Jodi Picoult: Ich wünschte, du wärst hier

Diana hat ihr Leben im Griff. Trotz der Mutter, die ihr Kind immer wieder zu vergessen schien, während sie als Fotografin um die Welt reiste und einen Preis nach dem anderen gewann. Diana arbeitet bei Sotherby’s und es ist ihre Aufgabe, in Frage kommende Bilder zu begutachten, die Todesanzeigen im Auge zu behalten und potentielle Verkäufer zu überreden. Ihr Verlobter Finn arbeitet als Arzt in einem Krankenhaus und da Diana alles plant, weiß sie, dass er sie auf der bevorstehenden Reise um ihre Hand bitten wird.

Wir schreiben den März 2020. Finn bittet sie, alleine zu fahren, da er aufgrund eines neuartigen Virus im Krankenhaus unabkömmlich sei. Kaum ist Diana auf den Galapagos-Inseln angekommen, fällt die Welt in den Lockdown. Sie sitzt fest, mit kaum Handyempfang, ohne WLAN und mit geschlossenen Hotels und Geschäften. Sie lernt Gabriel und seine Teenager-Tochter kennen. Aus Tagen werden Wochen, aus Wochen Monaten. Aus sporadischen E-Mails ihres Freundes Finn erfährt sie, wie dramatisch die Lage in New York inzwischen ist. Ihre Mutter stirbt an Corona im Pflegeheim. Sie lernt, Gabriel zu lieben. Und dann dreht sich die Welt plötzlich weiter.

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Joachim B. Schmidt: In Küstennähe

Larus ist dreiundzwanzig und lebt an der Westküste Islands. Nach mehreren Jobwechsel findet er eine Stelle als Gehilfe des Hausmeisters in einem Seniorenheim. Das ist zwar auch nicht das, was er bis ans Lebensende machen möchte, aber die Anforderungen sind verkraftbar und er bekommt regelmäßig ein Gehalt. Seine Haupteinnahmequelle ist allerdings der Drogenhandel. Er passt höllisch auf, dass er den Stoff nur vertrauenswürdigen Personen verkauft. Selbst hält er sich von gefährlichen Dingen fern.

Nur alkoholtechnisch stürzt er gelegentlich ab. Mit den Mädchen klappt es auch nicht recht. Soffia, Pflegefachkraft im Heim, gefällt ihm zunehmend. Er vergrault sie aber mit seinen lockeren Sprüchen und schließlich bringt sie ein Missverständnis nicht einander näher, sondern separiert sie immer mehr. Weil in Zimmer 37-A ein Heizkörper kaputt ist, kommt Larus in Kontakt mit Grimur, dem Schlächter. Demalten Fischer eilt der Ruf voraus, er habe eine inzestuöse Beziehung mit seiner Halbschwester gehabt und diese bei einer Fahrt auf seinem Boot umgebracht. Grimur ist im Dorf Zeit seines Lebens ein einsamer, in sich gekehrter und wortkarger Außenseiter geblieben, ohne Familie, ohne soziale Kontakte.

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Robert Menasse: Die Erweiterung

Bei meinem letzten Besuch in Wien habe ich eine Sehenswürdigkeit verpasst. Dort gibt es im Kunsthistorischen Museum einen besonderesAusstellungsstück zu bestaunen – den Helm des Skanderbeg. Das auffälligste Element an diesem aus Weißgold gefertigten und mit einem vergoldeten Kupferband und goldenen Rosetten verzierten Helm ist ein auf dem Scheitel aufsitzender gehörnter Ziegenkopf aus vergoldeter Bronze.Diese Figur gilt als Herrschaftssymbol und der Träger des Helmes, Gjergj Kastrioti Skanderbeg, war ein albanischer Fürst, dem es im 15 Jhdt. gelang, die albanischen Fürstentümer gegen die Osmanen zu vereinen. Unter seiner Führung konnten in den nächsten 25 Jahren bzw. bis zum Tode des Fürsten, die Heere des Osmanischen Reiches immer wieder zurückgedrängt werden. Skanderbeg ist der Nationalheld der Albaner.

