Tim Parks: Morris Duckworth 03: Mister Duckworth sammelt den Tod

timIm letzten Band der Duckworth-Trilogie lässt Tim Parks seinen Protagonisten Morris Duckworth noch einmal zu Höchstform auflaufen.
Viel schwarzer Humor mit Seitenhieben auf korrupte Behörden, Politiker und Kirchenvertreter Italiens geben der Story eine gelungene Würze.

Morris Duckworth hat seinen Weg gemacht. Er ist auf der oberen Stufe der Veroneser Gesellschaft angekommen. Keinen seiner Morde hat man ihm nachweisen können. Mit Antonella, der ältesten der drei Trevisan-Schwestern ist Morris zwischenzeitlich verheiratet, sie haben zusammen zwei Kinder. Morris führt erfolgreich die Geschäfte des Familienunternehmens weiter. Weiterlesen

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Kjersti A. Skomsvold: 33

33Die junge norwegische Autorin Kjersti A. Skomsvold hat bereits mit ihrem Debütroman „Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich“ bewiesen, dass sie einen urkomischen und gleichzeitig eindringlich sublimen Schreibstil beherrscht.

Ihr neuer, in Ich-Form geschriebener Roman handelt von einer jungen Mathematiklehrerin die sich ein Kind wünscht. Sie will der Mathematik den Rücken kehren und träumt davon, einen Roman zu schreiben.
In Gedankensprüngen vernetzt sie ihr Leben mit dem toten geliebten Ferdinand, der stets in ihrem Kopf präsent ist und mit Samuel, den sie ebenfalls liebt.

Man muss sich von den ungewöhnlichen Gedankengängen der Protagonistin, die die Dinge wie Röntgenstrahlen durchleuchten, mittreiben lassen.

Kjersti A. Skomsvold: 33.
Hoffmann & Campe, Oktober 2015.
144 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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Yorck Kronenberg: Tage der Nacht

yorckDie Nächte in denen er schlaflos wach liegt, werden für Anton zum Wechselspiel der Erinnerungen. Der vergangene Überfall auf ihn und seine Frau Franziska in ihrem gemeinsamen Landhaus an der Küste Westenglands und die schrecklichen Geschehnisse während des Nationalsozialismus, als er noch der kleine Toni war, lassen seine Gedanken nicht mehr los.

Im Einschlafen werden all die Bilder in Antons Kopf wieder lebendig. Dann schämt er sich über seine Hilflosigkeit, dass er seiner Frau nicht beistehen und sie beschützen konnte, als einer der Einbrecher ihn festgehalten hatte. Weiterlesen

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Véronique Olmi: Nacht der Wahrheit

nachtEine sehr junge Mutter, die sich zusammen mit ihrem pubertierenden Sohn ein Bett in einem kleinen Zimmer teilt, birgt an sich schon genügend Konfliktpotential. Dieser Roman birgt noch viel brisantere Probleme eines heranwachsenden Jungen. Was sich zeilenweise erfrischend amüsant liest, gärt und brodelt, bis das Unheil überkocht.

Der zwölfjährige Enzo Popov ist eine Romanfigur die einem schnell ans Herz wächst. Zusammen mit seiner russischstämmigen Mutter lebt er in Paris, direkt am Palais Royal. Weiterlesen

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Larry Tremblay: Der Name meines Bruders

nameLarry Tremblay legt diese Geschichte in einem von Krisen erschütterten Kriegsgebiet an, das überall auf der Welt sein könnte. Dabei beschreibt er einen Konflikt, der für alle Beteiligten in großem Leid endet. Schonungslos verdeutlicht der Autor, wie ein einzelner Fanatiker durch seinen Hass manipulieren kann und das Leben einer Familie zerstört; wie durch geschickte Täuschungsmanöver Menschen beeinflusst und unschuldige Kinder einem sinnlosen Märtyrertod ausgesetzt werden; wie Religion zur Machtausübung missbraucht wird, wie unsinnig und schrecklich der Tod jedes Einzelnen ist und wie die grausamen Geschehnisse die Überlebenden ein Leben lang verfolgen. Weiterlesen

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Luigi Trucillo: Die Geometrie der Liebe

liebeZentrales Thema von diesem kleinen, aussagekräftigen Roman ist eine Liebe, die chancenlos und ohne Zukunft bleibt, weil die Eifersucht stets die Oberhand gewinnt.
Bereits der Eingangssatz „Der Fuchs weiß viele Dinge, aber der Igel weiß eine große Sache“ und das nachfolgende Eingeständnis, die Bedeutung dieses Spruchs zu spät verstanden zu haben, lässt erahnen, dass der Autor im Handlungsablauf in der Tiefe schürfen wird.

