Stefan Mosters Protagonist, ein fünfzigjähriger erfolgreicher Software-Entwickler, der Erfinder der Cloud, begibt sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Das Leben seines Großvaters Jakob Flieder, der Pflasterer in seiner Heimatstadt Mainz gewesen war, beschäftigt ihn. Vor dem elterlichen Haus hatte er einen kunstvoll gemusterten Weg mit kleinformatigen Steinen gestaltet, über den der Erzähler als Kind immer gelaufen war. Auch das Holzpflaster in der Großen Bleiche in seiner Heimatstadt, das später, während der Bombardierungen im Krieg in Flammen aufgegangen war und vielen Menschen das Leben gekostet hatte, soll er gelegt haben. Aus Erzählungen seiner Mutter hat er weiter erfahren, dass der Großvater sehr jähzornig gewesen sein soll und nur durch einen glücklichen Umstand seine Frau nicht getötet hatte. Weiterlesen
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Paola Predicatori: Der Regen in deinem Zimmer
Für die siebzehnjährige Alessandra bricht eine Welt zusammen, als ihre Mutter an Krebs stirbt.
Zurück bleibt neben ihrer Trauer um den Verlust eine unendliche Leere. Ihre Großmutter kann dem jungen Mädchen wenig helfen.
In ihrer Hilflosigkeit schottet Alessandra sich von allen und allem ab, zieht sich in sich zurück. In ihrer Schulklasse setzt sie sich ganz nach hinten zu dem Außenseiter Gabriel, genannt Zero. Zero ist ein wundervoller Zeichner. Doch auch er hat Probleme mit seinem Schicksal. Das verbindet.
Ganz langsam beginnen Alessandra und Zero sich anzunähern, doch beide sind zu sehr in ihrem eigenen Schmerz gefangen, dass ihre Verbindung immer wieder zu scheitern droht.
Ein schönes Buch, das Hoffnungslosigkeit, Verlust, Trauer, Schmerz, Liebe und alle damit verbundenen Emotionen ausdrucksstark widerspiegelt.
Paola Predicatori: Der Regen in deinem Zimmer.
Aufbau, März 2015.
238 Seiten, Taschenbuch, 8,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
Isabel Allende: Der japanische Liebhaber
In ihrem neuen Roman erzählt Isabel Allende von einer gefühlvollen Liebesbeziehung.
Gleichzeitig beleuchtet sie das Altern mit den gängigen Bedürfnissen und Beeinträchtigungen.
Allende holt weit aus, bindet geschichtliche Ereignisse – so die Zeit des Pazifikkrieges und Schicksale im Konzentrationslager mit ein.
Die junge Osteuropäerin Irina Bazili findet eine Anstellung in einem Altenheim. Eine der Heimbewohnerinnen, die achtzigjährige Künstlerin Alma Belasco, bestimmt Irina als ihre persönliche Assistentin. Weiterlesen
Sarah Kuttner: 180 Grad Meer
Jule hat das Trennungstrauma ihrer Eltern, das sie seit ihrer Kindheit begleitet, nie überwunden. – Das hört sich nach Problemen und Tragik an. Doch der jungen Protagonistin folgt man sehr gern durch ihr reichlich verkorkstes Leben, weil die Geschichte sehr einfühlsam und gleichzeitig urkomisch daherkommt.
Nie konnte Jule richtig Kind sein, weil sie stets Verantwortung für ihre depressive Mutter übernommen hat. Ihrem Vater ist sie ewig böse, weil er die Familie im Stich gelassen hat.
Telefonanrufe der Mutter versucht sie zu ignorieren. Den Kontakt zum Vater hat sie abgebrochen, seine Geldzahlungen rührt sie nicht an. Weiterlesen
Toni Jordan: Neun Tage
Alles beginnt mit einem Foto auf dem ein junges Paar auf dem überfüllten Bahnhof in Melbourne abgebildet ist: Er – ein Soldat, beugt sich weit aus dem Zugfenster. Sie – auf den Schultern eines anderen Mannes auf dem Bahnsteig, reckt sich dem Soldat entgegen. Es ist eine unter vielen Abschiedsszenen in der Zeit um den zweiten Weltkrieg. Doch genau diese Ablichtung in der Melbourner Tageszeitung inspirierte die Autorin Toni Jordan dazu, diesen Roman zu schreiben. Weiterlesen
Tim Parks: Morris Duckworth 03: Mister Duckworth sammelt den Tod
Im letzten Band der Duckworth-Trilogie lässt Tim Parks seinen Protagonisten Morris Duckworth noch einmal zu Höchstform auflaufen.
