Salma El-Wardany: Alles, was wir uns nicht sagen

Drei junge Frauen auf dem Weg zu sich selbst – empathisch, aber auch langatmig und schwülstig

Kees, Malak und Jenna sind seit der Schulzeit befreundet. Die Musliminnen leben in England nicht immer nach den Regeln ihrer Religion. Malak und Kees haben beide weiße Freunde, die sie vor ihren Familien verheimlichen, Jenna lebt ihr Leben freizügig, ohne jedoch gewisse Grenzen zu überschreiten.

Malak liebt Jakob, bricht jedoch mit ihm, weil er kein Moslem ist und sie unbedingt mit einem solchen verheiratet sein will. Sie geht nach Kairo, der Heimat ihrer Familie.

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Banana Yoshimoto: Ein seltsamer Ort

Ein seltsamer Ort. Ein seltsames Buch. Das dürfte sich so manche Leser nach der Lektüre dieser 300 Seiten denken. Selbst die Autorin stellt im Nachwort klar, dass ihr Buch die Leserschaft spalten wird. In diejenigen, die es lieben und diejenigen, die es langweilig finden werden. Im Gegensatz zu anderen literarischen Fantasy-Spektakeln gibt es hier zwar übernatürliche Phänomene – auf Blut, Action oder Plot-Twists aller Art wird allerdings verzichtet. Die Protagonisten gleiten so sachte und unaufgeregt durch die Szenerie wie Wasser durch einen Feng-Shui Brunnen. Statt Schockmomenten warten Momente der Erkenntnis auf die überwiegend weiblichen Figuren. Weshalb Banana Yoshimoto ihr Werk lieber mit dem Label „Psychologischer Horror“ versehen möchte.

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Anthony McCarten: Going Zero

Kaitlyn hat sich in „Going Zero“ von Anthony McCarten auf ein gefährliches „Spiel“ eingelassen. Mit neun anderen Freiwilligen wird sie für 30 Tage gejagt. Vorher haben sich alle Zehn damit einverstanden erklärt, all ihre persönlichen Daten freizugeben. Und wer nach dem Ablauf von 30 Tagen nicht aufgespürt wird, gewinnt drei Millionen Dollar.

Das Spiel heißt Going Zero und bedeutet für die Freiwilligen den vollständigen Verzicht auf das Internet und ein Abtauchen vom normalen Leben, während ein Softwarekonzern mit allen Tricks der Datenanalyse und Überwachungstechniken ihr komplettes Leben ausspioniert.

Die Jagd nach Menschen

wurde in der Vergangenheit schon häufig medial verarbeitet. Mal wurden Verbrecher und Terroristen gejagt, oder die Jagd unterhielt ein großes Publikum. Wer erfolgreich floh, gewann in solchen Fällen seine Freiheit oder eine fette Prämie.

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Maria Borrély: Mistral

Die Natur bestimmt über das Leben in den kleinen Dörfern der Haute Provence und der Mistral gibt den Takt an. Er formt Bäume und Häuser, pfeift durch die Gassen und macht einen verrückt im Kopf. Dieser kalte Wind aus Norden vertreibt die Wolken, lässt Fensterläden schlagen und die Tiere unruhig werden. Die Menschen hier leben von der Landwirtschaft, ihre Tage sind angefüllt mit Arbeit.

Marie ist die älteste Tochter von Nourrine und Costant. Die Leute sagen, dass sie auch ihre liebste Tochter ist, denn sie ist schön und heiter und sie ist sich für keine Arbeit zu schade. Als sie Olivier zum ersten Mal sieht, weitet sich ihre Welt. Eine unbändige Sehnsucht ergreift Besitz von ihr. All ihr Denken und Fühlen ist auf den schönen, kräftigen jungen Mann gerichtet.

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Tonio Schachinger: Echtzeitalter

Till sieht bei der Besichtigung des Wiener Internats Marianum nicht nur die großzügige Anlage, das pompöse Gebäude und die Nebengebäude oder die zahlreichen Sportstätten. Was er ganz bewusst wahrnimmt, sind die Mauern, die das Gelände umschließen. Für die luxusverwöhnten Kinder sind diese Mauern nur Kulisse, für Till bilden sie eine unüberwindbare Grenze, die ihm bis zum Matura die Freiheit nehmen wird. Seine Schulzeit wird eine Gefangenschaft, die viele Ängste erzeugt. Till ist wie alle anderen Klassenkameraden der 1b dem Klassenvorstand Dolinar und seinen Lauen ausgeliefert. Und hierbei spielt es keine Rolle, ob die Eltern reich und einflussreich sind oder über die bescheidenen Mittel seiner alleinerziehenden Mutter verfügen.

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Marie Benedict: Die einzige Frau im Raum

Es gibt Lichtgestalten in der Geschichte, die ihrer Zeit weit voraus sind. Helle Geister, mutige Vorreiter, Menschen mit erweitertem Horizont. Hedy Lamarr war so eine Gestalt. Unter diesem Namen machte sie in Hollywood Karriere und wurde in den 40er Jahren als schönste Frau der Welt gehandelt. Wohingegen wenig über Hedwig Kiesler, die interessantere Frau hinter der Rolle bekannt ist. Über die Erfinderin, die Widerstandskämpferin, das Genie. Hedwig Kiesler hätte vieles sein können. Wenn sie nicht jüdisch und vor allem keine Frau in den 1930er und 1940er Jahren gewesen wäre. Das Problem an Lichtgestalten ist häufig, dass sie zu Zeiten leuchten, in denen ringsum noch Dunkelheit herrscht. Weshalb sie selten ein glückliches Ende finden.

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Sarah Lotz: Ist es Liebe? Nein – es ist … unmöglich

Wer hätte das gedacht? Dieses Buch von Sarah Lotz überrascht und das auf jeder Seite. Wer aufgrund des (leider ziemlich unpassenden) Titels „Ist es Liebe? Nein – es ist … unmöglich“ einen seichten, vorhersehbaren Liebesroman erwartet, wird vielleicht enttäuscht, bekommt dafür aber einen absolut spannenden Roman mit fesselnder Handlung und vielen erstaunlichen Wendungen.

Aus diesem Grund ist es aber fast unmöglich, die Handlung in einer Rezension zusammenzufassen, denn dann würde man genau das spoilern, was diesen Roman ausmacht. Ein Versuch: Bee, ihres Zeichens Schneiderin, die ihr Geld mit dem Umarbeiten ehemaliger Brautkleider verdient, bekommt eines Tages eine fehlgeleitete Mail. Absender ist Nick, ein eher weniger erfolgreicher Krimiautor, der sein Geld vorrangig als Ghostwriter verdient.

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Ali Smith: Gefährten

AliSmith, die 1962 im schottischen Inverness geboren wurde, lebt und arbeitet im englischen Cambridge. 2021 schloss sie mit „Sommer“ ihr hochgelobtes Jahreszeitenquartett ab, das auch hier besprochen wurde. Am 24. Mai 2023 veröffentlichte der Luchterhand Literaturverlag ihr Begleitstück zu dem Quartett unter dem Titel „Gefährten“. Auch hier übersetzte Silvia Morawetz den Text aus dem Englischen.

Darin erhält Sandy nach dreißig Jahren 2021 den Anruf einer Frau, die sich als Martina Pelf geb. Inglis vorstellt. Sie ist eine ehemalige Studienkollegin, an die sich Sandy kaum erinnert. Aufgeregt berichtet Martina ihr von einem Erlebnis am Flughafen, bei dem sie von der Polizei festgehalten wurde. Als Mitarbeiterin eines Museums hatte sie ein mittelalterliches, geschmiedetes Truhenschloss (das Boothby-Schloss) aus einer Wanderausstellung zurück nach England überführt. Während der Wartezeit in einem von außen verschlossenen Raum hört Martina eine Stimme, die „Curlew oder curfew. Du entscheidest“ sagt. Sie fragt Sandy, was das zu bedeuten hat. Und schon wird Sandy neugierig.

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Abdulrazak Gurnah: Die Abtrünnigen

Abdulrazak Gurnah verleiht der Region Sansibar eine literarische Stimme. Wenig ist über die Insel im Osten Afrikas bekannt. Das Schicksal der Nation ähnelt denen vieler afrikanischer Länder. Sklavenhandel, Besetzung durch Kolonialmächte, Revolutionen, Putschversuche und Unruhen nach der Unabhängigkeit von England, Vielvölkergemisch aus Afrikanern, Arabern, Indern, Europäern. Ein Land, das seine Zeit benötigt, um zu sich selbst zu finden. Menschen, die dies ihr Leben lang nicht schaffen. Zerrrissen zwischen Tradition und Moderne, zwischen Selbstverwirklichung und Selbstaufgabe, zwischen Liebe und familiären Erwartungen. In diesem meisterlich geschriebenen Roman zeichnet der Autor die Geschichte des Landes anhand eines Familienschicksal von den 1890er bis 1960er Jahren nach. Im Mittelpunkt steht eine tragische, verbotene Liebe.

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Freya Sampson: Menschen, die wir noch nicht kennen

Wie in ihrem Debütroman „Die letzte Bibliothek der Welt“ finden sich auch im neuen Buch „Menschen, die wir noch nicht kennen“ der englischen Autorin Freya Sampson Menschen zusammen, die alle ihr Päcklein zu tragen haben und durch Freundschaft und gegenseitiges Vertrauen sowohl zueinander wie auch aus ihren Problemen heraus finden.

Das könnte kitschig und rührselig sind, ist es auch an mancher Stelle, doch die mit so feiner Feder und viel verständnisvoller Beobachtungsgabe gezeichneten Figuren machen das wett. Zwar ist auch diesmal, wie im Vorgängerroman, das Ende ein bisschen zu süßlich, aber auch das empfindet man nicht als störend, weil es einfach zum Roman passt.

Auch die Vorhersehbarkeit nimmt man gerne in Kauf bei einer so liebevoll erzählten Geschichte. Protagonistin ist Libby, die von ihrem Freund quasi vor die Tür gesetzt wurde, weil er sich in ihrer Beziehung langweilt. In Ermangelung anderer Optionen schlüpft sie bei ihrer Schwester unter, die sie gleich als kostenlosen Babysitter zwangsverpflichtet. Im 88er Bus trifft Libby auf Frank, einen sehr alten und bereits leicht unter Demenz leidenden Mann, der seit 60 Jahren immer mit diesem Bus fährt, weil er damals dort seine Traumfrau traf, nur um sie unmittelbar danach wieder zu verlieren.

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