Nicole Wellemin: Späte Ernte

Drei Frauenschicksale sind Thema dieses Buches. Schauplatz: Ein Bergbauernhof am Gebirgsmassiv Ritten in Südtirol. Am Tag, an dem er in den Zweiten Weltkrieg einrücken muss, heiratet der Hofnachfolger Elias Lene, die Liebe seines Lebens. Er trägt sie noch über die Schwelle, bevor er zur Sammelstelle gehen und fort muss in den Krieg. Lene bleibt mit der missmutigen, alten Schwiegermutter und der vielen Arbeit allein zurück. Sie schuftet buchstäblich Tag und Nacht. Nur der Gedanke daran, wie schön das Leben werden wird, wenn erst Elias zurückkommt, hält sie aufrecht. Und Elias kommt zurück.

Auf den ersten Blick scheint er unbeschadet. Lene und er werden allerdings keine gemeinsamen Kinder haben können … In der Gegenwart bewirtschaftet Anna den Hof, Lenes Enkeltochter. Denn ja, Lene ist auf eine demütigende Weise doch noch zu einem Baby gekommen. Auch Anna ist allein auf dem Hof. Ihr heißgeliebter Lebensgefährte ist rund um den Globus als Fotograf unterwegs. Anna hat trotz der Höhenlage den Betrieb in eine Apfelplantage umgewandelt und vermarktet sortenreine Spitzenfruchtsäfte.

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Cara Hunter: Murder in the Family

Vor 20 Jahren wurde Luke Ryder erschlagen in seinem Garten in London gefunden. Bis heute ist der Täter nicht bekannt. Ein neues Fernsehformat, die True-Crime-Serie „Infamous“ bringt eine Gruppe von Experten zusammen, um den Fall Life zu lösen. Die Experten waren damals an der Untersuchung beteiligt, oder können aufgrund ihres Wissens neue Hinweise einbringen. Produzent der Sendung ist der Stiefsohn von Luke, der sich seinerzeit im Haus befand. Lukes Frau ist heute dement und kann zur Lösung nicht mehr beitragen.

Der Kriminalfall ist verwickelt und spannend, aber seien wir ehrlich. Auf meinen Tisch hat es das Buch aufgrund seines Aufbaus geschafft. Denn es handelt sich nicht um einen Roman im eigentlichen Sinne, sondern um eine Collage aus Zeitungsberichten, Bildern, Interviews und Telefonnachrichten. Das war anfangs gewöhnungsbedürftig. Vor allem als ich die winzige Schrift in den Zeitungsabdrucken ohne Brille entziffern musste. Dazu werden uns die Protagonisten per Steckbrief vorgestellt, ohne dass man zu einem einzigen davon Bezug hat. Konnte ich mir nicht merken, hat genervt.

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Thomas Harding: Hanns und Rudolf

Interessante Doppelbiografie von Jäger und Gejagtem

Erst bei der Trauerfeier für seinen Großonkel Hanns erfuhr Thomas Harding dessen Geschichte. Erfuhr, was Hanns Alexander während und nach dem zweiten Weltkrieg geleistet und vor allem, wen er verhaftet hatte.

Diese Geschichte des Jägers Hanns Alexander, Jude aus Deutschland, und des Gejagten Rudolf Höss, Leiter des Konzentrationslagers Auschwitz, erzählt der Autor nun in dieser Doppelbiografie.

Doch bevor aus Hanns der Jäger und aus Rudolf der Gejagte wurde, war es umgekehrt. Rudolf Höss, 1901 in Baden-Baden geboren und zeit seines Lebens williger Befehlsempfänger, hatte keine Skrupel, Juden, Andersdenkende und Kriegsgefangene zu jagen, einzusperren, zu quälen und zu töten.

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Helen Frances Paris: Der wunderbare Garten der Mrs P.

Ein herzerwärmender „Feel-good“-Frauenroman: Hier geht es nicht nur um die Liebe zu Pflanzen. Hier geht es um späte Freundschaften, zweite Chancen und darum, wie zwei „unsichtbare Frauen“ über sich selbst hinauswachsen, um wieder sichtbar zu werden. Daneben ist dieser wunderbare Roman durch und durch britisch. Ironische Spitzen finden hier ebenso ihren Platz wie die Liebe zu englischen Gärten und der geradezu heiligen Tea Time. Die Autorin streift etliche Situationen, in denen Frauen ihren Mann stehen müssen. Ob Wechseljahre, Führungspositionen in Männerberufen, lesbische Liebschaften bis hin zu den Verlusten des Lebens.

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Jojo Moyes: Das Haus der Wiederkehr

Altmodischer und ziemlich kitschiger Roman um Frauenfreundschaften

Zwei junge Frauen, die sehr unterschiedlich und dennoch befreundet sind, wollen denselben Mann. Kann ein Roman noch abgedroschener sein?

Ja, kann er. Denn eine der beiden, Lottie, verliebt sich tatsächlich auf den wirklich allerersten Blick in diesen Mann. Sie kennt ihn nicht, weiß nichts über ihn, aber ihre Liebe ist natürlich unsterblich. Doch er ist mit ihrer Freundin Celia, mit der sie zusammen aufgewachsen ist, verlobt. Wie soll es also weitergehen?

Zusätzliche Komplikationen entstehen durch die Bewohner eines ungewöhnlichen Hauses, die von den Einwohnern der Kleinstadt am Meer abgelehnt werden. Denn diese Menschen sind sogenannte Bohemien, Künstler, Freigeister, die sich an kaum eine Regel halten. Und vielleicht gerade deshalb besonders für Lottie, die ihren Freiheitswillen immer unterdrücken muss, von besonderem Interesse.

