Andrzej Sapkowski: Kreuzweg der Raben – The Witcher

Es gibt einen neuen Hexer-Roman! Was wir eigentlich trotz, oder vielleicht auch gerade wegen des Erfolgs der Netflix-Verfilmung nicht mehr zu hoffen gewagt haben, ist Wirklichkeit geworden.

Andrzej Sapkowski hat sich wieder an die Tastatur gesetzt, sich inspirieren lassen und erzählt uns diesmal von der Jugend des jungen Hexers Geralt.

Nach Abschluss seiner Ausbildung verlässt Geralt eines frühen Morgens Kaer Morhen, um seinen Weg als Hexer in den Königreichen zu suchen und zu beschreiten.

Schon bald jedoch lernt er die weniger glanzvollen, unromantischen Seiten seines Daseins kennen. Gleich zu Beginn seiner Reise greift er zugunsten eines Bauernmädchens ein, das von einem Soldaten bedrängt wird. Den Wüstling macht er kurzerhand, so wie er es gelernt hat, mit dem Schwert nieder. Statt jedoch Ruhm oder Dank zu ernten, wird er vom örtlichen Richter zu zwanzig Peitschenhieben und Zwangsarbeit beim Straßenbau verurteilt. Zu seinem Glück tritt der vorbeiziehende alte Hexer Preston Hold auf den Plan und sorgt dafür, dass Geralt noch eine Weile in Freiheit leben und seine Fähigkeiten weiterentwickeln kann. Weiterlesen

Soyoung Park: Snowglobe

Die Menschheit muss sich bei durchschnittlich -40 Grad in einer zugefrorenen Welt zurechtfinden, in der man maximal eine halbe Stunde draußen überleben kann. Einzig in Snowglobe, einer Stadt unter einer gläsernen Kuppel, ist das Wetter gemäßigt und ein normales Leben möglich. Der Preis für dieses Leben ist die Aufgabe sämtlicher Privatsphäre; die dort lebenden Menschen sind alle Teil verschiedener Reality-Serien, die diejenigen außerhalb von Snowglobe von ihrem bitteren Leben ablenken sollen.

Chobahm hat sich vorgenommen, nach Snoglobe zu gelangen und Regisseurin zu werden. Das ist ihr Traum, während sie Tag für Tag wie alle anderen Bewohnern ihres Dorfes damit verbringt, in einem der menschengroßen Hamsterräder zu laufen, die den Strom produzieren. Sie will ein Leben führen, wie ihr Idol Haeri, eine Schauspielerin mit dem perfekten Leben, der perfekten Familie. Immerhin sehen die beiden sich sogar ähnlich.

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Liz Tomforde: Play Along

Kennedy ist in ihrem Job als Sportmedizinerin für das Chicagoer Baseballteam stets professionell – bis zu einem Ausrutscher: Eines Morgens wacht sie in Las Vegas auf. Mit Erinnerungslücken – und einem Ehering am Finger! Neben ihr liegt ausgerechnet Isaiah, der unverschämt gut aussehende und charmante Spieler, dessen Flirtversuche sie schon lange abwehrt. Um ihren Ruf zu retten, lässt Kennedy sich zähneknirschend auf Isaiahs Vorschlag ein, die Saison über verheiratet zu bleiben. Was sie nicht weiß: Isaiah verfolgt ganz eigene Ziele. Er will seiner Traumfrau endlich beweisen, dass er der Richtige für sie ist. Sie muss nur mitspielen…

Dieses Buch ist der vierte Band der „Windy-City“-Reihe, und ich habe auch die anderen drei („Mile High“, „The Right Move“ und „Caught Up“) verschlungen. Allerdings muss ich sagen, dass mir dieser Teil nicht ganz so gut gefallen hat wie die vorigen. Es passierte mir insgesamt zu wenig Spannendes, und schon bald konnte ich mir denken, wie das Ganze ausgehen würde – auch wenn ich nicht mit allem recht hatte und es doch einige Überraschungen gab. Wenig überraschend war jedoch die Entwicklung, die die anfängliche Fake-Ehe nahm. Weiterlesen

Alicia Sommer: My Idea of No. 14

Die erste Hälfte des Buches konnte mich deutlich weniger überzeugen als die zweite.

