Roy Jacobsen: Die Unwürdigen

Leben im besetzten Oslo – bedrückend, voller Abenteuer, lebensgefährlich

Wieder ein furioser Roman des Norwegers. „Die Unwürdigen“ steht seinem Buch „Die Unsichtbaren“ in nichts nach.

Wer macht sich schon bewusst, wie das Leben eines Jugendlichen, einer Heranwachsenden in einer besetzten Stadt gewesen sein muss. Wer weiß, was in den jungen Menschen vorging, die während eines Weltkrieges in einem besetzten Land leben. Besonders, wenn es um Jugendliche geht, die man heutzutage abgehängt nennt, die nicht wissen, wie sie morgen etwas zu essen bekommen, deren Geschwister vor Hunger weinen, deren Mütter müde und abgekämpft, die Väter arbeitslos und ohne Perspektive sind.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Liv Marie Bahrow: Wellenkinder

Heute: Jans Ehe kann als gescheitert betrachtet werden, trotzdem möchte er Kontakt zu seinem Sohn Conny, verdirbt es aber immer wieder mit anderen Terminen. Dieses Mal ist es ein Anruf aus seiner Heimat Rügen, der ihn von seinem Sohn fernhält. Jans Mutter ist vor 30 Jahren spurlos verschwunden und jetzt scheint es, als habe man die Leiche gefunden. In Rügen angekommen, muss sich Jan um seinen kranken Vater kümmern und um das inzwischen verwahrloste Elternhaus.

1960: Oda flieht mit ihrem Freund Jürgen über die Ostsee aus der DDR, von Anfang an ein wahnwitziger Plan, der schiefgeht. Oda wird gefasst und für Jahre in ein DDR-Gefängnis gesperrt, was mit Jürgen ist, erfährt sie nicht – und das ist vielleicht auch besser so.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jarka Kubsova: Marschlande

Zwei Frauenschicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Bei meinem Eindruck zu diesem Buch bin ich zwiegespalten. Oder vielmehr habe ich zwei Meinungen dazu. Der Stil ist unvergleichlich gut, so wie auch schon im Roman „Bergland“ von Jarka Kubsova, den ich sehr mochte. Ihre Beschreibungen, ihre Darstellung der Gedanken und Gefühle der beiden Protagonistinnen sind wieder gelungen.

Doch wie die Frauen agieren, wie sie empfinden, da fehlt mir der Zugang. Aber auch hier muss man wieder unterscheiden, denn es ist vor allem die in der heutigen Zeit spielende Handlung,  mit der ich nicht klarkam.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Joachim B. Schmidt: Am Tisch sitzt ein Soldat

Jon Palsson studiert 1967 in Hamburg Medizin. Er stammt von einem abgelegenen Bauernhof in Island. In der beklemmenden Enge seiner Heimat hat ihn nicht viel gehalten, ob Medizin wirklich das Richtige für ihn ist, weiß er aber auch nicht so genau. Er bewohnt mit seiner Freundin Niki eine kleine Wohnung in einem Mietshaus, das dem eleganten und etwas seltsamen Herrn Paul gehört. Eines Tages bekommt Jon ein Fernschreiben aus Island.

Seine Tante Rosa schreibt ihm, dass seine Mutter im Sterben liegt. Er fährt sofort nach Hause. Dort holt ihn die Vergangenheit ein. Auf Steinholt, so der Name des Hofes, und im Dorf hat sich nicht viel verändert. Sogar die deutsche Messerschmitt liegt noch vor dem Haus. Das Flugzeug ist 1942 abgestürzt. Genau zu diesem Zeitpunkt ist auch Jons Vater verschwunden. Er ist zusammen mit dem Bezirkspräsidenten in einem Gletscherfluss ertrunken, als beide Schafe von der Winterweide holen wollten.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Florian Knöppler: Südfall

Einen besseren Start auf den herbstlichen Büchermarkt kann Florian Klöpplers dritter Roman „Südfall“ gar nicht erwischen. Er wird NDR Buch des Monats Oktober! Ausführlich und medial professionell im Kulturjournal vom 9. Oktober einem breiten Publikum vorgestellt. Der 1966 geborene Autor lebt in Nordfriesland auf einem Hof. In dieser norddeutschen Landschaft hat er die Bühne gefunden, auf der seine Heimatgeschichten spielen. Seine Protagonisten beschäftigen sich, in ihren jeweiligen individuellen Lebenssituationen, mit den Fragen nach einem gelingenden Leben. Ein Leben in Glück und Frieden. Wie kann man das Gute in all dem Schlechten dieser Welt finden?

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Elisabeth Beer: Die Bücherjägerin

Die Suche zweier Menschen nach einem verschollenen Pergamentundnach Verständnis, Vertrauenund Liebe

Eine Protagonistin ganz nach meinem Geschmack, eine spannende und berührende Handlung und ein einfühlsamer Schreibstil – fast alles an diesem Roman ist perfekt.

