Klüpfel, Kobr: Die Unverbesserlichen

Die Unverbesserlichen – Der große Coup des Monsieur LipaireNicht das Allgäu, sondern Südfrankreich ist der Schauplatz des neuen Buchs von dem berühmten Autoren-Duo, das damit ganz offensichtlich eine neue Reihe beginnt. Es steht zu erwarten, dass sie nicht weniger erfolgreich wird als die Kluftinger-Romane, ist doch das Ensemble, das hier zusammentrifft, nicht minder skurril, sonderbar und sympathisch.

Dennoch hat der Roman mich nicht so recht erreicht, fand ich den Zugang nicht. Mag es daran liegen, dass in einem Einstiegsband das Personal erst umfangreich eingeführt werden muss, das Setting ausführlich beschrieben und die Hintergrundgeschichten detailliert erzählt werden müssen – die Spannung und das Tempo blieb für mich dadurch auf der Strecke.

Der Hallodri Guillaume Lipaire, der eigentlich Wilhelm Liebherr heißt, versorgt offiziell diverse Wohnungen, Feriendomizile und herrschaftliche Villen während der Abwesenheit ihrer Besitzer. Dass er dabei in die eigenen Tasche wirtschaftet, die Unterkünfte auch schon einmal untervermietet und sich aus den fremden Vorräten bedient, sorgt für sein Auskommen. Weiterlesen

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Yeva Skalietska: Ihr wisst nicht, was Krieg ist

Ihr wisst nicht, was Krieg istDas Tagebuch einer Zwölfjährigen, die vor den Bomben aus der Ukraine geflüchtet ist. Yeva ist ein ganz normales junges Mädchen mit ganz normalen Wünschen und Träumen. Die sich alle in Staub auflösen am 24. Februar 2022, als Russland die Ukraine überfällt.

Yeva, die bei ihrer Großmutter aufwächst, wird von einem Tag auf den anderen aus ihrem gewohnten Leben gerissen. Ihre Schule wird getroffen von den Bomben, die auf Charkiw, ihre Heimatstadt, fallen. Ihre Mitschüler und sie tauschen sich über WhatsApp aus über das, was sie erleben in diesen ersten Kriegstagen. Als auch das Wohnhaus, in dem sie mit ihre Oma wohnt, getroffen wird, fliehen sie zu einer Freundin der Großmutter.

Dort müssen sie immer wieder im Keller ausharren, wenn ein neuer Angriff der Russen über die Stadt hereinbricht. Yeva lernt, was es bedeutet, unter ständigem Beschuss leben zu müssen, lernt, was es heißt, für die nötigsten Lebensmittel lange anstehen zu müssen. Sie erfährt, was es bedeutet, im Krieg zu leben. Weiterlesen

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Andreas Izquierdo: Labyrinth der Freiheit

Was für ein Roman! Ein Buch zum Verschlingen, zum Eintauchen und die Welt um sich herum vergessen. Der dritte Band der „Wege der Zeit“-Reihe. Den man allerdings, das muss zugegeben werden, nicht gänzlich verstehen kann, wenn man die ersten beiden Bände nicht gelesen hat. Die Zusammenhänge der Geschichte, die Verhältnisse der Figuren zueinander und deren Verhaltensweisen erschließen sich nicht immer, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt. Das galt aber bereits für Band 2 in ähnlicher Weise.

Wir treffen Isi, Artur und Carl wieder, die drei Freunde, die sich bedingungslos und bis zur Selbstaufgabe vertrauen und füreinander einstehen. Und genau dies ist auch lebens- oder vielmehr überlebenswichtig bei den rasanten und gefährlichen Ereignissen, die sich im Roman abspielen. Weiterlesen

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Greta Thunberg: Das Klimabuch

Seit der Entstehung der menschlichen Zivilisation haben wir die Hälfte der Bäume auf der Erde gefällt, mehr als zwei Drittel der Wildtiere und Wildpflanzen ausgerottet, die Meere mit Plastik gefüllt und ein potenzielles massenhaftes Artensterben und eine Klimakatastrophe in Gang gesetzt. Wir haben angefangen, die Systeme zu destabilisieren, auf denen das Leben basiert und auf die wir alle angewiesen sind. Mit anderen Worten: Wir sägen den Ast ab, auf dem wir leben.“ (S. 18)

Egal wie man zu Greta Thunberg im Besonderen und  zu Klimaaktivisten im Allgemeinen steht, dieses Buch sollte man in jedem Fall gelesen haben. Das Buch ist nicht nur im Wortsinne gewichtig, sondern vor allem durch die vielen Aspekte, die Wissenschaftsbereiche und Perspektiven, die es abdeckt.

An diesem Buch haben neben der bekannten und kämpferischen Greta eine Unmenge an Wissenschaftler:innen, Journalist:innen, Politiker:innnen, Mitarbeiter:innen von NGOs, Schriftsteller:innen und viele andere Menschen, denen unsere Welt wichtig ist, mitgearbeitet. Ich gebe zu, dass ich nicht all die wissenschaftlichen Texte verstanden habe, dazu muss man vermutlich die jeweiligen Fächer studiert haben. Aber das große Ganze, das dieses Buch will, das ist so wichtig, dass man das Buch zum Lehrbuch in Schulen und Universitäten machen sollte. Weiterlesen

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Laura Coleman – Spaziergang mit Puma

So kann man sich irren. Als ich dieses Buch entdeckte, ließen mich Titel und Klappentext einen Roman erwarten. Doch weit gefehlt. Laura Coleman erzählt hier ihre eigene Geschichte. Die jedoch mindestens so fesselnd und interessant ist wie ein gelungener Roman.

Laura ist erst Anfang Zwanzig, fühlt sich aber rastlos und unausgefüllt. Sie reist durch Südamerika und in Bolivien kommt sie so,weniger aus Idealismus als aus Ziellosigkeit,in die Tierauffangstation „Comunidad Inti WaraYassi“. Hier kümmert man sich vor allem um traumatisierte Tiere, Tiere, die aus ihrer artgerechten Umgebung, ihrer angestammten Gemeinschaft, von Menschen herausgerissen worden waren und dann oft unter völlig unzureichenden Umständen gehalten wurden, vielleicht gequält wurden.

Das Lager muss man sich dabei nicht als gut gepflegtes, perfekt ausgestattetes Tierasyl vorstellen. Es gibt dort kaum Wasser, wenig Strom, baufällige Käfige und rattengeplagte Unterkünfte. Die wenigen festen Gebäude versinken ebenso im Schlamm wie die hölzernen Verschläge, die als Toiletten, Waschräume oder Versorgungsstationen genutzt werden. Weiterlesen

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Ragnar Jonasson – Blindes Eis: Dark-Iceland-Serie 03

So stellt man sich Island wahrscheinlich meistens vor: dunkel, mystisch, erschreckend, wild. Und so stellt es Ragnar Jonasson in seinen Büchern auch dar, er ist geradezu Meister darin, eine Atmosphäre voller Bedrohung und Gefahr zu schaffen.

Das gilt für diesen neuen Roman in gleichem Maß wie auch für die früheren, die wahrhaftige Thriller waren, wenn auch mit manchem Abstrich. Und den muss ich ebenso bei dem vorliegenden Buch machen.

Mittelpunkt der Handlung ist – oder soll sein – ein sogenannter Cold Case. Der Polizist Ari wird eines Tages gebeten, in einem Fall aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Nachforschungen anzustellen. Damals starb eine Frau unter mysteriösen Umständen in einem einsamen, völlig abgelegenen Bauernhof, der von ihr, ihrem Mann sowie ihrer Schwester und deren Mann bewohnt wurde. Der Sohn der Schwester der Toten, der damals noch ein Säugling war, möchte mehr herausfinden. Ari ist einer von zwei Beamten in der kleinen Stadt, die für diesen Bauernhof, der schon lange nicht mehr existiert, zuständig ist. Erschwert werden seine Ermittlungen, die er mehr aus Langeweile als auch Interesse aufnimmt, durch ein in der Gegend grassierendes Virus (vermutet wird Ebola oder ähnliches), weswegen die gesamte Region unter Quarantäne gestellt wird. Weiterlesen

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Mechtild Borrmann: Feldpost

Wie ihre anderen Bücher, die ich immer gerne gelesen habe, so ist auch dieser ein historischer Roman, für den Mechtild Borrmann diesmal in Tagebuch-Archiven recherchiert hat. Was sie dort fand und las, inspirierte sie zu diesem eindringlichen Roman.

Auf zwei Zeitebenen und aus mehreren Perspektiven erzählt sie die Geschichte zweier miteinander schicksalhaft verbundener Familien. Zu Beginn begegnen wir am Ende des Jahres 2000 der Anwältin Cara Russo, die in einem Café sitzt und einer fremden Frau erlaubt, an ihrem Tisch Platz zu nehmen. Doch plötzlich verschwindet die Frau, nachdem sie kryptische Bemerkungen über das Verschwinden einer Adele gemacht hatte. Zurück lässt sie eine Aktentasche.

Statt diese Tasche über ein Fundbüro oder ähnliches der Frau zurückzuerstatten, beginnt Cara zu recherchieren. Dies wäre auch einer der wenigen Kritikpunkte, die ich an dem Roman habe, dass ich genau dies nämlich ziemlich unrealistisch finde. Aber sei es drum.

Cara folgt den Spuren der Liebesbriefe, die sich in der Aktentasche befanden und die aus den vierziger Jahren, aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen. Sie führen die Anwältin zu einem Richard Martens, der offensichtlich der Absender der gefundenen Briefe war. Weiterlesen

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Silvesterspecial 2022

Im Laufe eines Jahres lesen wir Rezensentinnen und Rezensenten eine Vielzahl von Büchern. Manche gefallen uns gut, andere weniger, wenige gar nicht. Manche sind spannend, andere interessant, anrührend oder dramatisch, wieder andere bringen uns zum Lachen oder zum Weinen.

Und dann sind da die Bücher, die etwas Besonderes sind, die etwas in uns berühren. Die Highlights unseres Lesejahres, die wir mehr als andere in Erinnerung behalten.

Das sind ganz unterschiedliche Bücher, die aus ganz unterschiedlichen Gründen für uns Einzelne etwas Außergewöhnliches waren. Und die wir in diesem Silvesterspecial noch einmal vorstellen wollen:

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Ewald Arenz: Das Diamantenmädchen

Ewald Arenz ist ein ganz besonderer Schriftsteller, seine Bücher „Alte Sorten“ und „Der große Sommer“ sind absolute Highlights in meinem Bücherregal. Seine intensiven, geradezu fühlbaren Beschreibungen, seine mit spitzem Stift präzise und mit Empathie gezeichneten Figuren, das bleibt im Gedächtnis, das wirkt nach.

Gleiches gilt auch für das Diamantenmädchen, auch hier schafft er Atmosphäre durch bildhafte Beschreibungen, macht das Wetter, Gerüche und Geräusche fühlbar, erfahrbar. Hier erlebt man beim Lesen den Sturm mit, spürt den Wind im Haar und hört das Rauschen des Regens. Dennoch wirkt dies auf mich nicht so leichtfüßig, nicht so subtil, wie in seinen beiden anderen Romanen, in denen es gerade das war, was ihre Besonderheit ausmachte.

Hier, in diesem Buch, gelingt es ihm hingegen, die Stimmung und die nervöse Geschäftigkeit in Berlin der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts perfekt einzufangen und in Worte zu fassen. Doch die sehr gelungenen Beschreibungen tun der Spannung und der Handlung keinen Gefallen. Weiterlesen

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Tina Ackermann: Frauen auf der Flucht

Ein Buch, das nicht mit tränenrührenden Bildern, mit erschütternden Dramen aufwühlt, sondern gerade dank einer professionellen Distanz mit klaren Worten und ohne jede Sensationslust die Geschichten von Frauen auf der Flucht erzählt.

Gerade diese sachliche Art des Erzählens, die Art, den Frauen ihre Stimmen zu lassen und sie ihre Berichte in ihre Worte fassen zu lassen, machen dieses Buch so lesenswert.

Vor allem Frauen leiden auf der Flucht besonders, sie sind besonderen Gefahren ausgesetzt, besonderen Risiken und müssen dabei oft noch zusätzlich mehrere kleine Kinder betreuen. Dennoch kommen diese Frauen in den Berichten über Flucht viel zu wenig vor, bekommen viel zu wenig Gehör. Dem setzt Tina Ackermann nun ihr Buch entgegen.

Die Schweizer Autorin hat als Werbetexterin und Drehbuchautorin gearbeitet. Als sie für eine Hilfsorganisation als Campaignerin tätig war, kam sie in Kontakt mit Frauen auf der Flucht. Daraus entstand die Idee zu diesem Buch. Dabei war es ihr wichtig, die Frauen nicht zu beeinflussen, während sie erzählten. Sie stellte wenig Fragen, wenn die Frauen anonym bleiben wollten, war auch das kein Problem, ebenso, wenn sie nicht fotografiert werden wollten. Weiterlesen

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