Die Polizistin Eira Sjödin hat sich in ihre Heimat, nach Ådalen, versetzen lassen, um in der Nähe ihrer dementen Mutter zu wohnen. Darüber hinaus wurde sie zum Innendienst verdonnert, damit sie ihre Schwangerschaft so ruhig wie möglich verbringt. Das neue Arbeitsleben im elterlichen Haus fühlt sich für sie wie ein Abstellgleis an. Als sie noch eine Jugendliche war, wollte Eira wie alle anderen weit weg von der Einöde des dörflichen Alltags. Nicht jeder hat es geschafft. Und wer nach Jahren freiwillig zurückkommt, der weckt bei den Dorfbewohnern Neugier. Wie hat sich Eira verändert? Passt die Polizistin noch in die Gemeinschaft?
WeiterlesenHelene Flood: Die Affäre
Ein slow burning Feuerwerk: raffiniert & unheimlich
„Dieses Gefühl, wenn man beschlossen hat, etwas Verbotenes zu tun, ist schön. Schwerelos und schwebend, jetzt kann alles passieren.“ (S. 39)
Helene Floods zweiter Roman „Die Affäre“ ist ein zum Nachdenken anregender, charakterbasierter Thriller. Die Autorin hat mein Gehirn erneut zum Explodieren gebracht. Die Ich-Perspektive und die distanzierte Erzählweise sorgen für anfängliche Irritation, bis plötzlich alles zusammenpasst.
WeiterlesenSibylle Baillon: Wie Spuren am See – Die Erbin
Erster Eindruck
Obwohl ich Kriminalromane lieber lese und schreibe als Liebesromane, hat mich Sibylle Baillons „Wie Spuren am See – Die Erbin“ vom ersten Kapitel an magisch angezogen. Ein sympathisch blumiger Schreibstil offenbart die Gefühle der Protagonistin Isabella, in der sich Leserin und Leser sofort wiederfinden können. So beflügeln ihre Gedanken und die Dialoge die Fantasie, die unweigerlich der Handlung vorauseilt. Gelegentliche Widersprüche zwischen einer aus Gewohnheit vorbestimmten Absicht und der spontan entgegengesetzt getroffenen Entscheidung verführen durch sanfte Ironie zum Schmunzeln.
WeiterlesenNicola Förg: Dunkle Schluchten. Ein Alpen-Krimi.
Kommissarin Irmi Mangold und ihr Kollege und Lebensgefährte Fridtjof Hase verbringen ihren Urlaub am Lago Maggiore. Dort entdecken sie zufällig in einer malerischen Schlucht einen Toten. Es handelt sich um den Restaurator Hannes Vogl aus Oberammergau, der in der Villa eines gewissen Hubertus von Ebersheim arbeitet. Irmi und Fridtjof fühlen sich für den „Verunglückten“ zuständig.
Vogl weist eine Kopfverletzung auf, die von einem Sturz von einer Brücke herrührt, er hat aber auch innere Blutungen, eiternde Gänge und Fisteln ohne einen Entzündungsherd im Körper. Des Rätsels Lösung: Er hat Glasfasern geschluckt, die durch seinen Körper gewandert sind und diese verheerenden Verletzungen angerichtet haben. Auch seine Freundin Antonia, eine Buchbinderin, war in besagter Villa am Lago Maggiore tätig, auch sie stirbt an Glasfasern. Was ist da los? Handelt es sich um Mord? Um grobe Fahrlässigkeit? Weiterlesen
Hayley Morris: Hirn gegen Hayley
„Abends im Bett ist die Stimme besonders laut. Sie hält mich wach, indem sie mir Dinge ins Ohr flüstert, vor denen ich mich am meisten fürchte.“ (S. 11)
Kennst du sie auch?
Die mentale Party-Crasherin, die es liebt, unsere besten Momente zu sabotieren?
Diese nervige innere Stimme, die sich genau dann lautstark meldet, wenn wir sie am allerwenigsten gebrauchen können!
Hayley, „TikToks lustigste Komikerin“ hat ein Buch über sie geschrieben.
Lachen garantiert! Das ultimative Manifest für Zuvieldenker, die nach einem Buch suchen, das sie wirklich versteht. Weiterlesen
Stine Pilgaard: Meine Mutter sagt
Stine Pilgaards Debutroman „Meine Mutter sagt“ erschien in Dänemark unter dem Originaltitel „Min mor siger“ bereits 2012 und machte die junge Autorin zunächst im eigenen Land bekannt. Inzwischen liegt die gelungene deutsche Übersetzung, erschienen im Kanon Verlag, vor und parallel dazu die von Caroline Peters gelesene Hörbuchfassung.
Die Handlung ist schnell erzählt. Die namenlose Ich-Erzählerin wird von ihrer Liebsten unversehens vor die Tür gesetzt. Das bringt verschiedene Probleme mit sich. Am einfachsten ist noch die Wohnungsfrage zu lösen – sie zieht zu ihrem Vater und seiner Frau. Viel schwieriger ist es, mit dem Schmerz, der Wut und der Hilflosigkeit umzugehen. Außerdem sitzt die Masterarbeit in der Warteschleife und die Protagonistin hofft auf eine zündende Idee. Weiterlesen
Thomas Chatwin: Vier Schafe und ein Todesfall
Krimi, der weniger humorvoll ist, als Titel und Klappentext vermuten lassen
Ein ehemaliger Verleger wird erschossen in seinem Garten aufgefunden. Eine Frau wird verdächtigt, den Mann getötet zu haben. Die Familie dieser Frau, wiewohl seit Jahren ohne Kontakt zu ihr, will diesen Verdacht mit allen Mitteln ausräumen. Und in der Tat stehen ihnen fast alle Mittel zur Verfügung, weil jedes Mitglied dieses zahlreichen Clans entsprechende Fähigkeiten oder zumindest Verbindungen besitzt.
Der umfangreiche Clan der Doyles wird in einen Mordfall hineingezogen und mobilisiert all seine Kräfte. Das ist dann in der Länge des Romans viel weniger humorvoll, als Cover, Titel und Klappentext glauben machen wollen. Auch ist das gesamte Szenario mir dann doch zu unrealistisch. Alle ermittelnden Familienmitglieder bekommen ganz unproblematisch alle Auskünfte, die sie suchen, bekommen von allen Befragten die nötigen Antworten. Und die eigentlich und offiziell ermittelnden Beamten lassen sich mehr oder weniger widerspruchslos ins Handwerk pfuschen. Weiterlesen
Andrea De Carlo: Das Traumtheater
Lassen Sie sich von dem lieblichen Titel und dem chillig anmutenden Cover keinesfalls täuschen. In diesem Roman erwartet Sie eine bitterböse, genial überzeichnete Gesellschaftssatire. Die wunderbar schrägen Charaktere sind selten Herr bzw. Frau der Lage. Getrieben von Geltungssucht, Gier, Komplexen und anderen niederen Beweggründen sorgt die Entdeckung eines antiken Theaters unter den ProtagonistInnen für eine Schlammschlacht erster Güte. Denn jeder will die archäologische Sensation für eigene Zwecke nutzen. Trashige Fernsehmoderatoren und großspurige Politiker stehen sich diesbezüglich in nichts nach. Dazu packt der Autor noch jede Menge italienisches Lokalkolorit und lässt die Emotionen in Grandezza-Manier hochkochen. Excellente!
Archäologischer Fund mit ungeahnten Folgen
Die 25-jährige Veronica del Muciaro arbeitet als rasende Reporterin für eine Trash-Sendung im Fernsehen. Als sie in einem Restaurant fast an einem Stück Brioche erstickt, eilt ihr ein gutaussehender Fremder zu Hilfe. Die penetrante Veronica muss den Vorfall sofort auf Social Media ausschlachten und verwickelt ihren Retter in ein Gespräch. In diesem stellt sich heraus, dass der Herr nicht nur ein waschechter Marchese ist, sondern auf seinem adligen Grundstück auch noch ein antikes Theater ausgegraben hat, von dem bislang noch niemand weiß. Weiterlesen
Ute Scheub, Stefan Schwarzer: Aufbäumen gegen die Dürre
Das Buch „Aufbäumen gegen die Dürre“ von Ute Scheub und Stefan Schwarzer schockiert. Wissenschaftlich fundierte Daten und Zahlen lassen einen als Leser fassungslos durch die Seiten blättern. Man hört ständig von den Veränderungen, die der Klimawandel angeblich bringt. Aber dass es schon so schlimm ist … Seit 2018 fällt zum Beispiel in Deutschland wie in vielen Teilen der Erde Jahr für Jahr weniger Niederschlag als im Durchschnitt, verbunden mit heftigen Hitzewellen. Die Temperaturen lagen in Europa in den letzten Trockenjahren im Schnitt 2,8 Grad höher als in den Jahren von 1766 bis 2020.
Nicht eingerechnet ist das Jahr 2022, das zu den sonnenreichsten und heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnung gehört. Europa weist den höchsten Temperaturanstieg aller Kontinente auf. Der trockene Boden wird hart wie Beton und kann Regen, wenn er denn kommt, nicht mehr speichern. Außerdem gibt es immer häufiger Starkregen. Der kann schon gar nicht einsickern. 2018 und 2019 verursachte die Dürre in Deutschland 35 Milliarden Euro Schäden in der Land- und Forstwirtschaft, die Überschwemmungen von 2021 „kosteten“ 40 Milliarden Euro. 2050 werden die Kosten für die Behebung der durch das veränderte Klima entstandenen Schäden auf 280 – 900 Milliarden Euro geschätzt. Was für eine unvorstellbare Summe. Und so geht es dahin. Über Seiten. Weiterlesen
Philipp Oehmke: Schönwald
Der Leiter des New Yorker Spiegel-Büros Philipp Oehmke seziert in seinem Debütroman „Schönwald“ eine Hamburger Familie. Mindestens vier der fünf Schönwalds tragen Geheimnisse, Lebenslügen oder falsche Entscheidungen in der Vergangenheit mit sich herum, die sie belasten und bei denen es ihnen immer schwerer fällt, sie noch länger zu verbergen. Grundproblem der Familienmitglieder ist seit Langem, dass sie nicht miteinander sprechen. Sohn Chris beispielsweise ist schon lange kein Professor mehr, obwohl er als solcher als das leuchtende Aushängeschild der Familie gilt, und Mutter Ruth hat bei einer lange zurückliegenden mehrwöchigen Auszeit in Hamburg nicht nur versucht, eine universitäre Laufbahn einzuschlagen. All das verschweigen sie konsequent. Weiterlesen



