Madita Oeming: Porno: Eine unverschämte Analyse

Zum Einstieg sei ein gedankliches Experiment erlaubt: Ein Mensch kommt nach Hause und hat Lust auf ein bestimmtes Essen. Dieser Mensch geht in die Küche und nimmt sich Lieblingszutaten und -gewürze. Irgendwann ist das Essen zubereitet. Der Gaumen freut sich und recht schnell auch der knurrende Magen. Niemand würde in dieser privaten Situation eine Einmischung von fremden Menschen zulassen, die vorschreiben, was wann und wie auf den Teller kommt. Die Frage, warum diese Erlaubnis für den noch intimeren Bereich des Schlafzimmers im Hinblick auf die Akzeptanz von Tabus und Konventionen bereits gegeben worden ist, dürfte hoffentlich irritieren. Warum schenken wir anderen in unserem privaten, intimsten Bereich so viel Einfluss?

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Tijen Onaran: Be Your Own F*cking Hero

Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?

Wer Mut zeigt, eckt an. Mut zu haben, bedeutet auch für mich immer, die Person zu sein, die anders ist: der Alien im Raum.“ (S. 12)

Nachdem ich vor drei Jahren das erste Buch von Tijen „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt“ gelesen hatte und keinen nennenswerten Mehrwert darin erkennen konnte, hat mich ihr neues Buch auf den ersten Blick dennoch sofort in seinen Bann gezogen.

Magisches Rot: die Trendfarbe für den Herbst 2023! Das musste ich haben!

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Jarka Kubsova: Marschlande

Zwei Frauenschicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Bei meinem Eindruck zu diesem Buch bin ich zwiegespalten. Oder vielmehr habe ich zwei Meinungen dazu. Der Stil ist unvergleichlich gut, so wie auch schon im Roman „Bergland“ von Jarka Kubsova, den ich sehr mochte. Ihre Beschreibungen, ihre Darstellung der Gedanken und Gefühle der beiden Protagonistinnen sind wieder gelungen.

Doch wie die Frauen agieren, wie sie empfinden, da fehlt mir der Zugang. Aber auch hier muss man wieder unterscheiden, denn es ist vor allem die in der heutigen Zeit spielende Handlung,  mit der ich nicht klarkam.

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Tyler Whitesides: Das zerbrochene Reich des Ardor Benn

Was habe ich nicht schon alles auf mich genommen – ja, ich, der Meisterdieb, der Mann, der den ganzen gesammelten Hofstaat getäuscht und über den Tisch gezogen hat. Gestatten, Ardor Benn, der Name, Retter der Welt, Zeitreisender und Filou mit einer Vorliebe für süßes Gebäck.

Doch statt, dass man mir eine Statue errichtet, mich lobpreist und mit Gebäck überschüttet, muss ich, da kaum jemand von meinem Meisterwerk von List und Tücke weiß, mein Leben weiterhin im Verborgenen fristen.

Jetzt haben wir auch noch Krieg. Zu verdanken haben wir diesen einem skrupellosen Mann, der die Thronerben kurzerhand meucheln ließ und nun seinen Hintern auf dem unbequemen Thron breitdrückt.

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Gytha Lodge: Sobald ihr mich erkennt

So langsam werde ich richtig warm mit dem Team um Jonah Sheens. Gytha Lodge hat sich einige wenige Protagonisten herausgesucht und ihnen eine Hintergrundgeschichte gegeben, die aber nie überhandnimmt. Da ist Jonah selbst mit dem frisch geborenen Baby, Juliette mit dem stalkenden Ex-Freund und Ben mit dem Missbrauchshintergrund. Der Rest darf unbeschwert ermitteln und bekommt doch durchaus große Rollen. Ich mochte den pragmatischen O’Malley sehr.

In der Silvesternacht wird eine Frau ermordet. Für sie wurde ein Scheiterhaufen errichtet und sie sollte verbrannt werden, allerdings wurde der Holzhaufen zu früh gelöscht, so dass noch Spuren vorhanden sind, unter anderem Blut, das vermutlich dem Täter gehört. Vor drei Monaten gab es bereits einen Frauenmord mit einem Scheiterhaufen, ein Serientäter also. In England ist die Tätersuche in DNA-Datenbanken nicht gerichtsfest, in den USA gehört sie längst zum Ermittlungskanon. Das englische Team holt sich Rat und wird fündig: Jemand hat seine DNA in eine Verwandtensuchdatenbank hochgeladen und der Täter muss mit dieser Person sehr nahe verwandt sein.

