Wer Hanne Wilhelmsen nicht aus den früheren Bänden der Reihe kennt, dürfte versucht sein, sie als echt unsympathisch und schwierig abzustempeln. Kein Wunder, ist sie doch extrem sarkastisch, kompromisslos und unhöflich zu ihrer Frau und Tochter, zu den beiden gemeinsamen jungen Freunden, die zum Abendessen eingeladen sind. Noch bevor das Essen richtig begonnen hat, ist der Abend zu Ende. Eskaliert wegen Hannes mangelnden Einfühlungsvermögens, ihrer sehr speziellen eigenen Art, mit Leuten umzuspringen, in der Annahme, sich alles erlauben zu können. Diesmal nicht. Nefis, ihre Frau, verlässt gemeinsam mit Tochter Ida noch am selben Abend die gemeinsame Wohnung. Henrik, ein junger Hauptkommissar und Hannes einzig noch verbliebene Verbindung zur Polizei, wie auch Ebba, eine junge Lektorin, sind ebenfalls richtig sauer wegen Hannes Benehmen und gehen. Hanne findet sich alleine in der großen Wohnung wieder.
WeiterlesenKrimi & Thriller
Kat Menschik/Volker Kutscher: Westend
Die Geschichte um den Kriminalkommissar Gereon Rath, der Ende der 20er und während der 30er Jahre in Berlin ermittelte, ist nach dem 10. Band endgültig und noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs zu Ende gewesen. Aber wie hat Gereon, wie hat Charlie, wie haben all die anderen diese Zeit überstanden?
Volker Kutscher lässt das in diesem Band Gereon selber erzählen. Dieser ist inzwischen ein alter Mann. Aber er erinnert sich noch sehr genau, auch wenn er das vor diesem Journalisten mit den vielen Fragen nicht immer zugeben mag. Obwohl es ihn selbst in den Westen verschlagen hatte, hatte er doch so einiges in Ostberlin zu erledigen. Dinge, über die er offenbar nicht gerne spricht. Und Dinge, die ganz grauenhaft schiefgelaufen sind, ob mit oder ohne seine Beteiligung. Denn seine Ex-Frau Charlie hatte sich in Ostberlin ein neues Leben aufgebaut, mit Mann und Sohn. Konnte er sich da wirklich so sehr raushalten wie er behauptet, oder ist er an der Verhaftung ihres Mannes in den 50ern doch beteiligt gewesen? Wie gesagt, er spricht nicht gerne darüber. Weiterlesen
Jill Johnson : Nachtschattengewächse
Stilistisch ist an diesem Roman nicht wirklich etwas auszusetzen, er liest sich recht flüssig, die Beschreibungen sind bildhaft, die Figuren scharf profiliert und das Erzähltempo ziemlich hoch. Dennoch hatte ich Probleme mit der Geschichte, der Plot schien reichlich wirr, die Protagonistin arg überzeichnet und Auflösung sowie Ende nicht so ganz schlüssig.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Ich-Erzählerin Eustacia Amelia Rose, Professorin der Botanik. Momentan ist die Spezialistin für toxische Pflanzen allerdings beurlaubt oder entlassen, das wird nicht so ganz klar, wegen eines Vorfalls im Labor der Universität, für den sie verantwortlich gewesen sein soll. Dieser Vorfall wird immer wieder erwähnt im Laufe der Geschichte, allerdings erst ganz am Ende wird erklärt, was damals geschah.
Wie überhaupt die Handlung durchzogen ist von Andeutungen und Anspielungen auf Vergangenes, was aufgrund der gewählten Ich-Erzählform einigermaßen unrealistisch erscheint, da die Erzählerin die jeweiligen Vorkommnisse, ihre eigenen Erinnerungen und Erlebnisse ja am allerbesten kennt. Weiterlesen
Lia Middleton: Confession Room
Das Internet macht süchtig und es ist meistens ein schlechter Gedanke, dort seine intimsten Geheimnisse auszubreiten. Trotzdem erfreut sich der „Confession Room“ großer Beliebtheit, auch bei Emilia. Seit dem gewaltsamen Tod ihrer Schwester arbeitet sie nicht mehr als Polizistin, aber als im Raum der Mord eines Mannes und einer Frau angekündigt wird, kann sie nicht anders, als zu ermitteln. Nur kommt sie zu spät, denn der Mord ist bereits geschehen.
