Dieses Buch ist eine Begegnung mit dem Bösen in einem Mensch.
Charles Lewinsky hat in „Andersen“ eine fantastische Idee verarbeitet: Das Gedächtnis seines Protagonisten existiert unabhänig vom Zustand seiner Zellen. Ein Mensch wird also wiedergeboren, seine Charaktereigenschaften, Lebenserfahrungen und Erinnerungen an sein vorangegangenes Leben sind ihm erhalten geblieben. Weiterlesen
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Truman Capote: Andere Stimmen, andere Räume (1948)
Bereits als Jugendlicher schrieb Truman Capote Kurzgeschichten.
Mit „Frühstück bei Tiffany“ erreichte der Autor Weltruhm.
„Andere Stimmen, andere Räume“ ist Capotes erster Roman. Er handelt vom Erwachsenwerden des jungen Joel Knox.
Capote verarbeitet darin seine eigene homosexuelle Veranlagung.
Als das Buch 1948 veröffentlicht wurde, sorgte es nicht nur in den USA für Schlagzeilen, sondern später auch in Europa.
Durch Capotes eindringlichen plastischen Blick findet man sich als Leser sofort mittendrin im Geschehen. Weiterlesen
Jona Oberski: Kinderjahre
Im Alter von vier Jahren wird Jona Oberski zusammen mit seinen Eltern nach Bergen-Belsen deportiert.
Viele Jahre später versucht der Autor sich an die Schreckenszeit im Konzentrationslager, in dem ihm vier Jahre seiner Kindheit geraubt wurden, zurückzuerinnern.
In Jonas wenigen guten Erinnerungen denkt er an sein Zuhause in Amsterdam, wo er zusammen mit den Eltern die bunten Geschenkpäckchen, die sie ihm zu seinem vierten Geburtstag auf dem Tisch bereitgelegt haben, aufpackt. Weiterlesen
Tomás González: Was das Meer ihnen vorschlug
Bereits nach wenigen Zeilen weiß man: Diese Geschichte kann keinen guten Verlauf nehmen. So wird der Autor nicht müde, seine Figuren auch im weiteren Fortgang das dramatische Geschehen, das sich weit draußen auf dem Meer entwickelt, vorhersehen zu lassen. Vielleicht bleibt die Spannung eben deshalb erhalten.
Die sechsundzwanzigjährigen Zwillinge Javier und Mario leben in einem kleinen Fischerdorf in Kolumbien. Um Eintönigkeit und Widrigkeiten des Alltags zu entfliehen, nehmen sie Drogen. Weiterlesen
Inge Jens: Langsames Entschwinden: Vom Leben mit einem Demenzkranken
Zehn Jahre lang litt Walter Jens an Demenz.
Mit Hilfe pflegerischer Unterstützung hat Inge Jens ihren Mann durch diese auch für sie selbst so schwere Zeit begleitet.
In diesem Buch veröffentlicht Inge Jens vertrauliche Briefe, die sie während dieser Jahre an Freunde und Bekannte schrieb, denen sie vom sich verändernden Zustand ihres Mannes berichtete.
In ruhigem, klaren Erzählton schildert sie den geistigen Verfall des einstigen Intellektuellen. Weiterlesen
Paula Banholzer: So viel wie eine Liebe: Ungeordnetes Verhältnis mit Bert Brecht
Die Autorin Paula Banholzer war die einstige Jugendliebe Bertolt Brechts. In diesem Buch erinnert sie sich zurück an die Zeit, die sie zusammen mit Brecht, der ihr den Kosenamen „Bi“ (abgeleitet von Bittersüß) gab, verbracht hat. In einem Vorwort legt die Autorin klar, dass ihr die unverfälschte Darstellung ihrer Erinnerungen wichtiger war als literarische Ambitionen.
Als die junge Paula Bertolt Brecht zum ersten Mal begegnete, war sie fünfzehn Jahre alt. Er hieß noch Bert Brecht und war vier Jahre älter. Paula fühlte sich in keinster Weise von ihm angezogen und beachtete ihn nicht. Aber Brecht blieb hartnäckig. Weiterlesen
Owen Sheers: I Saw a Man
Owen Sheers hat für seinen Protagonisten einen spannenden Einstieg entwickelt: Wir begegnen dem Schriftsteller Michael, als er im Nachbarhaus der befreundeten Familie Nelson nach den Bewohnern sucht. Die Nelsons haben Michaels Leben nach dem plötzlichen frühen Tod seiner Frau Caroline wieder einen Halt gegeben. Das Unglück, bei dem Caroline, die sich als Journalistin in einem Hochrisikogebiet in Pakistan aufhielt und dabei aus der Luft beschossen wurde, geht Michael nicht aus dem Kopf. Weiterlesen
Jim Shepard: Aron und der König der Kinder
Jim Shepard hat sich für diesen erschütternden Roman, der das grausame Schicksal polnischer Juden in Warschau während der Jahre von 1936 bis 1945 aufgreift, historischen Quellenmaterials bedient.
Zwei seiner Figuren, der Arzt und Pädagoge Janusz Korczak und Madam Stefa, die gute Seele des Waisenhauses, waren tatsächlich existent und haben in ähnlicher Form gewirkt, wie Shepard sie fiktiv in seine Geschichte eingebunden hat.
Hauptfigur ist der Junge Aron. Er zieht mit seinen Eltern und Geschwistern von der litauischen Grenze nach Warschau. Weiterlesen
Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit
Nach längerer Pause ist Benedict Wells neuer Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ erschienen.
Dass er das Handwerk der Erzählkunst bestens beherrscht, hat der Autor bereits bewiesen.
Mit „Vom Ende der Einsamkeit“ ist ihm eine wunderbar einfühlsame Geschichte gelungen, die seine vorangegangenen Bücher noch toppt! Aus den Zeilen spricht so viel Lebensweisheit, die für einen so jungen Autor erstaunlich ist. Weiterlesen
Karen Duve: Macht
Wer sich erhofft, Karen Duve lege mit „Macht“ einen Roman ähnlich ihrer erfolgreichen Bücher „Taxi“ oder „Regenroman“ vor, wird herb enttäuscht. Duve ist zur Anklägerin einer Gesellschaft geworden, die kritiklos u. a. Massentierhaltung und Klimawandel akzeptiert. Mit „Macht“ scheint die Autorin ihrer Enttäuschung hierüber Ausdruck verleihen zu wollen. Dabei herausgekommen ist ein satirischer Zukunftsroman, der sich explizit von provokanten Überzeichnungen nährt.
Karen Duve siedelt diesen fiktiven Roman im Jahr 2031 an und beschreibt eine sehr düstere Endzeitstimmung: Die Klimakatastrophe hat den Untergang der Welt eingeläutet. Weiterlesen