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Joachim B. Schmidt: Am Tisch sitzt ein Soldat

Jon Palsson studiert 1967 in Hamburg Medizin. Er stammt von einem abgelegenen Bauernhof in Island. In der beklemmenden Enge seiner Heimat hat ihn nicht viel gehalten, ob Medizin wirklich das Richtige für ihn ist, weiß er aber auch nicht so genau. Er bewohnt mit seiner Freundin Niki eine kleine Wohnung in einem Mietshaus, das dem eleganten und etwas seltsamen Herrn Paul gehört. Eines Tages bekommt Jon ein Fernschreiben aus Island.

Seine Tante Rosa schreibt ihm, dass seine Mutter im Sterben liegt. Er fährt sofort nach Hause. Dort holt ihn die Vergangenheit ein. Auf Steinholt, so der Name des Hofes, und im Dorf hat sich nicht viel verändert. Sogar die deutsche Messerschmitt liegt noch vor dem Haus. Das Flugzeug ist 1942 abgestürzt. Genau zu diesem Zeitpunkt ist auch Jons Vater verschwunden. Er ist zusammen mit dem Bezirkspräsidenten in einem Gletscherfluss ertrunken, als beide Schafe von der Winterweide holen wollten.

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Florian Knöppler: Südfall

Einen besseren Start auf den herbstlichen Büchermarkt kann Florian Klöpplers dritter Roman „Südfall“ gar nicht erwischen. Er wird NDR Buch des Monats Oktober! Ausführlich und medial professionell im Kulturjournal vom 9. Oktober einem breiten Publikum vorgestellt. Der 1966 geborene Autor lebt in Nordfriesland auf einem Hof. In dieser norddeutschen Landschaft hat er die Bühne gefunden, auf der seine Heimatgeschichten spielen. Seine Protagonisten beschäftigen sich, in ihren jeweiligen individuellen Lebenssituationen, mit den Fragen nach einem gelingenden Leben. Ein Leben in Glück und Frieden. Wie kann man das Gute in all dem Schlechten dieser Welt finden?

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Karen M. McManus Special

… oder wie man sich in ein Buch verliebt.

Es gibt Situationen im Leben, da ist man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So war es bei mir, als ich zum ersten Mal auf die Autorin Karen M. McManus stieß. Kurz vor der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung ihres ersten Buches „One Of Us Is Lying“ machte ich gerade ein Praktikum in einem örtlichen Buchladen. Das Tollste an diesem Job: Buchhandlungen bekommen vorab Leseexemplare unveröffentlichter Bücher. Im Fall dieses Ladens wurden sie in einem dunklen, geheimnisvollen Keller gelagert und ich als Praktikantin durfte mir nach Herzensliebe alles aussuchen und für die Buchhändlerinnen lesen. Ein Traumjob für einen Buchjunkie.

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Daniel Silva: Die Fälschung

Schade eigentlich. Ich hatte mich auf den „neuen Daniel Silva“ gefreut.

Zum ersten Mal seit mehr als 20 Bänden bin ich dieses Mal enttäuscht. Klar, in allen bisherigen Thrillern um den begnadeten Kunstrestaurator und gleichzeitigen Agenten des israelischen Geheimdienstes geht es immer wieder auch um Kunst und Kultur. Sei es, dass Gabriel grade einen Alten Meister in einer berühmten Kirche oder einem Museum restauriert und alles stehen und liegen lassen muss, um einen neuen Fall zu übernehmen, oder dass er eben einen Kunstraub bedeutenden Ausmaßes aufklärt. In „Die Fälschung“ allerdings wird man überhäuft von Namen, Galeristen wie Sammlern, zahllosen Titeln von berühmten Gemälden in aller Herren Länder. Das ist dann doch ein bisschen heftig, wenn man nicht grade irgendwie „vom Fach“ ist. Offen gestanden, bin ich gedanklich schon recht bald ausgestiegen. Dennoch habe ich auch „Die Fälschung“ bis zum Ende gelesen.

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Kathrin Schrocke: Weiße Tränen

Der sechzehnjährige Lenni lebt im Schwarzwald. Seine Heimatstadt, das Kant-Gymnasium, der Familienbetrieb seiner Eltern und seine Freunde bestimmen sein Leben. Und dann sind da noch die Lehrer, insbesondere Lennis Lieblingslehrer Prasch, der ihm in den ersten Jahren so geholfen hat.

Lenni hat sich daran gewöhnt, nur auf das Vordergründige zu achten. Witze sind doch nur Witze, oder? Und Unangenehmes hat er gelernt zu ignorieren.

An dem Tag, an dem Benjamin in der Schule auftaucht, bekommt die Fassade der Anständigkeit Risse. Denn Benjamin ist schwarz und reagiert ganz anders, als jeder erwartet. Er ist der erste schwarze Jugendliche im Kant-Gymnasium und fällt nun doppelt auf:

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