Der Leser bewegt sich zwischen Emilias Schuldgefühlen, den Mord an ihrer eigenen Schwester nicht verhindert zu haben und ihrem Wunsch, auch als eine Art Wiedergutmachung, weitere Morde zu verhindern. Denn die Geschichte wiederholt sich. Bis es sogar Emilia selbst ist, deren Name als Opfer auftaucht. Aber was kann sie vor wie langer Zeit in diesem Raum gestanden haben, das den Rächer – als solcher sieht sich der Täter selbst – auf den Plan ruft? Weiterlesen
Henri Faber: Locked In
In Heidelberg verschwinden Menschen. Die Hoffnung, sie lebend wiederzusehen, schwindet von Tag zu Tag. Als Kommissar Paul Maertens endlich eine Spur entdeckt, kommt es bei der Festnahme zu einem fatalen Unfall: Der Täter fällt ins Wachkoma – und die Opfer scheinen verloren. Um sie zu retten, bleibt nur eine letzte Chance: Der berühmte Neurologe Linde hat eine Methode entwickelt, mit der er die Gedanken von Komapatienten lesen kann. Gemeinsam dringen sie in das Bewusstsein des Täters ein, um das Versteck der Entführten zu finden.
Henri Faber gelingt es, ein Buch zu schreiben, das durchweg fesselt und interessante Themen aufgreift. Spannungsgeladen fliegt man von Kapitel zu Kapitel und wird immer wieder geschickt auf falsche Fährten geführt.
Kuhl + Sandrock: Bittere Nacht: Juha und Lux vom LKA Hamburg ermitteln
Der zweite Fall für das Hamburger Ermittlerduo Juha – mit finnischen Wurzeln und schon ein bisschen älter als sein Kollege – und Lux, eigentlich Lucas. Nachdem sie vor einiger Zeit gemeinsam sehr erfolgreich waren, sind sie zur Mordkommission des LKA in Hamburg gewechselt und stecken nun gemeinsam in den Ermittlungen zu einem Mordfall, der sie vor eine ganze Menge ungelöster Fragen stellt. An einem sehr frühen Januarmorgen stößt eine Stand-up-Paddlerin im Alsterkanal auf die Leiche eines jungen Mannes. Selbstmord? Unfall? Ein Anwohner meint, dass junge Leute von den Balkonen der Wohnungen am Ufer ins Wasser sprängen, sei nicht besonders ungewöhnlich. Komme immer mal vor, wenn heftig gefeiert werde. Das ist allerdings recht bald auszuschließen, denn in der Wohnung des Toten müssen Juha und Lux gleich den zweiten grausamen Fall verkraften. Weiterlesen
James Alistair Henry: Pagans – Ein Killer, zwei Cops, hunderte Götter
Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Europa das unterentwickelte Armenhaus und Großbritannien der Slum der Welt sind. Der afrikanische und vorderasiatische Kontinent beherrschen Wirtschaft, Kultur und Innovationen, während die britischen Stämme weiterhin getrennt in ihren jeweiligen Stammesgebieten leben.
Erneut hat der Großkönig zu einer Konferenz geladen, auf der er beschließen möchte, dass die Länder der Sachsen, Kelten und Pikten zusammenfinden und zu einer Nation verschmelzen.
In diesem Umfeld geschieht nahe London ein Mord. Ein Angehöriger einer kleinen, unbedeutenden Sekte, deren Mitglieder sich einen Fisch als Erkennungszeichen auf die Haut tätowieren und einen Halbgott verehren, der ans Kreuz geschlagen wurde, wird auf eben diese Weise hingerichtet. An einen uralten Baum genagelt, findet man den Kelten – weit schlimmer noch, es handelt sich bei dem Opfer um einen hochrangigen Diplomaten.
Die sächsische Polizistin Aedith und ihr zur Seite gestellter keltischer Ermittler Drustan nehmen die Untersuchungen auf – und stoßen dabei auf ein Wespennest aus Beziehungen, organisiertem Verbrechen, Sklaverei, Kindesmissbrauch und handfesten wirtschaftlichen Interessen. Von den religiösen Querelen ganz zu schweigen … Weiterlesen
Julia Pauss: Kodiak Echoes: Hide me/Trust me

Brynn ist Computerentwicklerin. Und eine ziemlich gute. So gut, dass sie bei ihrer Arbeit organisiertes Verbrechen aufgedeckt hat und jetzt im Zeugenschutzprogramm ist. Das schickt sie in eine sehr abgelegene Kleinstadt auf Kodiak Island/Alaska. Dort hat die Großstadtpflanze nicht nur mit der Eingewöhnung zu kämpfen, sondern auch mit ihrem abweisenden Nachbarn Archer, dem Wildhüter. Brynn fängt im örtlichen Café an zu arbeiten und wie das in Kleinstädten so ist, erfährt sie sehr schnell, was dort so vorgeht und vorging.
Vor 10 Jahren wurde ein Mädchen erstochen, im Verdacht stand Archers jüngerer Bruder und der ist seitdem verschwunden. Einzig Archer ist noch der Überzeugung, dass er unschuldig ist und das macht ihn zum Außenseiter. Dazu kommt seine Liebe zu der (sehr großen, wörtlich nehmen) Tierwelt der Insel und sein Hass auf die Wilderer, die immer wieder vom Festland kommen. So mancher Einwohner sieht in den Wilderern in erster Linie eine Einnahmequelle in der eher armen Gegend.
So muss Brynn sich nicht nur mit etwaigen Verfolgern auseinandersetzen, sondern überzeugt nach und nach auch ihren kratzbürstigen Nachbarn von ihren Fähigkeiten und von ihrer Nützlichkeit. Trotzdem muss sie die Wahrheit auch vor ihm verbergen und das belastet ihr Verhältnis zunehmend. Weiterlesen
Karen Inge Nielsen: Niemand rettet dich
Ein gelungener Abschluss der Trilogie um Verbrechen im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Gut gezeichnete Charaktere, die uns von Anfang an eben sympathisch oder nicht sind, die sich entsprechend entwickeln im Laufe der Erzählung und uns vertraut werden. Eine Geschichte, die sich als roter Faden durch alle drei Bände zieht und eben im letzten ihren Abschluss, ihre Erklärung findet.
Der dänische Kommissar Mads Lundstrom ist besessen von dem Gedanken, dass sein Vater, ein verantwortungsvoller, guter Polizist, sich vor über zwanzig Jahren nicht selbst das Leben genommen haben kann, wie alle behaupten und wie es in der Akte steht. Mads kann und will das nicht glauben und ist so sehr in die Idee, das auch zu beweisen verbissen, dass er nicht selten seine aktuelle Arbeit als Kriminalkommissar vernachlässigt. Damit macht er sich nicht wirklich Freunde unter den Kollegen. Einzig sein Chef, Per Teglgard, hält ihm mehr oder weniger regelmäßig, wenn auch widerwillig den Rücken frei, wenn er wieder mal einen seiner häufigen Alleingänge durchzieht. Das hat jedoch ein jähes Ende als Per schwer krank in die Klinik eingeliefert wird und ausgerechnet Mads‘ ärgster Widersacher unter den Kollegen zum kommissarischen Nachfolger bestimmt wird. Weiterlesen
Soyoung Park: Snowglobe
Die Menschheit muss sich bei durchschnittlich -40 Grad in einer zugefrorenen Welt zurechtfinden, in der man maximal eine halbe Stunde draußen überleben kann. Einzig in Snowglobe, einer Stadt unter einer gläsernen Kuppel, ist das Wetter gemäßigt und ein normales Leben möglich. Der Preis für dieses Leben ist die Aufgabe sämtlicher Privatsphäre; die dort lebenden Menschen sind alle Teil verschiedener Reality-Serien, die diejenigen außerhalb von Snowglobe von ihrem bitteren Leben ablenken sollen.
Chobahm hat sich vorgenommen, nach Snoglobe zu gelangen und Regisseurin zu werden. Das ist ihr Traum, während sie Tag für Tag wie alle anderen Bewohnern ihres Dorfes damit verbringt, in einem der menschengroßen Hamsterräder zu laufen, die den Strom produzieren. Sie will ein Leben führen, wie ihr Idol Haeri, eine Schauspielerin mit dem perfekten Leben, der perfekten Familie. Immerhin sehen die beiden sich sogar ähnlich.

