat nahm mich zähneknirschend auf, ich hatte sogar eigene Lehrlinge, wurde dann, nachdem mein alter Meister mich wieder unter seine Knute gezwungen hatte, auf dessen Veranlassung hin, in den Rat selbst aufgenommen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Layla Hagen: This Feeling is Forever: The Maxwells 04

Am Tag vor ihrem Praktikumsbeginn will Megan sich mit der Gegend vertraut machen, in der sie arbeiten wird. Denn dieses Praktikum ist wichtig, es wird ihr in der Architekturbranche alle Türen öffnen. Also geht sie sicher, dass am nächsten Tag nichts schieflaufen wird, sie alle Wege kennt und perfekt vorbereitet ist. Um ihre Nerven zu beruhigen, geht sie hinterher in eine Bar, wo sie den attraktiven wie charmanten Luke kennenlernt. Eins führt zum anderen und die beiden haben einen heißen One-Night-Stand, mit der Absicht, sich hinterher nie wiederzusehen.

Blöd nur, dass Megan, als sie am nächsten Tag zur Arbeit kommt, feststellen muss, dass Luke ihr neuer Chef ist!

Weil ihr ihre Karriere wichtiger ist, als ein Fehltritt im Liebesleben, entscheidet sich Megan nach anfänglichem Zögern dennoch, ihr Praktikum anzutreten. Sie und Luke treffen die offizielle Einigung, die Finger voneinander zu lassen. Doch das ist leichter gesagt als getan, gerade weil sie viel Zeit zu zweit an Projekten verbringen müssen …

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alia Trabucco Zerán: Mein Name ist Estela

Eine Frau sitzt hinter Gittern. So schreibt sich der Text dieses außergewöhnlichen Romans von Alia Trabucco Zerán, übersetzt aus dem Spanischen von Benjamin Loy. Eine Frau hinter Gittern, die einen 240 Seiten langen Monolog über ihr Dasein als Haushälterin bei einer wohlhabenden Familie hält. Eine Frau hinter Gittern, die ihre Unschuld beteuert und vermeintliche Fäden zieht, um zu erklären, wie es zu jenem schrecklichen Vorfall eines Morgens kam, als die kleine Tochter der Familie plötzlich und leise verstarb. Eine Frau hinter Gittern, die Estela heißt.

Estela beschreibt ihr Ankommen in der Familie, die Señora hochschwanger und kalt, der Señor erfolgreicher Arzt und beide stets adrett und wohlerzogen. Nie sind sie unhöflich zu Estela, nie versäumen sie es, ihr Gehalt zu überweisen, nie wird sie belästigt, und trotzdem erscheint sie in all den Jahren, die sie das Wachsen der Familie begleitet, wie ein Geist. Das Gefängnis, das das vornehme Haus für sie stets darstellt, wechselt sich mit jenem Gefängnis ab, in dem sie sich befindet, während sie erzählt. Ein Gefängnis, das aus verdunkelten Scheiben zu bestehen scheint, hinter denen sie Menschen wähnt, die ihr zuhören, die herausfinden wollen, wie das Mädchen starb und ob sie, die Haushälterin, die triefnass in das Elternschlafzimmer stürmte und zu Señor und Señora sagte „Das Mädchen ist tot“, die Schuldige an diesem Tod ist.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Travis Baldree: Bücher & Barbaren 02

Hört die Mär von einer, die auszog, den Kaffeegenuss in unseren Breiten zu mehren. Sie alle, werte Zuhörerschaft, kennen sie, eine Ork, einst eine gefeierte und gefürchtete Kämpferin, inzwischen Besitzerin eines gut gehenden Geschäfts um Kaffee und süße Stückchen. Viv der Name der einstigen Reckin, doch heute wollen wir weit zurückgehen in der Zeit zu einer Zeit, da Viv noch jung und wenig erfahren war.

Eben hatte sie sich der Söldnertruppe Rackam´s Ravens angeschlossen, mähte die untoten Streiter einer Nekromantin nieder, wie der Bauer die Ähren auf seinen Feldern, da erdreistet sich solch ein halb verrotteter wandelnder Leichnam doch, ihr seine Pikte durch ihren Oberschenkel zu treiben.

Schwer verwundet lässt ihr Hauptmann sie zur Genesung in einem Küstenort zurück. Er wird sie, nachdem er die Nekromantin erledigt hat, wieder abholen, sogar für den elfischen Heiler hat er in Silber berappt.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jenny Jägerfeld: Meine geniale Liebe

Die Schwedin Jenny Jägerfeld hat mit ihrer Trilogie viele geniale Schachzüge gemacht. Im Zentrum der Geschichte befindet sich Sigge Wilde und seine Familie, bestehend aus der jungen Mutter Hannah und den beiden selbstbewussten Schwestern Bobo und Majken. Sigge glaubte, wenn sie in Großmutters Hotel zögen, könnte er seine Probleme mit unangenehmen Klassenkameraden hinter sich lassen.

Nach ihrer Eingewöhnungsphase scheint Sigges Plan aufzugehen. Die neuen Klassenkameraden haben ihn freundschaftlich aufgenommen, er wird akzeptiert und das Beste, Adrian, einer von ihnen, geht Sigge nicht mehr aus dem Kopf. Er spürt, dass seine Gefühle für Adrian immer stärker werden und so ganz anders sind als die Gefühle, die er sonst für seine Freunde hat.

Dies muss auch Hugo, ein weiterer Klassenkamerad, gespürt haben. Nachdem er Sigge und Adrian in inniger Eintracht zusammen gesehen hat, beginnt er Sigge bei jeder Gelegenheit anzugreifen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Polly Morland: Ein glückliches Tal

Die Ich-Erzählerin in diesem Buch trägt keinen Namen. Sie berichtet, dass sie in einem abgeschiedenen Gebiet in England lebt, einem idyllischen Tal, das ein Fluss durchrauscht. Als ihre Mutter Alzheimer bekommt und nicht mehr alleine wohnen kann, der Vater ist längst verstorben, muss sie das Elternhaus ausräumen und verkaufen. Dabei fällt ihr ein Buch in die Hände. „A Fortunate Man“ stammt von dem Schriftsteller John Berger, ist versehen mit Bildern von Jean Mohr und berichtet von sechs Wochen im Leben des Landarztes John Sassall. Erschienen ist das Buch 1967. Es wurde ein Bestseller, denn es zeigt einen Arzt, der rund um die Uhr unermüdlich für seine Patienten da ist.

Im selben Tal praktiziert in der Gegenwart eine Ärztin, eine Allgemeinmedizinerin wie Dr. Sassall, die das Buch ebenfalls kennt, weil es sie dazu bewogen hat, Medizin zu studieren. Sie ist zufällig in der Heimat ihres Vorbildes gelandet. Während der Corona-Pandemie treffen sich die Ich-Erzählerin und die Ärztin, die ebenfalls nicht namentlich genannt wird, zu Spaziergängen. Dabei erzählt die Ärztin aus ihrem Leben und dem ihrer Patienten. Diese Geschichten machen den Inhalt von „Ein glückliches Tal“ aus.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Caroline O’Donoghue: Die Sache mit Rachel

Ist es das, was heutzutage als großartige Literatur gilt?

Endlich habe ich dieses Buch beendet – ein Roman, der mich nicht begeistern konnte. 

Schade, denn das Cover versprach mir doch: ‚Ein verdammter Knaller, ein brillanter Roman!‚ (Dolly Alderton).

Ist er lesenswert? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich persönlich war es weder ein Knaller noch überzeugend.

Der Hype um diese verworrene Coming-of-Age-Geschichte über das chaotische Leben von Rachel und ihrem besten Freund James geht völlig an mir vorbei.

Für mich hat es sich weder witzig noch charmant angefühlt, sondern eher deprimierend. Die begeisterten Kritiken irritieren mich dezent. Vielleicht verstehe ich den irischen Humor einfach nicht?

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Andreas Suchanek/Christian Handel: Spiegelstadt 2

Anfang des letzten Jahrhunderts wurde Berlin gespiegelt. Damals sahen die Feen, Wechselbälger und andere übernatürliche Wesen die Katastrophe des Dritten Reiches auf sich zukommen und zogen sich in die Spiegelstadt zurück. Nur wenige haben noch Kontakt zu unserem Berlin. Max lebte hier, bis seine Großmutter ermordet wurde und er erfahren musste, dass er mitnichten ein Mensch ist. Aber in der Spiegelstadt ist die Herrschaft alles andere als demokratisch und es wurde ein drittes Berlin gespiegelt: die Gefängniswelt. Dort hat es Max jetzt hin verschlagen – zusammen mit dem „Erlkönig“, der als Wechselbalg seine Freundin Robin übernommen hat.

Der zweite – und letzte Band – geht nahtlos da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat. An dessen Ende hat es die neuen Freunde Max und Lenyo getrennt und Lenyo wurde von der grausamen Feen-Herrscherin Tamyra gefangen genommen. Wie das bei Kopien so ist, wird Berlin von Welt zu Welt düsterer und verfallener, in der dritten Welt wird der Zerfall sehr deutlich. Aber das ist nicht das einzige Problem, denn alle drei Welten drohen unterzugehen, wenn das Gewebe zwischen den Spiegeln zerreißt.  – und genau das scheint Tamyras Plan zu sein.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Liz Nugent: Seltsame Sally Diamond

Roman einer ganz besonderen Frauenfigur – ein neues Juwel aus der Feder einer genialen Autorin

Sally Diamond wächst bei Adoptiveltern auf. Die Mutter ist bereits verstorben, nun erliegt auch der Adoptivvater seiner Krankheit. So wie er es gewünscht hat, verfrachtet sie seine Leiche in die Mülltonne und verbrennt ihn.

So beginnt dieser Roman, der einen dermaßen in seinen Bann zieht, dass man ihn geradezu verschlingt und vor allem diese beeindruckende Figur der Sally, die sich selbst als „sozial defizitär“ bezeichnet, so schnell nicht wieder vergessen wird.

Natürlich sorgt dieses Vorgehen der ohnehin im Ort bereits als extrem verschroben geltenden Frau für ziemliches Aufsehen, die Polizei ermittelt und Sallys Leben wird nicht einfacher. Sie ist Anfang vierzig, wurde zu Hause von den Eltern beschult und hat noch nie gearbeitet. Im Ort galt sie als taub, das half ihr, so zu tun, als höre sie nicht, was die Menschen über sie sagten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: