Kristin Valla: Das Haus über dem Fjord

Romane aus Skandinavien haben, ebenso wie die Filme, ja immer etwas leicht Düsteres, Melancholisches. Woran das liegt, kann man nur ahnen. Es gilt aber auch für den vorliegenden Roman, der sich ganz ruhig, fast zu ruhig entwickelt.

Es geschieht nicht viel in dieser Geschichte, die wortkargen Menschen begegnen sich mit Vorsicht, obwohl oder vielleicht gerade, weil sie sich so gut kennen. Die Hauptfigur Elin möchte das Haus ihrer Eltern auflösen und verkaufen. Sie war seit Jahren nicht mehr da, ihre Mutter starb vor ein paar Jahren. Elin hat als Kind Schreckliches erlebt. Bei einem Unwetter wurden ihre beiden Brüder getötet. Auch ihr Vater verschwand bei dem Erdrutsch. Seine Leiche wurde nie gefunden, so gibt es für Elin heute nur das Grab ihrer Mutter und ihrer Brüder.

Zusammen mit den Dorfbewohnern, darunter auch Ola, der Kinderfreund ihrer Brüder und ihre erste Liebe, räumt Elin im Haus und in ihrer Vergangenheit auf. Die Menschen, beispielsweise Olas Mutter, begegnen ihr mit Zurückhaltung. Im Haus findet sie schließlich Indizien für ein großes Geheimnis im Leben ihres Vaters. Ihre Nachforschungen führen sie am Ende bis nach Frankreich.

Auch wenn es der Autorin gelingt, die Atmosphäre in diesem abseits gelegenen, halb verschlafenen Ort und die Stimmung unter den Menschen gut einzufangen, hat mich der Roman nicht richtig erreicht. Die Erzählweise ist zäh, seitenlang passiert nichts. Elin sinniert, schaut, erinnert sich. Viel mehr Handlung gibt es kaum. Das ist mir etwas zu wenig. Zumal man die „Pointe“ irgendwann erahnen kann und daher die Auflösung am Ende nicht mehr überrascht.

Kristin Valla: Das Haus über dem Fjord.
Aus dem Norwegischen übersetzt von Gabriele Haefs.
Mare Verlag, September 2022.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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