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Thommie Bayer: Einer fehlt

Thommie Bayer ist ein berechenbarer Erzähler, der weiß, wovon er schreibt. In allen seinen Romanen verwebt er immer einen Teil seiner selbst.

Eigenschaften, Neigungen und berufliche Werdegänge seiner Protagonisten haben oft mit Literatur, Musik, Malerei zu tun. Örtlichkeiten und Wegbeschreibungen, die seine Figuren mit dem Auto zurücklegen, sind real und haben Wiedererkennungswert, was beim Lesen schnell Vertrautheit erzeugt.

In „Einer fehlt“ geht es um eine schon lange währende Freundschaft dreier mittlerweile in die Jahre gekommener Männer. Seit den Siebzigerjahren kennen sie sich. Nicht einmal Carolin, die Frau, in die sie alle verliebt gewesen waren und mit der jeder von den Dreien eine Zeitlang eng befreundet war, konnte die Männer auseinanderbringen. Schubert ist noch immer mit Carolin verheiratet und alle Rivalitäten sind längst beigelegt.

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Anthony Ryan: Der Märtyrer: Der stählerne Bund 02

Ich bin – ja, was bin ich eigentlich? Zu Beginn meiner Karriere, so man denn meinen Werdegang als solches bezeichnen mag, war ich ein Dieb, ein Gelegenheitsmörder, ein Aufschneider und Betrüger.

Dann wurde es besser und gleichzeitig schlimmer.

In den Minen lernte ich nicht nur das Schreiben, sondern auch das Denken. Aus mir wurde ein passabler Schreiber, später dann ein Verkünder von Sihldas Testament. Und ich wurde der Vertraute der Prophetin, ihr Hauptmann in ihrem Heer, der Kompanie des Bundes und ein Krieger – etwas, worauf ich nicht wirklich stolz bin!

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Silvia Moreno-Garcia: Silberne Geister

Verlockend, aber langweilig: Warum „Silberne Geister“ nicht gruselt

„Silberne Geister“ von Silvia Moreno-Garcia lockte mit einem catchy Cover, interessantem Klappentext und fing auch vielversprechend an. Es weckte meine Neugier auf Séancen, Geheimgesellschaften, schwarze Magie und den Fluch eines legendären Horrorfilms – genau die Themen, die mich faszinieren.

Doch leider musste ich das Buch abbrechen und konnte es nur noch überfliegen! Denn mein mangelndes Interesse an den Charakteren und den Umständen der Geschichte raubte mir jegliche Spannung.

Der Roman hat sich für mich langatmig und überladen angefühlt, mit zu viel Erklärungen und uncharmanten Charakteren – wurde „Silberne Geister“ für mich einfach nicht lebendig.

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Craig Schaefer: Stadt der Dämonen

Las Vegas als „Stadt der Dämonen“ zu bezeichnen, hat ja schon mal per se was. Daniel Faust lebt hier. Manchmal als Privatdetektiv, manchmal als Gangster, immer als Magier. Sein neuester Auftrag geht ihm unter die Haut. Ein Großvater bittet ihn, den Mord an seiner Enkelin aufzuklären. Sie kam vom Land in die große Stadt, um ihr Glück zu finden, na ja, man weiß ja, wie das meistens endet. Gestorben ist sie jedenfalls während eines Pornodrehs der härteren Art. Auch wenn der Großvater immer noch das unschuldige Mädchen vor sich sieht, als das sie einst aufbrach, findet Daniel ihren Geist – nur ist der nicht vollständig. Wie kann man jemanden so ermorden, dass der Geist grausam auseinandergerissen erscheint? Und nein, die Leiche war nicht zerstückelt.

Während seiner Ermittlungen stößt Daniel auf Caitlin, eine Dämonin, die durch einen Ring gebändigt und versklavt wurde. Er befreit sie und die Beziehung der beiden dürfte in den nächsten Bänden noch spannend werden.

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Djaili Amadou Amal: Die ungeduldigen Frauen

Munyal, Geduld, ist das allerwichtigste Gebot im Leben der Frauen aus dem Volk der Fulbe im Norden Kameruns. Die Fulbe sind Moslems. Die Polygamie ist weit verbreitet. Frauen werden zwangsverheiratet, sind häuslicher Gewalt ausgesetzt und haben keinerlei Möglichkeiten, ihren Vätern, Onkeln, Ehemännern zu entkommen. Ist der Mann mit seiner Frau unzufrieden, hat sie zu wenig Munyal gezeigt. Schlägt er sie, ist das ihre Schuld, sie hat zu wenig Munyal.

Ein Mann ist der absolute Herr über den Körper und das Leben seiner Frau. Er kann mit ihr machen, was er will. Djaili Amadou Amal wurde selbst mit siebzehn Jahren zwangsverheiratet. Sie weiß, wovon sie schreibt. Das Buch jagt einem eine Gänsehaut über den Rücken. Es geht um Ramla, ihre Halbschwester Hindou und Safira, die erste Frau von Ramlas Ehemann. Ramla hat alles darangesetzt, um bis zum Abitur in die Schule gehen zu dürfen. Sie entspricht allen Erwartungen, begehrt nie auf und hofft, Pharmazie studieren zu können. Dreißig Kinder hat ihr Vater. Ramla ist die gebildetste von allen ihren Schwestern und verlobt mit dem besten Freund ihres Bruders.

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