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Andreas Izquierdo: Labyrinth der Freiheit

Was für ein Roman! Ein Buch zum Verschlingen, zum Eintauchen und die Welt um sich herum vergessen. Der dritte Band der „Wege der Zeit“-Reihe. Den man allerdings, das muss zugegeben werden, nicht gänzlich verstehen kann, wenn man die ersten beiden Bände nicht gelesen hat. Die Zusammenhänge der Geschichte, die Verhältnisse der Figuren zueinander und deren Verhaltensweisen erschließen sich nicht immer, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt. Das galt aber bereits für Band 2 in ähnlicher Weise.

Wir treffen Isi, Artur und Carl wieder, die drei Freunde, die sich bedingungslos und bis zur Selbstaufgabe vertrauen und füreinander einstehen. Und genau dies ist auch lebens- oder vielmehr überlebenswichtig bei den rasanten und gefährlichen Ereignissen, die sich im Roman abspielen. Weiterlesen

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Nadja Niemeyer: Gegenangriff

Stelle Sie sich vor, der übelste Schädling auf der Erde würde kurzerhand ausgerottet. Nicht schlecht, oder? Dumm nur, dass wir Menschen nicht wirklich Freude daran hätten, denn besagter Schädling ist kein anderer als Homo sapiens.

Nachdem im Januar 2034 ein intelligenzförderndes Virus, in einem Labor gezüchtet und durch sorglosen Umgang nach draußen gelangt, der Tierwelt zu erstaunlichen Fähigkeiten verhilft, nimmt der Untergang der Menschheit seinen Lauf. Die nun klugen Tiere erkennen bald, welche Schäden die Menschen auf dem Planeten angerichtet haben und beschließen aus Gründen des Naturschutzes, dem üblen Treiben ein Ende zu bereiten. Sie starten einen Gegenangriff.

Es gibt schon bald erste Anzeichen:Ein Video mit zwei Katzen, die erstaunliche Fähigkeiten zeigen, geht um die Welt, die Kühe eines Biobauernhofes töten zuerst ihren Bauern und ziehen dann geschlossen zum Schlachthof. In der Folge häufen sich verwirrende und erschreckende Beobachtungen von Tieren und ihren Aktionen. Doch die Menschen übersehen das Offensichtliche und keinerahnt, dass damit die Ausrottung der Spezies homo sapiens beginnt. Weiterlesen

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Mohamed Mbougar Sarr: Die geheimste Erinnerung der Menschen

Der senegalesische Schriftsteller Mohamed Mbougar Sarr (Jahrgang 1990) wurde in Dakar, der Hauptstadt Senegals, geboren. Er studierte in Frankreich. 2014 veröffentlichte er seinen ersten Roman. Für seinen vierten Roman „La plus secrète mémoire des hommes“ erhielt er 2021 als erster afrikanischer Autor den Prix Goncourt. Die deutsche Erstausgabe unter dem Titel „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ erschien am 24. November 2022 im Carl Hanser Verlag. Holger Fock und Sabine Müller haben den Roman aus dem Französischen übersetzt.

Darin erzählt Mohamed Mbougar Sarr von dem jungen Senegalesen Diégane Latyr Faye, der in Paris an seiner literaturwissenschaftlichen Doktorarbeit schreibt, aber eigentlich ein erfolgreicher Schriftsteller sein will. Für ihn ist T.C. Elimane, der „schwarze Rimbaud“, Kult.

Zufällig trifft er die senegalesische Schriftstellerin Marème Siga D. und erhält von ihr Elimanes berühmtes Buch aus dem Jahr 1938über einen brutalen König mit dem Titel „Das Labyrinth des Unmenschlichen“. Nach Erscheinen des Buches wurde T.C. Elimane gefeiert und verteufelt. Schließlich verschwand er spurlos. Weiterlesen

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Mary Gaitskill: Veronica

Dieser außergewöhnlich intensive Roman spielt hauptsächlich in Paris und Manhattan, in den verzweifelt glitzernden 1980er Jahren und besticht durch die zeitlose Tiefe und moralische Kraft eines Märchens. Auf jeder Seite dieses metaphorischen Werkes schimmert seine hypnotische Gefühlstiefe und Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen hindurch. Eine stilistische Studie voller Abstraktionen über Freundschaft, Liebe, Schmerz, Krankheit und Ablehnung.

Lang nicht war ich von einem Schreibstil so angetan wie hier – einzigartig wortgewandt, mit unglaublich vielen intelligenten Metaphern und einer bittersüßen Ironie; – geschaffen mit einem sprachlich beeindruckenden Potpourri. Bis zur letzten Seite überrascht uns die Autorin mit ihrer Sprache, die das Buch, zumindest in dieser Hinsicht, zu einem Meisterwerk macht.

Gleichzeitig macht es genau das auch anstrengend, zu lesen. Kurz vor der Hälfte, begann es mich, zu erschöpfen, denn Gaitskills Erzählung steht der Geschichte im Weg. Gibt es eine Geschichte, einen roten Faden? Ich bin mir nicht sicher. Weiterlesen

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T. L. Huchu: Das Hospital von Edinburgh: Edinburgh Nights 02

Willkommen zurück in Edinburgh, der Heimat der 15-jährigen Ropa. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester und der schwer kranken Großmutter lebt sie in einem Wohnwagen in einem der vielen Slums der Stadt. Vielen Anderen um sie herum geht es weit schlimmer als ihr. Immerhin konnte sie bislang ihre Familie über Wasser halten, brachte sie Essen auf den Tisch und konnte die Miete berappen. Sie hatte nämlich einen Job – sie sprach mit den noch nicht weitergereisten Toten und überbrachte, für klingende Münze versteht sich, deren Botschaften. Sie haben die Vergangenheitsform bemerkt? Hatte, wie war einmal?

Dann lernte sie nämlich die magische Gemeinschaft und deren Bibliothek kennen, löste einen Fall um von Magiern entführte und grausam getötete Kinder und bekam einen Bibliotheksausweis – ein menschliches Ohr. In all der Aufregung konnte sie ihrer bisherigen Tätigkeit nicht mehr nachgehen – und die Toten sind nachtragend, sage ich ihnen. Aber auch sowas von beleidigt!

Deswegen steht jetzt der nächste Schritt an – sie hat ein Vorstellungsgespräch. Sie muss schauen, dass sie Geld in die Kasse bekommt. Weiterlesen

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Mechtild Borrmann: Feldpost

Wie ihre anderen Bücher, die ich immer gerne gelesen habe, so ist auch dieser ein historischer Roman, für den Mechtild Borrmann diesmal in Tagebuch-Archiven recherchiert hat. Was sie dort fand und las, inspirierte sie zu diesem eindringlichen Roman.

Auf zwei Zeitebenen und aus mehreren Perspektiven erzählt sie die Geschichte zweier miteinander schicksalhaft verbundener Familien. Zu Beginn begegnen wir am Ende des Jahres 2000 der Anwältin Cara Russo, die in einem Café sitzt und einer fremden Frau erlaubt, an ihrem Tisch Platz zu nehmen. Doch plötzlich verschwindet die Frau, nachdem sie kryptische Bemerkungen über das Verschwinden einer Adele gemacht hatte. Zurück lässt sie eine Aktentasche.

Statt diese Tasche über ein Fundbüro oder ähnliches der Frau zurückzuerstatten, beginnt Cara zu recherchieren. Dies wäre auch einer der wenigen Kritikpunkte, die ich an dem Roman habe, dass ich genau dies nämlich ziemlich unrealistisch finde. Aber sei es drum.

Cara folgt den Spuren der Liebesbriefe, die sich in der Aktentasche befanden und die aus den vierziger Jahren, aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen. Sie führen die Anwältin zu einem Richard Martens, der offensichtlich der Absender der gefundenen Briefe war. Weiterlesen

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Jovana Reisinger: Enjoy Schatz

Jovana Reisinger, Jahrgang ’89, ist Autorin, Filmemacherin und bildende Künstlerin. Ihr künstlerisches Gespür nehme ich in ihrem Essayband „Enjoy Schatz“ sehr deutlich wahr. Eine wahrhaftige Perle abseits der Mainstream-Lektüre!

Autobiographischer Pakt? Autofiktion?

„Werden weibliche Schreibende nicht sowieso mit ihren Figuren verwechselt? Warum sich also die Mühe machen und eine Protagonistin erschaffen, die möglichst weit weg von der Verfasserin ist?“ (Zitat Klappentext)

Perlenlektüre … Lektüre-Perle? It’s so damngood, it’sJovanaesk!

Mich hat es überrascht, wie klug der Text geschrieben ist. Dabei ist alles dennoch so locker, juicy&cute.

Hier geht es nicht nur um die Lust am Begehren, ums Rumkriegen und Rumgekriegtwerden. Weiterlesen

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