M.W. Craven: Der Botaniker

Wie konnte mir dieser Autor bislang entgehen? Wird jetzt die ganze Reihe noch mal auf Deutsch rauskommen. Ich hoffe sehr, ich will unbedingt miterleben, wie Tilly in das geniale Team kommt.

Vor laufender Kamera stirbt ein Mann. Zuerst vermutet man einen Herzinfarkt, aber er wurde vergiftet. Vorher erhielt er einen Brief mit einer Blüte und einem Gedicht. Die Blüte stammte von der Pflanze, aus der auch das Gift gewonnen wurde. Kann passieren. Ein Politiker erhält ebenfalls einen Brief mit einer Blüte und einer Drohung, wird rund um die Uhr mit großem Aufgebot bewacht und stirbt trotzdem. Sollte nicht passieren. Ein Serienmörder also, der recht schnell den Beinamen „Der Botaniker“ erhält. Das NCA um Stephanie Flynn, Mathilda Bradshaw und Washington Poe wird auf den Fall angesetzt. Für Poe kommt der interessante Fall zur Unzeit, denn gerade wurde ganz woanders in England seine Lieblingspathologin wegen Mordes an ihrem Vater verhaftet. Sie war es nicht, für Poe keine Frage, aber alle Beweise sprechen gegen sie.

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Daniel Schulz: Ich höre keine Sirenen mehr

Sehr persönliche Eindrücke aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine

Daniel Schulz ist ein mehrfach preisgekrönter Journalist der Zeitung taz. Er bereiste wiederholt die Ukraine, schon 2016 und 2018, als er unter anderem für die ukrainische Zeitung Kyiv Post arbeitete und schon damals vom Krieg im Donbass berichtete, als dieser hier noch kaum Aufmerksamkeit fand.

Nachdem im Februar 2022 der Angriffskrieg Russlands begann, reiste der Autor erneut in die Ukraine. Er traf alte und neue Bekannte, beobachtete Freiwillige bei ihrer Arbeit für die Soldaten und die Zivilbevölkerung. Er begleitete Transporte, die mit Medikamenten und Lebensmitteln in die von Russland besetzten Gebiete fuhren, er begab sich in die Orte, die von den Ukrainern zurückerobert worden waren und sah, was dort geschehen und was das mit den Menschen dort gemacht hatte.

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Lynn Cullen: Die Formel der Hoffnung

„Kinderlähmung ist grausam – Schluckimpfung ist süß“ – an diesen Slogan kann ich mich aus meiner Kindheit noch gut erinnern, auch an die Tage, wenn dann die Ärzte vom Gesundheitsamt in die Schule kamen, um die Schülerinnen und Schüler gegen Kinderlähmung und andere Krankheiten zu impfen. Deshalb – unter anderem – hat mich das Thema des Romansgleich interessiert. Lynn Cullen betont, keinesfalls eine Biografie geschrieben haben zu wollen, Daten und Fakten des Lebens von Dr. Dorothy M. Horstmann sind dennoch belegt und nachprüfbar, ebenso wie die Namen der Personen, die im Buch eine Rolle spielen. Sie sind am Ende des Buches noch einmal alphabetisch aufgeführt und kurz skizziert. Und es sind viele Namen, die uns begegnen. Manchmal ein bisschen schwierig, sie alle auseinanderzuhalten und richtig zuzuordnen.

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Christa Anita Brück: Ein Mädchen mit Prokura (1932)

Der Titel beschreibt schon die Ungeheuerlichkeit: Wie kann ein „Mädchen“ in einer Berliner Bank die Prokura haben und dies 1931 während der Bankenkrise? Viele arbeitslose Menschen leiden unter einer großen Not, die Familien hungern. In diesem Zusammenhang ist es fast schon verständlich, wenn die männlichen Angestellten dem unverheirateten Fräulein Thea Iken, fast dreißigjährig, groß, schlank und schön diese Position nicht gönnen.

Thea hatte bis dahin einen harten Weg hinter sich, und auch mit dem anfänglichen Lohn kann sie ihr Leben kaum finanzieren. Um nach ihrem Schwächeanfall nicht als schwächliche Frau angesehen zu werden, gesteht sie zögernd, seit Wochen nichts Warmes mehr gegessen zu haben. (S. 17)

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Theresa Prammer: Schattenriss

Der homosexuelle Privatdetektiv Edgar Brehm und die junge Schauspielschülerin Toni Lorenz ermitteln gemeinsam in Wien. Zwei junge Menschen verschwinden. Julian König und seine Bekannte Anna-Sophie Schill werden als abgängig gemeldet und Edgar soll gemeinsam mit Toni nach Julian suchen. In der Wohnung von Julians Stiefmutter und deren neuen Lebensgefährten trifft Edgar auf Ralph, die Liebe seines Lebens, der ihn aber wegen einer Frau verlassen hat und obendrein jetzt katholischer Priester ist. Ralphs standesamtlich geschlossene Ehe hat nicht lange gehalten und er betreut jetzt eine Pfarre in Wien. Edgar versucht, sich auf die Vorfälle zu konzentrieren.

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Atsuhiro Yoshida: Gute Nacht, Tokio

Der Japaner Atsuhiro Yoshida (Jahrgang 1962) ist Coverdesigner und Schriftsteller. Er entwarf auch das Cover seines am 23. Oktober 2023 bei hanserblau im Carl Hanser Verlag erschienenen Buches „Gute Nacht, Tokio“. Katja Busson hat es aus dem Japanischen übersetzt.

Tokio bei Nacht

In zwölf Episoden erzählt Atsuhiro Yoshida von Menschen in Tokio, die um ein Uhr in der Nacht wach sind, arbeiten oder unterwegs sind. Allen voran Mitsuki Sawatari, eine Requisiteurin beim Film, die für Ihre Regisseure ständig nach Dingen suchen muss, die diese für ihre Filme unbedingt benötigen. In der ersten Episode ist es eine Biwa, die gelbe Frucht der japanischen Wollmispel. Zum Glück sind da Matsui, der nachts Taxi fährt und Koichi, Mitsukis Freund und Krähenexperte, der weiß, wo sie Biwas finden kann. Aber da ist noch jemand, der die Früchte pflückt: Kanako Fuyuki, die bei der Tokioter Telefonseelsorge arbeitet und ihren Bruder Ren sucht. Auch sie benötigt eines Nachts Matsuis Taxi-Dienstleistungen.

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Jennifer Lynn Barnes: The Brothers Hawthorne: The Inheritance Games 04

Eigentlich war es ja eine Trilogie. Eigentlich war die Geschichte ja zu einem Ende gekommen und auserzählt. Jetzt ist doch noch ein vierter Band erschienen und ich war gespannt, ob die Autorin der Story noch mal was Neues abgewinnen kann. Ja, kann sie.

Nachdem Avery am Ende des dritten Bandes das Riesenvermögen der Hawthornes endlich geerbt hatte, hatte sie beschlossen, nur einen Bruchteil (aber wirklich noch genug) zu behalten und mit dem Rest gemeinnützige Arbeit zu leisten. Natürlich erklärt die Welt sie für verrückt, aber das interessiert sie schon lange nicht mehr. Drei Bände lang haben wir die vier Hawthorne-Brüder als Menschen kennengelernt, die anscheinend relativ unbeschadet durch eine harte Schule gegangen sind. In diesem vierten Band lernen wir die Dämonen von Jameson und Grayson kennen. Denn so ganz ohne negative Folgen sind die brutalen Erziehungsmethoden des Großvaters nicht geblieben.

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Ralf Günther: Winterherz

Etwas märchenhafte Geschichte um herzkranke Jungen in einem DDR-Sanatorium

Dieser Roman lässt mich etwas ratlos zurück. Was zuerst einmal daran liegt, dass mir die zeitliche Einordnung fehlt. Nirgends wird angegeben, wann die Handlung spielen soll. Vermutlich trägt sich diese Geschichte in den fünfziger Jahren zu, in der noch jungen DDR. Auch der Schreibstil des in Köln geborenen und heute in Dresden lebenden Autors wirkt wie aus dieser Zeit.

Der 14-jährige Wilhelm kommt kurz vor Weihnachten in das Sanatorium nahe Dresden. Er leidet unter starken Herzschmerzen, hat Schwächeanfälle, doch kein Arzt kann feststellen, was genau ihm fehlt. In der Kurklinik herrscht ein strenges Regiment, die Anordnungen und Regeln sind zahlreich und streng. Wilhelm zieht mit vier anderen Jungen in ein Zimmer und schnell bilden diese Jungen eine Bande, ähnlich wie in den Büchern, die einer von ihnen, Bruno, so gerne liest.

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Kristen Perrin: Steinerne Drachen: Die Geschichtenwandler 02

Enna hat die Magie der Musen freigelassen, um London vor dem Untergang zu retten. Dadurch haben aber alle Musen und Mitglieder der Emerald Ink Society ihre Fähigkeiten verloren und auch wenn es damals die richtige Entscheidung war, suchen sie insgeheim alle nach den verlorenen Resten der Magie.

Zum Glück ist London auch ohne die grüne Magie an jeder Ecke magisch – und das nicht nur im Übertragenen Sinne: Als Enna eines Tages mit ihrer Großmutter auf dem Borough Market herumstromert, zwinkert ihr eine kleine Rauchwolke zu. Oder vielmehr ein kleiner Rauchdrache, wie sie kurz darauf erkennen kann. Nur scheint ihn niemand außer ihr wahrzunehmen!

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Kate Williams: Never Coming Home

Es sollte ein Traumurlaub auf einer einsamen Insel in den Tropen werden. Ein Luxusurlaub der Extra-Klasse, der bereits im Vorfeld medial groß beworben worden ist. Jeder, der etwas auf sich hält und nicht älter als 20 Jahre alt ist, will und muss da hin. Kurz bevor diese besondere Insel im nirgendwo dann tatsächlich für die ersten Gäste freigegeben wird, erfahren zehn Auserwählte von ihrem „Glück“.

Jede, jeder von ihnen agiert in einem anderen Medienbereich und dies sehr erfolgreich. Zumindest scheint es so. Bei der Anreise bringen sie ihre Hoffnungen und Zweifel mit auf die Insel. Einige haben ein ungutes Bauchgefühl und andere konzentrieren sich nur auf ihren Account.

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