Julia Mattera: Wasserballetttage

Wassergymnastik im Seniorenheim – nicht ganz so wie erwartet

Oscar hat eine Karriere als Schwimm-Champion hinter sich. Diese Karriere, die ihm immer wichtiger war als alles andere, ist auch schuld daran, dass ihn erst seine Frau und später auch sein Sohn verlassen hat. So lebt Oscar einsam und gelangweilt ein Leben als Bademeister, als ihn der Ruf seiner Tante ereilt. Er müsse sich sofort um seine Mutter kümmern, die seit kurzem in einem Seniorenheim wohnt.

Dort angekommen, wird Oscar damit überrascht, dass man ihn als Schwimmtrainer, als Fitness-Coach für die Senioren möchte. Er soll sie animieren, den heimeigenen Pool zu nutzen. Geholfen bei dem Plan, ihn herzulocken, hat seiner Mutter nicht nur seine Tante, sondern auch die Köchin des Heims, die gleichzeitig Mieterin seiner Tante ist.

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Stephen Buoro: Andy Africa

Der in Nigeria geborene Autor Stephen Buoro (Jahrgang 1993) lebt in Norwich, UK und hat seinen ersten Roman geschrieben. „Andy Africa“ ist am 12. September 2023 in einer Übersetzung von Volker Oldenburg im Rowohlt Verlag erschienen.

Ein afrikanischer Superheld auf der Suche nach Glück

In Stephen Buoros „Andy Africa“ sucht der fünfzehnjährige Andrew Aziza sein Glück. Andrew bekommt von seiner Mathematiklehrerin Zahrah den Namen „Andy Africa“ verpasst, weil sie findet, dass es ein schöner Name ist und er perfekt zu Andrew passt. Andrew hingegen ist sich da nicht so sicher. Er ist klug, schreibt Gedichte und liebt weiße, blonde Mädchen mit Pferdeschwanz. Andy ist fasziniert von den USA und Europa. Sein Schulkamerad Okey flüchtet nach Spanien und schickt begeisterte Nachrichten von dort. Andy und seine Mutter Gloria sind Christen.

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Kerri Maniscalco: Stalking Jack the Ripper

Jack the Ripper, der 1888 im Londoner East End mindestens fünf Morde verübt hat, bildet die reale Grundschlage für einen historischen Thriller der US-amerikanischen Autorin Kerri Maniscalco. Im englischsprachigen Original schaffte „Stalking Jack the Ripper“ es auf Platz eins der York-Times-Bestsellerliste. Jetzt ist er auch auf Deutsch erschienen.

Audrey Rose Wadsworth, die in einem begüterten Elternhaus aufwächst, hat wenig Spaß an Teegesellschaften oder Stickmustern. Stattdessen geht sie zum Leidwesen ihres Vaters lieber bei ihrem Onkel in die Lehre, einem Gerichtsmediziner. Sie hat keinerlei Skrupel, Leichen aufzuschneiden, Organe zu entnehmen und zu begutachten.

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Nina Blazon: Ich träumte von einer Bestie

Fleur hat wenig Vertrauen in Menschen. Jedes Date wird intensiv nicht nur gegoogelt, sondern das Internet inklusive Darknet wird nach Informationen durchsucht. Sie findet alles. Sie selbst vermeidet es tunlichst, irgendwo als Foto oder gar als Name aufzutauchen. Denn gerade sie weiß: Das Internet vergisst nicht. Das ist ihr Beruf: Das Internet zu durchforsten, Passwörter zu finden, Zugänge von Verstorbenen zu löschen, unliebsame Informationen zu finden und zu eliminieren.

Fleurs leiblicher Vater stirbt in Frankreich. Außer wirklich schlechten Erinnerungen hat er ihr auch ein Haus und einen seit Generationen andauernden Kampf um ein Erbe hinterlassen. Sie macht sich auf den Weg, ihre Vergangenheit zu erkunden und vielleicht endlich damit abschließen zu können.

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David Goggins: Can’t Hurt Me

Du weißt, über dieses Buch ist schon viel geschrieben worden. Gerade deshalb möchte ich angesichts der überschwänglichen Lesebegeisterung anderer meine kritische Perspektive hinzufügen.

Doch starten wir ganz am Anfang.

Schon nach wenigen Zeilen geschah etwas völlig Unerwartetes: Das Buch saugte mich förmlich ein, verschlang mich mit Haut und Haaren. Es verschmolz mit mir, wie ein Strudel, der sich meiner Seele einverleibte. Was für ein grandioser Schreibstil, der nicht nur cool ist, sondern auch emotional tief berührend.

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 Roy Jacobsen: Die Unwürdigen

Leben im besetzten Oslo – bedrückend, voller Abenteuer, lebensgefährlich

Wieder ein furioser Roman des Norwegers. „Die Unwürdigen“ steht seinem Buch „Die Unsichtbaren“ in nichts nach.

Wer macht sich schon bewusst, wie das Leben eines Jugendlichen, einer Heranwachsenden in einer besetzten Stadt gewesen sein muss. Wer weiß, was in den jungen Menschen vorging, die während eines Weltkrieges in einem besetzten Land leben. Besonders, wenn es um Jugendliche geht, die man heutzutage abgehängt nennt, die nicht wissen, wie sie morgen etwas zu essen bekommen, deren Geschwister vor Hunger weinen, deren Mütter müde und abgekämpft, die Väter arbeitslos und ohne Perspektive sind.

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Axel Melzener, Julia Nika Neviandt: Schatten über Colonia

Colonia, Confluentes, Durocortorum, Mogontiacum, Lutetia oder AquaeGranni – sind Sie noch bei mir? Die vielen lateinischen Begriffe, wie hier die Namen einiger Städte, machen es ein bisschen schwierig, diesen sonst echt gut geschriebenen, interessanten und durchaus spannenden historischen Krimi nicht gleich wieder aus der Hand zu legen. Wohl dem, der auf (vielleicht nur) rudimentäre Latein-Kenntnisse aus vergangenen Schulzeiten zurückgreifen kann!

Wer das nicht kann, dem hilft ein umfangreiches Glossar am Ende des Buches. Von „ad bestiam“ – eine schwere Strafe für Verbrechen im römischen Justizsystem, über Cena, Centurio, Cervisia, Dekurionen, Liktoren, Medicus, Ornatrix bis zu pro bono oder Zwölftafelgesetz werden hier wichtige Begriffe, die im Text immer wieder auftauchen erklärt. Das ist zwar ein bisschen lästig, wenn man dauernd nachschlagen muss, aber manche Begriffe erklären sich ja im Zusammenhang auch selbst, andere werden von den Autoren im Nebensatz erklärt – man gewöhnt sich.

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Liv Marie Bahrow: Wellenkinder

Heute: Jans Ehe kann als gescheitert betrachtet werden, trotzdem möchte er Kontakt zu seinem Sohn Conny, verdirbt es aber immer wieder mit anderen Terminen. Dieses Mal ist es ein Anruf aus seiner Heimat Rügen, der ihn von seinem Sohn fernhält. Jans Mutter ist vor 30 Jahren spurlos verschwunden und jetzt scheint es, als habe man die Leiche gefunden. In Rügen angekommen, muss sich Jan um seinen kranken Vater kümmern und um das inzwischen verwahrloste Elternhaus.

1960: Oda flieht mit ihrem Freund Jürgen über die Ostsee aus der DDR, von Anfang an ein wahnwitziger Plan, der schiefgeht. Oda wird gefasst und für Jahre in ein DDR-Gefängnis gesperrt, was mit Jürgen ist, erfährt sie nicht – und das ist vielleicht auch besser so.

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Madita Oeming: Porno: Eine unverschämte Analyse

Zum Einstieg sei ein gedankliches Experiment erlaubt: Ein Mensch kommt nach Hause und hat Lust auf ein bestimmtes Essen. Dieser Mensch geht in die Küche und nimmt sich Lieblingszutaten und -gewürze. Irgendwann ist das Essen zubereitet. Der Gaumen freut sich und recht schnell auch der knurrende Magen. Niemand würde in dieser privaten Situation eine Einmischung von fremden Menschen zulassen, die vorschreiben, was wann und wie auf den Teller kommt. Die Frage, warum diese Erlaubnis für den noch intimeren Bereich des Schlafzimmers im Hinblick auf die Akzeptanz von Tabus und Konventionen bereits gegeben worden ist, dürfte hoffentlich irritieren. Warum schenken wir anderen in unserem privaten, intimsten Bereich so viel Einfluss?

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Tijen Onaran: Be Your Own F*cking Hero

Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?

Wer Mut zeigt, eckt an. Mut zu haben, bedeutet auch für mich immer, die Person zu sein, die anders ist: der Alien im Raum.“ (S. 12)

Nachdem ich vor drei Jahren das erste Buch von Tijen „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt“ gelesen hatte und keinen nennenswerten Mehrwert darin erkennen konnte, hat mich ihr neues Buch auf den ersten Blick dennoch sofort in seinen Bann gezogen.

Magisches Rot: die Trendfarbe für den Herbst 2023! Das musste ich haben!

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