Elizabeth McKenzie: Der Hund des Nordens

Ein turbulenter und schrulliger Unterhaltungsroman, der sich leicht runterlesen lässt – das ist Elizabeth McKenzies „Der Hund des Nordens“. Nicht mehr und nicht weniger.

Penny, die selbst gerade eine Scheidung und einen Jobverlust hinnehmen musste, hilft einigen Verwandten: ihrer unberechenbaren und manchmal fast gemeingefährlichen Oma mitsamt Hausfreund Burt oder auch ihrem 93-jährigen Opa, der mit einer bösartigen neuen Frau zusammenlebt. Insgesamt kommt es alle paar Seiten zu einer neuen Krise, die sie bewältigen muss. Ein gefährlicher Trip in Australien kommt genauso vor wie eine kleine Verliebtheit.

Pluspunkt dieses Romans sind in jedem Fall die exzentrischen Figuren und die sympathische Heldin, der man gerne durch eine turbulente Zeit folgt. Die Handlung allerdings wirkt weit hergeholt und etwas willkürlich zusammengepuzzelt. Sie hat keinen inneren Zusammenhalt. 

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Thomas Ziebula: Evas Rache

Evas Rache ist der vierte und leider auch der letzte Fall des Kriminalhauptkommissars Paul Stainer. Vor ein paar Jahren bekam der Kriegsheimkehrer bei der Leipziger Polizei, der Wächterburg, seine Chance, im Alltag Fuß zu fassen. Er ist einer von den vielen Soldaten, die von den Geschehnissen des Ersten Weltkriegs traumatisiert sind. Und jeder von ihnen muss seinen Platz in einer Gesellschaft finden, die unter der Wirtschaftskrise leidet. Die Inflation zerstört die Reichsmark und ist verantwortlich für die explodierenden Preise.

Recht schnell wird der Außenseiter Paul Stainer befördert, und neue Freundschaften geben ihm besonders nach der Ermordung seiner Frau Halt.

Ohne Widerstand verändern die Nationalsozialisten die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, die auch vor der Wächterburg keinen Halt machen. Kriminelle haben auch 1922 ein leichtes Spiel. In diesem Jahr werden im Raum Leipzig junge Blondinen ermordet, ohne dass Paul Stainer und seine Kollegen eine konkrete Spur zum brutalen Serienmörder finden.

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Richard Schwartz: Die Rovan-Intrige: Die Sax-Chroniken 02

Einst, vor langer, langer Zeit hatte sich die Menschheit ausgehend vom Ursprungsplaneten, der Erde, im All verbreitet, hatte Kolonien gegründet und die Technologie vorangetrieben. Dann erfolgte ein Angriff – keiner weiß, wer damals die Hegemonie attackierte – der die Verbindung der Kolonien zum Heimatplanet unterband. Seitdem hat man vieles vergessen. Technische Errungenschaften gingen verloren, der Lebensstandard fiel rapide, die Kolonialplaneten schafften die Demokratie ab, Diktaturen sprossen aus dem Boden wie Unkraut.

In dieser Welt wuchs sie auf – Sax, eine mittlerweile 19-jährige Frau, die sich zusammen mit ihrem Vormund spezialisiert hatte – sie waren das beste Duo, das die bekannte Welt je gesehen hat – zumindest wenn es darum ging, Leute, die es verdienten, über den Tisch zu ziehen.

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Elke Heidenreich: Altern

Alle wollen alt werden. Niemand will es sein. Ist das nicht absurd?

Heute ist die Sicht auf das Alter nicht mehr ein Warten mehr auf den Tod. Menschen werden nun dank medizinischer und hygienischer Fortschritte immer älter. Andererseits kann dies im negativen Fall natürlich aber auch einen länger zu ertragenden Verfall mit sich bringen.

Elke Heidenreichs Essay über das Alter und das Altern ist sehr persönlich gehalten, indem sie über ihr eigenes Leben nachdenkt. Gleichzeitig verweist sie aber auch auf viele Lebensweisheiten über das Alter(n) von Prominenten oder auch längst Verstorbenen und stellt so weitere Verbindungen zur Literatur- und Kulturgeschichte her.

Im Alter trage man die Konsequenzen für sein gelebtes Leben, sagt die Autorin. Das Gute dabei sei: Man habe alles hinter sich. Das Alter bedeute aber auch, Gelassenheit walten zu lassen. Man müsse alles nicht mehr so ernst nehmen, das meiste sollte man als völlig bedeutungslos betrachten.

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Michela Murgia: Drei Schalen

„Drei Schalen“ ist die letzte der elf Kurzgeschichten im gleichnamigen Band von Michela Murgia.

Alle Geschichten vereint, dass das bislang meist geordnete Leben der jeweiligen Protagonisten eine dramatische Wende erfährt.

Warum es dazu kam, wie die jeweiligen Figuren damit klarkommen, welche Überlegungen und Taten daraus resultieren, in welche Richtungen sich unterschiedliche Lebensentwürfe urplötzlich verändern, davon schreibt Michela Murgia in einer weisen und vor allem direkten, ehrlichen Weitsicht.

Die Protagonisten in den Geschichten stoßen gewissermaßen alle an ihre Grenzen. Es geht um Themen wie Tod, Abschied, Trennung, Krankheit, physische und psychische Belastungen.

