Robert Galbraith: Das tiefschwarze Herz

1360 Seiten, um einen Mord aufzuklären, sind definitiv zu viel. So leid es mir tut und so sehr ich diese Reihe um den einbeinigen Detektiv der unter diesem Pseudonym schreibenden Joanne K. Rowling schätze, diesmal ist es wirklich einfach zu viel, zu lang, zu voll gepackt.

Cormoran Strike und Robin Ellacott, die beiden bilden das Team, welches nun schon im sechsten Band ganz besondere und ganz besonders verzwickte Mordfälle aufklärt. Dieses Paar, das sich liebt, es aber keinesfalls zugeben möchte und daher ständig umeinanderkreist, bekommt es diesmal mit dem Mord an einer jungen Frau zu tun, die eine Kult-Animationsserie entwickelt hat. Edie wurde zuvor auf das Schlimmste von einem Fan terrorisiert, der sich Anomie nennt und von der Polizei des Mordes verdächtigt wird.

Doch niemand scheint zu wissen, wer Anomie ist, und so machen sich Cormoran und Robin daran, genau das herauszufinden. Parallel hat ihre Detektei noch weitere Fälle zu bearbeiten, darunter einen, der sich durch das erneute Auftauchen von Cormorans Exfreundin Charlotte ergibt. Das führt wiederum zu Spannungen zwischen Cormoran und Robin, die alles nur Erdenkliche tun, um dem jeweils andren die eigenen Gefühle zu verbergen. Weiterlesen

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Katrin Eigendorf: Putins Krieg

Die Ukraine sei das einzige Land, das die anderen Europäer daran erinnere, was Würde und Freiheit bedeuten, und dessen Menschen bereit seien, dafür zu sterben, während die Europäer in Brüssel über die Form von Tomaten debattieren.“ (S. 92).  Diesen Satz zitiert Katrin Eigendorf im Buch aus ihrem eigenen Tagebuch unter dem Datum 12. April 2014 und sie lässt hier einen Polen sprechen, der dies damals zu einem Ukrainer sagte.

Bereits 2014 hat die bekannte Reporterin von ZDF und anderen Formaten aus der Ukraine berichtet, bereits damals, als Russland die Krim annektierte. Und in diesem Jahr 2022 war sie wieder dort, reiste nach Kiew am Tag des Beginns des russischen Angriffs. Ihre seither gesammelten Eindrücke fasst sie jetzt im vorliegenden Buch zusammen, lässt Ukrainerinnen und Ukrainer zu Wort kommen und schildert auch ihre eigenen Gefühle beim Anblick der zerstörten Städte und Dörfer. Sie fährt nach Butscha, nach Irpin, nach Odessa, sie spricht mit Soldaten, Zivilisten, mit Flüchtenden und Bleibenden.

Viele der Szenen, die sie beschreibt, sah man im Fernsehen, in den Nachrichten, in denen sie regelmäßig live zugeschaltet wird. Katrin Eigendorf ist eine mehrfach ausgezeichnete Reporterin, Kriegsberichterstatterin trifft es wohl eher. Sie war in Afghanistan, in Syrien und nun also in der Ukraine. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Stille blutet

Auch wenn Thriller draufsteht, ist dieser Roman meiner Meinung nach eher ein Krimi. Denn es geht vor allem um die Aufklärung eines Verbrechens oder einer Serie von Verbrechen. Laut der mir bekannten Erklärungen liegt der Unterschied zwischen Thriller und Krimi darin, dass in erstem das Verbrechen noch nicht geschehen ist und sich daraus die Spannung generiert.

Dabei ist Ursula Poznanski absolut berühmt für ihre Thriller und eine meiner liebsten Autorinnen. Ihre Romane sind fast immer hochspannend, dramatisch und lassen die Leserin atemlos der Handlung folgen. Dieser neue Roman allerdings schwächelt im Vergleich mit ihren anderen Büchern, wobei er natürlich immer noch eine stilistisch gelungene Geschichte erzählt.

Worum geht es: Die Handlung beginnt damit, dass die unsympathische Moderatorin Nadine ihren eigenen Tod ankündigt, und zwar vor laufenden Kameras, live im Fernsehen. Wenig später ist sie tatsächlich tot, grausam ermordet. Sehr schnell gerät ihr früherer Freund Tibor in Verdacht. Weiterlesen

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Louise Nealon: Snowflake

Eine liebenswertere, aber auch eine chaotischere Hauptfigur habe ich lange nicht getroffen in einem Roman. Die irische Autorin erzählt in ihrem Debütroman warmherzig und berührend in vielen Episoden vom so gar nicht einfachen Landleben und dem Erwachsenwerden der Debbie White.

Die blutjunge Debbie wird auf einem Milchbauernhof groß, fern der Großstadt und fern dem „normalen“ Leben. Denn ihre Mutter Maeve lebt ihre Träume, träumt ihr Leben. Und Debbies Onkel Billy, der in einem Wohnwagen haust und mit Debbie in die Sterne schaut, zitiert die alten Griechen und hält zusammen mit James, dem Liebhaber von Maeve, den Hof am Laufen.

Als Debbie 18 wird, beginnt sie ein Literaturstudium in Dublin, pendelt jeden Tag vom Hof in die Stadt, vom Landleben ins Stadtleben. Dort prallen zwei Welten aufeinander und die so weltfremd aufgewachsene Debbie scheitert auf ganzer Linie. Das klingt dramatischer als es im Roman beschrieben ist, denn das Leben und Leiden Debbies wird mit zartem Humor, mit Lakonie und ohne Larmoyanz erzählt. Die Autorin verurteilt ihre Figuren nicht, sie schildert mit Empathie und sanfter Ironie, so dass man im Laufe der Handlung Debbie regelrecht liebgewinnt, auch wenn sie oft unverständlich agiert. Weiterlesen

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Andreas Eschbach: Freiheitsgeld

Ich muss diese Rezension damit beginnen, dass ich ein glühender Fan von Andreas Eschbach bin. Nicht nur, dass seine Romane stets hochpolitische und aktuelle Themen aufgreifen, sie sind auch durchweg irre spannend und wahnsinnig gut geschrieben. Mein absoluter Favorit ist sein Roman „Todesengel“.

Von daher hat es fast etwas von Sakrileg, an einem seiner Romane herumzumäkeln. Doch in der Tat hat mich sein neuer Roman nicht so gepackt wie seine vorherigen, obwohl er sich mit einem ebenso brisanten wie heiß diskutierten Thema befasst.

In diesem neuen Roman dreht sich alles um das sogenannte Freiheitsgeld. Wir befinden uns im Jahr 2064, niemand muss mehr arbeiten, wenn er oder sie nicht will. Vor etlichen Jahren wurde dieses Geld eingeführt, ein bestimmter monatlich ausgezahlter Betrag, den jeder Mensch in Europa bekommt, sobald er oder sie 18 wird. Die Arbeit, die die Menschen nicht mehr machen (wollen), wird von Robotern erledigt, wie beispielsweise die Krankenpflege oder ähnliches. Auch der ÖPNV ist automatisiert und kommt ohne Personal aus.

Die Kehrseite ist die Finanzierung dieses Freiheitsgeldes. Diese basiert auf immens hohen Steuern, die diejenigen, die eben doch noch arbeiten, zahlen müssen. Eingeführt hat das Freiheitsgeld der damalige Bundeskanzler und spätere Präsident der EU, Robert Havelock. Der ist inzwischen 95 Jahre alt und wohnt in der sogenannte Oase. Das ist eine in Zonen eingeteilte, hermetisch geschlossene Wohneinheit für Privilegierte. Darin gibt es je nach Zone abgestuften Luxus, von dem die Ausgeschlossenen nur träumen können. Weiterlesen

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Mary Beth Keane: Mit dir bis ans andere Ende der Welt

Ihren im vergangenen Jahr erschienenen Roman „Wenn du mich heute wieder fragen würdest“ habe ich mit großer Begeisterung gelesen. Er hat lange nachgehallt, nicht nur wegen des Inhalts, sondern vor allem wegen des sehr einfühlsamen Schreibstils der amerikanischen Autorin. Nun hat der Eisele-Verlag auch ihren Debütroman veröffentlicht, der in seiner behutsamen Erzählweise dem anderen Buch in nichts nachsteht.

Erzählt wird die Geschichte von Greta, die Ende der vierziger Jahre in Irland geboren wird, als jüngstes Kind nach vier Brüdern und einer älteren Schwester, Johanna. Die Familie ist arm und muss zum Überleben dem illegalen Lachsfang nachgehen. Das führt zu Unheil und noch größerer Armut, während das Dorf, in dem die Familie lebt, immer einsamer wird. Denn nach und nach wandern die Einwohner ab, entweder in größere Städte oder noch weiter, nach Australien, Neuseeland oder Amerika.

Dorthin reist schließlich auch Greta zusammen mit Johanna und dem jungen Michael, der den umherziehenden Travellern entstammt und zuletzt im Hof der Familie zur Hand ging. Aus der Beziehung dieser drei Menschen zueinander, die zum Zeitpunkt ihres Auswanderns noch blutjung sind, entwickelt sich eine hochdramatische, spannende und sehr berührende Lebensgeschichte. Weiterlesen

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Alex Capus: Susanna

Es sind mit der Zeit schon einige Romane von Alex Capus, die ich gelesen und sehr gemocht habe. Sie sind meist vielschichtig, ruhig und doch spannend. Oft haben sie auch einen historischen Hintergrund.

Dies gilt auch für seinen neuen Roman „Susanna“, der die Geschichte der Susanna Faesch (1844-1921, Künstlername Caroline Weldon) erzählt, einer in der Schweiz geborenen Malerin, die als Jugendliche mit ihrer Mutter nach Amerika auswandert. Zu einer Zeit voller Umbrüche und Wandlungen. Elektrizität und Dampfkraft nehmen an Bedeutung zu, die Städte verändern sich gravierend und im Westen der USA gibt es immer wieder heftige Kämpfe zwischen den neuen Siedlern und den verschiedenen Indianerstämmen.