Worum geht es: Die junge Sarah lebt sehr zurückgezogen in der Villa ihrer verstorbenen Tante. Diese hatte Sarah und ihre Schwester aufgezogen, nachdem deren Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen, als die Mädchen noch sehr klein waren. Sarah hat sehr an ihrer Tante Amalia gehangen und so ist es auch kein Wunder, dass sie den gleichen Beruf ergriff wie diese und deren Arbeit weiterführt. Amalia war Bücherrestauratorin und immer auf der Jagd nach neuen Schätzen, Antiquitäten jeder Art.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alex Schulman: Endstation Malma

Der schwedische Autor Alex Schulman legt mit „Endstation Malma“ einen emotional sehr dichten, inhaltlich aber recht verzwickten Roman vor, in dem es um ein in der Kindheit erlittenes Trauma geht, das über Jahrzehnte bis in die nächste Generation nachwirkt.

Im Mittelpunkt stehen drei Zugfahrten in den fiktiven Ort Malma. Sie finden zu unterschiedlichen Zeiten statt. Zunächst fährt die kleine Harriet als Kind mit ihrem Vater dorthin, viele Jahre später unternimmt sie als erwachsene Frau mit ihrem Mann Oskar die gleiche Reise. Bis zum Schluss des Romans ist nicht klar, zu welchem Zweck das Paar reist, denn seine Ehe ist zu diesem Zeitpunkt längst zerrüttet. Und wiederum viel später fährt ihre Tochter Yana ebenfalls nach Malma, um zu ergründen, was auf der zweiten Reise mit ihren Eltern geschah.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ulla Scheler: Acht Wölfe

Spannend, dramatisch, emotional – ein Highlight des Jahres

Was für ein Roman, was für ein Thriller. Er bescherte mir zwei durchwachte Nächte, weil ich ihn nicht aus der Hand legen konnte.

Dabei, so abwegig die Geschichte im Grunde sein mag, wirkt alles derart realistisch, als wäre man mittendrin in der Handlung. Dass ein solcher Roman von einer jungen deutschen Autorin stammt, ist da schon fast eine Überraschung.

Was geschieht: Acht junge Menschen, darunter vier Deutsche, wollen eine geführte Wanderung durch die unberührte Natur Kanadas machen. Drei Wochen soll die Tour dauern. Der Führer Nick wirkt vertrauenswürdig und erfahren.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Michela Marzano: Falls ich da war, habe ich nichts gesehen

„… und falls ich etwas gesehen habe, erinnere ich mich nicht.“ (S. 28)

Dieser Spruch aus dem ideellen Familienerbe ist der rote Faden im Buch der Autorin und Philosophin Michela Marzano.

Durch Zufall findet sie die Taufurkunde ihres Vaters mit dessen vollständigem Vornamen: Ferruccio Michele Arturo Vittorio Benito. Neben seinem Rufnamen, den Namen von Vater und Großvater und dem des damaligen Königs trägt er auch den Namen von Benito Mussolini. Warum sollten die Großeltern ihren Sohn nach dem faschistischen Diktator benennen? Als sich dann auf Nachfrage im elterlichen Haus das Parteibuch des Großvaters findet, bricht für die Autorin eine Welt zusammen. Sie hatte in dem Glauben gelebt, dass alle Mitglieder der Familie dem Faschismus ablehnend gegenüberstanden und stehen. Gut, ihr Großvater hatte der monarchistischen Partei angehört, aber das war allenfalls ein bisschen peinlich. Nun stellt sie fest, dass er einer der Faschisten der ersten Stunde war und zugleich zu den Squadrista, dem berüchtigten Schlägertrupp Mussolinis, gehörte.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ia Genberg: Die Details

Für „Die Details“ erhielt Ia Genberg den Augustpreis, einen in ihrem Heimatland Schweden bedeutenden Literaturpreis.

Die Autorin zeigt in diesem Roman durch ihre Protagonistin auf, wie wir durch andere Menschen beeinflusst werden, wie wir uns auf andere Personen einstellen, wie wir uns in der Zeit, die wir mit anderen verbringen, durch neue Einflüsse verändern können. Im Handlungsablauf wird deutlich, dass es eben nicht nur die großen, einschneidenden Erlebnisse sind, die unser Leben ausmachen und  prägen, sondern vielfach die Details.

Ia Genbergs namenlose Protagonistin ist bisexuell, was aber eher eine untergeordnete Rolle spielt. Von Malaria geplagt, liegt sie mit Fieberschüben ins Bett gefesselt und hat alle Zeit, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Sie beschäftigt sich mit den Menschen, mit denen sie in großer Liebe verbunden war. Sich zu verlieben kommt einer Tätowierung gleich, konstatiert sie in diesem Zusammenhang über ihre Empathie.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: