Silvesterspecial 2022

Im Laufe eines Jahres lesen wir Rezensentinnen und Rezensenten eine Vielzahl von Büchern. Manche gefallen uns gut, andere weniger, wenige gar nicht. Manche sind spannend, andere interessant, anrührend oder dramatisch, wieder andere bringen uns zum Lachen oder zum Weinen.

Und dann sind da die Bücher, die etwas Besonderes sind, die etwas in uns berühren. Die Highlights unseres Lesejahres, die wir mehr als andere in Erinnerung behalten.

Das sind ganz unterschiedliche Bücher, die aus ganz unterschiedlichen Gründen für uns Einzelne etwas Außergewöhnliches waren. Und die wir in diesem Silvesterspecial noch einmal vorstellen wollen:

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Ewald Arenz: Das Diamantenmädchen

Ewald Arenz ist ein ganz besonderer Schriftsteller, seine Bücher „Alte Sorten“ und „Der große Sommer“ sind absolute Highlights in meinem Bücherregal. Seine intensiven, geradezu fühlbaren Beschreibungen, seine mit spitzem Stift präzise und mit Empathie gezeichneten Figuren, das bleibt im Gedächtnis, das wirkt nach.

Gleiches gilt auch für das Diamantenmädchen, auch hier schafft er Atmosphäre durch bildhafte Beschreibungen, macht das Wetter, Gerüche und Geräusche fühlbar, erfahrbar. Hier erlebt man beim Lesen den Sturm mit, spürt den Wind im Haar und hört das Rauschen des Regens. Dennoch wirkt dies auf mich nicht so leichtfüßig, nicht so subtil, wie in seinen beiden anderen Romanen, in denen es gerade das war, was ihre Besonderheit ausmachte.

Hier, in diesem Buch, gelingt es ihm hingegen, die Stimmung und die nervöse Geschäftigkeit in Berlin der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts perfekt einzufangen und in Worte zu fassen. Doch die sehr gelungenen Beschreibungen tun der Spannung und der Handlung keinen Gefallen. Weiterlesen

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Tina Ackermann: Frauen auf der Flucht

Ein Buch, das nicht mit tränenrührenden Bildern, mit erschütternden Dramen aufwühlt, sondern gerade dank einer professionellen Distanz mit klaren Worten und ohne jede Sensationslust die Geschichten von Frauen auf der Flucht erzählt.

Gerade diese sachliche Art des Erzählens, die Art, den Frauen ihre Stimmen zu lassen und sie ihre Berichte in ihre Worte fassen zu lassen, machen dieses Buch so lesenswert.

Vor allem Frauen leiden auf der Flucht besonders, sie sind besonderen Gefahren ausgesetzt, besonderen Risiken und müssen dabei oft noch zusätzlich mehrere kleine Kinder betreuen. Dennoch kommen diese Frauen in den Berichten über Flucht viel zu wenig vor, bekommen viel zu wenig Gehör. Dem setzt Tina Ackermann nun ihr Buch entgegen.

Die Schweizer Autorin hat als Werbetexterin und Drehbuchautorin gearbeitet. Als sie für eine Hilfsorganisation als Campaignerin tätig war, kam sie in Kontakt mit Frauen auf der Flucht. Daraus entstand die Idee zu diesem Buch. Dabei war es ihr wichtig, die Frauen nicht zu beeinflussen, während sie erzählten. Sie stellte wenig Fragen, wenn die Frauen anonym bleiben wollten, war auch das kein Problem, ebenso, wenn sie nicht fotografiert werden wollten. Weiterlesen

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Laird Hunt: Die Vögel sangen ihre letzten Lieder

Von einer sehr schlimmen Zeit erzählt dieser Roman, von furchtbaren Zuständen in Amerika, die sich aber leider bis heute nur ansatzweise geändert haben. Der Roman spielt im heißen Sommer 1930 im Bundesstaat Indiana. Und es geht um den Umgang zwischen Weißen und Schwarzen. Zwei Frauen spielen die Hauptrollen in dieser Geschichte. Beide begeben sich auf den Weg zu einem Ereignis in der Kleinstadt Marvel. Dort sollen, so die Nachricht, die sich im weiten Umkreis verbreitet, drei jugendliche Schwarze gelyncht werden. Und alle wollen das sehen, von allen Seiten strömen die Menschen zu diesem Ort, um Zeugen zu werden dieses Schauspiels.

Darunter ist auch Ottie, die Frau von Dale und Angestellte des schmierigen Bud, eines Versicherungsmaklers. Zusammen begeben sich diese Drei auf die Fahrt nach Marvel, auf der sie immer wieder Halt machen. Mal um zu trinken, mal um weitere Menschen mitzunehmen, die ebenfalls nach Marvel wollen. Dabei ist nicht nur das Wetter an diesem Hochsommertag schwül, sondern auch die Stimmung in Wagen, vor allem dank der provozierenden Bemerkungen und Aktionen Buds, insbesondere gegenüber Ottie. Weiterlesen

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Kai Meyer : Die Bücher, der Junge und die Nacht

Wenn es nicht vermessen wäre, müsste man diesen Roman mit den Büchern des großen Carlos Ruiz Zafón vergleichen.

Nun ist Leipzig nicht Barcelona und Kai Meyer sicher nicht Ruiz Zafón, doch atmosphärisch wie auch thematisch muss sich dieses Buch nicht hinter denen des Spaniers verstecken.

Dieser fesselnde Roman, der auf drei Zeitebenen spielt und eine faszinierende Geschichte erzählt, ist mystisch, dramatisch, spannend, philosophisch und historisch fundiert. Im Mittelpunkt steht die Liebe zu Büchern.

Robert Steinfeld betritt im Jahr 1971 zusammen mit der befreundeten Bibliothekarin Marie die riesige Büchersammlung des Max Pallandt. Dieser ist Spross der ehemals Leipziger Verlegerfamilie Pallandt, mit denen auch das Schicksal von Roberts Vater Jakob eng verbunden war. Diese tragische Beziehung zwischen den reichen Pallandts und dem idealistischen Buchbinder Jakob Steinfeld beginnt im Jahr 1933. Weitere 10 Jahre später wird der kleine Junge Robert aus dem brennenden, von Bomben zerstörten Leipzig gerettet, nachdem er sein ganzes bisheriges Leben eingesperrt und einsam hatte verbringen müssen. Weiterlesen

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Christa von Bernuth: Spur 33

Ein Krimi, der auf einem tatsächlichen Verbrechen beruht, aber seine ganz eigenen Schlüsse zieht, darum handelt es sich bei diesem Roman der Schriftstellerin und Journalistin. Eine schreckliche Tat, die weit über Bayern hinaus vor einigen Jahre viele Schlagzeilen machte, verarbeitet zu einer fiktiven Geschichte.

Dabei legt die Autorin Wert darauf, dass sie keine Schuldzuweisung begeht, sondern nur eine mögliche Version der Ereignisse erzählt. Diese beginnen mit dem Mord an einer Familie, Mutter, Vater und Sohn werden tot aufgefunden in ihrer Villa am See. Schnell gehen die Ermittler wie auch alle anderen Beobachter und Beteiligten davon aus, dass der Sohn der Täter war.

Leon, ein schwieriger Junge, psychisch krank, verstört und seltsam. Ein Waffennarr, der dazu noch eine Ausbildung als Büchsenmacher macht. Auch seine Schwester, die Tochter der Mutter aus erster Ehe, glaubt an seine Täterschaft. Erst hat er, so die Annahme, seine Eltern getötet und dann sich selbst. Weiterlesen

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John Sutherland (Hrsg.): In 80 Büchern um die Welt

Der Titel führt ein wenig in die Irre, denn es sind nicht ausschließlich Weltreisen, um die sich die erwähnten 80 Bücher drehen. Nein, es geht insgesamt um das Reisen schlechthin, das Reisen in unbekannte Region, auf gefährlichen, beschwerlichen Wegen, mit ungewissem Ziel.

Wunderschön aufgemacht ist er, dieser Band, an welchem eine Gruppe von mehr 50 Autoren und Autorinnen mitgewirkt hat. Eine fesselnde und spannende Sammlung von bekannten und weniger bekannten, von berühmten und vergessenen Büchern, die sich allesamt mit dem Reisen beschäftigen.

Chronologisch geordnet, beginnend mit der wohl berühmtesten Reise, der Odyssee, über die Entdeckungsfahrten bis hin zu den Abenteuerreisen, über die Lehrjahre auf Reisen bis zu den Roadmovies unserer Zeit, stellt dieses Buch Romane der verschiedensten Gattungen und Zeiten vor.

Jedes wird mit dem Cover der Originalausgabe gezeigt, man erfährt kleine Details zum Erscheinen, zum Verfasser und zur Geschichte des Romans. Es handelt sich übrigens bewusst nur um Romane, Sachbücher sind in der Auflistung nicht vertreten, ein besonderer Charme, wie ich finde. Weiterlesen

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Marcel Huwyler: Frau Morgenstern und die Flucht

Die Rezension könnte eigentlich aus einem einzigen Wort bestehen: herrlich. Oder auch aus zweien: unbedingt lesen!

Natürlich kann man diesen Roman auch verstehen, ohne die drei Vorgängerbände zu kennen,  aber den richtigen Spaß bekommt man nur, wenn man sie in der Reihenfolge, in der sie gedacht sind, liest, weil man dann die Figuren lieben lernt, ihre Hintergründe versteht. Und sich schon jetzt auf Band fünf freut.

Dabei sollte man wirklich nicht so viel Spaß haben mit einem Krimi, dessen Hauptfiguren   Auftragskiller sind. Violetta Morgenstern und ihr Freund und Kollege Miguel Schlunegger arbeiten für eine Schweizer Organisation, deren Aufgabe es ist, unliebsame Zeitgenossen auszuschalten. Und zwar auf Anordnung von höchster Ebene.

Nun ergibt es sich allerdings, dass Violetta gezwungen ist, einen nicht beauftragten Mord zu begehen, woraufhin sie sich unverzüglich auf die titelgebende Flucht begibt. Zusammen mit Miguel, der davon überzeugt ist, dass sie erstens ihre Gründe für ihre Tat hatte und zweitens, dass sie ohne ihn aufgeschmissen wäre. Weiterlesen

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Shirley Jackson: Krawall und Kekse

Wenn eine Hausfrau und Mutter aus ihrem Alltag erzählt, kann das lustig sein, kann das unterhalten? Wenn diese Hausfrau und Mutter Shirley Jackson heißt, dann ist die Antwort ein unumwundenes Ja.

Shirley Jackson, geboren 1916 in San Francisco und nur 48-jährig schon 1965 verstorben, wurde bekannt vor allem durch ihre Horrorgeschichten und danach erst durch ihre unterhaltsamen Kolumnen in Zeitschriften wie „Mademoiselle“ oder „Harper’s“. In diesen Kolumnen berichtet sie von ihrem Leben als Ehefrau und Mutter von schließlich vier wirklich putzmunteren Kindern, vom Leben in der Kleinstadt, in der jeder jeden und jeder jedes Haus kennt.

Aus besagten Kolumnen entstand schließlich der vorliegende Roman, in den USA erstmals erschienen 1953. In den Episoden, die sie schildert und die einigermaßen chronologisch angeordnet sind, verfolgen wir das ziemlich chaotische Familienleben der Jacksons. Shirleys Mann, ein Literaturkritiker, der sich weitgehend aus der Erziehung und der Haushaltsführung heraushielt, und ihre im Laufe der Zeit auf vier Sprösslinge anwachsende Kinderschar halten die Schriftstellerin auf Trab. Übrigens erwähnt sie in ihren Schilderungen ihre eigene berufliche Tätigkeit so gut wie gar nicht, obwohl diese vor allem zum Unterhalt der Familie beitrug. Weiterlesen

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Kristin Valla: Das Haus über dem Fjord

Romane aus Skandinavien haben, ebenso wie die Filme, ja immer etwas leicht Düsteres, Melancholisches. Woran das liegt, kann man nur ahnen. Es gilt aber auch für den vorliegenden Roman, der sich ganz ruhig, fast zu ruhig entwickelt.

Es geschieht nicht viel in dieser Geschichte, die wortkargen Menschen begegnen sich mit Vorsicht, obwohl oder vielleicht gerade, weil sie sich so gut kennen. Die Hauptfigur Elin möchte das Haus ihrer Eltern auflösen und verkaufen. Sie war seit Jahren nicht mehr da, ihre Mutter starb vor ein paar Jahren. Elin hat als Kind Schreckliches erlebt. Bei einem Unwetter wurden ihre beiden Brüder getötet. Auch ihr Vater verschwand bei dem Erdrutsch. Seine Leiche wurde nie gefunden, so gibt es für Elin heute nur das Grab ihrer Mutter und ihrer Brüder.

Zusammen mit den Dorfbewohnern, darunter auch Ola, der Kinderfreund ihrer Brüder und ihre erste Liebe, räumt Elin im Haus und in ihrer Vergangenheit auf. Die Menschen, beispielsweise Olas Mutter, begegnen ihr mit Zurückhaltung. Im Haus findet sie schließlich Indizien für ein großes Geheimnis im Leben ihres Vaters. Ihre Nachforschungen führen sie am Ende bis nach Frankreich. Weiterlesen

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