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Jo Leevers: In den Augen meiner Mutter

Etwas überfrachtetes Familiendrama um Geheimnisse und Missverständnisse

Wieder einmal ein Roman um die Beziehung von Müttern zu Töchtern, von Kindern zu Eltern, ein Roman um eine Familie voller Probleme, voller Drama.

Der erste Roman, den ich von Jo Leevers gelesen habe, hat mir ausgenommen gut gefallen. Er war gefühlvoll ohne rührselig zu sein, er zeigte einen leisen Humor und die Figuren waren authentisch und sympathisch. Vor allem war er optimistisch und hell.

Leider hat mich dieser neuer Roman dagegen etwas enttäuscht. Er ist eher düster und zäh, die Handlung ist überfrachtet und die Charaktere haben kein Mitempfinden wecken können.

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Heike Specht: Die Frauen der Familie Feuchtwanger

310 eng bedruckte Seiten geballtes Wissen und akribische Recherche über „Die Frauen der Familie Feuchtwanger“, rund 200 Jahre Geschichte der Familie hat Heike Specht in diesem umfangreichen Werk, das sie selbst „eine unerzählte Geschichte“ nennt, aufgearbeitet. Biografisch, aber keine Biografie. Wie gewohnt bestens recherchiert, historisch fundiert und dennoch flüssig zu lesen. Die Faszination für die Familie, von der den meistens wahrscheinlich spontan nur der Name „Lion Feuchtwanger“ etwas sagt, spürt man in jedem Kapitel. Die fundierten Kenntnisse entstammen nicht zuletzt der Tatsache, dass Leben und Wirken von vier Generationen dieser deutsch-jüdischen Familie – wie die Autorin sie beschreibt: ein bisschen bayerische Buddenbrooks, ein bisschen Löwengrube, ein bisschen Shitsel – Thema ihrer Dissertation gewesen sind. Das besondere Augenmerk liegt hier allerdings auf den Frauen, die die Familie über Generationen hinweg geprägt und zusammengehalten haben. Mit Frömmigkeit und Geschäftssinn, Pioniergeist und Wagemut.

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John Scalzi: Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaiju-Monster

Eigentlich wollte Jamie ja in Chicago seine Masterarbeit über SF schreiben, dann entschied er, dass es vielleicht doch geschickter wäre, in New York Karriere zu machen. In einem Start-up für kontaktlose Essens-Auslieferungen will er durchstarten – bis ihn der Boss nach einem halben Jahr zu den Fahrern entsorgt. Mitten während Corona muss er froh sein, wenigstens noch etwas zu verdienen – bis sein Ex-Boss das Unternehmen an Uber verkauft und er auf die Straße gesetzt wird.

Da kommt das Angebot eines entfernten Bekannten gerade rechtzeitig – er soll Sachen schleppen, irgendwo im Nichts, während die Wissenschaftler eine Spezies erforschen und schützen wollen.

Gesagt, getan, nur, dass das irgendwo eine Parallelwelt ist und die schützenswerte Fauna einer Kreuzung zwischen Drachen und Godzilla gleicht …

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Tom Rachman: Die Hochstapler

Auf dem Cover von Tom Rachmans neuestem Werk steht „Roman“, doch eigentlich handelt es sich um eine Sammlung von Erzählungen, die durch eine Rahmenhandlung lose miteinander verbunden sind. Das soll keinesfalls abwertend gemeint sein. Viele dieser Erzählungen sind spannend, einfallsreich und stilistisch gut geschrieben. Doch wer eine stringente, in sich abgeschlossene Handlung erwartet, ist bei diesem Buch falsch.

In besagter Rahmenhandlung versucht eine alternde Schriftstellerin, die an beginnender Demenz leidet – Dora Frenhofer heißt sie -, einen letzten Roman zu verfassen. Die eingestreuten Erzählungen sind das, was sie zuwege bringt.

Immerhin stehen die Figuren, die darin jeweils die Hauptrolle spielen, in irgendeiner Beziehung zur Autorin. Da ist zum Beispiel ihre Tochter Beck. Sie versucht sich erfolglos als Comedian und verliebt sich unglücklich. Oder Amir, der zur Beerdigung seines Vaters in einen islamischen Staat reist und dort grausamst gefoltert wird. Oder Theo, der sich im Urlaub in Indien zwei Reisebekanntschaften anschließt und in die Rettungsaktion eines Ertrinkenden verstrickt wird.

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Irene Diwiak: Die allerletzte Kaiserin

Sie sei die allerletzte Kaiserin von Österreich, beteuert die resolute, wenn auch steinalte Touristin, die eines Tages in dem Gasthaus in den Bergen auftaucht, das den Eltern der Ich-Erzählerin Claudia Hendl gehört. Sie erscheint dort nach ihrem ersten Besuch täglich, sitzt immer am selben Platz, isst jedes Mal dasselbe Menü und irgendwann erzählt sie der Wirtstochter ihre Geschichte. Und die hat es in sich. In ihrem Lebenslauf bildet sich die österreichische Politik und die Sozialgeschichte des gesamten 20. Jahrhunderts ab. Johanna Fialla heißt die Dame, deren Großvater um 1900 in Wien eines der ersten Autohäuser betreibt.

Die Familie wohnt aus diesem Grund an einer der allerersten Adressen der Stadt an der noblen Ringstraße. Die Mutter ist verträumt und hält in ihrem Leben nach einem Ritter Ausschau, wie sie in den von ihr geliebten Romanen vorkommen. Auf einem Ball begegnet sie dem Kellner Johann Witz und folgt ihm in die Besenkammer.

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