Susanna ist schon als kleines Mädchen eigenwillig, beginnt doch der Roman damit, dass sie als Fünfjährige einem Kutscher ein Auge aussticht. Ihre Mutter ist eine sehr stille Frau, die sich streng an Konventionen hält, dann aber doch die Trennung von ihrem viel älteren Mann sucht. Unter Zurücklassung der drei Söhne, nur mit Susanna, reist sie nach Amerika und lebt dann dort zusammen mit einem anderen Mann, den sie erst durch ihren Ehemann kennenlernte. Weiterlesen

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Natascha Bub: Ein Bild von einer Frau

Ein kesses junges Mädchen, von seinen Fähigkeiten überzeugt, geht eine Wette ein mit einem bekannten Verleger. Das ist der Ausgangspunkt dieses Romans, der auf wahren Ereignissen beruht.

Zugrunde liegt dem Roman die Geschichte von Inge Schönthal, einer jungen deutschen Fotojournalistin, die ein weltbekanntes Foto von dem berühmtesten Schriftsteller der Welt macht. Es geht um Hemingway, in dessen Haus auf Kuba die junge Frau 1953 auftaucht, auf der Jagd nach einem noch nicht dagewesenen Fotomotiv.

Soweit die Tatsachen. Natascha Bub macht daraus einen Roman, ihre Heldin heißt Insa Schönberg. Nachdem sie mit dem Verleger Ledig-Rowohlt gewettet hat, reist sie über New York und Miami nach Havanna, auf den Spuren Hemingways. Der lebt auf Kuba zurückgezogen, mürrisch, unhöflich, duldet die ungezähmte, freche junge Frau aber in seinem Haus. Immer wieder versucht sie ihn dazu zu bringen, für ein Foto bereitzustehen, doch er weicht ihr stets aus. Weiterlesen

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Wlada Kolosowa: Der Hausmann

Ungewöhnlich, abgedreht, so ganz anders. Das sind die Begriffe, die mir als erstes zu diesem Buch einfallen. Bei dem ich auch erst einmal überlegen muss, ob man es als Roman bezeichnen kann. Das ist es ohne Frage, aber es ist auch eine Graphic Novel, ein Chatprotokoll, ein Blog und überhaupt eine gelungene Mischung aus witzigen, kritischen, psychologischen und spannenden Bestandteilen, die ein durchaus interessantes und fesselndes Ganzes formen.

Dieses Ganze ist nicht der erste Roman der in Russland geborenen und in Deutschland aufgewachsenen Autorin. Worum geht es? Tim und Thea sind ein junges Paar, welches gerade in ein Mietshaus am Stadtrand eingezogen ist. Tim, Zeichner und Erzähler von Graphic Novels, gibt den Hausmann, während Thea als Influencerin eine neue Stelle angetreten hat, neue Chefin ist jetzt eine Freundin von ihr.

Da haben wir einerseits die von Tim in Ich-Form erzählten Romanstrukturen. Er berichtet von seinem Tagesablauf, schildert die Bewohner der Mietshäuser, die Gegend und das Milieu, das so ganz anders ist als der Stadtteil, in welchem die beiden vorher lebten. Er kommt in Kontakt mit Maxim, einem jungen Ukrainer, der Tim gleich mal als seinen Deutschlehrer requiriert, und mit Dagmar, einer über 80-jährigen Nachbarin, der er bei der Einrichtung ihres Internets hilft und die in einem Blog krasse Tipps zum Sparen gibt. Weiterlesen

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Volker Jarck: Robuste Herzen

#Eine Familiengeschichte, ein Psychogramm, eine Zeitreise – all das ist der neue Roman von Volker Jarck. Und dazu ist er wieder ganz wunderbar geschrieben, auf eine fast poetisch Art, mit fein ziselierten Sätzen.

Von seinem Debüt „Sieben Richtige“ war ich vollkommen begeistert. Dieser Autor kann einfach schreiben, formuliert auf jeder Seite Sätze, die man sich an die Wand pinnen und auswendig lernen möchte. „Was da jetzt noch schwer erkennbar zappelte, würde demnächst atmen, gleich danach trinken, und dann könnte es schnell gehen – zwischen Stehen, Sprechen, Gitarre oder Klavier spielen

und der Abifahrt lägen gerade mal tausende von Sekunden oder Tagen, nur ein Windstoß in der Zeit.“ (S. 67).

In diesem neuen Roman lernen wir die Geschwister Katja, Milena und Leon kennen. In ihrem heutigen Leben und in vielen, nicht chronologisch erzählten Rückblicken auf ihre Kindheit und Jugend, auf ihr familiäres Beziehungsgeflecht, ihre Träume und die bittere Realität. Das erfordert Konzentration, wechseln doch die Zeitebenen oft sehr abrupt, ebenso wie die Perspektiven. Folgen wir eben noch Katja, die die Trennung von ihrem Mann verwinden und mit dieser Situation im dörflichen Umfeld umgehen lernen muss, so erleben wir einen Absatz weiter Milena, die eine Fernbeziehung führt und das gerne ändern möchte, ohne dabei ihr eigenes Leben und ihre Pläne aufzugeben. Weiterlesen

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