Leah Herst will nur eins: die erste weibliche Head Coach der NFL werden. Doch bislang analysiert sie als Trainee bei den L.A. Vipers hauptsächlich Trainingsvideos. Genau dabei entdeckt sie ihn: Sam Ashton, einen der Quarterback-Draft-Picks – Spitzname Mr. Irrelevant. Leah erkennt sein Talent und denselben Drang, sich zu beweisen, der auch sie antreibt. Das bringt sie auf eine Idee: Wenn sie Sam coacht, könnte sein Erfolg auch ihr helfen, ihren großen Traum zu verwirklichen. Doch dann geschieht etwas, das alles aufs Spiel setzt, wofür Leah so hart gearbeitet hat: Der attraktive Sportler erobert langsam ihr Herz. Und würden die beiden entdeckt, könnte Leahs Karriere enden, bevor sie überhaupt begonnen hat … Weiterlesen

Tibor Rode: Animal: Sprich oder stirb

Der Hamburger Rechtsanwalt und Notar Tibor Rode schreibt sehr erfolgreiche True-Science-Thriller. Mit seinem aktuellen Thriller Animal packt er ein Thema an, das bereits das Leben vieler Menschen beeinflusst hat. Noch vor einigen Jahren waren Veganer und Vegetarier Außenseiter und wurden im besten Fall belächelt. Heute hat sich die Ernährungsindustrie auf deren Bedürfnisse eingestellt und verdient damit viel Geld.

Bei der Tierhaltung ist dies nicht so einfach, und darüber handelt unter anderem die Geschichte der Zuchtsau Rosa. Aktivisten haben das Tier in erster Linie aufgrund ihrer Identitätsnummer ausgesucht, die mit den Zahlen 269 endet.

2012 wurde in Israel ein Kalb von Tierschützern vor der Schlachtung gerettet. Bei einer öffentlichen Aktion ließen sich drei Männer die Zahl 269 in ihre Haut brennen. Danach wurden die drei Zahlen zu einem Symbol der Fleischindustrie. Weiterlesen

Yavuz Ekinci: Die, deren Träume zerbrochen sind

Anstelle des Nachwortes ist unter anderem zu lesen: „Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Buches ist der Roman in der Türkei noch immer verboten, und Yavuz Ekinci drohen weiterhin 7 Jahre Haft. (S. 157 eBook)

Sein Roman erzählt die fiktionale Geschichte seines Hauses, seines Dorfes und seines Landes. „Es ist die Geschichte von Menschen, die nach ihren Söhnen, Töchtern, Vätern Ausschau halten … Es ist die Geschichte endlosen Wartens.“ (S. 160 eBook)

Die eigentliche Geschichte des Ich-Erzählers Hewal, einem nach Deutschland ausgewanderten Lehrer, beginnt an dem Tag, als sein jüngster Bruder, ohne ein Wort zu sagen oder zu schreiben, verschwindet. An diesem Tag veränderte sich das Leben der Familie und des Erzählers. Das Warten auf ein Lebenszeichen wird zur Marter, weil schon so viele Menschen für ihren Freiheitskampf gestorben sind. Für Hewals Vater muss es natürlich ein Ventil für seine maßlose Wut und den Verlust eines geliebten Menschen geben, jemanden, der für seine Sorgen verantwortlich ist. Wer wäre da nicht besser geeignet, als der älteste Sohn, der aus Feigheit und Angst den Weg in die Berge nicht gegangen ist. Seit diesem Tag fühlt sich Hewal für Yusufs Verschwinden schuldig. Er fühlt sich mitschuldig, weil bereits so viele aus seinem Umfeld gestorben sind. Auch für ihn sind sie gestorben. Genauso wie der Freund, der ihm zur Flucht verhalf. Weiterlesen

Katharina Herzog: A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe

Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Roman vor der traumhaften Kulisse Cornwalls. Wenn Sie noch nicht dort gewesen sind, macht das Buch auf jeden Fall Lust, mal hinzufahren. Die Charaktere des Buches kann man sich herrlich in dieser Gegend vorstellen. Ein bisschen knurrig, verschroben und schroff, Fremden gegenüber erst einmal abweisend – oder abwartend? -, aber dann entdeckt man durchaus einen herzlichen Menschen unter der rauen Schale.

Diese Erfahrung macht auch Sophie, gefeierte Restaurantkritikerin aus London, die „es vermasselt“ hat. Mit einer echt bösen Kritik über ein neu eröffnetes Restaurant eines berühmten Models, einem harschen Verriss, hat sie im Netz einen Shitstorm ausgelöst, dessen Konsequenzen sie jetzt tragen muss. Harry, ihr Chef bei „Food Network“, der zunächst noch meinte: super! Die Klicks für den Sender gehen durch die Decke, rudert schnell zurück und ändert seine Meinung in „was hast du dir dabei nur gedacht?“ Wenn Sophie das nur noch so genau wüsste! Weiterlesen

P. Djèlí Clark: Die toten Katzen-Assassinen

Willkommen in Tal Abisis, einer Metropole, in der Orient und Okzident aufeinanderstoßen. Hier, an den Ufern eines Flusses, wird gehandelt, gefeiert und gemordet. Hier werden Reichtümer erworben, Missionen ausgesandt und Ambitionen begraben. Und hier, genau hier, leben die Götter.

Eine dieser Gottheiten, Aeril, offeriert ihren Gläubigen eine Art Todesknechtschaft. Wer den Vertrag mit der Göttin unterschreibt und sich für 100 Jahre an sie bindet, wird von den Toten wiedererweckt. Alle Erinnerungen an das frühere Leben werden gelöscht, atmen muss man nicht mehr, und auch Genuss ist – wenn auch eingeschränkt, da man weniger fühlt – weiterhin möglich. Doch es braucht stets mehr von allem: mehr Essen, mehr Alkohol, mehr Drogen, mehr Sex. Weiterlesen

Michael Römling: Die Stadt der Auserwählten

Ein historisch fundierter, fesselnd geschriebener Roman über eine Zeitspanne von weniger als zwei Jahren, in denen die Stadt Münster das wohl willkürlich gewählte Zentrum der sogenannten Wiedertäufer war, eine eigentlich von der Grundeinstellung friedliche religiöse Gemeinschaft, die in Münster „das neue Jerusalem“ errichten wollten, in dem sie das nahende Ende der Welt erwarten wollten. Die Zahl ihrer Anhänger wuchs stetig und bald kam es in der Stadt zu Konflikten, die später nicht mehr gewaltlos waren. Aus Bürgern, die bisher friedlich zusammengelebt und gearbeitet hatten, wurden recht schnell Konkurrenten – im Glauben wie im alltäglichen Leben. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen, zur Belagerung der Stadt durch den Bischof und seine Truppen, zur Verteidigung im Innern.

Das ist das Setting für Michael Römlings neuen Roman. Jakob, Vertrauter der Brüsseler Statthalterin Maria, der Schwester des Kaisers, bekommt von ihr den Auftrag, ein junges adliges Mädchen nach Hause zurückzuholen, das sich – man könnte sagen aus Übermut oder Langeweile – dem wohl charismatischen Anführer der Wiedertäufer angeschlossen hat und mit ihm aus den Niederlanden verschwunden ist. Weiterlesen

Nina George: Die geheime Sehnsucht der Bücher

„Im Prinzip, dachte Francoise, im Prinzip sind Menschen ein Hochhaus mit ganz vielen Klingelschildern. Und dann kommt ein Buch und drückt vielleicht drei oder vier von hundert möglichen Klingeln. Beim mir bimmelt’s im Oberstübchen und bei anderen im siebten, also gehen Bücher durch ganz andere Türen bei Leuten rein und raus, wieso soll ich denen was vom 24. Stock erzählen, wenn die gar nicht wissen, was da los ist?“ Ich finde, Francoise hat recht. Unbedingt.

Nicht jedes Buch kommt bei jedem gleich gut an, löst die gleichen Gefühle aus, lässt die gleichen Bilder im Kopf entstehen. Sie kennen das sicher auch, dass Sie einfach im Moment nicht in Stimmung sind für ein bestimmtes Buch, in ein paar Tagen oder Wochen kann das ganz anders sein. Und eben das ist die Idee hinter der „Pharmacie Littéraire“, die der Buchhändler Jean Perdu auf einer einfachen „péniche“ eingerichtet hat. Eine Apotheke „für alle Gefühle, für die es sonst keine Arzneien gibt. Heimweh zum Beispiel. Er meint, es gäbe da unterschiedliche Arten. Geborgenheitsverlangen, Familiennostalgie, Abschiedsangst oder Liebessehnsucht“. Und das ist nur eins von x-tausend verschiedenen. Weiterlesen