Viel schwarzer Humor mit Seitenhieben auf korrupte Behörden, Politiker und Kirchenvertreter Italiens geben der Story eine gelungene Würze.
Morris Duckworth hat seinen Weg gemacht. Er ist auf der oberen Stufe der Veroneser Gesellschaft angekommen. Keinen seiner Morde hat man ihm nachweisen können. Mit Antonella, der ältesten der drei Trevisan-Schwestern ist Morris zwischenzeitlich verheiratet, sie haben zusammen zwei Kinder. Morris führt erfolgreich die Geschäfte des Familienunternehmens weiter. Weiterlesen
Kjersti A. Skomsvold: 33
Die junge norwegische Autorin Kjersti A. Skomsvold hat bereits mit ihrem Debütroman „Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich“ bewiesen, dass sie einen urkomischen und gleichzeitig eindringlich sublimen Schreibstil beherrscht.
Ihr neuer, in Ich-Form geschriebener Roman handelt von einer jungen Mathematiklehrerin die sich ein Kind wünscht. Sie will der Mathematik den Rücken kehren und träumt davon, einen Roman zu schreiben.
In Gedankensprüngen vernetzt sie ihr Leben mit dem toten geliebten Ferdinand, der stets in ihrem Kopf präsent ist und mit Samuel, den sie ebenfalls liebt.
Man muss sich von den ungewöhnlichen Gedankengängen der Protagonistin, die die Dinge wie Röntgenstrahlen durchleuchten, mittreiben lassen.
Kjersti A. Skomsvold: 33.
Hoffmann & Campe, Oktober 2015.
144 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
Yorck Kronenberg: Tage der Nacht
Die Nächte in denen er schlaflos wach liegt, werden für Anton zum Wechselspiel der Erinnerungen. Der vergangene Überfall auf ihn und seine Frau Franziska in ihrem gemeinsamen Landhaus an der Küste Westenglands und die schrecklichen Geschehnisse während des Nationalsozialismus, als er noch der kleine Toni war, lassen seine Gedanken nicht mehr los.
Im Einschlafen werden all die Bilder in Antons Kopf wieder lebendig. Dann schämt er sich über seine Hilflosigkeit, dass er seiner Frau nicht beistehen und sie beschützen konnte, als einer der Einbrecher ihn festgehalten hatte. Weiterlesen
Véronique Olmi: Nacht der Wahrheit
Eine sehr junge Mutter, die sich zusammen mit ihrem pubertierenden Sohn ein Bett in einem kleinen Zimmer teilt, birgt an sich schon genügend Konfliktpotential. Dieser Roman birgt noch viel brisantere Probleme eines heranwachsenden Jungen. Was sich zeilenweise erfrischend amüsant liest, gärt und brodelt, bis das Unheil überkocht.
Der zwölfjährige Enzo Popov ist eine Romanfigur die einem schnell ans Herz wächst. Zusammen mit seiner russischstämmigen Mutter lebt er in Paris, direkt am Palais Royal. Weiterlesen
Larry Tremblay: Der Name meines Bruders
Larry Tremblay legt diese Geschichte in einem von Krisen erschütterten Kriegsgebiet an, das überall auf der Welt sein könnte. Dabei beschreibt er einen Konflikt, der für alle Beteiligten in großem Leid endet. Schonungslos verdeutlicht der Autor, wie ein einzelner Fanatiker durch seinen Hass manipulieren kann und das Leben einer Familie zerstört; wie durch geschickte Täuschungsmanöver Menschen beeinflusst und unschuldige Kinder einem sinnlosen Märtyrertod ausgesetzt werden; wie Religion zur Machtausübung missbraucht wird, wie unsinnig und schrecklich der Tod jedes Einzelnen ist und wie die grausamen Geschehnisse die Überlebenden ein Leben lang verfolgen. Weiterlesen