Die Protagonisten sind ein Zeitungsarchivar und eine Sinologin, die sich während einer Schiffsüberfahrt von Italien nach Griechenland kennen und lieben lernen. Weiterlesen

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Stefan Koldehoff: Ich und Van Gogh: Bilder, Sammler und ihre abenteuerlichen Geschichten

vanStefan Koldehoff, der Kenner des großen Meisters van Gogh, gewährt anhand 43 kleiner Geschichten, die sich um van Gogh-Gemälde ranken, interessante Einblicke in den Kunstmarkt.

In seinem Vorwort schreibt der Autor, dass Kunstwerke Zeitzeugen sind, die nicht mit ihren Motiven, ihrer Technik und den Umständen ihrer Entstehung, sondern mit dem Wechsel ihrer Besitzer durch Jahrzehnte und Jahrhunderte zusammenhängen.
Weil Vincent van Gogh schon bald nach 1900 durch Ausstellungen und Bücher zum Musterkünstler der Moderne stilisiert wurde, wird dies an seinem Beispiel besonders deutlich. Zudem hielten seine Erben den Nachschub für den Kunstmarkt knapp und so wurden seine Gemälde und Zeichnungen zu Trophäen der Kulturelite auf der ganzen Welt. Weiterlesen

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Lorrie Moore: Danke, dass ich kommen durfte

dankeLorrie Moores neuer Kurzgeschichtenband bietet mit seinen acht Erzählungen genau das, was gute Short Stories ausmacht: Viel Platz zwischen den Zeilen, in denen der Leser eigene Gedanken weiterentwickelt.

So lesen wir in der ersten Story von einem Mann, der seinen Ehering nicht abstreifen kann, weil dieser seinen Finger wie ein Fett abschnürender Gürtel umschließt – und dies, obwohl er bereits ein halbes Jahr von seiner Frau geschieden ist.
Oder wir lesen von einer Mutter, die ihren neuen Verehrer immer wieder brüskiert, indem sie ihrem pubertierenden Sohn übermäßige Zuwendung zukommen lässt. Weiterlesen

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Ivana Jeissing: Wintersonnen

winterEs ist ein langer Selbstfindungsprozess, bei dem wir Gustava, die junge Protagonistin in diesem Roman, begleiten. Auslöser ist die seit ihrer Kindheit andauernde Suche nach ihrem unbekannten Vater. Die Sehnsucht, der Vergangenheit ein Gesicht zu geben, bleibt allgegenwärtig.

Gustava lebt mit ihrer Mutter – genannt Mimi, in Wien. Sie hat ihren Vater nie kennengelernt und alle ihre Fragen nach ihm prallen an Mimi ab. Vielleicht gerade weil Mimi Gustavas Nachforschungen so vehement abwehrt und blockiert, steigert dies die Sehnsucht des Mädchens nach einer vollständigen Familie, denn immer mehr fühlt sie in ihrem Zuhause eine Lücke ohne den Vater. Weiterlesen

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David Herbert Lawrence: Der Mann, der Inseln liebte (1928)

mannBenjamin Lebert hat D. H. Lawrences Klassiker neu übersetzt und zusätzlich mit einem Vorwort versehen.
Sich zurückziehen von der Welt, alles Profane hinter sich lassen um auf einer einsamen Insel mit zuvor ausgewählten Menschen zusammenzuleben, der Natur und dem Ich ganz Nahe sein, sich selbst entdecken – dieses Exempel statuiert der Mann, der Inseln liebte.

Der Mann der Inseln liebte, liebt vor allem die Einsamkeit, die Natur und das Meer. Er kauft zwei unbewohnte Inseln. Eine größere und eine kleinere, die von der größeren Insel aus gut zu sehen und zu erreichen ist.
Auf der größeren Insel versucht er sich ein Paradies nach seinen Vorstellungen zu errichten. Anfangs scheint er glücklich zu sein auf seiner Inselwelt. Doch bereits nach einem Jahr muss er sich eingestehen, dass sein Leben so keine Zukunft hat – die Insel mit all den Menschen und den Annehmlichkeiten die diese nach seinen Weisungen geschaffen haben, ist auf Dauer nicht finanzierbar. Weiterlesen

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